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Edmund Stoiber und der Bevölkerungsrückgang

31.12.2000

Um einen weiteren Geburtenrückgang in Deutschland zu verhindern, hat der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) die Zahlung eines Familiengeldes vorgeschlagen. Künftig solle allen Familien in Deutschland pro Kind und Monat in den ersten drei Lebensjahren ein Familiengeld einschließlich Kindergeld von 1000 Mark gezahlt werden, sagte Stoiber der "Bild am Sonntag".

Der Geburtenrückgang sei "eine tickende Zeitbombe für alle sozialen Sicherungssysteme und unsere gesamte Wirtschaft". Der Staat müsse ein Umfeld schaffen, in dem sich Familien entfalten könnten. Armut durch Kinder sei heute eine viel größere Gefahr als Altersarmut. Stoiber forderte gleichzeitig eine größere Anerkennung der Erziehungsleistung. Vor allem den Frauen müsse geholfen werden, Beruf und Kindererziehung besser in Einklang zu bringen. Dafür sei auch ein ausreichendes Angebot guter Ganztagsbetreuung in der Schule nötig. Der CSU-Chef kritisierte die Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester (SPD), die in bestimmten Fällen Alleinverdiener bei der Förderung für die private zusätzliche Rentenversicherung gegenüber Familien bevorteile. Dies sei "angesichts der sozialen Unausgewogenheit und unseres Geburtendefizits ein Skandal".

Es ist begrüßenswert, dass Edmund Stoiber die wirtschaftliche Lage der Familien in der Öffentlichkeit zur Sprache bringt. Dabei soll übersehen werden, dass sein Engagement aus technokratisch-demographischen Überlegungen heraus motiviert wird. Aber Stoiber müsste erkennen, dass es für den Staat nahezu unmöglich wäre, die Erziehungsleistung korrekt zu honorieren. Es müßte eine Null hinter die jetzigen staatliche Leistungen angehängt werden, um dies in unserem Erziehungssystem umzusetzen.

Es nützt auch nichts, die Verantwortlichkeit des Wirtschaftslebens groß zur Sprache zu bringen. Aber einen Weg zur größeren Ausgewogenheit könnten die Kräfte des freien Geisteslebens beschreiten, wenn es sich mobilisiert, um die soziale und wirtschaftliche Belastung ökonomisch schwacher Eltern abzumildern. Stoiber erkennt ganz klar die ökonomische Hauptbelastung, nämlich die Schwierigkeit, Kindererziehung und Beruf in Einklang zu bringen. Es soll den Wirtschaftswissenschaftlern überlassen bleiben, die volkswirtschaftlichen Kosten der Erziehung durch Hausmütter auszurechnen, aber der zeitliche Ausfall der Mütter (und eher hypothetisch der Väter) vom Arbeitsmarkt beläuft sich schnell auf eine halbe Generation.

Gibt es eine gesunde Rechtfertigung für diesen Luxus? Wird dem Kind dadurch eine optimale Entwicklung geboten?

Ganztageskindergärten erscheinen den meisten Deutschen als ein Übergriff auf das Kind. Aber wenn hier Erziehungswerte besprochen werden, sei noch eine weitere Fragen erlaubt: Wo ist freiheitliche Erziehung möglich, am Rock der Mutter, oder im Kindergarten, zusammen mit gleichaltrigen Kindern? Die Diskussion um Erziehungswerte ist hiermit keineswegs abgewürgt. Es entspricht dem freien Geistesleben, andere Meinungen weiterleben zu lassen. So sollten Repräsentanten des freien Geisteslebens nicht die sozialen Aspekte bei der Erziehung übersehen, und eine autoritäre Verstellung von Erziehungsform aufrechterhalten, wie die Waldorfkindergärtnerin, die die Aufnahme eines Kindes verweigerte, mit der Begründung, die Aufgabe der alleinerziehenden Mutter sei die Erziehung des Kindes, und nicht die Weiterbildung.

Wie viele Waldorfkindergärten sind nur Halbtags-Kindergärten und erfüllen somit keine sozialen Funktionen außer Erziehung alleine? Wie vielen Kindern wird Waldorfpädagogik vorenthalten, weil diese Praktiken für viele Eltern nicht verkraftbar sind?

Das freie Geistesleben sollte den Politikern und den Eltern seinen Teil der Erziehungslast abnehmen, und Eltern die Möglichkeit geben, sich beruflich, und damit auch geistig, außerhalb der eigenen vier Wände zu entfalten; das wäre ein Schritt in Richtung Dreigliederung, gemacht von einem verantwortlichen Geistesleben.