Bevölkerungsentwicklung ist eine geistige Frage

Quelle: GA 188, S. 199-200, 2. Ausgabe 1967, 26.01.1919, Dornach

Daher darf auch niemals eine Soziale Frage werden die Frage der Bevölkerung. Und das bedeutet eben die Verkennung des richtigen Verhältnisses zwischen Mensch und Volkswirtschaft, auf die ich gestern hingedeutet habe. Das bedeutet, daß man in unserer Zeit nicht weiß den Unterschied zwischen Schwein und Mensch, wie ich gestern am Schluß angedeutet habe, das bedeutet eben, daß man das Bevölkerungsproblem zu einem sozialen Problem macht. Ob wünschenswert ist eine starke Vermehrung der Menschen oder ein Erhalten der Bevölkerung auf einem bestimmten Niveau der Bevölkerungszahl, das darf niemals von volkswirtschaftlichen Erwägungen abhängen, sondern da müssen andere, ethische, spirituelle Erwägungen mitsprechen. Bei Erörterung dieser Frage muß ganz besonders bedacht werden, daß, wenn man künstlich durch Volkswirtschaft hinarbeitet auf eine bedeutende Vermehrung der Bevölkerung, daß man dann Seelen, die vielleicht sich erst nach vier oder fünf Jahrzehnten haben verkörpern wollen, zwingt, daß sie jetzt schon herunterkommen, um in um so schlechterem Zustande auf diese Weise herunterzukommen. So daß eine Bevölkerungszunahme unter Umständen einen Zwang bedeutet, den Sie auf die Seelen ausüben, die dann in um so schlechterer Verfassung in die Körperinkarnation hinein müssen. Dadurch kommt dann das moralische Sumpfniveau unter Umständen. Die Frage der Bevölkerungszunahme oder Stabilität oder selbst die der Bevölkerungsabnahme, die darf niemals eine volkswirtschaftliche Frage, sondern muß eine Frage der ethischen, der moralischen, kurz, überhaupt der geistigen und sogar der spirituellen Lebens- und Weltanschauung sein. Alle diese Dinge kommen nur in eine gesunde Sphäre hinein, wenn sie geisteswissenschaftlich erfaßt werden. Daher werden Sie begreifen die Notwendigkeit einer geisteswissenschaftlichen Fundierung alles sozialen Denkens. Wenn Sie sich wirklich befassen möchten mit alldem scheusäligen Zeug, was über die Soziale Frage gegenwärtig geredet, geschrieben wird, dann würden Sie, indem Sie sehen, welche Unfruchtbarkeit eben in all diesen Dingen steckt, schon dadurch getrieben werden, endlich jenes scharfe Denken anwenden zu wollen, das zu diesen Dingen notwendig ist.