Ausschluss aus der Gemeinde kann keine Strafe sein

Quelle: GA 344, S. 212-213, 1. Ausgabe 1994, 20.09.1922, Dornach

Ein Teilnehmer fragt nach der Kirchenzucht. Wenn ein Gemeindemitglied ein unmoralisches Leben fortsetzt und zum Abendmahl gehen will, hat man gewiß das Recht, ihn auszuschließen?

Rudolf Steiner: Das würde sich meiner Ansicht nach nur so machen lassen, daß Sie ihn verpflichten, wenn er das Abendmahl haben will, Beratung von Ihnen anzunehmen, nicht in Gemeinschaft mit den übrigen Gläubigen. So daß Sie auf diese Weise Disziplinargewalt ausüben, die mehr darauf abzielt, daß er nicht den Zusammenhalt mit der Gemeinde verliert, daß er zum Beispiel nur an einer bestimmten Stelle sitzen darf, abgesondert von den übrigen, wenn die Messe gelesen wird. Nicht wahr, wenn er es sich gefallen läßt, wird es schon wirken. Die andern treten ja aus, die es sich nicht gefallen lassen wollen. Das ist eine andere Art Strafe. Für diejenigen, die sich das nicht gefallen lassen, wirkt auch die Verweigerung der Kommunion nicht.