Liebe Leserinnen und Leser,
wir sind für diese Webseite und unsere weiteren Aktivitäten auf Ihre Spenden angewiesen.
Es fehlt nicht mehr viel, um unser Ziel für dieses Jahr noch zu erreichen. Helfen Sie mit !

Wir brauchen für 2018: 23.000 €Bisher eingegangen sind: 19.250 €
84% finanziert
 
Weitere Details zur Finanzierung des Instituts für soziale Dreigliederung finden Sie in unserem Finanzbericht

Spenden

Spendenkonto:
Institut f. Dreigliederung, BIC GENODEM1GLS, IBAN DE80430609671136056200

Aktionäre lernen zu wenig aus der Skandalwelle

19.12.2002

Wo die Entwicklung vorhersehbar ist, hat der Mensch zugunsten des Tieres abgedankt. Bezeichnend für diese Degradierung sind die beiden Börsensymbole, Stier und Bär. Sie sagen mehr über unser Wirtschaftssystem als die vielen Reden von einer freien Marktwirtschaft.

Aktien sind ein Fehlkonzept, eine Vergewaltigung der Realität. Sie bringen auf den Markt, was nicht auf den Markt gehört: Unternehmen, das heißt Menschen und deren Lebensgrundlagen. Im Unterschied zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten wie Anleihen versprechen sie den ewigen Reichtum. Und in Stierzeiten noch dazu einen rasend schnellen Reichtum.

Nun sind viele Hoffnungen enttäuscht worden. Und nach der Skandalwelle um Bilanzfälschungen von Firmenchefs und betrügerische Kaufempfehlungen von Investmentbanken haben tausende Aktionäre Klagen eingereicht. Der US-Präsident George Bush ließ nach einigem Zögern - er hatte bekanntlich früher mal selber als Firmenchef Bilanzen gefälscht - die Börsenregeln drastisch verschärfen. Damit soll nach den Worten des neu designierten Chefs der Wertpapier- und Börsenaufsicht, William Donaldson, das Vertrauen der Investoren in die amerikanischen Unternehmen und die Finanzindustrie wieder hergestellt werden.

Die Firmenbosse mit ihrer Geldgier sind aber nur das treue Abbild ihrer Aktionäre gewesen. Sie hätten sich genauso wie sie verhalten. Dafür spricht, daß die verprellten Aktionäre sich nun reihenweise Ersatzaktien auf dem Schwarzmarkt anschaffen. Sie fallen auf dubiose Geschäftsmacher ein, die ihnen vorgaukeln, sie könnten mit nicht an den Börsen notierten Firmenanteilen ihre Verluste der letzten Jahre innerhalb weniger Monate wieder gutmachen.

Eigentlich gehören aber weder die Firmenbosse noch ihre Aktionäre, sondern die Aktienkultur selber vor Gericht. Der Aktienmarkt taugt nicht zur Lenkung von Investitionen in die richtigen Branchen und Unternehmen. Er verliert einfach zu leicht den Kontakt zur wirtschaftlichen Realität. Der Überblick über die notwendigen Investitionen kann nicht Unbeteiligten überlassen werden, die kein fachliches Interesse an der jeweiligen Produktion, sondern nur an höchstmöglichen Renditen haben.

Der einzige Ausweg ist eine so intensive und produktübergreifende Vernetzung der Unternehmen und Branchen, daß deren Prognosen endlich verläßlich werden. Die von solchen Assoziationen emittierten Anleihen würden erst dann das Vertrauen der Investoren verdienen.