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Reinkarnation

Definition der Reinkarnation

Reinkarnation meint die Tatsache, dass der Mensch mehrere Erdenleben durchmacht. Bestimmte Religionen beziehen es auch auf Tiere und Pflanzen. Bei der Anthroposophie gilt dies für Tiere und Pflanzen nicht als Individuen, sondern nur als Arten. Eine individuelle Reinkarnation gibt es demnach nur beim Menschen. In Indien, aber auch in anderen Ländern, ist der Gedanke der Reinkarnation sehr präsent, hat aber meistens einen negativen Beigeschmack. Dort stellt man sich eher die Frage, wie man die Reinkarnation los werden könnte, um wieder ein geistigeres Leben führen zu können. Dabei wird die Notwendigkeit, seine Individualität zu erhalten und darauf aubzubauen, nicht immer berücksichtigt. Im Westen herrschen Religionen, die den Gedanken der Reinkarnation mehr oder weniger ausgerottet haben und erst dadurch dem Materialismus zum Siegeszug verholfen haben. Der positive Aspekt davon ist der weit stärker entwickelte Sinn für individuelle Freiheit. Richtig individuell wird aber der Mensch erst, wenn er trotz gesteigerter Individualität wieder Zugang zu allen seinen Erdenleben findet, weil dies ihn vor der Vereinnahmung durch ein bestimmtes Volk oder ein bestimmtes Geschlecht schützen kann.

Reinkarnation und soziale Frage

Besonders interessant an der Idee der Reinkarnation ist nämlich die anthroposophische Vorstellung, daß der Mensch verschiedene Völker durchmacht und durchmachen wird. Er hat daher seine eigene Geschichte und läßt sich nicht auf das Volk reduzieren, wo er vielleicht gerade hineingeboren ist. Meine persönliche Geschichte ist nicht die eines Volkes, sondern die Menschheitsgeschichte. Sie gehört am Anfang der Erziehung und nicht irgendwelche nationale Geschichte - ein zentraler Grundsatz der Waldorfpädagogik. Zur Idee der Reinkarnation gehört auch, daß der Mensch nicht auf die Vererbung reduziert werden kann. Jeder nimmt sich aus seinen früheren Leben mit und hat mehr oder weniger mit einem Körper und einem Umfeld zu kämpfen, der dem völlig fremd ist. Statt nur auf die Eltern zu schauen, müssen die Lehrer darauf achten, die eigene Individualität des Kindes zu spüren. Dazu gehört auch, daß man nicht einfach ein Kind in eine bestimmte Schulart schicken kann, nur weil die Eltern Arbeiter oder - für christliche Politiker noch schlimmer - Ausländer sind. Die Schule muß bis zuletzt allgemeinmenschlich bleiben, um offen für die Individualität zu bleiben, die sich nur nach und nach aus den Widerständen seiner Umgebung herausarbeiten kann. Durch die frühe Selektion der Schüler in den deutschen Staatsschulen wird ihnen diese Möglichkeit weggenommen. Die Esoterik bzw. die Anthroposophie kann hiermit zur Grundlage einer Pädagogik werden, die dem Kind im Menschen wirklich gerecht wird. Sie braucht überhaupt nicht den Kindern gelehrt zu werden. Sie muß sich vielmehr auf die Fragen der Lehrer auswirken. Durch ihre Fixation auf die Rettung der eigenen Seele nach dem Tod verpaßt dagegen die katholische Lehre das Kind. Sie schaut nur auf die eigene Zukunft und nährt dadurch den Egoismus. Wer Pädagoge sein will, muß auch in die andere Richtung schauen, in die Vergangenheit des Kindes. Er muß sich fragen, was dieses Kind vor der Geburt erlebt hat, um es verstehen zu können. Er muß ein unegoistisches Interesse am Geistigen entwickeln. An solchen Beispielen zeigt sich, wie Esoterik sozial relevant werden kann. Manche Esoterikbegeisterte machen es sich lieber leichter. Statt sich mit sozialen Fragen zu beschäftigen, geben sie sich mit solchen Floskeln zufrieden wie "Alles ist Karma" und meinen damit "Alles ist mir egal". Das Karma hat aber zwei Richtungen. Es gibt nicht nur die Auswirkungen aus früheren Leben, sondern auch die Auswirkungen des heutigen Handelns auf die zukünftigen Leben. Mit ihrer Gleichgültigkeit schaufeln sich die Esoteriker ihren karmischen Grab.

Sylvain Coiplet