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Edmund Stoiber und die Durchrassung des deutschen Volkes

06.02.2002

Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat scharfe Kritik an Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) geübt. Im "Kulturjournal" des NDR, das am 03.02.2002 ausgestrahlt wurde, setzte er Stoiber mit den Rechtspopulisten Jörg Haider und Silvio Berlusconi gleich: "In Gestalt des Kandidaten zeichnet sich etwas ab, was wir in einigen Ländern Europas schon haben. Haider, Berlusconi sind ja nicht ohne Grund regelrecht Freunde von Herrn Stoiber", sagte Grass. Der Schriftsteller machte Stoiber auch für den Rechtsradikalismus in Deutschland mit verantwortlich. "Das Problem sind nicht allein die Skins, die zuschlagen. Das ist schon schlimm genug." Zwar sprächen viele Politiker vom NPD-Verbot, würden aber, "indem sie wie Herr Stoiber vor der Durchrassung des deutschen Volkes warnen, diesem rechtsradikalen Potenzial das Maul reden". Das sei die wahrscheinlich noch größere Gefahr.

Wie tief die Ausländerfeindlichkeit bei der sogenannten christlichen Union sitzt, zeigte sich heute, als Norbert Geis, der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, den von Edmund Stoiber geäußerten Begriff der "durchrassten Gesellschaft" verteidigte. Dem damaligen CSU-Generalsekretär Stoiber sei es bei seiner Äußerung Ende der 80er Jahre darum gegangen, dass Deutschland auch den Deutschen gehören solle, so wie Frankreich den Franzosen und Italien den Italienern, sagte Geis heute im Hessischen Rundfunk. Geis sagte wörtlich in der Sendung "Vorsicht! Friedman": "Warum lasst ihr nicht Deutschland den Deutschen?".

Warum denn? "Deutschland den Deutschen" ist ein Aufruf zur Sexualisierung der Politik. Sexualisierung hier im Sinne von Vergewaltigung und Inzest, vielleicht mit dem Unterschied, daß sie in diesem Fall nicht im Verborgenen, sondern in aller Öffentlichkeit getrieben werden. Stoiber ruft das deutsche Volk zu einem inzestiösen Verhältnis, wenn er vor einer Durchrassung warnt. Und er vergewaltigt die Politik, wenn er ihr Entscheidungen überlassen will, die nur der Einzelne für sich selber treffen kann. Mit wem ich schlafe, hat mit Politik nichts zu tun. Die einzige Aufgabe der Politik gegenüber Einwanderern ist es, sie einzubürgern. Kulturelle und wirtschaftliche Integration - beziehungsweise Bereicherung - liegen dagegen außerhalb ihres Aufgabengebietes.

Edmund Stoiber und sein rassenpolitischer Sprecher Norbert Geis haben unsere heutige Welt noch nicht verstanden. Dabei verstehen sie sich als weltoffene Geister. Frankreich gönnen sie nämlich den Franzosen und Italien den Italienern. Das heißt aber so viel wie Frankreich Jean-Marie Le Pen und Italien Silvio Berlusconi zu gönnen. Das einzig Internationale an Stoiber und Geis ist wohl ihr Rassismus. Das macht ihn nicht schmackhafter.