Organisationsentwicklung und Mesodreigliederung
(Interview)

01.06.1994
Von

Interview mit Lex Bos (NL) / alternativer Unternehmensberater, Autor / Thema "Dreigliederung des sozialen Organismus" im Alltag, Mikro-, Makrokosmos / am 01.06.1994 in A-Werfenweng / Interviewer (c) Sebastian Schöck Berlin, (c)-Vetorecht bei Publikationen hat der Interviewpartner / Kamera Friedel Hans / Bandformat: BetacamSP

- Interview-Länge: ca. 90 Min.

Sebastian Schöck: Ja wir sprechen mit Dr. Lex Bos. Würden Sie sich bitte kurz selbst vorstellen ? (Sie haben ja -)

Lex Bos: Ja ich kann gerne etwas über mich selbst erzählen. Mein Deutsch wird nicht tadellos sein, obschon die Sprache mir sehr vertraut ist, aber man ist trotzdem Ausländer und man wird da immer noch einige Sprachfehler machen, besonders mit dem und der und das und die. Das ist dann immer unsere Schwierigkeit als Holländer.(Ja ich bin, wie gesagt, ich bin Holländer.) Ich bin 69 Jahre, bin verheiratet. Ich weiß nicht, ob das alles noch wichtig ist zu erzählen. Kinder, Enkelkinder und jetzt pensioniert. Ich erzähle anschließend etwas über meinen beruflichen Werdegang. Ich habe in Amsterdam Soziologie studiert und bin, ja wie das ist im Leben durch (das) den sogenannte(n) Zufall, bin ich beruflich tätig geworden in einem Beratungsbüro, (ein-) wie sagt man, ein Rationalisierungsbüro für Betriebsefficiency. Das habe ich acht Jahre gemacht und bin dann umgestiegen in das NPI, das "Nederlands Pedagogisch Instituut", ein Institut für Organisationsentwicklung, was eben versucht aus der Anthroposophie heraus diesen Fachbereich für Organisationsberatung neu zu gestalten. Ich hatte mich schon ab meiner Studentenzeit intensiv mit Sozialer Dreigliederung beschäftigt. Ich hatte die Anthroposophie (vom Haus,) vom Elternhaus her mitbekommen und habe mich während meiner ganzen Studentenzeit intensiv beschäftigt mit Sozialen Dreigliederungsfragen, alle Bücher von Steiner in der Hinsicht und Vorträge eben studiert. In einer Gruppe haben wir das gemacht und - sozusagen ein Versuch diese Dreigliederung denkend zu verstehen, geschichtlich, menschenkundlich und gesellschaftlich. Und eigentlich aus der Überzeugung, daß man damit gesellschaftliche Fragen besser verstehen kann, und sozusagen auch dadurch die Evidenz zu erfahren, daß in diese Richtung die Entwicklung gefördert werden müßte. Und aus dieser Beschäftigung habe ich mich dann auch verführen lassen mit einige(n) Freunden zusammen ein paar Bücher zu schreiben. Ich habe einer(s) davon mitgenommen, wie sie in Holland im Holländischen erschienen sind, das heißt "Gesellschaftsstrukturen in Bewegung", gerade der erste Teil ist auch übersetzt im Deutschen: "Gesellschaftsstrukturen in Bewegung". Das ist mit zwei Kollegen, ein(em) Dr. Brüll und ein(em) Mister Henny, zusammen geschrieben. Und in (der in) dieser Hinsicht haben wir vier solche Readers geschrieben, so ein Bündel mit kleine(n) Aufsätze(n). Und die verschiedenen Themen, die da angeschnitten werden, werden hier sozusagen etwas provozierend hingeschrieben:

Welche Verantwortung hat der (die) Konsument? Wo liegen die Grenzen der Behörden? Wie finanziert man kulturelle Aktivitäten? Sind Planwirtschaft und Marktwirtschaft die einzige Alternative? Nah solche üblichen Themen aus der Sozialen Dreigliederung haben wir da von verschiedenen Seiten beleuchtet. Wie gesagt vier solcher Readers haben wir herausgegeben und dann später wurde ich vom Goetheanum-Verlag gefragt, in die Serie "Was ist Heilpädagogik?, Was ist biologisch-dynamische Landwirtschaft? Was ist - , so verschiedene Fragen im Blick auf anthroposophische Fachgebiete, wurde ich gefragt eben ein Büchlein zu schreiben über "Was ist Dreigliederung des sozialen Organismus?". Und das ist dann eben im Goetheanum-Verlag erschienen. Und das wurde dann auch bald ins Russische (im Russischen) übersetzt. Da kann man nur seinen eigenen Namen noch lesen, aber ob die Übersetzung korrekt ist, das ist dann nicht mehr zu kontrollieren. Ja um mal kurz zu dem (auf den) beruflichen Werdegang noch weiter etwas zu sagen, ich war bei diesem Beratungsbüro und da kam immer mehr die Spannung zwischen der (die) Art und Weise, wie ich da tätig war mit der Frage "Mensch und Organisation" und "Mensch und Arbeit" und hatte das Gefühl, so wie da diese Organisationen beraten werden, das gefällt mir eigentlich nicht. Das ist rein technokratisch, das ist rein wirtschaftlich gedacht und das trägt überhaupt nicht dazu bei, daß diese Unternehmungen sozusagen ein mehr menschliches Antlitz bekommen.

Ja das war sozusagen die erste Erfahrung, die ich da in diesen Unternehmungen machte. Das ist erstens ein ungemeiner Verschleiß an Kreativität, an Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen, eine Art des Umgehens mit den anderen, das eigentlich auch nicht menschenwürdig ist und eigentlich kaum eine wirkliche Orientierung auf wirkliche Bedürfnisse von Kunden. Und da wurde mir schon bald klar, da braucht man ganz andere Gesichtspunkte, um solchen Unternehmungen sozusagen wieder ein menschliches Antlitz zu geben.

Und ich hatte ja eigentlich die Überzeugung, es sollte aus der Anthroposophie heraus möglich sein, (um) in dieser Richtung etwas zu tun. Und als dann 1954 durch Professor Lievegoed, ein Arzt und Sozialpädagoge aus Holland, das NPI gegründet wurde, war das für mich klar, ja da ist der Ort, da gehörst du herein, da ist der Ort, wo versucht wird eben die Anthroposophie zu verbinden mit diesem Beruf des Organisationsberaters. Und da bin ich 1957 umgestiegen und habe eben 33 Jahre diesen Beruf ausgeübt bis ich 65 war und dann bin ich ausgestiegen. Das war auch so entschieden innerhalb der Mitarbeitergruppe und seitdem, ich sage mal spaßhaft, esse ich "à la carte". Das heißt ich beschränke selber, ich bestimme selber meine Mahlzeiten, welche Projekte ich noch weiterführen will, auf welche Fragen ich eingehe und was ich vorbeigehen lasse, damit ich auch mal ein bißchen Zeit für mich und Familie und so habe. Aber im Wesentlichen mache ich die Arbeit noch weiter und auch sehr breit, geographisch breit gestreut. Ich bin sehr regelmäßig in Brasilien, wo ich Beratungsarbeit mache und Vorträge und Seminare. Ich mache das auch in verschiedenen europäischen Ländern, Skandinavien, Schweiz, Deutschland und eben auch im Osten, in Polen, in der DDR, ehemaligen DDR, in Armenien. Und nun ist die Frage, wie verhält sich das alles zur Dreigliederung?

Mein Erfahrungsbereich mit Dreigliederung ist eben in diesem sogenannten mesosozialen Gebiet. Das heißt dort, wo Menschen in Institutionen zusammenarbeiten. Und innerhalb solcher Institutionen begegnet man überall Gruppen, Managementteams, Forschungsgruppen, Projektgruppen, Ausschüsse usw. Betriebsräte. Und das ist sozusagen das mikrosoziale Gebiet. Die face-to-face-Gruppe sozusagen als Bausteine von diesen Institutionen, Organisationen. Und da ist sozusagen dieses Mikrosoziale und Mesosoziale, das ist mein Eingangsgebiet, mein Erfahrungsgebiet, wo ich versucht habe sozusagen die Denkungsart der Sozialen Dreigliederung fruchtbar zu machen, um sozusagen diesem Gebilde wieder ein Menschenantlitz zu geben, menschengemäß zu gestalten.

Nun ich gebe jetzt mal ganz konkret ein Beispiel, wie man sozusagen dem (das) Konzept der Dreigliederung, dieser Denkungsart begegnen kann in diesem mesozialen Gebiet oder mikrosozialen Gebiet. Da fange ich mal an mit der kleinen Gruppe.

Wenn man eine Gruppe beobachtet, wenn man sozusagen hereinkommt in eine Gruppe, die um einen Tisch sitzt, sich über irgendeine Thematik unterhält, dann ist das erste, was einem begegnet, was man beobachtet sozusagen, daß man über irgend etwas redet, ist ein Inhalt, steht da zur Debatte. Leute haben ihre Meinungen, geben ihre Beiträge, haben Erfahrungen, kommen mit Beispielen, haben Gedanken. Das ist sozusagen alles dieser Inhaltsstrom, der (die) da gehört werden kann, mitgedacht werden kann.

Und wenn man dann sozusagen einen Schritt, eine Schicht tiefer beobachtet, dann sieht man, daß da noch eine zweite Realität wahrzunehmen ist und das ist die Tatsache, daß die Leute aufeinander reagieren, daß das nicht sozusagen vereinzelte Menschen sind, die da jeder für sich redet, sondern die stimmen ein oder sind nicht einverstanden oder ergänzen oder bekämpfen, sind sich gegenseitig offensichtlich freundlich oder nicht freundlich.

Da ist ein ganzes Gebiet von Beziehungen, rein persönlich-emotional aber auch rein inhaltlich und so weiter. Das ist ein Reagieren aufeinander, ein Zusammenspiel oder ein Gegeneinanderspielen.

Und wenn man dann noch mal eine Schicht tiefer beobachtet, dann kann man wahrnehmen, daß die Leute irgendwo mit dem Gespräch hinsteuern, die haben irgendwo ein Zielorientierung. Da wird ab und zu referiert darüber (daran): Liebe Freunde wir haben noch eine Stunde Zeit und wir müssen zu einer Entscheidung kommen oder wir müssen diese Frage wirklich zu einer richtigen Antwort führen oder es muß hier ein Rat formuliert werden, den der Vorstand braucht oder wir müssen irgendeine Entscheidung treffen. Offensichtlich hat die Gruppe eine Zielorientierung, worauf sie irgendwo sich hinorientiert.

Nun damit habe ich sozusagen drei Realitätsebenen unterschieden, Inhalt, Interaktion - mit einem Fremdwort, Zusammenspiel - und Zielorientierung. Und in diesen drei Orientierungen kann man sozusagen die Grundphänomene der sozialen Dreigliederung sofort wiedererkennen.

Man könnte sagen in dem Gebiet des Inhalts, da hat man im ganz kleinen (02.16.55.) das Gebiet des freien Geisteslebens. Da hat man das Gebiet, wo es sich handelt um, was Menschen an Fähigkeiten haben, was Menschen an Initiativen ergreifen (nehmen), was Menschen an Erfahrungen haben, das ist sozusagen alles Nahrung des sozialen Organismus.

Rudolf Steiner spricht so über das freie Geistesleben, daß er eigentlich der Nahrungspol des sozialen Organismus ist, der Kraftpol.

Wenn wir nicht genügend Initiativen herein(be)kommen in den sozialen Organismus und die Leute ihre Fähigkeiten nicht hereinbringen, dann ist sozusagen dieser Organismus nicht lebensfähig, ist unterernährt, kriegt keine richtige Nahrung.

Und diesen Nahrungspol, diesen Pol des freien Geisteslebens sieht man bei diesem Inhalt, was Leute hereinbringen, was sie an Fähigkeiten, Inititativen usw. da beitragen.

Aber dieser (diese diesen) Inhalt, der hat immer die Neigung diesen Pol sozusagen zentrifugal zu wirken, das heißt, daß er (sie) sich verliert. Es kommen immer neue Gesichtspunkte, neue Beiträge, neue Erfahrungen, das eine ruft das andere hervor, der eine Gedanke löst den anderen Gedanken aus. Und das hat von sich aus die Neigung ins Uferlose zu gehen. (02.18.26.)

Das geht dann ins Uferlose und das heißt da ist das Bedürfnis nach (an) einem anderen Pol, man könnte sagen einem Formpol, einem Pol, der dieses Leben nun irgendwo gestaltet, formt. Und dieser Pol (und) von der anderen Seite, das ist nämlich, daß nun das alles was da an Möglichkeiten in der Gruppe lebt, an Potenzen, daß das sich nun sozusagen formen, gestalten, strukturieren läßt vom Ziel her. Daß das Ziel, was sozusagen außerhalb der Gruppe ist, vielleicht bei den Kunden oder vielleicht hat eine andere Abteilung ein Problem, das gelöst werden muß. Und das hat sozusagen - das versorgt diese Formfunktion. Und da sieht man, ein lebendiger Organismus hat immer diese zwei Pole.

Da sieht man das Menschenbild, einerseits dieser Stoffwechselpol, der Lebenspol, der Kraftpol, andererseits sozusagen der Sinnes-Nerven-Pol, der Kopfmensch und von dorther gehen immer diese Formkräfte aus, das hat Gestaltungskraft, wie das sozusagen physiologisch im Menschen einfach sichtbar ist.

Und dieser Polarität begegnet man in diesem kleinen Organismus, dieser Lebenspol als Kraftpol, als Nahrungspol von der Inhaltsseite und nun von der anderen Seite eine Kraft, die wirkt indem Menschen sozusagen ihre Beiträge richten lassen, gestalten lassen, und man sieht auch förmlich, daß sozusagen ein Vorsitzender, der dann oft diese Aufgabe hat diesen Formpol besonders im Blickfeld zu haben, daß er anfängt zu schneiden: ja interessant Herr X, aber nicht zur Sache, bitte fassen sie sich kurz, wir haben noch eine halbe Stunde, ja das ist nicht relevant, ich glaube das trägt nicht bei zur Lösung.

Und da sieht man sozusagen diesen Todesaspekt dieses Formpols - hat immer Todesaspekte, da muß beschnitten werden, da muß geformt werden, da entsteht sozusagen kein neues Leben, aber da wird das Leben in (die) Dienste eines Zieles gestellt und das ist wie gesagt ein Pol, der von der anderen Seite wirkt.

Nun und wie können diese zwei Pole sich sozusagen ertragen, wie können sie irgendwo aufeinander sich abstimmen. Da ist nun die (das) geheimnisvolle Mitte, dieser sozusagen Atmungsbereich, dieser Bereich des Gebens und Nehmens, des sich Begegnens, des Zusammenspiels, wo sozusagen das Herz der Gruppe liegt und wo die Frage ist: Ja wie können Menschen in einer Gruppe so zusammensprechen, daß einerseits die Potenzen der Teilnehmer fruchtbar eingebracht werden können, aber andererseits daß alles sozusagen dienstbar wird dem Erreichen eines Zieles?

- Da sieht man im ganz Kleinen sozusagen eine Dreigliederung im Mikrosozialen, eine Qualität des freien Geisteslebens als Nahrungspol, eine Qualität des Wirtschaftslebens, sozusagen die Zielorientierung auf irgendeine Frage außerhalb der Gruppe und das eigentliche Rechtsleben, das ist ein zu großes Wort, das ist ein soziales Leben im Sprechen und Zuhören, im Geben und Nehmen, im Sich-aufeinander-abstimmen, was eben diesen mittleren Bereich darstellt. Und da gibt es (ausblenden: nicht) auch Spielregeln, ja, keine harten Gesetze, wie im Rechtsleben aber doch können da - so ein Element kann man wiedererkennen, was ähnlich ist im Rechtsleben. aber eben als Spielregel, als bestimmte Prozeduren und so weiter.

Und da sieht man z.B. daß Führungskräfte oder Diskussionsleiter oft unterschiedlich orientiert sind auf diese drei Glieder dieses kleinen sozialen Organismus. Und im Wesentlichen hat er drei Aufgaben, er hat sozusagen dafür zu sorgen, daß sowohl das Inhaltsgebiet zum Zuge kommt, daß Leute ermutigt werden ihre Beiträge zu geben, daß sie vielleicht Fragen stellen, um dann noch mehr Stoff zu bekommen und mehr Erfahrungen (zu) hören, Gedanken vielleicht noch klarer ausgesprochen werden. Das sind alles sozusagen Führungsaufgaben in dieser Richtung des Geisteslebens der Gruppe.

Aber daneben sollen man auch dafür sorgen, daß die Stimmung in der Gruppe positiv ist, daß da Toleranz ist, daß da jeder zum Zuge kommt, jeder zu seinem Rechte kommt, daß Leute sich da ausprechen wagen und ja, daß das eben da ein Gruppenklima ist, wo Inhalt fruchtbar aufgenommen wird und dann drittens soll der Diskussionsleiter ständig das Ziel im Auge haben, ja und die Zeit im Auge haben und sozusagen für den Output, das Ergebnis sorgen (Output, das Ergebnis dafür sorgen).

So das ist sozusagen im Kleinen, im Mikrosozialen die Dreigliederung als Konzept wiedererkannt in der Wirklichkeit, nicht bedacht aber man kann es einfach sehen, man muß nur sozusagen den Schlüssel haben um es zu sehen und dann merkt man daß man ein ungeheuer brauchbares Instrument in der Hand hat.

Ich habe jahrelang (als) beruflich Gruppenarbeit gemacht, Seminare, wo ich Menschen gelehrt habe, produktiv Gruppengespräche zu führen, auch Workshops mit Realgruppen in Unternehmungen und (habe) ständig sozusagen diesen Spiegel vorgehalten, sozusagen: Liebe Leute, wie war die Qualität ihres Geisteslebens, waren das klare Gedanken (war da), hat jeder beitragen können, war da(s) genügend Nahrung (war da), und wie war es mit dem mittleren Gebiet? War da wirklich eine Toleranz, ein Sich-gelten-lassen? Wie war das Zielbewußtsein?

Und das ist ungeheuer wirksam, wenn man sozusagen eine Gruppe auswertet, Feedback gibt auf diese drei Bereiche. Und da schaut man andererseits, daß die Dreigliederung sofort (nach) eine diagnostische Bedeutung hat. Sie macht eine Diagnose möglich. Und andererseits macht (gibt) es - ja nun sofort wird eine Richtung klar, wo das besser eingerichtet werden kann, wo die Gruppe Fortschritt machen kann, ihre Qualität, ihre Gruppenarbeit.

Ja das ist das eine, was ich sagen möchte, um die Dreigliederung, da mal ein bißchen praktisch zu machen im Mikrosozialen, wenn ich jetzt mal einen Schritt mache in das Mesosoziale, dann komme ich in das Gebiet der Organsiationsentwicklung. Da ist ein Basiskonzept, was sozusagen unter Leitung von Professor Lievegoed in unserem Institut entwickelt wurde. Das ist ein Konzept, wo wir sozusagen auch aus der Anschauung der Wirklichkeit versucht haben die Entwicklungsstufen eines Unternehmens aufzudecken.

Wie wächst eigentlich ein Unternehmen? (Wie ist) - so wie ein Kind, das durch verschiedene Lebensphasen hindurchgeht? Könnte man solche Phasen auch wiederentdecken in einem Sich-entwickelnden Unternehmen? Und so haben wir dann allmählich so ein Konzept entwickelt, wie gesagt abgelesen an der Wirklichkeit, wo eine erste Phase eines Unternehmens sehr stark noch vom Pionier geprägt wird. Das wurde auch in der Literatur dann auch bald bekannt, daß wir darüber veröffentlichten. Das war ein Name, den haben wir nicht gebraucht; "Pionierphase". Eine Pionierphase, wo man sagen kann, alles noch geprägt wird von der Initiativkraft des Pioniers. Und der Pionier erwartet eigentlich von seinen Mitarbeitern, daß sie auch kleine Pioniere sind und daß die alle initiativreich sind. Und da wird sehr stark appelliert an die persönliche Fähigkeit und Talente von Menschen. Das macht denen dann auch Spaß da zu arbeiten, weil sie sozusagen ihre Talente loswerden können und da wird improvisiert und man ist noch sehr direkt bei der Wirklichkeit. Das ist so eine erste Phase. Ich will das nur nicht so breit auswälzen.

Und das Problem ist nun, wenn das anfängt zu wachsen und wenn ein Pionier seine Sache gut macht, dann wird er sozusagen bestraft mit Wachstum. Dann kommen mehr Leute zu ihm und es werden mehr Produkte hergestellt. Die Organisation die wächst. Und dann kommt eine Phase, wo ein Pionier das alles nicht mehr umfassen kann. Der kann das nicht alles mehr durchdringen mit seinem Willen, mit seiner Vision, dann fängt das an chaotisch zu werden. Die Kommunikation funktioniert nicht mehr, es kommen Überlappungen, es fallen Löcher, Zwischenfunktionen und da wird nun sichtbar, daß eine zweite Phase notwendig ist; und das sieht man historisch auch, das kann man auch ganz genau nachweise. Da kommt eine Phase, wo sozusagen die Aufmerksamkeit vom Management teilweise in Beschlag genommen wird von einer internen Ordnung, eine interne Ordnungsfrage, es muß jetzt mal spezialisiert werden. Nicht jeder kann ja alles tun. Es kommt eine klare Aufgabeverteilung, auch Hierarchie und Verwaltung und Finanzen und Produktion und personal und so weiter.

Das alles wird differenziert und wird dann auch wieder zusammengefaßt durch Systemelemente, durch Vorschriften, durch Planung. Und das ist sozusagen eine Phase, wo das Management (für) die Aufgabe bekommt mit viel mehr Bewußtsein die Verhältnisse in dem Unternehmen zu strukturieren. Verantwortungsbereiche abzugrenzen, Verantwortung zu definieren, Prozesse klar einzuteilen, Kommunikation vorzuschreiben, eine zweite Phase, sozusagen wo das Hauptanliegen ist Ordnung zu schaffen, Klarheit in Verhältnisse. Aber das führt nun dazu, daß so viel Aufmerksamkeit vom Management sozusagen internalisiert wird, nach innen gesaugt wird, daß die Gefahr droht, daß das Unternehmen sich sozusagen abkapselt von seiner Umgebung, daß es so mit sich beschäftigt ist, daß es sozusagen seine Umgebung nicht mehr wahrnimmt. Das geht auch betriebsintern so weit, daß verschiedene Abteilungen Ziel in sich selber werden, sich auch abkapseln, ihre eigene Sprache reden, nicht mehr echt miteinander kommunizieren.

Und da wird sozusagen eine dritte Phase (wird) sichtbar als Notwendigkeit, daß nämlich das Unternehmen eigentlich mit Bewußtsein, mit Anstrengung sozusagen sein Bewußtsein nach außen orientieren muß, sich ganz neu die Frage stellen muß wo sind eigentlich unsere Kunden, was brauchen sie eigentlich, was ist unsere Aufgabe auf dem Markt ? Sozusagen ein Sozialisieren des Unternehmens aber nicht im politischen Sinne, aber im Sinne von neuem Bewußtsein sich die Frage stellen, was ist unsere Wirkung nach außen, nicht nur in Richtung Konsumenten oder Kunden, sondern auch in Hinblick auf Umweltschädigung, im Hinblick auf dritte Welt, auf Arbeitsplatzbeschaffung, lokale Behörden und so weiter. Das Unternehmen hat in alle Bereiche seine Wirkungen. Und wenn das Unternehmen selber nicht die Frage stellt, was ist da unsere Verantwortung, dann wird schon die Frage von außen gestellt. Dann kommen alle möglichen kritische Gruppen und fangen an die Glocken zu läuten und das Unternehmen kritisch zu hinterfragen: ja liebe Freunde was macht ihr mit den Rohstoffen und mit euren (ihren) Arbeitskräften und der dritten Welt und so weiter.

Nur wenn ich das so nacheinander beschrieben habe, ist das natürlich klar, daß das sozusagen drei Unternehmensbereiche sind, die natürlich immer da sind. Im einfachsten Pionierbetrieb sind schon menschliche Beziehungen und ist schon eine Aufgabe draußen zu lösen, aber sie lebt sozusagen noch nicht im Bewußtsein. Die Pionierphase da ist das Bewußtsein sozusagen in dem Pionierbereich und das Bewußtsein das erweitert sich in der zweiten Phase, in dem es aufgefordert wird um auch Bewußtsein aufrecht zu halten in dem Bereich der Beziehungen, der Verhältnisse, der Ordnung, der Abteilungen der Menschen. Und in der dritten Phase wird sozusagen nochmal ein neues Bewußtsein gefordert im Hinblick auf Markt und Umwelt und soziale Aufgabe. Und da sieht man in der Biographie eines Unternehmens nacheinander wiederum drei Bereiche sichtbar werden, die dann in jedem lebendigen Unternehmen sozusagen alle drei zu gleichen Zeit anwesend sind und sozusagen die Dreigliederung eines mesosozialen Organismus darstellen. Dann, das wird schon verständlich gewesen sein im meiner Darstellung, daß, als ich die Pionierphase beschrieben habe und die Pionierqualität, daß das sozusagen das Geistesleben des Unternehmens ist.

Das hat alles zu tun mit Initiativkraft, mit Fähigkeiten, mit sozusagen Gebrauch machen von Kapital, von Geistkapital, von Menschenkapital, aber auch von Maschinenkapital, einfach sozusagen Produktivität, Leistung, Kreativität. Das ist sozusagen die Farbe des Geisteslebens im Unternehmen.

Und die zweite Phase, da wird sozusagen das Unternehmensrechtsleben wird sichtbar, die Rechte und Pflichten, die gegenseitigen Verhältnisse, die Klarheit der Ordnungen, auch die Spielregeln. Die Spielregeln rechtlich aber auch menschlich, organisatorisch.

Und in der dritten Phase, da wird sozusagen die eigentliche wirtschaftliche Aufgabe (wird) sichtbar: Ja was liefern wir, wo sind die Kunden, was sind deren Bedürfnisse, wie ist der Preis und so weiter.

Und da haben wir wieder eine Möglichkeit, um ein Unternehmen sozusagen erst mal diagnostisch zu befragen. Wenn ich als Berater in ein Unternehmen komme, dann sind das sozusagen die drei Hauptblickrichtungen, über die (die ich sozusagen - womit) ich meinen Kunden befrage, worüber ich das Unternehmen befrage. Ist hier in diesem Unternehmen ein gesundes internes Geistesleben? Wie ist es mit der internen Ausbildung? Ist hier Raum für Kreativität? Ist hier freie Verantwortungsmöglichkeit, ja? Das ist alles wieder dieser Nahrungspol, wo ein Unternehmen genährt wird von Initiativen, von Fähigkeiten. Oder ist hier eine Bürokratie, die alles zerdrückt oder eine Hierarchie, die alles zerdrückt und die Leute werden da passiv und nur Befehlsempfänger und so weiter.

Und die zweite Frage: wie sind die sozialen Verhältnisse gestaltet? Ist (da) eine Möglichkeit des Gespräches, des Mitredens, wie ist es mit Gehaltsfindung, wie ist mit Diskriminierung von Minoritäten, fühlen die Leute sich hier zu Hause, fühlen (sie) sich (ihre), daß sie richtig zu ihrem Rechte kommen? Es ist interessant, daß man da überall das Wort (Reden, dürfen wir mitreden, haben Einspracherecht, dürfen wir mitbestimmen, wem unsere Stimme gehört, wie ist die Stimmung? )

Das ist alles sozusagen diese ... -

Ja und eben die dritte Frage: wie ist das Verhältnis zum Ziel, haben wir Bewußtsein (da)von, ja wo die Produkte hingehen, was die eigentlichen Bedürfnisse der Kunden sind, welche Umwelteinwirkungen sie haben, was für Probleme, die sie vielleicht schaffen durch ihren Absatz oder Transport oder und, und, und, das ist alles sozusagen diese Blickrichtung nach außen.

Und auch da sieht man sozusagen, daß man bei den Unternehmen verschiedene Schwerpunkte hat. Es gibt Unternehmer fühlen sich primär als Treuhand des Kapitals, die denken nur im Sinne von Rentabilität und Produktivität, eben als Treuhänder. Es gibt Unternehmen, die fühlen sich primär als Arbeitsleiter, denen ihre primäre Aufgabe (ist) (um ein) sozusagen eine gesunde Organisation aufzubauen. Und es gibt Unternehmer, die mehr sich erleben als Kaufmann, sozusagen auf dem Markt tätig, den richtigen Preis finden und eine Beziehung zu Kunden herstellen.

Nun man könnte das noch viel weiter ausarbeiten bis, so wie Kollegen das auch getan haben im NPI, bis in die Buchführung, sozusagen eine dreigliedrige Buchführung, um an die verschiedenen Geldströme, die an diesen drei Bereichen zu beobachten sind, eine Rolle spielen, unterscheidet und damit auch noch weiter das Bewußtsein zu verstärken über diese drei Subsysteme dieses mesosozialen Organismus. - Ja soweit (ist das) ist die Dreigliederung in meiner Beratungspraxis sehr praktisch geworden. Und ich möchte sagen durch das Fenster dieser mesosozialen Dreigliederung habe ich dann durchaus manches wahrnehmen können von einer makrosozialen nicht anwesenden Dreigliederung, sozusagen die Krankheit der Gesellschaft, weil sie sozusagen nicht dreigliedrig gestaltet ist, konnte ich wahrnehmen im Unternehmen. Ich will ein paar Beispiele nennen, wenn ich hinschaue auf das, sozusagen auf das interne Geistesleben des Unternehmens, wo es sich handelt um die Frage, ja was kommt da an menschlicher Potenz herein, ist das kreativ, hat das Phantasie, hat das soziale Fähigkeiten? Dann sieht man sozusagen da die Qualität des Unterrichtswesens, nicht das Unterrichtswesen, was weitgehend staatlich kontrolliert wird und weil der Staat das kontrolliert und das vom Staat finanziert wird, kann das nur einen Output haben, den man examinieren kann, der Staat muß sozusagen die Gelder vertreten können, muß einen Output kontrollieren können. Und das einzige was man wirklich kontrollieren kann als Output durch ein Examen, das sind intellektuelle Fähigkeit und eventuell noch bestimmte manuelle Fähigkeiten. Die kann man sozusagen ab Examinierung durch irgendwelche Fragebogen oder Multiple-choice-tests und so weiter.

Aber alles was in Richtung geht von soziale Fähigkeiten, Phantasiefähigkeiten bis moralische Fähigkeiten, Kreativität, künstlerische Fähigkeiten, das kann man nicht examinieren und das fällt sozusagen durch das Sieb hindurch und ist dann immer weniger im Unterricht sozusagen anwesend, weil das keine Rolle spielen kann fürs Examen und dann geht das sowohl von den Schülern als von den Lehrern wird das sozusagen (wird das) allmählich ausgeklammert.

Und der Erfolg, das Resultat kann man dann beobachten, wenn man sozusagen die nächste Generation so aus diesem Schulbetrieb hereinkommen sieht in die Unternehmen, dann wird eigentlich an allen Kanten und Ecken geklagt, ja die Leute sind nicht kreativ, die haben keine Phantasie, sie haben kein Gefühl für menschliche Beziehung, keine sozialen Fähigkeiten und nicht einmal sind sie intelligent, sie haben eine Menge Kopfwissen, was mehr so ein Gedächtniswissen ist, was man beim Examen dann kurz reproduzieren kann, aber sie sind sozusagen gar nicht eigenständig oder autonom in ihrem Denken

Gut da sieht man sozusagen durch das Fenster des innerbetrieblichen Geisteslebens sieht man hinein in das krankhafte makrosoziale

Geistesleben, was sozusagen keinen lebendigen Nährstoff liefert für so einen sozialen Organismus. Auch, was ich oft erlebt habe, kaum Freude am Lernen, ja, wir haben dann oft in Unternehmungen versucht so innerbetriebliche Lernprozesse anzukurbeln, daß Leute vielleicht rotieren, ein paar Monate hier, ein paar Monate da.

Und da spürt man, (wie) bei manchen die Lernfreude schon so verdorben war in der Schule, daß sie sozusagen überhaupt nicht Spaß hatten an dieser Erweiterung ihres Horizontes und dieser Lerntätigkeit.

Und in dem mittleren Bereich, wo wir es zu tun haben mit diesen menschlichen Beziehungen, ja da sieht man durch die Tatsache, daß Arbeit Kaufware geworden ist, sozusagen wo die Arbeit nicht nur sozusagen im Rechtsleben betrachtet wird und was ist eine gerechte Entlohnung? Aber daß die Arbeit sozusagen Kaufware geworden ist, daß sie ihren Preis bekommt auf einem Arbeitsmarkt, daß man seine Arbeit verkaufen kann. Und so sieht man in dem Unternehmen, daß sozusagen das ganze Arbeitssystem im Wesen ein Gehaltssystem geworden ist, ist eine Gehaltshierarchie, je höher man aufsteigt, je mehr man verdient. Und da sieht man sozusagen das ist ganz im mittleren Gebiet weitgehend krank wird durch sozusagen einen Positionskampf, weil an Funktionen Geldzettel hängen und man sozusagen durch Aufstiegsmöglichkeiten immer mehr verdienen kann. Das ist eine ganze Geldhierarchie und das ist sozusagen kaum möglich (um da wirklich) das Geld sozusagen auszuklammern und rein sachlich zu schauen auf die Arbeitszusammenhänge als solche. So da sieht man auch durch (den, durch den) das Fenster dieses innerbetrieblichen Rechtslebens sieht man auf der Gesellschaftsebene auch wie das Rechtsleben da sozusagen krank ist und das am Faktor Arbeit sozusagen in einem Gebiet gelandet ist, wo es (sie) eigentlich nicht (hin)gehört, daß sozusagen in der großen Gesellschaft alles die Neigung hat zu verkommerzialisieren, Kaufware wird. Nun das sieht man auch, wenn man durch das dritte Fenster hinausschaut, das ist die Kundenorientierung, daß man eigentlich sozusagen da wirklich in freie Verhandlung mit dem Kunden kommen müßte, vielleicht auch dauerhafte Beziehungen aufbauen mit Kunden und dann stößt man auf einmal auf eine Ideologie in der westlichen kapitalistischen Welt, man muß konkurrieren, man muß Wettbewerb pflegen, man darf nicht zusammenarbeiten mit Branchengenossen, man darf nicht dauerhafte Zusammenhänge bilden mit Kundenkreisen, denn das heißt Monopolbildung und Ausbeutung, man muß Wettbewerb pflegen. Und weil das scheinbar die Sicherheit gibt, daß das alles zugunsten des Konsumenten ist.

Und damit sieht man sozusagen einen Stil entstehen, wo man ja eben auf einem anonymen Markt arbeitet, für Kunden, die man eigentlich kaum mehr kennt, im Kampf mit Konkurrenten, die man sozusagen nicht kennen darf, womit man nicht zusammenarbeiten darf, man hält sorgfältig alles geheim, was man entwickelt und damit entsteht sozusagen die Unmöglichkeit wirklich im Sinne der sozialen Dreigliederung eine brüderliche Zusammenarbeit aufzubauen mit Branchengenossen, mit Konsumenten. Soweit habe ich, obschon ich kein Politiker bin und keine Erfahrungen habe mit politischen Aufgaben, habe ich doch durch die drei Fenster der mesosozialen Dreigliederung (habe ich doch) weitgehend beobachten können, wie die Gesellschaft als solche, sozusagen diese drei Gebiete sich völlig gemischt haben und ein Knäuel geworden sind und von dort her innerbetrieblich die Sachen sehr schwer zu gesunden sind.

Sebastian Schöck:

Welche gesellschaftlichen Kernprobleme sehen sie?

Lex Bos: Ja ich denke man kommt dann doch wieder im Sinne der Dreigliederung -.

Ja ein Kernproblem habe ich schon angedeutet, daß das Geistesleben und besonders schaue ich auf das ganze Schulwesen, daß das noch ganz im Griff ist von Behörden und von staatlicher Finanzierung, von staatlichen Vorschriften, in Lehrerausbildung, in Lehrerautorisierung und so weiter. Und wie gesagt, wo die Behörden das Unterrichtswesen kontrollieren, da wird das immer grauer und inhaltsleerer und weniger lebendig und produktiv. Und dadurch entsteht auch eine Art Uniformierung im Denken und ich denke das ist eines der wichtigsten Probleme, bestimmte Ideologie wird da schon sehr früh eingetrichtert. Es werden sehr früh auch Phantasiekräfte wirklich ermordet und abgetötet die Kreativitätskräfte.

Und da könnte ich mir davon viel, viel versprechen, ich denke daß dadurch Rudolf Steiner auch, als 1919 die Dreigliederung sozusagen politisch nicht weiter möglich war um dafür zu eifern, sozusagen daß die braune Gefahr schon anfing eine Gegenkraft auszuüben und sogar Anschläge auf Rudolf Steiners Leben waren, da mußte er diese politische Aktivität zurückziehen und hat sozusagen die ganze Dreigliederungsbewegung in die Waldorfschule zurückgezogen. Ja sozusagen alle Hoffnung investiert in diese ja Befreiung eines Stücks Geisteslebens, eine freie Waldorfschule in der Hoffnung, daß da eine Generation aufwachsen könnte, die nun wirklich, wenn sie erwachsen ist eine eigene Urteilskraft hat und gesunde soziale Ideen hat und das Menschenbild so lebendig in sich trägt, daß sie das sozusagen sofort auch im Sozialen verwirklichen kann Das ist für mich so ein Beispiel, wie Rudolf Steiner einen ungeheuren Wert gelegt hat auf dieses freie Geistesleben.

Sebastian Schöck: Sie haben mir eine Anregung gegeben. Ist Dreigliederung keine Ideologie ?

Lex Bos: Gegenfrage, was ist für sie Ideologie ?

Sebastian Schöck: Eine willkürliche Zusammenballung von bestimmten Gedanken ohne Beziehung zur Realität.

Lex Bos: Ja dann haben sie selber schon die Antwort gegeben. Ich denke, daß die soziale Dreigliederung einerseits eine unmittelbare Beziehung zum Menschenbild selber hat. Wie ich ja schon angedeutet (habe), (daß) ich sprach von dem Nahrungspol, diesem Atmungsgebiet und diesem Formpol und da sieht man sozusagen unmittelbar das Bild eines lebendigen Menschen, was dahintersteckt.

Und andererseits kann man es ohne weiteres sozusagen aus der Wirklichkeit heraus sozusagen wahrnehmen, daß die Wirklichkeit sozusagen drängt nach einem wirklichen Wirtschaftsleben, wo Menschen wirklich an den (für die) Bedürfnisse(n) anderer Menschen interessiert sind und sie sich darauf orientieren.

Und dann ein Rechtsleben, wo wirklich jeder zu seinem Recht kommt und eben ein Geistesleben, was die Menschen individuell frei sich entwickeln läßt. Wenn man vorurteilslos versucht die gesellschaftliche Wirklichkeit anzuschauen, dann sieht man wie das in diese Richtung drängt.

Und ich finde das interessant, wenn ich das kurz ergänzen darf, daß man 3 große Weltbewegungen wahrnehmen kann, die eigentlich sozusagen ein Fetzen oder man kann sagen ein Drittel dieser Dreigliederung schon auf ihre Fahnen geschrieben haben. Wenn sie schauen auf die Menschenrechtebewegung. Das Wort ist führend. Das ist eine Bewegung, die eigentlich ihre Hauptorientierung im freien Geistesleben hat, indem man sagt, jeder Mensch hat Recht Mensch zu sein, jeder ist individuell, jeder ist ein Mensch für sich und jeder muß einen Entwicklungsraum haben für seine Persönlichkeit. Und das wird dann in Recht übersetzt. Das ist richtig. Dafür muß man auch ein Rechtsleben so einrichten. Aber der Ansatzpunkt ist der freie Mensch, der Recht hat um sich in Freiheit zu entwickeln, Menschenrechtebewegung sozusagen für mich in Richtung freies Geistesleben.

Dann sieht man die Friedensbewegung, auch ein weltweite Bewegung, die sozusagen als Grundparole hat, es muß möglich sein, daß Menschen in Frieden miteinander leben. Wir müssen solche Verabredungen machen können zwischen den verschiedensten Völkern und Kulturen und Religionen, daß da wirklich Menschen in Frieden miteinander auskommen, eine Art Grundüberzeugung.

Und dann die dritte Bewegung sozusagen ist die grüne Bewegung, die ökologische Bewegung, die sozusagen hinschaut auf die Art und Weise, wie wir mit der Erde umgehen, wie wir unser Wirtschaftsleben eingerichtet haben.

Das fängt schon mit Schuhmacher an. Schuhmacher der spricht über "small is beautiful" und "small, soft technology". Die ganze Technologie, die wir gebrauchen ist agressiv und vernichtet Umwelt und Natur, eine freundliche Technologie müssen wir entwickeln und wieder sozusagen in "small scales", es muß wieder ein Menschenmaß bekommen, wodurch man sozusagen auch wieder dem Menschen begegnen kann.

Und das ist für mich sozusagen eine Weltbewegung, die grüne Bewegung, die eigentlich schaut auf die Art und Weise, wie wir im Wirtschaftsleben mit der Natur umgehen und auch mit den bedürftigen Mitmenschen und da eben das Wirtschaftsleben menschengemäß einrichten.

Das finde ich ein hochinteressantes Phänomen, daß dort wo die Dreigliederung fällig wird in der Gesellschaft, daß man im Laufe des 20. Jahrhunderts sozusagen drei große Weltbewegungen aufkommen sieht, (irgendwie) die Menschenrechtsbewegung, die Friedensbewegung und die grüne Bewegung, die sozusagen, wenn man die zusammen denkt, daß man dann schon die Dreigliederung ins Blickfeld bekommt.

Sebastian Schöck: Wie könnte eine solche Dreigliederung - volkswirtschaftlich aussehen?

Lex Bos: Ja mein Problem ist, daß sie mich jetzt auf einem Gebiet ansprechen, wo ich gesagt habe, ich bin Unternehmensberater.

Sebastian Schöck: Ja, ja o.k. lassen wir das, lassen wir das - Schnitt, da ist ein Schnitt fällig.

Sebastian Schöck: Ich finde das ja ganz interessant. Oder was wollen sie noch zu dem Thema sagen, das ist vielleicht die beste Frage. -

(Z.B. die Kunden) Sie haben auch in dem Buch über Kundenbeteiligung gesprochen, (das ist auch ne sehr schwierige Frage) ich weiß nicht ob das von Herrn Brüll oder von ihnen ist, aber diese (Frage), wie den in einer partnerschaftlichen Wirtschaftsordnung eigentlich die Kunden irgendwie eine Rolle spielen können, die über eine statistische Größe hinausgeht - also über die Marktforschung?

Lex Bos: Das interessante ist, daß wenn man das wahrnimmt, da sieht man daß das eigentlich schon ein Bedürfnis ist von den Kunden (her) um den Produzenten im Gespräch zu nähren. Aber weil sozusagen das ganze Wirtschaftsleben noch auf dem Kampfmodell gebaut ist, Konkurrenz, Wettbewerb, kommt dieses Kundenstreben auch sofort in ein Kampfmodell und das heißt in Opposition. So ungefähr Konsumenten aller Welt vereinigt euch "gegen" den bösen Produzenten, ja. Und Konsumentenvereinigungen, die sich dann zusammenballen um Kraft zu haben, um sozusagen diesen schlauen Produzent in den Griff zu bekommen. Aber das ist für mich einen Karikatur.

Ich denke da ist eigentlich (ist da) der Wille: Können wir nicht wirklich mit diesen Produzenten in Gespräch kommen und da sind Gott sei Dank auch manche Beispiele, wo nun wirklich Konsumentenvereinigungen mit Produzenten ins Gespräch kommen, Verabredungen machen über Qualität, über Sicherheit, über "after-sale-service" und so weiter.

Sebastian Schöck: Wie könnte (so ne) eine solche Konsumentenvereinigung z.B. aussehen?

Lex Bos: Nah, z.B. gibt es in Holland so eine Hausfrauenvereinigung. Das sind natürlich Großeinkäufer. Die Hausfrauen die kaufen sich manche Sachen ein für den Haushalt - Haushaltgeräte und auch Bettwäsche usw. und die dann sozusagen ihre Erfahrungen bündeln und die sozusagen bei dem Con-Produzent auf den Tisch legen: Ja liebe Freunde eure Bettwäsche oder eure Decken oder eure Ledikanten(?) oder Betten, wenn man sie in der Praxis anschaut, dann haben die bestimmte Fehler, ja, und die wollen wir euch mal klarmachen. Könnt ihr etwas damit (anfangen)?

Wir haben in Holland auch die Konsumentenvereinigung, die sozusagen Produkte testet, ja da kommen irgendwelche Sachen auf den Markt und da wird dann getestet, sind die gebrauchsfreundlich, sind sie reparaturfreundlich, sind sie gefährlich für Kinder und, und, und, ja. Die werden dann gewertet nach Punkten und das sozusagen als Information an den Kunden. Wenn man sich mal so einen Apparat anschaffen will, dann kann man sich mal (an)schauen, ja welcher hat am meisten Punkte?

Sebastian Schöck: Wir haben in Deutschland so eine Art Stiftung Warentest heißt das. Das ist auch die Richtung. (Bloß) Dann taucht halt auch immer so ein bißchen die Frage auf, wer sollte so was finanzieren diese Kundenorganisation? (Wie ist es denn bei...)

Lex Bos: Ja in Holland finanzieren die Kunden das selber. Man kann Mitglied werden von so einer Kundenorganisation und bezahlt man einen monatlichen Beitrag und damit haben sie ein Kapital, womit sie dann ihre Dienstleistungen versorgen können.

Sebastian Schöck: Und da kriegt man Produkttests usw. bestimmte - ? (Nah ja)

Lex Bos: Ja. Es geht auch manchmal über die Läden, daß die Kunden dann zu unsichtbar sind und oft zu viel, auch quantitativ zu viel umfassen und daß dann oft die Ladeninhaber sozusagen eine Sicht haben auf ihren Kundenkreis z.B. in Lebensmittelläden oder daß der Ladeninhaber doch manchmal die Bedürfnisse der Kunden doch weitgehend einschätzen kann. Und wir haben in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, da sind so interessante Versuche, wo Produzent, Handel und Konsumentenvertreter sich mal zusammentun und da sozusagen die Wünsche bündeln und auf Grund dieser Wünsche die Produzenten sozusagen ihre Anbaupläne machen, daß sie dann sozusagen die gewünschten Mengen an Karotten und Kohl und Kartoffeln und, und, und unter sich verteilen, damit sie auch genügend Fruchtwechsel haben und auf Grund dieser Konsumentenwünsche ihre Frucht-, ihre Anbaupläne machen. Das sind Beispiele von ganz konkreter Zusammenarbeit zwischen Kunden, Läden und Großhandel (und...). Aber das natürlich doch in ziemlich kleinem Umfang und noch überschaubar, ja die Frage (ist), wie man sich das vorstellen muß, wie eine Eisenbahngesellschaft oder Fluggesellschaften oder Fernsehgeräte (funktionieren sollten). Aber trotzdem sind da überall Ansätze, daß da doch versucht wird mit den Kunden in Gespräch zu kommen und sie nicht nur statistisch zu ernähren, sondern sich auch wirklich mit Kundenpanels usw. sie zum Reden zu bringen.

- Ich kann noch eine Sache vielleicht noch berichten. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben über das Thema "Urteilsbildung". Und das hat als solches sozusagen nichts mit Dreigliederung zu tun, aber in anderer Hinsicht hat auch alles damit zu tun.

Man kann auch sagen das Herzstück der Dreigliederung ist, daß Menschen miteinander ins Gespräch kommen über ihre sozialen Einrichtungen, wie sie eine Schule einrichten sollen, wie sie einen Betrieb einrichten sollen, wie sie (was für) Verabredungen machen über das Rechtsleben und sozusagen das Kernstück all solcher Besprechungen und Abmachungen und Entscheidungen ist eben die Urteilsbildung, daß Leute sich freie Urteile bilden, ihr Urteil miteinander abstimmen und eben so dann ihre soziale Wirklichkeit gestalten.

Und da habe ich eben eine Doktorarbeit geschrieben über "Urteilsbildung", wo ein Bild entstanden ist von einem Prozeß der Urteilsbildung, (der) sozusagen auch wieder ganz abgelesen ist am Menschenbild. Das ist ein Prozeß, welcher sozusagen sein Zentrum hat in der Frage.

Ein Urteilsbildungsprozeß kommt überhaupt nur in Bewegung, wenn jemand eine Frage hat. Wenn man keine Frage hat, dann kann man höchstens so emotionell seine Urteile aussprechen, aber dann kommt kein Urteilsbildungsprozeß zustande und das fängt immer mit einer Frage an.

Und das ist eine Frage, die immer sich nach zwei Richtungen sich orientieren kann. Das kann eine Erkenntnisfrage sein, das Bedürfnis etwas verstehen zu wollen. Wie ist die Lage, wie ist das so entstanden, ein Konflikt oder ein Problem. Eine Erkenntnisfrage, wo man etwas untersuchen will. Aber eine Frage kann sich auch in die Zukunft richten und da wäre das eine Entscheidungsfrage, eine Wahlfrage, wir müssen etwas tun, es muß sich etwas ändern, es muß etwas getan werden. Und die gleiche Urteilskraft, die kann sich nach der Vergangenheit richten mit einer Untersuchungsfrage, und sie kann sich in die Zukunft wenden mit einer Unternehmensfrage, eine Tatfrage.

Und da entsteht eigentlich schon das Bild eines dreigliedrigen Menschen. Der Mensch hat auch sozusagen ein Kopfgebiet, wo er über die Welt nachdenken kann, sozusagen soweit sie Vergangenheitscharakter hat. Man kann denken über Sachen, die passiert sind (aber auch Zukunft, Phantasie, Red).

Aber er hat auch ein Willensgebiet, wo er Sachen tun will und entscheiden will und handelt und eingreift.

Und er hat ein mittleres Gebiet, wo er sozusagen ständig versucht Harmonie zu schaffen zwischen (dem) was er denkt und (dem) was er tut, zwischen Erkennen und Entscheiden, zwischen Denken und Handeln. Das ist eben das mittlere Gebiet, was da vermittelt und Harmonie schafft. (Fühlen, ggf. "Denken-Fühlen-Wollen" einblenden)

Und so ist das Urteilsbildungsmodell sozusagen ein Modell geworden, das ich abgelesen habe an der Wirklichkeit und wo dann auf einmal sozusagen wieder das Menschenbild auftauchte und ja sozusagen wieder ein dreigliedriges Bild, wobei man nicht mehr sagen kann, wo ist das Geistesleben, wo ist das Wirtschaftsleben? Man kann höchstens sagen ja dieses Bild der Urteilsbildung, was eben eine urmenschliche Tätigkeit ist und das zeigt wieder das Menschenbild so wie es sich ergab, diese zwei Pole mit eben dieser Mitte.

Sebastian Schöck: Können sie noch etwas zu diesem mittleren Pol jetzt noch sagen?

Lex Bos: Ja der mittlere Pol ist die Frage, aber die Frage ist schon ein Bewußtmachen eines Gefühls. Ich habe gesagt (es kommt), es kann eine Erkenntnisfrage gestellt werden und es kann eine Entscheidungsfrage gestellt werden, aber beide Fragen stammen eigentlich aus einem Bereich, (was) der noch dahinterliegt und das ist ein Gefühl. Eine Erkenntnisfrage kommt aus einem Gefühl des Staunens, ein Staunen, eine Verwunderung, ja Mensch wo kommt das her, wie ist das entstanden, was ist da los? Ja? Jede Wissenschaft, sagte Platon schon, entsteht aus Staunen, aus Verwunderung und das ist ein Gefühl. Das Gefühl ist sozusagen der Anlaß.

Und eine Entscheidungsfrage hat als Gefühl dahinter ein Gefühl der Beklemmung, ein Gefühl es muß gehandelt werden, so geht das nicht länger, ich kann das nicht ertragen oder ich kann das nicht verantworten oder das ist nicht erlaubt das muß jetzt geändert werden. Und das ist erst mal eine Beklemmung, ja. Und aus diesem Gefühl der Beklemmung kann dann eine Entscheidungsfrage entstehen, die schon dann schon etwas klarer formuliert ist und dann einen Entscheidungsprozeß auf dem Entscheidungsweg. Aber das ist dann sozusagen der ganze Prozeß fängt irgendwo in der Mitte an, mit diesem Gefühl des Staunens oder der Beklemmung, und da fängt der Prozeß an und geht entweder mehr nach der Erkenntnisseite oder mehr nach der Entscheidungsseite oder beides.

Oft ist es auch so, daß lebensechte Urteilsbildungsprozesse oft nach beiden Seiten ausschweifen. Mal ein Teil Erkenntnisweg und dann vielleicht vorläufige Entscheidungen und dann entdeckt man, daß man einiges noch zu wenig untersucht hat und macht wieder eine Bewegung nach der anderen Seite und so ist das wirklich ein rhythmischer Prozeß, ein dialogischer Prozeß.

Sebastian Schöck: (Ich möcht -) Wollen Sie noch etwas zu den Keimen assoziativer Wirtschaft "kontra" konventionelle Marktwirtschaft (sagen) - (oder eben) da zeigt sich, daß also bei den kleinen Assoziationen doch noch Probleme bestehen oder (oder) haben die einfach mal erst mal einen Vorteil dadurch, daß sie zusammenarbeiten? (Und) Oder die Probleme sind so oder so da auch für im eben Konkurrenzkampf eben?

Lex Bos: Ja ich denke, daß dort wo (wo) erste Ansätze gemacht werden für die assoziative Wirtschaft, daß da oft doch noch immer wieder alle möglichen Probleme entstehen, weil das erst mal sozusagen kleine Inseln sind in einem Meer ringsherum, wo noch Wettbewerb ist und Kapitalismus und so weiter. Ja und das zweite ist, daß da überhaupt beim Menschen noch eine erstaunliche Unterentwicklung von sozialen Fähigkeiten ist, so eine assoziative Wirtschaft fragt wirklich nach (um) einer Fähigkeit, um sachlich Urteile zu bilden über Qualität, über Quantität, über Mengen, über Kosten. Und das ist, soweit ich das miterlebt habe, ist das noch so unterentwickelt, daß das sofort geht das wieder ins Konfliktielle (Konfliktiöse) oder in Eigeninteresse oder in unklare Verabredungen, die dann nicht eingehalten werden und dann entsteht wieder Mißtrauen und dann fängt das wieder an schon auseinanderzuwachsen.

Sebastian Schöck: Gibt es eine - sie haben ja eigentlich eine Dreigliederung in den Institutionen angedeutet - oder ist das jetzt zu weit gesagt? Also - ist es sinnvoll eine Institution (also) auch dreizugliedern oder ist es (ist sie) im Prinzip jetzt schon dreigegliedert und man weiß es bisher noch nicht?

Lex Bos: Ich habe eigentlich in meiner Betrachtung über das mesosoziale nur sagen wollen, jedes Unternehmen hat einfach drei Provinzen, sie hat ein internes Geistesleben, mehr oder weniger bewußt, mehr oder weniger gesund, sie hat ein Rechtsleben, sie hat ein Wirtschaftsleben, das heißt eine Orientierung auf Kunden und Fragen außerhalb. (Das ist sozusagen -) Das gehört zum Lebewesen Unternehmen. Das kann nicht anders, als daß es diese drei Qualitäten darstellt und mit Dreigliederung meine ich, daß man in diese drei Gebiete Bewußtsein hereinbringt und sie sozusagen alle drei in ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit kennenlernt, und daß man, wenn man den Blick richtet auf das interne Geistesleben, daß man dann wirklich sucht nach Freiräumen für Initiative und freie Entfaltung von Fähigkeiten, daß da wirklich die Freiheit am Orte ist.

Und wo man dann hinschaut auf das Gebiet der Verhältnisse, der Beziehungen, daß man da sozusagen anders denkt. daß man merkt ja da muß man nicht im Sinne von Freiheit denken, da ist Gleichberechtigung am Platz, ja? Da muß man jeden Menschen als Mensch ernstnehmen und seine Stimme hören lassen.

Und schaut man in den dritten Bereich, dann ist es überhaupt nur, das was man wahrnimmt, was sind die Bedürfnisse? Nicht was man gerne hätte, was die Bedürfnisse wären, sondern da kann man wirklich die Bedürfnisse sachlich wahrnehmen und mit den Kunden darüber ins Gespräch kommen. Da ist sozusagen Brüderlichkeit im Sinne, ein moderneres Wort gegenseitige Abhängigkeit, da müssen wir wirklich diese Abhängigkeit gestalten.

Ich bin abhängig von dem Kunden, aber der Kunde ist von mir abhängig, da müssen wir das gemeinsam gestalten.

Und soweit in diesen drei Bereichen Bewußtsein entsteht und auch anerkannt wird, daß es Bereiche sind, die ihre eigene Qualität haben, ihre eigene Gesetzmäßigkeit und daß sie sich gegenseitig auch brauchen, insoweit entsteht dann eine soziale Dreigliederung.

Sebastian Schöck: Haben sie ihren Unternehmen eventuell schon mal empfohlen eine deutlichere Dreigliederung unternehmensintern zu machen?

Lex Bos: Oh ja. Das war manchmal peinlich, um mal das letzte Gebiet zu nehmen jeweils, habt ihr Bewußtsein von den (die) Fragen, die ihr lösen wollt? Seid ihr überhaupt orientiert auf die Bedürfnisse anderer? Und das Bewußtsein dafür haben wir in einem bestimmten Fall erst mal betriebsintern geübt. Das haben wir so gemacht, daß wir - jede Abteilung ist natürlich niemals Ziel in sich selber.

Auch eine Abteilung hat innerbetrieblich seine Kunden, produziert vielleicht eine Dienstleistung, die von anderen gebraucht wird oder produziert Zahlen, die andere brauchen oder produziert Ersatzteile, die irgendwo anders eingesetzt werden. Also immer ist ein Kunde außerhalb.

Und jetzt haben wir diese Abteilungen gefragt, könnt ihr die Aufgabe eurer Abteilungen umschreiben im Sinne von Bedürfnissen von anderen Abteilungen. Das war höchst peinlich. Das waren Abteilungen, die konnten nur beschreiben, was sie produzierten, aber wer das nun wirklich braucht ? Das war eigentlich eine lästige Frage, das war peinlich. Die haben sich selbst befriedigt und haben niemals gefragt, ja sind wir wirklich nützlich? Ist unsere Existenzberechtigung abzulesen an der Tatsache, daß andere uns fragen oder uns brauchen.

Und das war der Anfang eines Démaskees kann man sagen, ja. Liebe Freunde dann müßt ihr die Abteilung schließen, peinlich, aber wenn ihr keine Daseinsberechtigung habt im Sinne von Bedürfnissen von anderen, ja was soll das dann? Das ist Hobbyismus, das kann man in der Freizeit machen, aber nicht auf Kosten von den Kunden oder von dem Staat oder wer dann auch die Sache finanziert, ja.

Das ist dann ein Beispiel, wo man sozusagen dieses Bewußtsein versucht zu wecken. Wir haben auch mal in einem Unternehmen ein Brainstorming gemacht, wo in diesem Unternehmen, das war in dem mittleren Gebiet, können wir noch Diskriminierung erwischen? In der Art, wie die Leute sich ansprechen, in der Art wie Sachen angekündigt werden z.B. ja in Holland ist das so: WC und Toilette. Toilette für Herren und WC für Arbeiter, für niedrige Leute oder Pleese (?) noch platter, ja? Und solche Sachen ja, manche (welche) Leute kommen durch die hintere Tür rein (andere) durch die vordere Tür, (wie ist es mit ) - und so weiter, ja? Und wenn man da mit dieser Diskriminierungsbrille durch die Einrichtungen schaut und die konkreten Sachen in der Kantine, wie Leute ihr Essen bekommen, wie sie sitzen und, und, und, ja ? Und die Größe des Büros, ist die wirklich abgelesen an seiner Funktion oder ist es nur Status, ja? Und so weiter. Es ist erstaunlich, was man dann an Ernte kriegt. Und da sind wir wirklich ein paar Jahre beschäftigt gewesen, um sozusagen diesen Diskriminierungspilz, um den auszurotten, ja? Aber der war so eingeschliffen, ein ganzer Ständestaat, wie sagt man da? Ein Ständestaat, eine Klassengesellschaft.

Sebastian Schöck: (Aber) Haben Sie jetzt den Unternehmen jetzt speziell in Hinblick auf diese Dreigliederung eben Strukturvorschläge zu machen?

Lex Bos: Ja ich spüre, daß ich da niemals das Wort "Dreigliederung" - jetzt will ich Dreigliederung einführen.

Ich will versuchen das Unternehmen gesund zu machen und ich weiß, daß ein Unternehmen nur gesund ist, wenn es drei Organsysteme hat, die jedes für sich gesund sind und sich gegenseitig anerkennen und stützten.

Sebastian Schöck: Hat das jede Unternehmung ?

Lex Bos: Das habe ich gerade -

Sebastian Schöck: Drei Organsysteme - ja klar, aber wenn die jetzt -

Lex Bos: Aber die sind oft unterentwickelt oder so funktionsunfähig -

Sebastian Schöck: Oder vermischt.

Lex Bos: Oder vermischt oder ja, daß sie sich gegenseitig wie ein gemischter König (hemmen, Red.), so in Goethes Märchen ja? Ein gemischter König, wo sie sich gegenseitig (er)lähmen.

Aber trotzdem sind die drei immer da, sei es gemischt oder unterentwickelt oder korrumpiert oder wie auch (immer).

Also man braucht niemals etwas einzuführen, man braucht nur zu befreien, zu gliedern oder auf eigene Beine zu stellen. Und dann erscheint allmählich die Dreigliederung, ja.

Sebastian Schöck: Was wollen Sie denn noch -, was würden sie denn noch in so eine Film reinbringen oder was können sie noch, wollen sie noch -?

Lex Bos: Ja ich denke, ich denke so lange man Dreigliederung hantiert doch ideologieartig (ist), so wir haben eine Lösung, wir haben ein Konzept, dann ruft das nur Widerstände auf, ja? Die Leute so - ja von Deutschland aus haben doch manche "Dreigliederer" gehofft nach der Wende: jetzt gehen wir mit dieser Dreigliederung unter dem Arm in den Osten. Liebe Freunde, jetzt, wir haben die Lösung für euch, ja. Ja die waren natürlich so allergisch für Ideologie, die haben das sofort abgewiesen und ich glaube zu Recht, ja?

Sebastian Schöck: Gesund ist, wenn man ohne diesen Begriff - ?

Lex Bos: sozusagen die Probleme anschaut und mit den Leuten sozusagen fragt, ja woran leidet ihr? Wo sind ihre Fragen? Wo habt ihr selber so ein Grundgefühl, das ist ungesund, das ist übel? Ja?

Können wir da mal angreifen, und natürlich, weil man sozusagen die Urbilder lebendig in sich trägt, kann man dann vielleicht am richtigen Ort einsetzen und mal da besser hinschauen und die Leute vielleicht gemeinsam mal eine Bestandsaufnahme machen und vielleicht dann auch mal Gedanken wecken: Soll der Staat so tief eingreifen oder soll vielleicht das Gebiet doch mehr autonom sein? Aber dann ist da viel mehr eine gemeinsame Entdeckungsfahrt, wobei man natürlich bestimmte Gedanken als Frage einbringen kann.

Sebastian Schöck: Können sie noch was sagen zu den Hindernissen sozialer Initiativen - oder überhaupt von Inititativen?

Lex Bos: Hah, ich habe ein Büchlein geschrieben und das heißt "Zwölf Drachen im Kampfe mit sozialen Initiativen". Und das ist entstanden, ja da komme ich auch wieder auf eine persönliche Sache, ich habe in Holland mit drei Freunden (habe ich) eine Bank begründet. Die GLS in Bochum war zwar sieben Jahre vor uns begründet und war für uns auch inspirierend und wir haben in Holland dann auch angefangen für eine Initiative 1968 und haben da erst eine Stiftung gegründet und dann eine Garantiegenossenschaft und dann schließlich 1980 ein richtige Bank, die sogenannte "Triodos-Bank", wo versucht (wird?) aus anthroposophischen Gesichtspunkten auch das Geldwesen zu machen. Und bei der Triodos-Bank habe ich dann jahrelang auch noch als Freiwilliger, als (wo) die Bank auch professionell eingerichtet wurde, habe ich da so als Freiwilliger gearbeitet und dann eben die Biographie mancher Initiativen beobachten können. Es waren immer junge Unternehmer, die kamen zu der Bank, bei der normalen Bank konnten sie keinen Kredit bekommen und kamen dann zu dieser Alternativbank oder eine andere Bank und hofften da Kredit zu bekommen. Und so waren wir in der Gelegenheit viele, viele Biographien von kleinen Unternehmungen zu verfolgen und haben da wahrnehmen können, wie diese Initiativen gefährdet werden. Von welchen Drachen, wir haben das Wort Drachen genannt, das ist ein Bild aus der Apokalypse, wo das Bilde geschildert wird von Johannes, von der Magd, die gebärt, die im Gebären ist - ja - das Kind wird geboren und der Drache lauert, um das Kind zu verschlingen, ja? Das Bild vom Drachen mit der Magd, die das Kind gebärt und Leute, die mit einer Initiative schwanger sind oder Inititative aus sich heraus geboren haben, das ist so wie ein Kind, was geboren wird, ja? Und da liegen die Drachen auch auf der Lauer, lauern da um eine Inititative zu verschlingen. Da ist das Bild entstanden. Da habe ich eine ganze Reihe Drachen aufgelistet, mehr luziferischer Art, mehr ahrimanischer Art, so mehr Sommerdrachen und Winterdrachen, warme Drachen oder kalte Drachen. Nach zwei Seiten werden solche Initiativen getestet, man kann die Drachen auch positiv beschreiben, ja? Widerstandskräfte, die man braucht, sozusagen um sich daran zu stärken, um bewußt zu werden, wach zu werden. Und ja das führt vielleicht jetzt zu weit, um sie alle zu beschreiben, aber das sind eben Widerstandskräfte, die überall wirksam sind, wo Menschen Initiativen ergreifen (nehmen). Und diese Ideologie "Drache" ist auch so einer, wo man sozusagen ein fertiges Konzept im Kopfe hat und versucht das sozusagen in die Wirklichkeit hereinzudrücken,

Sebastian Schöck: Können sie vielleicht ein Beispiel für einen warmen und einen kalten Drachen geben? Oder -

Lex Bos: Ja ein warmer Drachen sind zum Beispiel Leute, die so begeistert sind für ihre Initiavive, daß sie die Wirklichkeit nicht mehr wahrnehmen. Die sind so - ein Narzismusdrache, die sind verliebt in ihre eigene Idee. Und genießen die Idee, aber sehen nicht, daß in dem Moment wo sie die Idee verwirklichen wollen ja daß die Wirklichkeit nicht danach (darum) fragt oder die Wirklichkeit (zwingt um) Anpassung fordert und so weiter, ja. Aber sie sind so verliebt, daß sie das nicht sehen, ja? Und dann rufen sie große Widerstände auf, und werden dann fast Märtyrer, weil die böse Welt ihre schöne Ideen nicht aufnehmen will, ja? Oder kalte Drache ist zum Beispiel so ein Anpassungsdrache, ja? Man hat eine schöne Initiative und man will sie in die Wirklichkeit einführen, da stößt man auf irgendwelche Gesetze oder Widerstandskräfte. Und dann flüstert der Drache einem ein: man soll sich anpassen, nicht Widerstand leisten, nicht die Mühe wert, einfach anpassen. Man will vielleicht eine schöne neue Stiftungsakte machen, vielleicht im Sinne von Dreigliederung und dann kommt der Rechtsanwalt und sagt, ist nicht möglich im heutigen Recht, wir haben nur diese und diese Möglichkeit für eine Satzung und dann sagt der Drache: anpassen, ist nicht so wichtig, ja? Und dann fängt man an vielleicht ein Gebäude zu entwerfen und dann kommt irgendeine Kommission, die muß das beurteilen, ob es gebaut werden darf und da werden alle schönen abgeeckten Ecken werden wieder rechteckig gemacht - an einem Beispiel. Ja und dann kommt auch zur Sprache, soll ich mich wehren und jetzt auf die Barrikaden gehen oder soll ich mich anpassen? Und jedesmal sagt der Drachen, ist nicht der (die) Mühe wert, anpassen, ja. Und so geht es weiter, so gehts weiter, vielleicht mit Einrichtungen vom Unterricht, bestimmte Fächer werden nicht erlaubt von den Unterrichtsbehörden. Und wenn dann diese Freunde nach drei Jahren sich umschauen und sich fragen, ja war unser Ideal eigentlich vor drei Jahren und was ist jetzt draus geworden? - Nicht mehr wiederzuerkennen, eine graue angepaßte Wirklichkeit, ja? Das hat dieser Drachen erreicht, ja? Und das ist so das Gegenbild von Realismus, man muß ein Realist sein und nicht mit Illusionen auf die Barrikaden gehen. Aber der Anpassungsdrache, der führt den Realismus so weit, daß man nach einiger Zeit - der ganze Idealismus, der ganze Impuls ist weg und alles ist angepaßt, ja.

- Ja das (Buch "Zwölf Drachen im Kampfe mit sozialen Initiativen") empfehle ich ihnen gerne mal zu lesen. Das ist ganz kurz, sehr praktisch, aus der Wirklichkeit, -

Autonomiedrache, ja, Leute, die wollen alles selber tun, ja, die wollen nicht abhängig sein, autonom, eine Art Stolz, ja. Und dann nicht irgendwelche Spezialisten um Rat fragen oder sogar nicht nach (um) Schenkungsgeld fragen, denn wir sind sonst doch autonom, wir sind doch selbständig, können doch mit Leihgeld arbeiten, ja. - Und dann sofort mit Abzahlungsraten kommen, die dann die junge Initiative gar nicht aufbringen kann und dann kaputtgeht.

Der Parasitdrache, der Initiative ergreift (nimmt), um sich daran schön zu entwickeln und überhaupt nicht interessiert ist an dem Kunden, nur an der eigenen Entwicklung. Viel beobachtet in der "New age"-Bewegung, ja. Immer mit schönen Initiativen beschäftigt, aber eigentlich nur um sich selber daran zu erleben, Gruppenprozesse zu erleben, gar nicht interessiert an irgendeinem sozialen Output.

Der Haßdrache, ja: beschleunigt inkarnieren, ja, Eile, Eile, schnell. Da wird man verführt zu schnell zu inkarnieren und die Sache gar nicht vorbereiten und gestalten, aber jetzt schnell, ja. Ich habe das oft erlebt. so mit einer Gruppe, die eine Initiative vorbereitet, vielleicht einen Laden zu öffnen oder einen Kindergarten oder irgendeine kleine Druckerei oder was auch (immer). Und dann auf einmal da kommt die Chance ein Gebäude zu kriegen (... über ein Immobil), ja. Jetzt ist da ein Haus zu mieten, es ist unwahrscheinlich geeignet, ja, ist einzigartig, kommt nie wieder, genau richtig, richtiger Preis, wir sind gar nicht reif dafür, aber um Gottes Willen jetzt kaufen. Und wenn man noch einen Architekten in der Initiativgruppe hat, der fängt schon an zu zeichnen und umzubauen und verliebt sich darin. Und da sieht man sozusagen eine Sturzgeburt, die Initiative ist gar nicht reif sich jetzt schon zu inkarnieren und denkt aber das ist die letzte Chance, kommt nie wieder. Und dann (wird über die) sieht man den Haßdrachen wirken, ja. Naja, (da) habe ich einige genannt.

Sebastian Schöck: Gibt es zwölf Gruppen von Drachen?

Lex Bos: Ja es ist eigentlich zufällig, (sie sind -) man kann noch viele bedenken, man auch vierzehn, sechzehn (nennen). Sie sind in zwei mal sechs geordnet. Das verführt, (um) da eine kosmische Gestalt drin zu sehen. Vielleicht ist sie auch verborgen drin. Ich habe sie noch nicht gefunden. Einige Drachen kann man ziemlich zuordnen zu irgendwelchen Sternbildern oder Qualitäten von Widder oder Krebs oder Steinbock aber es ist nicht so klar. Aber es sind halt zwölf geworden und zwar in zwei Paaren von sechs einzuordnen. Das habe ich dann dabei gelassen.

Sebastian Schöck: Wollen sie noch etwas über die esoterischen Hintergründe der Dreigliederung sagen? - Was sinnvoll wäre. - Oder auch eine Frage ist halt auch -.

Lex Bos: Ja ich denke, daß es wichtig ist, daß bestimmte Gruppen von Menschen, die diese Dreigliederung im Herzen tragen, daß die auch wissen, was dahinter steht. Und da meine ich, vielleicht ist das noch mehr exoterisch, eben dieses Menschenbild, dieses dreigliedrige Menschenbild, was man dahinter schauen kann. Aber mehr esoterisch betrachten kann man sagen,

Rudolf Steiner spricht über die Tatsache, daß in unserer Zeit die Menschheit über die Schwelle gegangen ist, - daß die Zeit reif ist, daß Menschen aufwachen jenseits der Schwelle zwischen physischer Welt und geistiger Welt, daß die Zeit reif ist, daß sozusagen diese Schwelle überstiegen wird, daß man die Möglichkeit hat Bewußtsein zu entwickeln jenseits der Schwelle, daß dieser Schwellenübergang sozusagen unbewußt sich schon vollzogen hat und dadurch auch viele Menschen schon Erlebnisse haben von einer anderen Wirklichkeit.

Und Rudolf Steiner beschreibt, daß dort, wo ein Mensch die Schwelle überschreitet, daß die drei Seelenkräfte sich voneinander befreien. Was normal sozusagen vom physischen Leib zusammengehalten wird, das Denken, Fühlen und Wollen, (das wird) über den Leib werden die drei Seelenkräfte immer aufeinander bezogen. In dem Moment, wo der Mensch sozusagen sich befreit von dieser Leibesgebundenheit, und das findet eben statt, wenn man über die Schwelle schreitet, dann gehen Denken und Wollen und Fühlen auseinander. Die gehen sozusagen ihren eigenen Weg oder man kann auch sagen, die suchen ihre eigene Provinz auf, die haben ihre eigene Orientierung in der geistigen Welt. Und das fragt nun nach (um) einem erhöhten Ich-Bewußtsein oder Ich-Kraft, um sozusagen in Freiheit, diese drei Seelenkräfte nun wieder aufeinander zu beziehen. Das ist sozusagen ein erhöhtes Ich-Bewußtsein, was diese drei Seelenkräfte aufeinander bezieht - als freie Tat.

Und ich denke, das widerspiegelt sich sozusagen in dieser sozialen Dreigliederung, daß die Zeit reif ist, daß sozusagen auch die Gesellschaft, daß die gesellschaftlichen Kräfte sozusagen in diesen Schwellenübergang einbezogen werden und auch die Gesellschaft sich in drei autonome Gebiete auseinanderzugliedern hat und der Mensch sozusagen die Kraft aufbringen muß, um diese drei aufeinander zu beziehen.

Wie Rudolf Steiner das auch beschreibt, es gibt kein viertes Gebiet, was nun sozusagen die vier überdeckt oder überkuppelt oder eine Dachorganisation. Nein, er sagt, jeder Mensch ist Teil des Geisteslebens, ist auch Teil des Rechtslebens und ist im Wirtschaftsleben, jeder ist in allen drei.

Als Konsument oder Produzent im Wirtschaftsleben, als Bürger oder als Politiker im Rechtsleben, als Schüler, als Patient, als Gläubiger oder als Priester oder als Arzt oder als Lehrer im Geistesleben. Und das ist der gleiche Mensch, der ist immer in allen dreien.

Und der ist derjenige, der diese drei Gebiete sozusagen mit Bewußtsein und die Dreiheit aufeinander beziehen muß. Und das ist ein esoterischer Hintergrund dieser sozialen Dreigliederung. Ich denke Rudolf Steiner hat auch bewußt, wo er 1919 anfing, sozusagen ganz exoterisch, politisch kann (man?) sagen, nach außen für die Dreigliederung sich einzusetzen (anfing), daß er zur gleichen Zeit, über (als) Gegenbewegungen für die Mitglieder gesprochen hat über die sozusagen in diesem Zyklus "Der innere Aspekt des sozialen Rätsels - die geistigen Hintergründe der sozialen Frage". Das sind dann Titel, von Zyklen, die er in dieser Zeit (03.36.02.) gehalten hat. Wo er sozusagen die ganze Dreigliederungsbewegung verankern wollte in der Mitgliedschaft, Verständnis wecken für die Mitglieder, eben für diese geistigen Hintergründe.