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Bevölkerungswachstum geht zurück

26.02.2003

Die UN-Bevölkerungsabteilung hat ihre Prognose für die Zahl der Menschen im Jahr 2050 um 400 Millionen auf 8,9 Milliarden herunter korrigiert, wie Direktor Joseph Chamie am Mittwoch in New York sagte.

Zu den Gründen des Rückgangs des Bevölkerungswachstums gehört leider Aids. Nach den jetztigen Prognosen werden bis zur Mitte des Jahrhunderts 278 Millionen Menschen an der Krankheit sterben.

Hat man sich nicht vielleicht durch das zu hohe Bevölkerungswachstum von wesentlicheren Fragen ablenken lassen? Statt auf Familienplanung zu setzen, hätte man mit Bildungskampagnen mehr erreichen können. Bildung hat nämlich eine doppelte Wirkung: Sie führt mittelfristig zu kleineren Familien, gibt aber auch die Möglichkeit, trotz hoher Bevölkerungsdichte mit beschränkten Ressourcen zurechtzukommen.

Ein weiterer Grund - neben Aids - für das verlangsamte Bevölkerungswachstum ist laut Chamie in der Tat der weltweite Trend zu kleineren Familien. Auch in den meisten unterentwickelten Ländern werde die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bis Mitte des Jahrhunderts unter die Marke von 2,1 fallen. Nur ist es in Ländern wie China leider nicht auf Bildung, sondern auf staatliche Gewalt zurückzuführen.

Chamie zufolge wird die Weltbevölkerung im Jahr 2050 "bedeutend größer, substanziell älter und mehr als heute in den Großstädten der Dritten Welt konzentriert" sein. Dem neuen Bericht der UN-Abteilung zufolge wird Indien zur Mitte des Jahrhunderts mit 1,531 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land sein. Der derzeitige Spitzenreiter China werde mit 1,395 Milliarden an zweiter Stelle liegen. Auf den dritten Rang werden die USA mit dann 409 Millionen Einwohnern (im Vergleich zu derzeit 285 Millionen) aufrücken.

James Morris, der Chef des Welternährungsprogramms (WFP), setzte sich in einer Rede vor dem Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington den Zusammenhang zwischen Hunger und Aids auseinander. Die konventionelle Medizin ist immer noch fixiert auf die Suche nach einem Impfstoff. Dies entspricht nämlich den Interessen der Pharmaindustrie, die in Krankheiten in erster Linie Absatzmöglichkeiten sieht.

Die Realität in den afrikanischen Ländern ist allerdings eine ganz andere. Inzwischen ist es klar geworden, daß eine ausreichende Ernährung wichtig ist, um Abwehrkräfte zu entwickeln und dem Ausbruch der Krankheit vorzubeugen. Es gibt sogar immer mehr Stimmen, die vor einer falschen Diagnose warnen. Immunschwäche hat in Afrika möglicherweise weniger mit Aids als mit Unterernährung zu tun. Dies sollte natürlich nicht davon abhalten, die Übertragungswege zu unterschätzen. Die Mittel, die auf die Impfstoffsuche konzentriert werden, sollten aber lieber in den Kampf gegen den Hunger investiert werden.

James Morris macht auch darauf aufmerksam, daß Aids auch umgekehrt zum Hunger führt, weil es sich negativ auf die Bildung auswirkt. Viele Kinder würden ihre Eltern verlieren, bevor sie selbst alt genug seien, um die Landwirtschaft zu erlernen. Daher sei Hunger eine direkte Folge der Aids-Epidemie. Man hat hier mit einem Teufelskreis zu tun, der das Schreckgespenst einer Überbevölkerung in den Schatten stellt.