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Antwort auf den offenen Brief von Heinz Mosmann – und an viele andere

Freies Geistesleben und Verschwörungstheorien

01.11.2015

Übersicht über die Kontroverse Freies Geistesleben und Verschwörungstheorien
zwischen Henning Kullak-Ublick und Heinz Mosmann


Sehr geehrter Herr Mosmann,

Ihr offener Brief bezieht sich auf einen internen Brief, den ich im Juli 2015 an unsere Waldorfkollegien geschickt hatte. Das Ziel, eine Debatte anzuregen, hat er zweifellos erreicht. Durch die virale Verbreitung via Internet hat sich die Diskussion allerdings thematisch stark verengt, so dass sein eigentliches Anliegen bisher allenfalls am Rande berührt wurde. Hätte ich gewusst, dass der Brief binnen weniger Tage online gestellt wird, hätte ich einige Voraussetzungen nicht gemacht, die ich innerhalb unserer „Waldorf-Community“ bisher für selbstverständlich gehalten hatte. Dazu gehört an erster Stelle, dass der Brief nicht als „Weisung“ oder „Maulkorb“ seitens des Bundesvorstandes missverstanden wird, sondern als Ausdruck einer Sorge und als Hinweis auf eine pädagogische Aufgabe, die wir unseren Kollegen mitteilen und zur Diskussion stellen wollten. Ich bin wirklich erstaunt darüber, wie oft ich das nachträglich erklären musste.

Ich nehme Ihren Brief zum Anlass, auch auf einige inhaltliche Aspekte anderer Zuschriften einzugehen, die mich in den letzten Monaten erreicht haben. (Mein ursprüngliches Anliegen, alle einzeln zu beantworten, musste ich aufgeben, weil ich sonst zu nichts anderem mehr gekommen wäre.) Hauptsächlicher Stein des Anstoßes war meine Verwendung des Ausdruckes „Verschwörungstheoretiker“, namentlich mit Bezug auf Ken Jebsen. Bevor ich dazu inhaltlich etwas sage, erlaube ich mir die Vorbemerkung, dass ich beim Verfassen des Briefes nicht ahnte, wie emotional aufgeladen dieses Wort ist. Für mich war es die zusammenfassende Beschreibung von Urteilsmustern, die hinter den öffentlich zugänglichen Informationsquellen und den öffentlichen Handlungsweisen von Politikern prinzipiell verborgene, von langer Hand planende, strategisch manipulative und der öffentlichen Kontrolle entzogene Kräfte am Werk sehen. Inzwischen habe ich gelernt, dass dieses Wort fast ausschließlich als diskriminierender Kampfbegriff verstanden (und oft auch verwendet) wird, was eine diskursive Auseinandersetzung über die hier gemeinten Denkmuster fast unmöglich macht. Aus diesem Grund habe ich mich bei Ken Jebsen für die Verwendung dieses Ausdrucks entschuldigt - ohne dabei allerdings meine damit verbundenen kritischen Fragestellungen zurückzunehmen. Darauf komme ich weiter unten zurück.

Die zweite häufig vorgetragene Kritik, ich hätte Jebsen in die Nähe rechter oder „reichsbürgerlicher“ Ideologien gerückt, nehme ich insofern an, als man den Brief tatsächlich so lesen kann. Gemeint war, dass sich neben Jebsen auch Protagonisten rechter „Politsekten“ an den so genannten „Mahnwachen für den Frieden“ beteiligt hatten und dass diese mangelnde Abgrenzung für einen Aktivisten, der mit einer breiten öffentlichen Wirkung insbesondere ein jugendliches Publikum erreicht, äußerst problematisch ist. Nachdem ich Ken Jebsen Anfang Oktober in einem persönlichen Gespräch kennengelernt habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass er mit rechten oder gar rechtsextremen Strömungen absolut nichts zu tun haben will. An der Fragwürdigkeit solcher gemeinsamer Auftritte ändert das nichts, aber der Brief war an dieser Stelle missverständlich formuliert und die Kritik daher berechtigt.

Doch nun zu Ihrem „Offenen Brief“, sehr geehrter Herr Mosmann. Leider beginnen Sie mit einer Unterstellung - oder Fehlinterpretation -, die für den ganzen weiteren Brief bedeutsam ist. Zum besseren Verständnis zitiere ich zunächst aus meinem Brief:

„... seit einiger Zeit sind in Europa deutliche Tendenzen erkennbar, in längst überwunden geglaubte nationalistische Strukturen zurückzufallen. Diese Entwicklung geht mit einer zunehmenden Skepsis oder Ablehnung der bestehenden politischen Strukturen Europas oder der transatlantischen Beziehungen einher.“

Sie schließen daraus, ich würde die „zunehmende Skepsis“ mit nationalistischen Strukturen oder dem Antiamerikanismus in einen Topf werfen. Dass das nicht gemeint sein kann, geht aber schon aus den beiden unmittelbar folgenden Sätzen hervor:

„Zweifellos ist Skepsis gegenüber intransparenten und in mancher Hinsicht auch nachgerade undemokratischen Entscheidungsprozessen innerhalb Europas angebracht und fordert zu einem verstärkten Engagement der Bürgerinnen und Bürger auf. Mit Blick auf die an unseren Schulen oft zu wenig akzentuierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fragen sind Initiativen von Kollegien, die Kenntnisse und die Urteilsfähigkeit unserer Oberstufenschülerinnen und –schüler auch in dieser Hinsicht zu fördern, sehr zu begrüßen.“

Meine Sorge galt also keineswegs der Skepsis an sich, die ich sogar ausdrücklich als „angebracht“ bezeichnet hatte, sondern um deren „instinktiv-emotionale“ (um Ihren Ausdruck aufzugreifen) Vereinnahmung durch antiamerikanische, nationalistische oder gar rechtsextreme Tendenzen in Europa. Das ist etwas völlig anderes als die pauschale Verurteilung von gesellschaftlichen Protestbewegungen. Es ging um Wachheit gegenüber einfachen Feindbildern, die in Zeiten der Verunsicherung schon immer Hochkonjunktur hatten. Mit Bezug auf unsere Schülerinnen und Schüler ging es darum, sie mit „belastbaren Kenntnissen“ auszurüsten, damit sie sich eigenständig ihre Urteile bilden können. In diesem Zusammenhang warnte ich davor, „unreflektiert irgendwelche Verschwörungstheoretiker“ einzuladen, wobei die Betonung darauf lag, dass das unreflektiert geschieht, also an Stelle eines Gesellschafts- und Wirtschaftskundeunterrichtes, der die Schülerinnen und Schüler zunächst einmal mit dem Wissen ausstattet, wie unsere modernen Gesellschaften funktionieren, einschließlich solcher historischer Errungenschaften wie der Gewaltenteilung usw.

Nun habe ich weiter oben ja bereits etwas zu dem Begriff „Verschwörungstheoretiker“ gesagt, den ich als „terminus technicus“ zwar weiterhin für akzeptabel halte, gleichwohl aber wegen seiner emotionalen Aufladung einstweilen vermeiden werde. In vielen Zuschriften wurde mir erklärt, dass dieses Wort eine Erfindung der CIA sei, mit dem u.a. der tatsächliche Hintergrund des Mordes an John F. Kennedy verschleiert werden sollte. Möglicherweise stimmt das sogar, aber für die Auseinandersetzung mit den Urteilsmustern, von denen hier die Rede ist, spielt das allenfalls insofern eine Rolle, als dieser Verweis auf die CIA oft selbst schon als Teil einer „Beweiskette“ herangezogen wird, die kritische Einwände von vornherein als Teil der Manipulation identifiziert.

Anfang Oktober hatte ich, wie schon erwähnt, Gelegenheit, Ken Jebsen in einem längeren Gespräch persönlich kennenzulernen. Dabei traf ich einen authentischen, von seiner Mission zutiefst überzeugten Menschen, der sich als Teil eines informellen Netzwerkes versteht, das auch persönliche Opfer in Kauf nimmt, um den Sand aus den Augen einer manipulierten Öffentlichkeit zu waschen. In dem Gespräch erfuhr ich viele hochinteressante Fakten, Fragen und Rechercheergebnisse, die jede einzelne für sich weitere Untersuchungen durchaus sinnvoll erscheinen lassen. Trotzdem verstärkte sich im Verlauf des Gespräches immer mehr der Eindruck eines selektiven Wahrnehmungsmusters, das jede neue Information in ein vorab bestehendes System integriert oder für irrelevant erklärt.

Das begegnete mir auch in vielen Zuschriften, indem mir wahlweise „Beweise“ oder unbeantwortete Fragen zugeschickt wurden („Warum stürzte der dritte Turm beim WTC ein?“) – wobei der Umstand, dass die Fragen bisher unzureichend beantwortet wurden, oft bereits als Beweis für die Macht der heimlichen Drahtzieher gewertet werden, denen es gelungen ist, alle belastenden Beweise verschwinden zu lassen. Das Fehlen eines Beweises ist aber kein Beweis, sondern allenfalls Anlass für eine Hypothese. An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen, welches das hier nur Angedeutete unter erkenntnistheoretischen und ontologischen Gesichtspunkten genauer ausführt: Karl Hepfer, „Verschwörungstheorien: Eine philosophische Kritik der Unvernunft“, ISBN-13: 978-3837631029.

Im Übrigen stimme ich Ihnen völlig zu, wenn Sie schreiben: „Beobachtet man die verschlungenen Pfade, die Kapital und Diplomatie in der Welt wandeln, wird manches plausibel, was man zunächst für undenkbar hielt.“ Es ist ja völlig offensichtlich, in welchem Ausmaß die Welt seit „9/11“ und schon vorher irregeführt wurde, begonnen mit dem „embedded journalism“ im Golf-Krieg über Saddam Husseins angebliches Arsenal von Massenvernichtungswaffen, mit dem der Irak-Krieg legitimiert wurde bis zu den (bisher) bekannt gewordenen Aktivitäten der NSA – aber auch der aktuellen Putin´schen Rhetorik, er bekämpfe in Syrien lediglich böse Terroristen. Kurz: Man muss auch heute von vergleichbaren Manipulationen ausgehen. Das fordert einen kritischen und investigativen Journalismus, der sich nicht scheut, Tabuthemen aufzugreifen und dabei auch Theorien abzuwägen, die zunächst weit hergeholt erscheinen – der Watergate-Skandal ist ja ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die von Nixon angezettelte Verschwörung von kritischen Journalisten aufgedeckt wurde und schließlich zum Rücktritt des Präsidenten führte. Es fordert aber auch einen Journalismus, der die kontroversen Standpunkte so gegenüberstellt, dass sich die Leser ein eigenes Urteil bilden können.

Der (Kurz-)Schluss, den zwar nicht Sie, aber viele andere Kritiker meines Briefes ziehen, „das amerikanische Imperium“ (Ganser) trage für fast alles die Verantwortung, was heute auf der Welt schief läuft, ist sehr gefährlich: Erstens, weil sich das verunsicherte Gemüt mit der Markierung des „Feindes“ einer unabhängigen Urteilsbildung allzu leicht enthoben fühlt, zweitens, weil sich, wie in meinem Brief angedeutet, etliche „Politsekten“ genau solcher Feindbilder (Amerika, „die Medien“, Ethnien, Islam oder andere) bedienen und drittens, weil strukturelle Veränderungen der Gesellschaft konstruktive Ideen brauchen, die geeignet sind, den unterschiedlichen Formen des Machtmissbrauchs das Wasser abzugraben.

An dieser Stelle möchte ich auf Rudolf Steiner zu sprechen kommen, der neben allem anderen, was man ihm zuschreibt, von einigen Autoren ja auch als Verschwörungstheoretiker bezeichnet wird. Inhaltlich möchte ich hier nicht darauf eingehen, aber eins sollte klar sein: Steiner hielt sich niemals damit auf, die Gesichter und Wirkmechanismen des „Bösen“ bloß aufzuzeigen, sondern es ging ihm darum, die Menschen individuell und als soziale Gemeinschaft zu befähigen, mit vollem Bewusstsein gestaltend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. In diesem Kontext steht auch seine Kampagne für die „Dreigliederung des sozialen Organismus“, bei der er die strukturellen Funktionsweisen moderner Gesellschaften beschrieb und daraus ordnungspolitische Vorschläge ableitete, mittels derer sich das Geistes-, Wirtschafts- und Rechtsleben entsprechend ihrer Funktionen zum Wohle des Ganzen entwickeln können. Die Freiheit für das Geistes- oder Kulturleben, die demokratische Partizipation am Rechtsleben auf dem Boden der unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen und ein bedarfsorientiertes, assoziativ organsiertes Wirtschaftsleben sind die Eckpfeiler seines zivilgesellschaftlichen Staatsverständnisses. Von 1919 an verlagerte Rudolf Steiner seine diesbezüglichen Anregungen interessanterweise auf die Fähigkeiten, die notwendig sind, um eine moderne Gesellschaft zu organisieren.

Die in dem letzten Absatz zusammengefassten Gesichtspunkte setzte ich ebenfalls als „Basiswissen“ bei den Adressaten meines Briefes voraus und hielt es daher nicht für nötig, einen Begriff wie „freies Geistesleben“ eigens zu erläutern. Natürlich ist nicht das „freie Geistesleben“ an sich ein Einfallstor für Demagogen. Mit dem „vermeintlichen freien Geistesleben“ meinte ich aber die Vermischung oder gar Verwechslung von bloßen Meinungen und Urteilen mit einer klaren, abwägenden Gedankenführung, weil eine solche Vermischung sehr wohl zum Einfallstor von Demagogen werden kann. Im Kontext des Briefes ging es also darum, Thesen, wie sie beispielsweise von Jebsen vertreten werden, darauf abzuklopfen, was daran wirklich auf erhärteten Fakten und was auf spekulativen Zuordnungen beruht. Dazu gehört auch, die Gegenthesen zu überprüfen und das verbale Feuerwerk an Fakten, Thesen, Fragen, assoziativen Nebenbemerkungen und Empörungsgesten, mit dem er seine Botschaften verkündet, nicht bloß zum Anlass für ein gefühltes „Wir-sind-die-Guten“ zu nehmen, sondern auch auf logische Brüche hin zu untersuchen. Und um ein weiteres Missverständnis von vornherein auszuschließen: Ich halte Jebsen nicht für einen Demagogen, wohl aber für getrieben von einer Mission, die für einen kritischen Diskurs zwar interessant ist, diesen aber auf keinen Fall ersetzen kann.

In fast allen Passagen Ihres Briefes, die sich unmittelbar auf pädagogische Fragen beziehen, stimme ich Ihnen übrigens zu und gehe nur deshalb nicht darauf ein, weil meine Antwort sonst kein Ende mehr nimmt. Was die Veranstaltung in Göppingen betrifft, so ging es allerdings, um das noch einmal mit Nachdruck zu sagen, weder um ein „Verbot“ noch um einen „Maulkorb“, sondern um kritische Anmerkungen zu einzelnen Teilnehmern in einem internen Brief. Sie werden sich vielleicht erinnern, dass ich gegenüber der Zeitung, als die mich fragte, was ich denn davon hielte, dass die Schüler die Veranstaltung kurzerhand woanders hin verlegt hätten, antwortete, ich hätte an ihrer Stelle vermutlich das Gleiche getan. Es ging überhaupt nicht darum, sie zu entmündigen, sondern mit Kenntnissen auszustatten, die ihnen erlauben, das Gehörte zu kontextualisieren. Selbstverständlich hat eine Schule die Pflicht, genau hinzuschauen. Sie schreiben zwar, das sei der Fall gewesen – die öffentlichen Verlautbarungen der Göppinger Schule sagten seinerzeit aber das genaue Gegenteil.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch etwas anderes klarstellen: Ihre Vermutung, ich hätte das „freie Geistesleben“ in meinem Brief ohne Verweis auf die „Dreigliederung“ in einen Negativzusammenhang gestellt, um mich „offiziellen Stellen und der öffentlichen Meinung“ anzubiedern, trifft nicht zu und ist übrigens schon wegen des internen Charakters meines Briefes unsinnig. Eine solche Anbiederung wäre mir zuwider. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass mir die öffentliche Wirkung von Texten, Veranstaltungen oder anderen öffentlichen Ausdrucksformen gleichgültig sind. Ich bin ganz im Gegenteil davon überzeugt, dass es zu den vornehmeren Pflichten des anthroposophischen Kulturimpulses gehört, sich der Öffentlichkeit auf eine Weise zu „erklären“, die deren Fragen aufgreift, auf Zeitnotwendigkeiten reagiert und sich auch in Kontroversen exponiert. Das sollte aber kein Akt der Selbstbefriedigung sein.

Am Ende dieses Versuchs einer Antwort möchte ich noch einmal das Ende unseres Briefes zitieren, der dessen Anliegen wie folgt zusammenfasst: „Insofern möchten wir auch am Ende dieses Briefes noch einmal auf die Notwendigkeit eines qualifizierten Gesellschafts- und Wirtschaftsunterrichtes hinweisen, der die Schülerinnen und Schüler befähigt, sich auf der Grundlage belastbarer Kenntnisse bewusst mit der Zeit, in der sie leben, auseinanderzusetzen.“ Es wäre zu begrüßen, wenn die Debatte sich endlich dieser eigentlichen Frage zuwenden würde.

Mit kollegialen Grüßen, Ihr Henning Kullak-Ublick, 2. November 2015

PS: Ich habe mich in meiner Antwort bemüht, aus der Vielzahl von Zuschriften, die ich bekommen habe, einige wesentliche Aspekte herauszuziehen. Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass eine für mich bestürzend große Zahl von Zuschriften auf einem Niveau geschrieben wurden, das meine Besorgnis eher noch hat steigen lassen. Ich weiß jetzt nicht nur, dass ich der „Teufel aus dem Dreikönigsspiel“ bin, dazu „vollkommen Ich-los“ und eigentlich gar nicht Ken Jebsen gemeint habe, sondern in Wirklichkeit Rudolf Steiner verraten wollte. Über die persönliche Betroffenheit hinaus machen mich aber vor allem die Zuschriften nachdenklich, die jede diskursive Debatte hinter sich zurückgelassen haben. Die Heftigkeit, mit der hier „zurückgeschossen“ wurde, hatte nicht selten sektiererische Züge.

Da in den Monaten, seit ich den Brief geschrieben habe, kein Tag vergangen ist, an dem ich mich nicht damit befassen musste, werde ich von weiteren Erklärungsversuchen absehen.

Gerne arbeite ich an Ideen mit, wie wir an unseren Schulen einen zeitgemäßen Gesellschafts- und Wirtschaftskundeunterricht voranbringen können. Diesen Teil Ihres Briefes habe ich etwas stiefmütterlich behandelt, hoffe aber, dass wir darüber in einen kollegialen Austausch kommen können. In diesem Kontext möchte ich schon einmal auf die beiden Bücher Ihres Sohnes Johannes Mosmann verweisen, die dafür eine, wie ich finde, ausgezeichnete Grundlage bilden:

Johannes Mosmann: Rudolf Steiner: Was ist eine freie Schule? (2015)
Johannes Mosmann: Sind Waldorfschulen Weltanschauungsschulen? Die Wirtschaft in den Lehrplanempfehlungen Rudolf Steiners (2013)


Übersicht über die Kontroverse zwischen Henning Kullak-Ublick und Heinz Mosmann