Bernard Lievegoed

Kritik und Würdigung

Bernard Lievegoed hat mit der Prägung der Begriffe „Mesodreigliederung“ und „Mikrodreigliederung“ zur Verwirrung um den Begriff der sozialen Dreigliederung beigetragen. Seine weniger bekannten Aussagen zur „Anerkennungshierarchie“ hätten dagegen helfen können zu verstehen, wie sich Rudolf Steiner das Zusammenwirken in einem modernen Geistesleben vorstellt.

Zitate

Bernard Lievegoed [1989] Über Institutionen des Geisteslebens

Anerkennungshierarchie

S. 6: „Das Geistesleben ist hierarchisch, aber nicht im herkömmlichen Sinn. Die Hierarchie entsteht hier durch die freie Erkenntnis in einer Gruppe von Menschen, dass eine bestimmte Person auf einem bestimmten Gebiet mehr Einsicht hat als andere. Es ist eine Anerkennungshierarchie, die von unten nach oben entsteht und je nach Thema wechselt.“

Bernard Lievegoed [1970] Soziale Gestaltungen in der Heilpädagogik

Mikrodreigliederung

S. 6: „Es ist nicht selbstverständlich, daß das, was Dr. Steiner ausführt für den makrosozialen Raum, also für die ganze, große soziale Welt – wo ein Geistesleben, ein staatliches Leben und ein ökonomisches Leben sich dreigliedert, auseinandergestaltet und dadurch erkennbar wird in seiner eigenen Gesetzmäßigkeit und dann doch wieder in den Menschen vereinigt werden muß – daß das genau so gilt für den mikro-sozialen Organismus, also für einen Organismus von Menschen, die in einer Arbeit unmittelbar zusammenarbeiten. Ich habe von Anfang an mir das als Frage gestellt und gefragt: Gilt das da auch oder gelten da vielleicht auch noch andere Gesetze? Muß man z. B. versuchen, ein Institut auf der Grundlage der Dreigliederung aufzubauen, wenn man ringsherum in der Welt keine Dreigliederung hat? Manchmal hat Dr. Steiner in vielen entgegengesetzten Bemerkungen – ich habe es auch gehört von Menschen, die mit ihm persönlich darüber gesprochen haben, daß er gesagt hat: Man kann, wenn die große Welt keine Dreigliederung hat, nicht irgendwo eine kleine Autarkie machen, einen kleinen Hof, der nun dreigegliedert ist. Denn das stimmt ja gar nicht. Natürlich ist dort für die Menschen ein Geistesleben da, natürlich ist da ein Rechtsleben, ein Umgangsleben, natürlich ist eine ökonomische Basis da – aber das, was ich für das Große gesagt habe, kann man nicht ohne weiteres auf das Kleine pressen. Da kriegt man Dinge, die dann auch unnatürlich wirken.“