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Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand

01.04.2011

Die Trennung der Staatsform von der ethnischen und religiösen Verfasstheit seiner Bürger ist ein Kernanliegen des Dreigliederungsgedankens. Dies impliziert die Realität eines multiethnischen wie auch multireligiösen Staates. Wird eine Bevölkerungsgruppe nur aufgrund ihrer ethnischen Wurzeln oder religiösen Ausrichtung öffentlich, massiv und pauschal diffamierend abgewertet, zeigen diese Tendenzen den reaktionären Charakter einer zukunftsfeindlichen Haltung. Dies erfordert die eindringliche Gegenwehr all derer, für die das Individuum im Fokus der Betrachtung steht, und es ist vollständig nebensächlich ob man sich mit den Angegriffenen identifiziert, ihre Überzeugungen teilt oder eine geistig, religiös oder weltanschaulich gegensätzliche Position einnimmt.

Seit geraumer Zeit erleben wir die, gemessen an den Verkaufszahlen des Buches von Sarrazin, leider sehr erfolgreiche Polemik gegen Menschen mit türkischen und arabischen Wurzeln.

Der Grundduktus Thilo Sarrazins rekurriert ja bekanntermaßen in seinen populärsten Thesen zu Integration und Zuwanderung auf ein ethnisches Deutschtum, dessen Existenz durch genetisch minderbemittelte Zuwanderer gefährdet ist. Hierzu bedient er sich statistischen Materials von dem er behauptet, dass sie noch von keinem bestritten worden sind. Neben seinem widerlichen Unterschichtenbashing ist dieser biologistische Rassismus das gefährlichste Produkt, da er sich auf vermeintlich objektive Fakten stützt, die dem Bauchgefühl eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung entspricht.

Mittlerweile hat eine Forschergruppe an der Humboldt Universität Berlin diese „Fakten“ analysiert und einen Großteil davon widerlegt (Download der Studie hier). So hat etwa die Tatsache, das türkischstämmige Kinder vergleichsweise wenig ein Gymnasium besuchen, Gründe in deren sozioökonomischem Status und ist nicht auf die Religion zurückzuführen.

Sarrazins Behauptung, dass in Berlin „20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1.000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen“ konnte schon mit einer simplen Anfrage beim Berliner Polizeipräsidenten ad absurdum geführt werden. Es waren ganze 8,7 %. Der „Polizeipräsident fügt hinzu : „Diese zitierte Aussage von Hr. Sarrazin ist weder bei enger Auslegung der Nationalitäten noch bei weiterer Auslegung der Staatszugehörigkeit mit Zahlen der offiziellen PKS oder den geschäftsstatistischen Erhebungen zu Personen in Täterorientierten Ermittlungsprogrammen zu belegen“.

Insgesamt kann die Studie sagen, dass das öffentliche Bild der Muslime in Deutschland „nicht dem Sachstand der tatsächlich messbaren Integrationserfolge, wie sie von namhaften Forschungseinrichtungen und -institutionen wie etwa dem BAMF, dem SVR oder von Allensbach erhoben und erforscht werden“ entspricht.

Es ist wichtig den schwadronierenden Behauptungen Sarrazins nicht nur politische und ethische Argumente entgegenzusetzen. Bei einer in weiten Teilen durch die andauernde globale Finanzkrise, ein weiterhin entfesseltes Kapital, gesellschaftlich kulturelle Orientierungslosigkeit und soziale Abstiegstraumata verängstigten Bevölkerung wird es bedeutsam sein die Sarrazinschen „Fakten“ durch nüchterne Sachlichkeit als das zu entlarven, was sie sind: als „objektive statistische Wahrheiten“ maskierte rassistische Abwehrreaktionen eines rückständigen Geistes. Die Studie der Humboldt Universität ist dafür ein wichtiger Baustein.

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