Liebe Leserinnen und Leser,
wir sind für diese Webseite und unsere weiteren Aktivitäten auf Ihre Spenden angewiesen.
Es fehlt nicht mehr viel, um unser Ziel für dieses Jahr noch zu erreichen. Helfen Sie mit !

Wir brauchen für 2018: 23.000 €Bisher eingegangen sind: 19.250 €
84% finanziert
 
Weitere Details zur Finanzierung des Instituts für soziale Dreigliederung finden Sie in unserem Finanzbericht

Spenden

Spendenkonto:
Institut f. Dreigliederung, BIC GENODEM1GLS, IBAN DE80430609671136056200

Grundschule von türkischen Migranten gegründet

26.03.2011

Im Sommer 2010 hatten türkische Migranten in Freiburg die erste private Grundschule in Südbaden gegründet. Kürzlich haben sie zudem eine Elternschule installiert, in der einmal im Monat pädagogische Fragen mit den Eltern behandelt werden, wie etwa die Wirkung des Fernsehkonsums auf die Kinder oder Methoden der Förderung.

Für die Grundschule betonen die Initiatoren dabei, dass sie keine rein türkische Schule sein solle, vielmehr stehe sie allen Kindern offen und sie hoffen, dass es im neuen Schuljahr auch Anmeldungen deutschstämmiger Kinder gibt.

„Lernen in Geborgenheit“ und „spielerisches Anleiten zu selbständigem Arbeiten“ sind zwei der pädagogischen Richtlinien mit denen die Diplom-Pädagogin Seminur Özdemir die Schule gemeinsam mit einer deutschen Grundschullehrerin führt.

Die „Regenbogen“-Privatschule setzt auf ein Ganztagsprogramm, dass neben der Schule auch Sport und Spiel beinhaltet. Die Zeitung „ Boulevard Baden“ meint zu wissen, dass „der Verein dem pädagogischen Vorbild der Waldorfschulen folge.[1] Tatsächlich äußerte sich die Leiterin Seminur Özdemir: „Mein Zukunftslied ist eine eigene weiterführende Schule nach dem Vorbild der Waldorfschule“(ebd.).

Die Unterrichtssprache an der Regenbogen Grundschule ist deutsch und es gibt pro Woche ein Stunde Hochtürkisch. Statt Religion wird Ethik gelehrt und schon auf diesem Wege wird dem in einigen Medien im Anfangsstadium der Gründung kolportierten Verdacht entgegengetreten, es könne sich mit der Schulgründung um einen Versuch der Islamisierung handeln. Diese Ängste sind mittlerweile abgeklungen, nachdem selbst der Verfassungsschutz keine Einwände gegen die Schulgründung hatte.

Hintergrund dieser Kritiken ist, dass Mitglieder des Trägervereins „Akademische Plattform“ sich mit den Ideen Fethullah Gülens identifizieren, über dessen Vorstellungen hierzulande durchaus kontrovers diskutiert wird. Das Groß der Äußerungen charakterisiert die Gülen Bewegung aber als zwar konservativ islamische, jedoch nicht islamistische Bewegung, die stark auf Bildung setzt, und vor allem in akademischen Kreisen positive Aufnahme findet. Elisabeth Kiderlen bezeichnet sie in der „taz“ als eine konservative Modernisierungsbewegung und empfiehlt das Buch "Muslime zwischen Tradition und Moderne. Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen“ welches „von einem jüdisch-christlich-muslimischen Team herausgegeben wurde“.[2]

Ein entscheidender Impuls der Schulgründer, die überwiegend aus der besser situierten Mittelschicht stammen, ist die nachweisbar eklatante Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund an den staatlichen Schulen. Dem letzten Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zufolge absolviert mittlerweile jeder dritte deutsche Schüler das Abitur, aber nur jeder zehnte Ausländer.[3]

Neben dem individuellen Schicksal, dass mit dieser Exklusion verbunden ist, wird die gesellschaftliche Dimension deutlich, wenn man bedenkt, dass in Berlin beinahe 50% der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund haben.

Erfreulich ist es daher, wenn Eltern die Initiative ergreifen und nicht warten bis der verkrustete Apparat sich bewegt. Erfreulich ist es auch, wenn die regionalen und auch überregionalen Zeitungen trotz der grassierenden Islamophobie über diese Gründung nun durchaus positiv und verständnisvoll berichten.

Nicht ganz klar ist, ob der Autor des Spiegelartikels über die Schule, der sehr wohlwollend verfasst ist, seinen Untertitel absichtlich ironisch gesetzt hat, oder sich da das verängstigte Unterbewusstsein in einem Abwehrreflex zu Wort meldete: Seinem Bericht über diese Schulgründung mit moslemischem Hintergrund gab er einen Untertitel, im altgermanischen Stabreim: Klassik, Kopftuch, Konflikte.[4]

Anmerkungen

  • [1] http://www.boulevard-baden.de/lokales/nachrichten/2010/09/18/in-freiburg-beginnt-unterricht-an-privatgrundschule-turkischer-migranten-projekt-hat-sich-integration-verschrieben-von-karl-heinz-zurbonsen-254352
  • [2] http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/konservative-integration/
  • [3] http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,699702,00.html
  • [4] http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,748949,00.html

Weiterführende Links: