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Die neoliberale Dialektik und das anthroposophische Wirtschaftsmodell

Johannes Mosmann (3/2010)
 

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Öffentlicher Vortrag vom 04.03.10 im Sinnewerk, Berlin.

Sehr verehrte Damen und Herren,

Im vergangenen Jahr habe ich einen Kongress an der TU besucht, der hieß „McPlanet“. Das Motto lautete: „Game Over – Neustart!“ Gemeint war, dass unser Wirtschaftssystem mit der Finanzkrise an sein Ende gekommen sei, und wir nunmehr eine neue Ära einläuten könnten. Sie wissen ja, Anfang 2009 glaubten noch viele, dass die Finanzkrise zu einem Totalausfall unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems führen müsste. In dieser Erwartung kamen also im April letzten Jahres 1700 junge Menschen aus ganz Deutschland in die TU Berlin, um von den Vertretern diverser NGO's, und GO's wie z.B. Heinrich Böll Stiftung, attac, Greenpeace, FIAN u.a. Antworten auf die Frage zu bekommen: was ist für einen Neustart nötig, wo können wir beginnen, was können wir tun?

Zwei Tage wurde diskutiert, vorgetragen und aufgeklärt. Am Abend des 3. Tages verkündete dann das Plenum aus den größten vertretenen Organisationen das gemeinsame Ergebnis. Hunderte von Menschen, meist Jugendliche, starrten gebannt nach vorne, nun sollte sie endlich kommen, die Idee für den Neustart. Und sie kam. Sie lautete: Die Politiker sollen endlich mal was machen!

Kein Scherz. Stellen Sie sich das mal vor. 1700 Jugendliche mit frischem Geist, voller Tatendrang und Hoffnung, und unsere Vorzeige-Zivilgesellschaftler entlassen sie damit: die da oben sollen doch mal was machen! Da wurde jede Hoffnung, jeder Impuls, jede Möglichkeit, das soziale Leben an einem Zipfel zu packen und umzugestalten, im Keim erstickt.

Was war da los, welche Geisteshaltung drückte sich da aus, wie kann man diese Bewusstseinsverfassung charakterisieren?

Nun, die Veranstalter des Kongresses rechneten offenbar gar nicht mit den Menschen, die zu diesem Kongress gekommen waren. Das war da los. Sie rechneten mit ihnen vielleicht als Beitragszahler oder Prospektleser, aber sie rechneten mit ihnen nicht als den Akteuren des sozialen Lebens. Man kann es so sagen: Die sozialen Initiativen rechneten bei ihren sozialen Plänen für die Menschen gar nicht mit den Menschen. Sie hatten sich Pläne für die Menschen ausgedacht, in denen die Menschen gar nicht vorkamen.

Womit rechneten diese „sozialen“ Organisationen denn dann, wenn sie nicht mit den Menschen rechneten? Ich lese Ihnen ein paar Punkte aus der Abschlusserklärung vor. Ich bitte Sie, sich nicht davon hinreissen zu lassen, dass Sie wahrscheinlich selbst den einen oder anderen Punkt schon formuliert haben. Es ist eben das übliche, was man überall hört, alle denken das selbe, ob links oder rechts, ob Materialisten oder Anthroposophen. Deswegen erzähle ich es ja, denn da stößt man auf die eigentliche Krise, auf die eigentliche Katastrophe, wenn man dem nachgeht, was die Antworten so monoton macht, was der Gleichschaltung hier zugrunde liegt. Ich bitte Sie also, für einen Moment davon abzusehen, dass Sie vielleicht selber den einen oder anderen Punkt befürworten, und stattdessen ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, an wen die folgenden Forderungen gerichtet sind, mit wem oder was man bei solchen Gedanken eigentlich rechnet.

„Mit Sonderabgaben sind große Vermögen für die Bewältigung der Krisenfolgen und den zukunftsfähigen Umbau unserer Gesellschaft heranzuziehen … Steueroasen müssen trockengelegt, Hedgefonds und hoch spekulative Finanzprodukte verboten werden. Banken sind Dienstleister der Gesellschaft und gehören unter konsequente öffentliche Kontrolle. Eine Finanztransaktionssteuer muss Spekulation eindämmen und die Krisenfolgen finanzieren. Das Casino muss geschlossen werden … Der Internationale Währungsfonds (IWF) und Weltbank müssen demokratisiert, ihre Programme an sozial-ökologischen Kriterien ausgerichtet werden; Krisenbewältigung und Re-Regulierung der Weltwirtschaft im Rahmen der Vereinten Nationen verhandelt werden … Exportsubventionen der Industrieländer gehören abgeschafft, die Spekulation mit Nahrungsmitteln unterbunden. Der Handel mit Agrargütern muss außerhalb der Welthandelsorganisation geregelt werden. Wir fordern Ernährungssouveränität statt Geschäften mit dem Hunger!“

Merken Sie das? Das hängt doch in der Luft! Wer ist das Subjekt, mit wem rechnen die Menschen, die so etwas formulieren? „es gehört abgeschafft“ - was heisst das den real, wer schafft was ab, wer ist das Subjekt? Nun, das Subjekt ist zunächst einmal jemand anderes. Der Antragsteller schafft ja nichts ab. Die Besucher der Tagung sind auch nicht gemeint, die schaffen auch nichts ab. Der ganze Sozialismus erschöpft sich darin, sich auszudenken, was jemand anderes tun könnte. Für andere hat man tolle Ideen, aber für sich selber hat man nicht eine einzige Idee. An sich selber stellt man überhaupt keine Forderungen. Mit sich selber rechnet man nicht einmal, man kommt nicht einmal auf die Idee, dass man selber der Akteur des sozialen Lebens sein könnte, dass man selber etwas mit der Finanzkrise zu tun haben könnte.

Was ist das für ein Subjekt, mit dem wir da rechnen, wer ist der andere, der an unserer Stelle handeln soll? Das Subjekt ist zunächst irgendein Zentralorgan, der Staat, die IWF, die UNO. Dieses Zentralorgan soll etwas verbieten, Vorschriften machen, die Menschen zwingen. Das ist ja klar. Wenn man nicht mit den Menschen rechnet, dann bleibt nur noch, die Menschen von außen durch irgendeine Super-Instanz zu steuern, zu zwingen. Jede Sozialisierungsmaßnahme, die heute ausgedacht wird, läuft letztendlich darauf hinaus, dass man von einem Zentralorgan fordert, es solle jemand anderen zu irgendetwas zwingen. Man denkt nur staatlich. Der Staat soll den hungernden Menschen helfen, der Staat soll die Bank demokratisieren, der Staat soll den Spekulanten das Geld wegnehmen, der Staat soll uns ein Grundeinkommen geben, der Staat soll uns Arbeit besorgen, der Staat soll unsere Schulen voll finanzieren, der Staat, der Staat, der Staat. Er muss wohl allmächtig sein, dieser Staat. Der Staat ist Gott, der Staat ist ein Götze.

Sie wissen vielleicht, wie der moderne Staat entstanden ist, wie er sich als Gottes Vertreter auf Erden verstanden hat, und wie er sich mit dem anderen großen Gottesvertreter, der katholischen Kirche bekriegt hat. So wie der Staat christlich war, so war ja umgekehrt die katholische Kirche staatlich. Sie können beide in manchen Phasen ihrer Entwicklung überhaupt nicht auseinanderhalten, da stellen die Staatsvetreter die Priester, und umgekehrt treiben die Priester Steuern ein. Aus dem Kampf zwischen zwei religiös-staatlichen Zwitterwesen ist der Territorialstaat als Sieger hervorgegangen. Und er hat bis heute etwas von seinem geistigen Schein, von der Aura des Heiligen behalten. Denken Sie nur daran, dass es kaum einem Menschen unheimlich ist, seine Kinder vom Staat erziehen zu lassen, sondern dass die Menschen heute ganz selbstverständlich die Bildung ihrer Seelen in die Hände des Staates geben. Und der Staat bildet diese Seelen dann auch aus, nach seinem Ebenbild. Und daran liegt es, dass der ganze Ungehorsam der Kinder des Staates darin besteht, ein Stoßgebet zum lieben Staat zu sprechen, so wie auf der McPlanet 2009 geschehen. Zum Vater Staat wenden wir uns flehend und bitten um Gehör, denn der Staatsgott regelt, ordnet, schafft Frieden und Gerechtigkeit. Das ist der Glaube auf der einen Seite, zum Staat hin. Das will ich erstmal so stehen lassen.

Nach der anderen Seite hin, zur Wirtschaft hin, wird ein wenig anders geglaubt. Sie wissen ja, dass man gemeinhin das Erscheinen des Buches „Wohlstand der Nationen“ eines berühmten Theologen als die Geburtsstunde der Nationalökonomie betrachtet. Dieser berühmte Theologe und Moralphilosoph, das war Adam Smith. Adam Smith suchte Gott nicht im Staat, sondern hinter den Trieben des Menschen, namentlich hinter einem Trieb, hinter dem Egoismus. Sie kennen das ja. Smith ging davon aus, dass das Wohl aller dann am größten sei, wenn jeder hemmungslos seinem Egoismus fröne. Wenn der Mensch dagegen die Absicht habe, einem anderen etwas Gutes zu tun, dann würde er tatsächlich weniger Gutes tun, weil nämlich, und das ist die theologische Erklärung, Gott in dem Menschen wirke, wenn er sich seinem egoistischen Trieb ergebe. Berühmt ist in diesem Zusammenhang eine Metapher für dieses Gotteswirken geworden: Eine unsichtbare Hand, so Smith, erhöhe in dem Augenblick das Glück aller, wenn der Einzelne nur an sich selber denke.

Das ist der Kern der klassischen Wirtschaftslehre, und sie merken, der liebe Gott erscheint den Wirtschaftstheologen etwas anders als den Staatstheologen. Es ist mehr ein Schicksalsgott, ein Naturgott, einer, bei dem man in eine dunkle Höhle hinabsteigt und die Dämpfe aus einer Erdspalte atmet, um eine Ahnung von seinen Absichten zu bekommen. Wir haben ja heute nicht zufällig wieder etwas, das dem griechischen Orakel vergleichbar ist, denken Sie nur einmal an die Aktienkurse, oder an die Prognosen der 5 Wirtschaftsweisen. Sprechen Sie das einmal laut aus, dass die Deutschen über 200 Jahre nach der Aufklärung 5 Wirtschaftsweise um Auskunft über ihr Schicksal befragen! Und dann, bitte, lachen Sie, das ist gesund und - das beeinflusst vielleicht auch das Orakel …

Auf der einen Seite haben wir den Staat, der zwingt. Da taucht das Individuum als Subjekt des sozialen Prozesses nicht auf. Der Staat gibt eine Regel, und die Regel macht das dann alles, anstelle des Menschen. Der ist ja nicht einmal demokratisch gedacht, dieser Staat, wenn sie genau hinsehen, das kommt noch hinzu, aber das ist fast schon nebensächlich. Auf der anderen Seite haben wir Gott hinter dem autistischen Menschen, hinter dem bewusstlosen Stück Fleisch „Mensch“. Das ist der Liberalismus. Da taucht das aus Erkenntnis handelnde Individuum, der bewusste Mensch als Subjekt seines Handelns auch nicht auf.

Also, das ist doch das Merkwürdige! Sie werden das überall finden in den „Sozialwissenschaften“, dass in ihnen der bewusst handelnde Mensch ausgeklammert wird, dass der Mensch gedacht ist wie eine an Fäden hängende Puppe, wie ein ferngesteuertes, bewusstloses Dings-Da. Was aber, wenn das gar nicht die Realität ist? Was, wenn da niemand ist am anderen Ende des Fadens, der uns zieht, der uns lenkt im Leben, was, wenn wir selber lenken, wenn wir die Zügel in der Hand haben, aber gar nichts davon wissen, weil wir an den heimlichen Lenker hinter uns glauben? Dann führt uns die Hypothese von der unsichtbaren Hand ins Chaos. Und ich denke, das ist genau das, was im Augenblick geschieht.

Die Menschen bilden sich ein, wissenschaftliche Menschen zu sein. Aber sie sind es nicht! Schauen Sie sich z.B. einmal unsere Naturwissenschaft an. Rudolf Steiner hat das ja sehr schön gezeigt. Er hat über den Atomismus gesagt: der Atomismus ist ein psychologischer, ein auf die Naturwissenschaft übertragener Katholizismus. Die letzte Ursache des Daseins ist da ein gleichförmiges Dingsda, vielleicht etwas Rundes, das macht alles, und wir sind das Ergebnis. So kann man den Gottesglaube nicht los werden, das ist er ja selber, der Gottesglaube, nur kaschiert, nur in anderer Gestalt! Wir haben in allen Gebieten der Wissenschaft diesen kindischen Gottesglauben versteckt, der nichts anderes ist als eine naive Hinwendung zu einem Vatergott, zu einem Schöpfer. Es mag Ihnen vielleicht widerstreben, so zu denken, wahr ist es trotzdem. Sicher, die Menschen wollen den Gottesglaube abstreifen, sie wollen ihn los werden, den alten Glauben. Man kann ihn aber nicht so einfach abstreifen, man muss ihn überwinden. Und das ist eben auch das Problem der Sozialwissenschaft. Das sozialwissenschaftliche Denken ist an dem Punkt, da es sich eigentlich überhaupt nicht mehr auf den alten Mann mit dem weißen Rauschebart stützen kann. Aber man begreift das nicht. Das Subjekt, der Gegenstand der Untersuchung der Sozialwissenschaft, dieser vorgeblichen Wissenschaft vom Zusammenleben der Menschen, ist gar nicht der Mensch, sondern irgendetwas, was man hinter dem Menschen vermutet. Das ist Metaphysik.

Mit ihrem nicht-glauben-wollen haben die Menschen den alten Gott nur in ihr Unterbewusstsein verdrängt, da sitzt er und gibt aus dem Unterbewusstsein heraus den Gedanken der Menschen ihre besondere Färbung. Die Menschen müssen zwanghaft überall den lieben Gott hin-projizieren: Eine unsichtbare Hand, die Konjunktur, „das Recht“, oder irgendein Stellvertreter auf Erden, die UNO, oder so etwas, macht das Leben. Irgendwo ganz weit weg, da liegt die Verantwortung, da wird der Mensch gemacht. So denken sie, alle, ob links oder rechts, ob marxistisch oder neoliberal. Gerhard Schröder hat einmal gesagt, die Konjunktur sei schuld an der Arbeitslosigkeit. Schlagen Sie einmal im Lexikon nach, was man unter Konjunktur versteht, und dann nehmen Sie sich den Satz von Schröder vor, und überlegen, was er eigentlich bedeutet. Er bedeutet nichts anderes als: Der liebe Gott hats gemacht. Da stellt sich der Bundeskanzler hin und sagt, der liebe Gott ist schuld. Und das geschieht im 21. Jahrhundert.

Heute haben wir den Neoliberalismus. Was ist das, der Neoliberalismus? Die Leute haben ja oft ganz komische Vorstellungen von diesem Neoliberalismus, sie denken z.B., der Neoliberalismus sei irgendwas amerikanisches oder so. Nun, in dem Wort Neoliberalismus steckt ja offensichtlich das Wort Liberalismus. Und der Liberalismus , das ist die Ideologie, der Adam Smith ergeben war. Adam Smith hat diesen Liberalismus nicht erfunden, er hat mehr beschrieben, wie sich die Menschen im England seiner Zeit tatsächlich verhielten, welcher Glaube sich in ihren offenbar gedankenlosen Handlungen ausdrückte. Der Liberalismus ist also zunächstmal etwas englisches. Diese Art von Glaube ist auch nicht zufällig in England entstanden, er hat sehr viel mit der Lebensweise der Engländer zu tun. Die Deutschen haben einen anderen Charakter, die sitzen gewissermaßen immer zwischen den Stühlen, zwischen Egoismus und Sozialismus, zwischen Ost und West, zwischen dem Staatsgott und dem Wirtschaftsgott. Und so ist es kein Zufall, dass die heute dominierende Ideologie, die ja eine Weltideologie geworden ist, aus dem deutschsprachigen Raum stammt: der Neoliberalismus. Der Neoliberalismus ist etwas deutsches, der Neoliberalismus ist der deutsche Exportschlager. Die Amerikaner haben ihn übernommen, das stimmt, aber er stammt aus Deutschland.

Der Neoliberalismus ist Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich entstanden. Es hatte sich damals gerade gezeigt, dass die unsichtbare Hand des Wirtschaftsgottes ein böses Spiel mit den Menschen trieb. Arbeitslosigkeit, Hunger und Massenverelendung standen dem Wirtschaftsgott offenbar im Sinn. Deshalb wandten sich einige Liberale in Österreich und Deutschland ein wenig auch dem anderen Gott, dem Staatsgott zu. Es entwickelte sich eine Sozialwissenschaft, bei der das Denken gewissermaßen zwischen beiden Gottesbildern hin- und hergeworfen wurde, in eine Dialektik hineingetrieben wurde zwischen Wirtschaft und Staat. Man glaubte einerseits daran, dass der Egoismus das Allgemeinwohl fördere, aber andererseits glaubte man auch, dass der Staat gewisse Regeln aufstellen müsse. Beides glaubte man in der so genannten Freiburger Schule und in der so genannten Österreichischen Schule. In beiden versuchte man verschiedene Mischformen der beiden Götzen, zwischen dem Staat, und der blinden Wirtschaft. Diese Mischformen nannte man den „dritten Weg“. Und die verschiedenen Formen des so genannten „dritten Weges“ fasste man unter dem Begriff „Neoliberalismus“ zusammen. Ich weiß, sie denken jetzt an Joseph Beuys, aber Beuys wollte zumindest etwas anderes mit seiner Variante des „dritten Weg“.

Das Vorzeigemodell des Neoliberalismus ist die soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Neben Ludwig Erhardt sind die Väter der Sozialen Marktwirtschaft: Alfred Müller-Armack, Walter Eucken, Franz Böhm, Alexander Rüstow und andere, also die Begründer des Neoliberalismus. Letzterer, Alexander Rüstow, hat den Namen „Neoliberalismus“ geprägt. Rüstow versteht sich und den Neoliberalismus als eine „liberale Kritik am Liberalismus“. Er hat ein Buch geschrieben, das heisst: „Die Religion der Marktwirtschaft“. Darin geht es genau um das, was ich eben dargelegt habe, dass die Menschen nämlich in Wahrheit Religion ausüben in der angeblichen Wirtschaftswissenschaft. Was ist aber die Antwort von Rüstow? Der Staat muss die Wirtschaft regeln! Das, verehrte Anwesende, ist also der Neoliberalismus! Auf der einen Seite das freie Spiel des Marktes, auf der anderen Seite der regelnde Staat.

Gemeinsam haben alle Neoliberalen, dass sie sich das soziale Leben als einen Dualismus bzw. ein Zusammengesetztes vorstellen. Das ist die Dialektik der Sozialwissenschaft geworden, und das ist das Problem. Das sozialwissenschaftliche Denken ist eine Dialektik geworden zwischen den beiden Offenbarungen des lieben alten Gottes mit dem langen, mittlerweile sehr langen weißen Rauschebart im sozialen Leben. Sie können alle sozialwissenschaftlichen Theorien, alle Sozialutopien, von Marxismus bis Neoliberalismus als Dialektik zwischen diesen beiden Gottesbildern definieren. Der Unterschied besteht immer nur darin, wie viel der liebe Gott von der einen Seite, und wie viel er von der anderen Seite zu der Utopie beitragen hat. Manchen ist es wichtig, das man innerhalb des Neoliberalismus noch den Unterschied macht zum Ordoliberalismus. Bitte. Darauf kommt es hier nicht an. Meine Kritik ist identisch, ob wir über den Neoliberalismus, den Ordoliberalismus, oder den Marxismus reden. Mir kommt es nicht auf das Mischungsverhältnis an, sondern auf die Tatsache, dass sich das Denken der Menschen in solchen Mischungen zwischen zwei Glaubensverhältnissen, zwischen reinen Glaubensverhältnissen erschöpft. Die Menschen schauen zum Staat und sehen etwas, das ihnen ganz entrückt ist, das das Leben von Außen steuert, dann drehen sie sich um und schauen zur Wirtschaft und sehen da auch wieder etwas, das Ihnen äußerlich ist, etwas Metaphysisches, etwas, das hinter ihnen liegt und sie anschiebt.

Das ist auch die Tragik der anthroposophisch orientierten Sozialutopien. Was ist nämlich aus der Anthroposophie hervorgequollen in den letzten Jahren? Das Grundeinkommen zum Beispiel. Das Grundeinkommen ist die Idee, dass man über einen Steuerzwang Gerechtigkeit schaffen kann, dass man vom Staat aus umverteilen kann. Da hat man auf der einen Seite den Staatsautomaten, der macht das, der schafft Gerechtigkeit. Weil dann aber, so behauptet wenigstens Götz Werner, die Menschen nur noch das machen werden, wozu sie Lust haben, muss man sie auf der anderen Seite für die „Drecksarbeit“, so nennt Götz Werner in seinem Buch die schwere Handarbeit - bitte lesen Sie es nach – teuer bezahlen. Weil die Drecksarbeit dann auch noch gemacht werden muss, muss man den Drecksarbeitern viel bieten, damit sie zur Arbeit bereit sind. Aus Nächstenliebe, aus Wissen um den Bedarf des anderen, so glaubt Götz Werner, arbeitet kein Mensch, sondern der Mensch will seine Arbeitskraft möglichst teuer verkaufen. Das sind die Säulen der Grundeinkommens-Idee. Im Grundeinkommen haben wir auf der einen Seite wieder den Liberalismus, den dumpfen Trieb des Adam Smith, und von der anderen Seite kommt der Staat und sozialisiert, indem er die Menschen zwingt, etwas abzugeben. Bitte lesen Sie es nach, nicht in dem grünen Buch, das ist ja nur eine Phrasensammlung, sondern in dem roten Buch, da steht es drinnen. Das Grundeinkommen ist eine Variante des Neoliberalismus, eine von vielen Varianten der Zusammensetzung von Wirtschafts-Egotrip und Staatsteuerung.

Also, auch die Anthroposophen kommen aus dem neoliberalen Denken nicht heraus. Sie stecken in dem Grundmuster fest, in dem wir alle feststecken: In der Wirtschaft herrscht der Trieb, weshalb die Wirtschaft aus sich selbst heraus keine Organisationsform kennt. Alles Organisierende, alles Regelnde dagegen kommt vom Staat, weil man sich das Vernünftige im Sozialen nur als rechtlichen Prozess, als Abstimmungsprozess in irgendeiner Form vorstellen kann. Auf der einen Seite haben wir die Naturseite, da ist der Mensch Opfer seines Egoismus, von der anderen Seite kommt die Vernunft an diese heran, von außen, als Zwang, durch Staatsgewalt. Und die vom Staat durchgeknetete rohe Masse, das ist die Gesellschaft. Das ist das Schema aller Ideologien. Die Differenz zwischen Liberalismus und Marxismus, um die beiden Extreme zu nennen, besteht lediglich darin, wie viel der Zwang formen soll. Der Liberalismus wünscht sich wenig Staat, weil er eine magische Sozialisierungs-Kraft in dem Trieb vermutet, während der Marxismus eben viel Staat wünscht, weil er den Spuk in dieser Beziehung durchschaut. Die Zwischenformen zwischen diesen Extremen, das ist eigentlich der Neoliberalismus. Innerhalb des Neoliberalismus gibt es dann wieder verschiedene Spielarten, aber da geht es dann nur noch um Feinheiten, um die Art des Reglements etwa, um die Art der Steuer usw., wie z.B. die Tobin-Steuer. Und darum geht es eben leider auch in den Modellen der Anthroposophen.

Ich habe Ihnen ein Artikel mitgebracht, weil ich den Titel zusammen mit dem Bild einfach so komisch fand, so passend zu diesem Vortrag fand, dass ich Ihnen das zeigen wollte. Der Titel lautet: „Mehr Markt oder mehr Staat“, es ist ein Streitgespräch zwischen zwei Politikern. Der eine sagt natürlich: „mehr Markt“, und der andere sagt: „mehr Staat.“ So einfach ist das nämlich. Und das haben Sie schön grafisch dargestellt, indem nämlich in der Mitte zwischen beiden Phrasendreschern der Zuhörer sitzt, aber nur als schwarzer Schatten. Das war keine Absicht, aber es ist trotzdem ein schönes Symbol für die Geistesverfassung der Menschen geworden.

Ich möchte Ihnen einmal etwas vorlesen:

„Anonyme Marktteilnehmer bleiben von moralischen Fragen weitgehend verschont, solange sie den Spielregeln folgen. Finanzmärkte sind also nicht unmoralisch, sondern amoralisch. Vor diesem Hintergrund wird es um so wichtiger, die Regeln, die die Märkte beherrschen, präzise festzulegen. Der anonyme Teilnehmer mag moralische, politische und soziale Erwägungen übergehen; betrachten wir die Finanzmärkte jedoch vom Standpunkt der Gesellschaft aus, können wir solche Überlegungen nicht beiseite lassen.“

Was denken Sie, aus welcher Zeit das ist, und von wem das stammt? Dieses Zitat ist von 1998, es ist also keine Reaktion auf die jetzige Finanzkrise! Und es stammt von keinem Geringeren als von George Soros, dem berühmtesten und berüchtigsten aller Spekulanten! Merken Sie etwas? Es ist genau das, was unsere Sozialaktivisten, die NGO,s aller Couleur, auch die anthroposophischen, als Antwort auf die Finanzkrise auf den Lippen tragen, was sie in ihrer grenzenlosen Naivität sogar gegen den Neoliberalismus vorbringen: der Finanzmarkt soll geregelt werden. Aber mit genau dieser Forderung steht man eben in Wahrheit mitten im Neoliberalismus, das ist eine neoliberale Position! Also, wenn man unsere Sozialaktivisten so hört, dann könnte man denken: Der Aufschwung ist unten angekommen!

Wissen Sie, warum George Soros den Finanzmarkt geregelt haben will? Die Erklärung ist sehr interessant. George Soros beschreibt in dem Zusammenhang, in dem das Zitat steht, wie er gegen den englischen Pfund gewettet hat. Das hat ihn ja berühmt gemacht, weil England daraufhin das europäische Währungssystem verlassen musste und fast zu Grunde gegangen wäre. Soros trägt seither den Spitznamen „The Man who broke the bank of England“, also der Mann, der die Zentralbank Englands knackte. George Soros schreibt, dass er, wenn er über die realwirtschaftliche Seite seiner Spekulation hätte nachdenken müssen, nicht hätte spekulieren können, weil ihn dann Gewissensbisse geplagt hätten. Und das Spannende ist jetzt die Schlussfolgerung, die Logik, die dann einsetzt: Weil also Gewinne machen davon abhängt, dass man nichts weiß von den Folgen seiner Handlungen, die Handlungen aber schlimme Folgen haben, muss das Bewusstsein von Außen herankommen, muss es eine Überwachung von staatlicher Seite geben. Weil Wirtschaft von dem Nichtwissen abhängig ist, muss, wenn sowohl Wirtschaft, als auch Gerechtigkeit möglich sein soll, der Staat von Außen regeln.

Sehen Sie, das ist es, auf den Punkt gebracht. Das ist die Logik, in der wir alle gefangen sind. Wir gehen alle von einer Voraussetzung aus, und indem wir bei unseren sozialen Plänen alle diese eine Sache voraussetzen, bleiben wir alle im Neoliberalismus verhaften. Wir setzen nämlich alle voraus, dass das Soziale, das Wissen um den anderen, das Sorgen für den anderen, immer gerade auf der Seite liegt, die der Wirtschaft entgegengesetzt ist. „Wirtschaft“ ist für uns definiert als das, was dem Handeln aus Wissen um die Bedürfnisse des anderen entgegengesetzt ist. Das ist unsere Definition von Wirtschaft. George Soros zieht die Konsequenz: Weil Wirtschaft auf dem Nichts-Wissen-Wollen von dem anderen beruht, muss das Soziale beim Staat gesucht werden. Damit zementiert Soros aber das Asoziale in der Wirtschaft. Und wir alle ziehen diese Konsequenz, die George Soros zieht! Wenn wir sagen, der Finanzmarkt soll geregelt werden, die Bank soll verstaatlich werden, der Staat soll den Menschen ein Grundeinkommen geben, der Staat soll den Reichen Geld abnehmen, dann machen wir damit eine Voraussetzung. Wir setzen dann voraus, dass die Wirtschaft selbst antisozial ist, dass die Wirtschaft aus sich heraus nicht sozialisiert werden kann. Innerhalb der Wirtschaft selber sozialisieren wir nicht, sondern wir reden nur über die Wirtschaft, wenn wir sozialisieren wollen, meinen aber eigentlich den Staat. In dem Augenblick, wo wir über die Wirtschaft reden, denken wir den Staat, ist das Subjekt der Staat. Das Soziale kommt von außen an die Wirtschaft heran. Und indem wir das voraussetzen, ziehen wir uns als soziale Wesen aus der Wirtschaft heraus. Wir gehen bewusstseinsmäßig heraus aus der Wirtschaft. Damit zementieren wir aber die These, dass die Wirtschaft selber nur den Egoismus kennt, machen diese These zum Wirtschaftsgesetz. Ich sage These, weil es nämlich eine ganz und gar ungeprüfte These ist. Aber indem wir diese These zur ungeprüften Voraussetzung für alles Denken über das Soziale, ja für unser tägliches Handeln machen, setzen wir selber erst den Entzündungsherd in den sozialen Organismus hinein. Das ist der Ursprung des Egoismus in der Wirtschaft! Das ist die große Ideologie, das ist der Anfang allen sozialen Übels der Gegenwart!

Diese gemeinsame Vorraussetzung aller Sozialutopien wollen wir einmal jetzt vor uns hinstellen, und dann wollen wir sie prüfen. Und dann werden wir sehen, ob nicht auch etwas ganz anderes denkbar ist, und ob wir vielleicht sogar der Realität näher kommen, wenn wir die Dialektik zwischen Wirtschaft und Staat ganz aufgeben.

Ich lese gerade Milton Friedman, und wenn Sie den lesen, dann bekommen Sie einen Eindruck davon, welches Menschenbild von unserer Wirtschaftswissenschaft projiziert wird. Durch Friedmans Denken erscheint das Bewusstsein des Menschen genau wie das Atom. Sie bekommen wirklich das Bild eines Atoms, wenn Sie das lesen. Das soziale Leben wird bewirkt durch das Aufeinanderprallen von verkapselten, in sich selbst eingeschlossenen Menschlein. Diese Menschlein-Atome wissen nur, was sie haben wollen, und was sie geben können. Das ist alles, was der Mensch nach Milton Friedman an Bewusstsein braucht. Also, Friedman spricht es auch so aus: warum etwas teurer wird, was in den Betrieben vor sich geht, welche Bedürfnisse die Arbeiter haben, wie sich die Produktionsbedingungen ändern usw., das braucht niemanden zu interessieren, man muss nur wissen, dass es teurer wird. Dennoch ist das Ganze dieser herumflirrenden Atome kein Chaos, weil nämlich diese Atome von einem Naturgesetz beherrscht werden. Dieses Gesetz, das die Menschen von Außen beherrscht, das ist der Marktmechanismus, die unsichtbare Hand.

Sie können an Milton Friedman ganz gut beobachten, dass das neo-liberale Denken nie sauber gedacht ist. Und ich halte es für außerordentlich wichtig, dass wir aus dem Polemisieren gegen den Neoliberalismus herauskommen und uns diesen Neoliberalismus auch mal unbefangen ansehen, um eben zu wissen, wo genau seine Fehler liegen.

Zunächst denkt man, der Mensch kann nichts wissen. Von dieser Hypothese geht man aus. Deshalb sucht man nach einer unsichtbaren Hand. Dann begründet man die unsichtbare Hand damit, dass der Mensch dank einer unsichtbaren Hand nichts zu wissen braucht. Da wird es plötzlich eine Heilslehre. Und die Frage, wie denn die unsichtbare Hand denn überhaupt funktionieren kann, beantwortet man schließlich so: wenn sie funktionieren soll, dann darf der Mensch nichts wissen. Da kehrt es sich ganz um, aus der Hypothese wird ein Zwang. Milton Friedman ist wenigstens nicht so inkonsequent, dass er dann vom Staat fordert, dass der für das Nichtwissen sorgen soll, aber meistens denkt man sich das so, dass der Staat dann durch Monopolgesetze, Bankgeheimnisse und Ähnlichem dafür sorgen soll, dass keiner etwas wissen kann. Aus der Hypothese vom Nichtwissen ist geworden, dass das Wissen mit Gewalt verhindert wird, um die Utopie von der unsichtbaren Hand auszuprobieren. Ohne das Nichtwissen bräuchte man aber möglicherweise gar nicht auf die Gnade einer unsichtbaren Hand zu hoffen! Doch das ist Wirtschaftspolitik: Raum für die imaginäre unsichtbare Hand schaffen, indem man die Verbindungen zwischen den Menschen kappt. Die Menschen dürfen nichts voneinander wissen, dafür sorgt der Staat.

Was die unsichtbare Hand dann anstellt, das beschreiben die Wirtschaftstheologen als einen Mechanismus, als einen „Marktmechanismus“. Wie hat man sich diesen Mechanismus, dieses Naturgesetz vorzustellen? Zunächst wird ein Gut knapp. Es reicht nicht mehr für alle. Diejenigen, die es sich leisten können, bieten mehr für das Gut, um ihre eigene Versorgung zu sichern. Der Produzent kann mehr für seine Produkte nehmen, kann die Preise erhöhen, weil er immer noch genug Menschen findet, die es dann noch kaufen. Die Möglichkeit, erhöhte Preise zu nehmen, weckt die Gier anderer Menschen. Diese fangen an, das selbe Gut zu produzieren, in Erwartung der hohen Preise. Das führt aber dazu, dass das Gut vermehrt wird. Dadurch wird es aber wieder billiger. Irgendwann gibt es ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Das ist die Theorie von der Maschine.

Damit die Maschine läuft, dafür haben wir die Politiker. Das ist vor allem der Job der Politiker, diesen Mechanismus am Laufen zu halten, das erwarten wir von ihnen. Sie sollen durch Steuersenkungen die „Kaufkraft“ des armen Mannes erhöhen, Preisabsprachen verhindern, den „Standort“ Deutschland fördern, Gewinne umverteilen usw. - es handelt sich stets um Wartungsarbeiten an der imaginären Maschine.

Schauen wir uns diese Maschine einmal genau an. Zunächst wird also ein Gut knapp. Aber - das bedeutet doch etwas! Was bedeutet das denn, dass ein Gut knapp geworden ist? Das bedeutet, dass Menschen Not leiden! Da herrscht Mangel, da fehlt etwas! Und diesen Mangel setzt der Mechanismus voraus. Also, das muss man doch im Bewusstsein behalten, was die Dinge in der Realität bedeuten, die man im Kopf so gedankenverloren aneinanderreiht! Das Gut ist knapp! Menschen hungern! Dann erst springt die Maschine an: Aus Gier auf die durch den Hunger möglichen hohen Preise fangen andere an, etwas von dem selben Gut zu produzieren. Das Gut wird billiger. Das ist aber schon das nächste Problem. Wer sagt nämlich Stopp, wer entscheidet, wann das Gut billig genug ist, wer sagt Stopp, bevor es zu billig wird? Zu billig geworden ist es ja dann, wenn zu viele Menschen in die Produktion dieses Gutes gehen. Die Menschen, die jetzt wegen der Gier in den einen Sektor laufen, die arbeiten nämlich nicht in einem anderen Sektor. Ein entsprechendes wird woanders nicht gearbeitet. Dann wird über kurz oder lang ein anderes Gut knapp. Dann herrscht da wieder Not. Zu billig ist es auch, wenn jetzt in dem einen Sektor mehr Menschen arbeiten als nötig, wenn drei Konzerne einen Markt bedienen, für den einer reichen würde. Was bedeutet das in der Realität? Das bedeutet, dass keiner der drei Konzerne seinen Mitarbeitern gerechte Löhne bezahlen kann! Dann herrscht da wieder Not. Dann erst läuft das nächste Rad im Getriebe des Marktmechanismus an. Was passiert dann nämlich? Dann gehen zwei der drei Konzerne Pleite. „Marktbereinigung“ nennt man dieses Pleite gehen von überflüssigen Anbietern. Aber das bedeutet auch wieder etwas in der Realität! Das bedeutet, dass die Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, dass sie ihr Einkommen verlieren! Dann herrscht da wieder Mangel.

Sie sehen, was die Maschine umtreibt, das ist die Gier, die Gier eines isolierten, von seinen Mitmenschen bewusstseinsmäßig vollständig getrennten Wesens. Was sind nämlich die Grundannahmen für diesen Mechanismus? Die Annahmen sind A.: dass das Motiv der Arbeit der persönliche Gewinn ist, und B: Dass der eine von dem anderen nichts wissen kann.

Jetzt stellen Sie sich einmal das folgende vor: Wir warten nicht erst, bis die Maschine anläuft. Wir greifen dem Marktmechanismus vor. Wir lassen es gar nicht so weit kommen, dass der Marktmechanismus wirkt und Menschen umbringt. Wir machen es so: Immer dann, wenn wir sehen, dass ein Gut zu knapp zu werden droht, dann gehen genügend viele von uns in den betreffenden Produktionsbereich und verdienen da ihren Lebensunterhalt, damit das Gut vermehrt wird, bevor es zu knapp wird. Und umgekehrt: immer dann, wenn ein Gut zu viel produziert wird, wenn es zu billig zu werden droht, dann legen wir einen Betrieb in der betreffenden Branche still und arbeiten etwas anderes, bevor der Betrieb Pleite geht, bevor das Produkt zu billig wird und wir auf der Straße landen. Wir nehmen immer Arbeitskräfte aus dem Bereich, wo etwas zu billig zu werden droht, heraus, und leiten sie in den Bereich, wo etwas zu teuer zu werden droht, damit überhaupt nicht erst irgendwo Menschen hungern. Indem wir so dafür sorgen, dass jeder von uns jederzeit genau an dem Platz ist, an dem seine Arbeit auch von anderen gebraucht wird, machen wir genau das, was sich sonst mechanisch ergeben muss: wir erzeugen das zahlenmäßige Verhältnis der Arbeiter in den verschiedenen Branchen, das im Hinblick auf die Bedürfnisse der Menschen, im Hinblick auf das objektive Wertverhältnis der Waren, real möglich ist, bevor das die Maschine macht, indem sie an den entsprechenden Stellen Menschenleben streicht.

Also, stellen Sie sich das vor. Und dann schauen Sie einmal, wer in diesem Gedanken das Subjekt ist. Wer ist in diesem Gedanken „wir“, wen meine ich damit, wenn ich sage, „wir“ erweitern irgendwo eine Produktion und reduzieren irgendwo eine andere Produktion? Sie können versuchen, rechtlich zu denken, demokratisch zu denken, dann werden sie dieses „wir“ nicht finden. Die demokratische Mehrheit ist nicht das Subjekt in meinem Gedankengang, einfach deshalb nicht, weil weder die Bedürfnisse eines Menschen, noch die Beurteilung der Produktionsbedingungen Abstimmungsfragen sind. Was ich eben gesagt habe, ist unmöglich, wenn Sie an die Stelle des „wir“ eine demokratische Mehrheit setzen. Sie können auch versuchen, im gewöhnlichen Sinn wirtschaftlich zu denken, sie werden das Subjekt in meinem Gedanken genau so wenig finden.

Um dieses „wir“ zu fassen, müssen Sie dem Menschen zunächst etwas ganz anderes unterstellen als es unsere Sozialutopisten tun. Unterstellen Sie dem Menschen einmal das genaue Gegenteil von dem, was ihm Liberale, Marxisten, Grundeinkommensleute usw. unterstellen. Unterstellen Sie ihm zunächst, dass sein Motiv zur Arbeit nicht die Gier ist, sondern das Interesse für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen. Denken Sie, er hat eine Freude daran, die Bedürfnisse seiner Mitmenschen zu befriedigen. Unterstellen Sie ihm, dass er nicht an sich selber denkt bei der Arbeit, und dass er auch nicht vor allen Dingen ein Einkommen haben will, sondern dass er vor allen Dingen da arbeiten will, da sein Einkommen haben will, wo er die Bedürfnisse eines anderen Menschen befriedigen kann. Und dann stellt sich doch die Frage: Was sind die Vorraussetzungen dafür, dass ein Mensch sich an den Bedürfnissen seiner Mitmenschen orientieren kann, wenn er das wirklich will?

Milton Friedman unterstellt dem Menschen, dass er nur ein Interesse an sich selbst haben kann, und er setzt voraus, dass keiner etwas von dem anderen wissen kann, dass das Bewusstsein des Menschen zusammenfällt mit seinen Affekten. Und dann denkt Friedman darüber nach, welche Einrichtung unter diesen Voraussetzungen das Wohl aller fördern könnte. Alles weitere ist dann konsequent gedacht. Die Einrichtung, auf die ein Mensch unter diesen Voraussetzungen kommen muss, wenn er logisch denkt, die habe ich ja beschrieben: das ist die unsichtbare Hand. Denn das ist ja klar, wenn keiner etwas von dem anderen weiß, und jeder nur an sich selber denkt, dann muss einer das Ganze überschauen, dann muss einer lenken. Und da das eben nicht der Mensch ist, bleibt nur noch der Extraterrestische.

Wir unterstellen jetzt dem Menschen, dass er kein Autist ist, sondern dass er ein Interesse an dem anderen Menschen hat. Und wir schließen nicht von vorne herein aus, dass es möglich ist, dass er etwas von den Bedürfnissen und Fähigkeiten seiner Mitmenschen wissen kann. Und dann gehen wir vor wie Milton Friedman und denken logisch. Wir fragen: welche Einrichtungen sind unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen nötig, um möglichst alle Menschen zu versorgen, um den größtmöglichen Wohlstand für alle zu erzeugen?

Es liegt ja auf der Hand: es ist nötig, dass jeder weiß, wo er seine Arbeit am sinnvollsten einsetzen kann. Wir dürfen also, nachdem wir dem Menschen das Gegenteil von dem unterstellt haben, was man ihm für gewöhnlich unterstellt, auch nicht voraussetzen, dass die Menschen nichts voneinander wissen können. Denn wenn es wahr ist, dass wir nichts von den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Menschen wissen können, mit denen wir im Wirtschaftsleben verbunden sind, dann ist tatsächlich nur der Egoismus möglich. Die Vorraussetzung dafür, dass ich mich an den Bedürfnissen des anderen orientiere, dass ich aus Liebe zu meinen Mitmenschen handeln kann, ist, dass ich den anderen wahrnehmen kann. Ohne Wahrnehmung ist keine soziale Handlung möglich. Wir müssen also von einem Wesen ausgehen, das mit einem umfassenden Wissen ausgestattet ist, und dann eben fragen: durch welche Einrichtung ist ein solches umfassendes Wissen möglich?

Wenn Milton Fridman diese Frage gehabt hätte, dann wäre er wo ganz anders hingekommen. Wenn er das Bewusstsein des Einzelnen nicht a priori beschränkt hätte, dann hätte er nicht auf den lieben Gott ausweichen müssen. Dann hätte seine Frage nach der Einrichtung für das Wirtschaftsleben wo ganz anders hingeführt. Wo hätte sie dann hingeführt? Nun, Milton Friedman hätte eben als wichtigste Frage gehabt: welche Einrichtung ist für ein umfassendes Bewusstsein nötig? Welche Einrichtung ist nötig, damit jeder Mensch an seinem Platz ein Bewusstsein von den anderen Menschen haben kann, damit er etwas von der Bedeutung seines Konsums und von der Bedeutung seiner Arbeit für die anderen Menschen wissen kann?

Sehen wir zuerst, ob wir unterscheiden können, welche Art von Wissen gebraucht wird. Das Wirtschaftsleben hat ja 3 Bereiche, den Handel, die Produktion und den Konsum. Von den Erfahrungen und Bedürfnissen der Menschen in diesen 3 Bereichen muss jeder etwas wissen können. Ganz äußerlich kann man also zunächst sagen: Es ist eine Einrichtung nötig, durch die jeder Einzelne Informationen aus allen 3 Bereichen des Wirtschaftslebens, aus Produktion, Handel und Konsum erhält.

Schauen wir zunächst auf den Handel: Jeder Mensch muss wissen können, wo die Preise anziehen, wo die Menschen mehr für eine Ware bieten. Er muss also auf eine Art, die ich gleich beschreiben werde, mit den Händlern verbunden sein. Denn die Händler machen Erfahrungen damit, ob sie eine Ware teurer verkaufen können, oder ob sie eine Ware billiger hergeben müssen. Anhand dieser Erfahrungen können die Händler erahnen, ob der Bedarf nach einer Ware steigt oder sinkt.

Das Wissen der Händler muss rücksichtslos offen gelegt werden, da darf es keine Geheimnisse mehr geben. Heute macht man ein Geheimnis darum, eben weil man die Voraussetzung unserer Sozialutopien, dass der eine nichts von dem anderen wissen kann, zum Dogma gemacht hat. Jetzt darf keiner etwas von dem anderen wissen. Dadurch ist das Nicht-Wissen auch an dieser Stelle die reale Vorraussetzung für das soziale Leben geworden, und so werden wir zum Egoismus gezwungen!

Mit der Information von dem Händler alleine kann man allerdings noch nicht viel anfangen. Denn die Tatsache, dass ein Gut stärker nachgefragt wird, heisst noch nicht, dass der Bedarf gestiegen ist und dass das Gut vermehrt werden muss. Das ist nämlich ein weiteres Dogma unserer Markt-Theoretiker, dass die Nachfrage dem Bedarf entsprechen würde. Das stimmt nicht. Stellen Sie sich vor, Sie halten einem hungernden Menschen eine Cola vor die Nase. Selbstverständlich will er die Cola haben. Er hätte aber lieber Brot gehabt. Und diese Tatsache können Sie daraus, dass Sie ihm die Cola verkauft haben, nicht erkennen. Es wäre fatal, wenn Sie jetzt anfangen würden, mehr Cola zu produzieren anstatt Brot, nur weil die Nachfrage nach Cola gestiegen ist.

Unsere Markt-Theoretiker rechtfertigen die Produktion durch den Verkauf. Sie denken, wenn sich ein Produkt verkaufen lässt, dann sei damit bewiesen, dass der Produzent den Bedarf getroffen hat. Der Mensch wird aber, wenn er ein Bedürfnis nicht befriedigen kann, ein anderes Bedürfnis ersatzweise befriedigen. Achten Sie nur mal darauf, wie oft Sie etwas kaufen, als Ersatz für das, was Sie eigentlich brauchen. Ich fliege zum Beispiel nächste Woche nach Frankfurt, aber ich will gar nicht fliegen, ich fliege nur, weil der Zug zu teuer ist. Also, von dem Kaufakt alleine können Sie noch nicht auf den Inhalt des Bedürfnisses schließen. Wenn wir wirklich für die Bedürfnisse anderer Menschen arbeiten wollen, wenn wir wirklich die Produktion nach dem Bedarf richten wollen, wenn eines Tages tatsächlich der Bedarf das Angebot bestimmen soll, dann müssen wir die Bedürfnisse sich artikulieren lassen, dann müssen die Bedürfnisse real geäußert werden.

Das wird verständlicher, wenn Sie noch einen anderen Punkt beachten, und zwar die Tatsache, dass der Mensch niemals ein einzelnes Bedürfnis hat, sondern viele Bedürfnisse. Und diese Bedürfnisse stehen in einem Verhältnis zueinander. Da ist zum Beispiel ein Bedarf nach Biosprit. Die Menschen wollen billig Biosprit kaufen. Auf der anderen Seite ist da ein Bedarf an Getreide. Die Menschen wollen billig Getreide kaufen. Beide Interessen widersprechen sich. Wenn die Menschen billig Biosprit haben wollen, dann muss eine entsprechende Fläche in der Landwirtschaft für Biosprit genutzt werden anstatt für Getreide, welches für den Verzehr bestimmt ist. Dadurch wird das Getreide teurer. Wenn Sie, verehrte Anwesenden, wenn Sie Biosprit kaufen, dann verteuern Sie damit Ihr morgendliches Brötchen. Das ist eine Tatsache. Normalerweise wissen Sie aber gar nichts davon, dass die Befriedigung des einen Bedürfnisses auf Kosten des anderen Bedürfnisses geht. In der Realität ist es so, aber wenn Sie das erst bemerken, nachdem Sie Biosprit gekauft haben, dann wird Ihr Brötchen teurer, und dann verhungern letztendlich Menschen. Und das muss man hinzu nehmen, denn was man an der einzelnen Tatsache ablesen kann, dass Sie nämlich Biosprit kaufen, das entspricht nicht der Realität Ihrer Bedürfnisse. Die Frage ist ja: fragt ein Mensch auch dann noch zu diesem Preis Biosprit nach, wenn er sicher weiß, dass durch seinen billigen Einkauf von Biosprit sein Leben teurer wird, wenn er sicher weiß, dass es für andere Menschen dann so teuer wird, dass sie verhungern müssen?

An der Tatsache alleine, dass ein Mensch Biosprit kauft, kann man nichts sehen, ebenso wenig an der Tatsache alleine, dass er Brot kauft. Man muss beide Tatsachen zusammennehmen, und zunächst sehen, wie sich das eine auf das andere auswirkt. Und dann erst können die Menschen entscheiden, was sie haben wollen, und wo sie lieber Abstriche machen wollen. Das ist erst der Konsumentenstandpunkt. Und diesen Konsumentenstandpunkt, den muss man, wenn man sich bei der Produktion wirklich nach dem Bedarf richten will, zu den Händlerstatistiken hinzunehmen.

Um wirklich einschätzen zu können, wo welche Arbeit gebraucht wird, fehlt noch etwas drittes. Es fehlt noch der Produzentenstandpunkt. Was ist der Produzentenstandpunkt? Wenn es etwa eine Naturkatastrophe gegeben hat, dann müssen, um das selbe Preisverhältnis zwischen Getreide und einem anderen Produkt herzustellen wie vor der Katastrophe, weit mehr Menschen in die Getreideproduktion gehen als es ohne Naturkatastrophe nötig gewesen wäre. Wenn sich die Produktionsbedingungen dagegen nicht verschlechtern, sondern verbessern, dann gilt das Gegenteil: dann sind weniger Menschen nötig, dann macht man das Produkt mit der selben Anzahl Arbeiter unter umständen viel billiger, als man es eigentlich haben will. Es müssen sich also unbedingt auch die Produzenten der verschiedenen Branchen mitteilen, wenn jeder Mensch an den Platz kommen will, an dem er am besten für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen arbeiten kann. Das heisst aber, es braucht alle Urteile der einzelnen Produzenten von ihrer jeweiligen Perspektive aus, denn die Produktionsbedingungen sind an jedem Ort andere. Das müssen die Menschen beurteilen, die vor Ort sind, die mit der Sache verbunden sind, das geht natürlich nicht über irgendein Ministerium oder so etwas.

Von den Produzenten braucht es die Information, was in der jeweiligen Branche möglich ist, ob billiger oder teurer produziert werden kann. Von den Konsumenten braucht es die Information, was sie überhaupt haben wollen, und zu welchem Preis sie es haben wollen. Schließlich braucht es von den Händlern die Information, was wo teurer oder billiger wird. Und die Informationen aus den drei Bereichen der Wirtschaft, aus Produktion, Konsumtion und Handel müssen zusammengefasst werden können, so, dass jeder Mensch über das gesamte Wissen verfügen kann. Wie ist ein solcher Informationsaustausch möglich, wie können wir das machen?

Ich fange bei der Produktion an. Was ist nötig, um das Wissen um die realen Produktionsmöglichkeiten und die besonderen Bedürfnisse der Arbeiter in einer bestimmten Branche transparent zu machen? Es ist nötig, dass ein Arbeiter in einem Betrieb dazu bestimmt wird, sich mit einem Arbeiter aus einem anderen Betrieb der selben Branche auszutauschen. Innerhalb einer Branche muss so etwas wie eine überbetriebliche Kommunikationsplattform entstehen, ein überbetrieblicher Betriebsrat. Die Arbeiter bestimmen denjenigen, von dem sie glauben, dass er am besten objektiv mitteilen kann, was in dem Betrieb gebraucht wird, was für Kosten entstehen, was die zukünftigen Produktionsbedingungen sind. Dieser Arbeiter trifft sich mit einem Arbeiter aus einem anderen Betrieb der selben Branche. So entsteht ein Betriebsrat für eine ganze Branche. Und dieser Betriebsrat entsendet wieder einen, der sich mit einem Vertreter des Betriebsrates einer ganz anderen Branche zusammensetzt. So entsteht letztendlich ein Rat, der einen Überblick über die verschiedenen Branchen hat, und über den das Wissen um die Bedürfnisse und die Produktionsbedingungen aus jedem beliebigen Betrieb X in jeden beliebigen Betrieb Y gelangen kann.

Das selbe geschieht auf der Konsumseite. Alle Menschen essen Getreide. Da ist ein Konsuminteresse, Getreide günstig und ausreichend zu bekommen. Dieses Konsuminteresse findet eine Vertretung, und wird mit ähnlichen Konsuminteressen zusammengefasst. Da gibt es etwa eine Repräsentation des Konsumenteninteresses an günstigen, biodynamischen, Lebensmitteln. Und so werden die gleichartigen Konsuminteressen repräsentiert. Die Repräsentanten der verschiedenen Konsuminteressen kommunizieren dann wiederum miteinander, sodass auch die verschiedenartigen oder sogar gegensätzlichen Konsuminteressen wieder in einem Rat vertreten sind. Und der Rat der Konsumenten bestimmt schließlich jemanden, der die Fakten der Bedürfnislage an die Produzenten übermitteln kann. Die Konsumentenvertretungen stehen also wieder in Verbindung mit den Betriebsräten.

Also: Branchen der Produktion werden zusammengefasst, diese bilden Ausschüsse, die Ausschüsse schließen sich zusammen und bilden wieder Ausschüsse, so dass eine Spitze entsteht. Das selbe geschieht auf der Konsumentenseite: Konsumentenverbände bilden Vertretungen, diese schließen sich zusammen und so weiter. Das selbe geschieht auch bei den Händlern, so dass wir dann 3 Spitzen haben: die Vertreter der verschiedenen Produktionsbranchen, die Vertreter der verschiedenartigen Konsuminteressen, und die Händlervertreter. Diese 3 Spitzen schließen sich wieder zusammen, sodass wir am Schluss eine Spitze haben. Darunter sind Querverbindungen denkbar, es spricht nichts dagegen, dass der Bedarf nach einem bestimmten Produkt direkt den Produzenten mitgeteilt wird. Das Gesamtbild ergibt jedoch das einer Pyramide mit einer Spitze.

Konkret heisst das: Der Bedarf an Biosprit würde sich in einer Konsumentenvertretung äußern, und der Bedarf an Getreide ebenfalls. Beide Konsumentenvertretungen bestimmen wieder Vertreter, die sich zusammenschliessen. Und dieser Zusammenschluss kommt jetzt wieder in Kontakt mit dem Zusammenschluss der Produzentenvertreter, und dem Zusammenschluss der Handelsvertreter. Das ist dann selber ein neuer Zusammenschluss, einer aus Konsumentenvertretern, Produzentenvertretern und Händlervertretern. Alle 3 Bereiche sind in diesem Zusammenschluss über ihre Vertretungen kommunikativ miteinander verbunden.

In einem solchen Zusammenschluss könnte man dann ganz einfach sehen, was die Befriedigung des einen Bedürfnisses für die Möglichkeit der Befriedigung des anderen Bedürfnisses real bedeutet, wie sich welche Produktionsverlagerungen auf die Preise auswirken – und bei welchem Bedürfnis die Konsumenten gegebenenfalls Abstriche machen wollen, damit man das Konsumenteninteresse insgesamt treffen kann. Kurz gesagt: Man würde das gegenseitige Wertverhältnis der Waren bereits vor der Produktion kennen!

Stellen Sie sich das ganz realistisch vor. Da sitzt jetzt zum Beispiel einer, der für die Biosprit-Produzenten sprechen kann, zusammen mit einem, der für die Getreideproduzenten sprechen kann. Der Repräsentant der Getreideproduzenten sagt zum Vertreter der Biosprit-Produzenten: wenn ihr mehr Agrarfläche für Biosprit verwendet, dann können wir so und so viel weniger Getreide anbauen. Das hört der Händlervertreter, denn der sitzt auch mit am Tisch. Und der Händlervertreter sagt jetzt: Ja, wir haben gemerkt, dass die Nachfrage nach Getreide sogar steigt. Aus diesen Informationen ergibt sich bereits ein sachliches Urteil: wenn so und so viel Biosprit produziert wird, dann werden so und so viele Menschen verhungern. Das ergibt sich dem Rat als Fakt, und es ist ganz wichtig, dass Sie das sehen: es wird nicht debattiert oder abgestimmt, sondern es wird sichtbar gemacht, wie sich das eine faktisch auf das andere auswirkt. Darum geht es zunächst. Dann sitzen die Konsumentenvertreter aber ebenfalls mit am Tisch! Und für die stellt sich dann auch eine ganz sachliche Frage: wollen wir beim Biosprit oder beim Getreide Abstriche machen? So kann also kommuniziert werden.

Also, die Wirtschaft würde sich zu einer Spitze hin organisieren. Und jetzt passen Sie bitte ganz genau auf, denn jetzt kommt das Wichtigste: Diese Spitze hat gar nichts, rein gar nichts zu entscheiden. Machen Sie sich das ganz klar, dann verschwinden die Einwände sofort, die jetzt kommen werden, dass das nämlich wahnsinnig kompliziert sei. Wahnsinnig kompliziert ist es nur, wenn Sie sich vorstellen, dass diese Spitze irgendetwas beschliessen müsste, wenn Sie sich das als eine Planwirtschaft vorstellen. Das ist jedoch nicht gemeint. Es geht nur um einen Informationsaustausch, es geht nur darum, zu ermöglichen, dass jeder von dem anderen weiß. Die Spitze ist sozusagen der Knotenpunkt eines Netzwerkes, über den jeder Mensch mit dem anderen verbunden ist. Was hier Spitze heisst, können Sie auch Knoten oder sonst wie nennen, das hat mit Hierarchie gar nichts zu tun, sondern ergibt sich einfach aus der Frage, wie eine Information von dem einen Betrieb in den anderen transportiert werden kann, so, dass letztendlich jeder an seinem Platz bewusstseinsmäßig mit allen anderen verbunden ist. Und dann ist es eben eine Tatsache, dass, wenn Sie jeden Menschen mit dem anderen verbinden, dass es dann eben Überkreuzungen gibt.

Entscheidungen werden ausschließlich auf der individuellen Ebene gefällt. Der Rat hat da nichts mitzureden. Jeder Einzelne entscheidet für sich alleine, was er arbeitet, mit wem er zusammenarbeiten möchte, und was er konsumieren will. Er kann es durch eine solche Netzwerkbildung aber nicht mehr ohne Wissen tun, er weiß jetzt genau, was es volkswirtschaftlich bedeutet, wenn er das eine, oder wenn er das andere arbeitet oder konsumiert. Die Rätestruktur bewirkt, dass das Bewusstsein des Einzelnen erweitert wird, dass die Hülle des Friedmanschen Atoms gesprengt wird, dass keiner mehr behaupten kann, er wüsste nicht, was er tut. Jeder weiß aber auch umgekehrt, wie sich die Handlungen des anderen in die Gesamtwirtschaft stellen. Das ermöglicht einerseits, den Beitrag des Einzelnen zu würdigen, und auch Menschen zum Zuge kommen zu lassen, die gegenwärtig untergehen, und andererseits die reale Wirtschaftsmacht in die Hand eines jeden einzelnen Individuums zu geben - denn wer schädigend in die Wirtschaft eingreifen will, der wird weder Mitarbeiter noch Abnehmer finden.

Rudolf Steiner nannte dieses Gebilde eine „Assoziation“. Die Assoziation hat, wie wir gesehen haben, 2 Pole: einen Bewusstseinspol, und einen Aktionspol. Das Bewusstsein ist gewissermaßen kollektiv, die Handlung dagegen rein individuell. Alle Arbeit und aller Konsum beruht darauf, dass Individuen miteinander Verträge schließen über Leistung und Gegenleistung. Im Hinblick auf die Information des Rates etwa, dass der Bedarf an Hemden steigen wird, tun sich 2 Schneider mit einem Designer zusammen und machen einen Vertrag über die Aufteilung des Ertrages, den sie gemeinsam erwirtschaften werden. Ist es nach Informationen der Assoziation zu erwarten, dass die Nachfrage nach Hemden wieder sinkt, wird der Vertrag gegenstandslos, und man schliesst neue Verträge in neuer Konstellation über etwas anderes.

Erinnern Sie sich an die Frage, die ich zu Beginn gestellt habe? Ich fragte, wer eigentlich das Subjekt ist in den Forderungen der McPlanet Veranstalter. Wir sind dem nachgegangen, und haben gesehen, dass das Subjekt irgendeine jenseitige Macht ist. Und jetzt stelle ich die selbe Frage erneut. Wer ist das Subjekt in der assoziativen Wirtschaft?

Das Subjekt ist das aus Erkenntnis handelnde Individuum. Das aus Erkenntnis handelnde Individuum setzen wir an die Stelle der von einem äußeren Gesetz oder Zwang umhergetriebenen, kopflosen Bestie. Die Assoziation ist die Antwort auf die Frage: wie kann die Wirtschaft auf das aus Erkenntnis handelnde Individuum gebaut werden? Das aus Erkenntnis handelnde Individuum, das ist das Subjekt assoziativer Wirtschaft. Das ist aber in unserer Zeit, in der jeder Mensch sich auf die Spitze seiner Individualität stellen und sich von jeder Form von Herrschaft frei machen will, der einzige Akteur, an dem sich die Einrichtungen des sozialen Lebens orientieren dürfen. Ihm gehört in Wahrheit alle Macht, und nicht einer „unsichtbaren Hand“, einer „Konjunktur“ oder sonst einem phantastischen Götzen. Jede Wirtschaftseinrichtung, die nicht mit der menschlichen Individualität rechnet, erzeugt Elend und Not - weil der Mensch eben in Wahrheit das Wirtschaftssubjekt ist, und nicht irgendein jenseitiger Gott. Wenn aber in der Wirtschaft mit der menschlichen Individualität gerechnet werden soll, anstatt mit dem lieben Gott, dann gibt es dafür nur einen Weg: dass jeder an seinem Platz in die Lage kommt, etwas von jedem anderen an dessen Platz zu wissen. Und das ist die Idee der Assoziation.

Sie wissen ja, dass sich Rudolf Steiner zum Anarchismus bekannt hat. Anders als die Anarchisten hat er aber versucht, das Ideal des Anarchismus real umzusetzen. Was ist nämlich das anarchistische Ideal? Das Ideal des Anarchismus ist die Herrschaftsfreiheit, ist das vollkommen auf sich selbst gestellt sein des Individuums. Und wenn Sie das nicht nur theoretisch in ihrem Kopf haben, sondern wenn Sie sich daran machen, es umzusetzen, dann werden Sie sehr schnell merken, dass Herrschaftsfreiheit auf einem Weg in der Wirtschaft, auf einem anderen Weg im Staat, und wieder auf einem anderen Weg in der Kultur zu erreichen ist. Die Anarchisten spinnen sich entweder in Theoriegebäude, in Luftschlösser ein, oder sie greifen zur Gewalt - oder aber sie erkennen, dass sich im sozialen Leben faktisch wirtschaftliche, rechtliche und kulturell-wissenschaftliche Prozesse voneinander unterscheiden lassen, und rechnen damit.

Wenn Sie die Herrschaftsfreiheit tatsächlich verwirklichen wollen, müssen Sie mit der Realität rechnen, denn dadurch, dass wir in der Realität diese drei möglichen Formen des Zusammenlebens von Menschen haben, müssen wir auch alle drei Bereiche sozialisieren, und nicht nur einen oder zwei. In jedem Bereich heisst aber Sozialisieren etwas anderes, in jedem Bereich ist Herrschaftsfreiheit auf einem anderen Weg zu erreichen, weil die Prozesse eben jeweils andere sind. Und deshalb gab Rudolf Steiner seiner Sozial-Idee den Namen „soziale Dreigliederung“. Die soziale Dreigliederung ist die Idee, dass man alle drei Bereiche des sozialen Lebens, das kulturelle Leben, das rechtliche Leben und das wirtschaftliche Leben durchsichtig machen kann für das Individuum, dass die Menschen ihr Leben in jedem Bereich des sozialen Lebens selbst verwalten können, und sie ist eine Idee, wie das gehen kann, wie diese drei Bereiche durchdrungen werden können von dem freien Willen des Einzelnen, wie man jeden Bereich ganz auf die menschliche Individualität bauen kann.

Wie das in der Wirtschaft angehen könnte, das habe ich heute versucht anschaulich zu machen. Die Antwort ist, dass wir da ein assoziieren der gegensätzlichen Interessen, ein assoziatives Wirtschaften anstrengen müssen. Wir müssen die Frage der Herrschaftsfreiheit aber auch für das Recht und für die Kultur stellen, und da werden wir sehen, dass wir die selbe Frage nur ganz anders beantworten können, weil Recht und Kultur eben auf ganz anderen Prozessen beruhen als die Wirtschaft. Der eine oder andere hat ja sicher schon gemerkt, wo da der Haken wäre, wenn man nur die assoziative Wirtschaft verwirklichen wollte. Wenn z.B. alle Produktion darauf beruhen soll, dass Individuen im Hinblick auf den Bedarf miteinander Verträge über Leistung und Gegenleistung, sowie über die Aufteilung des gemeinsam erwirtschafteten Ertrages schliessen, wie ich das ausgeführt habe, dann geht das nur, wenn es keine Arbeitsplatzbesitzer mehr gibt, wenn es keinen Arbeitgeber mehr gibt, der andere mit dem Recht am Produktionsmittel erpressen kann. Da kommt die Rechtsfrage. Da verlassen wir aber die Wirtschaftsfrage, das ist eine Rechtsfrage. Die Rechtsfrage ist die Frage nach dem Eigentum, nach der Käuflichkeit der Arbeitszeit usw.

Wenn die McPlanet-Veranstalter das Recht in diesem Zusammenhang angerufen hätten, dann hätte ich Verständnis dafür gehabt. Aber genau da, wo es hingehört, will man das Recht nicht haben. Neoliberale, Attac, Grundeinkommler – sie denken alle staatlich, aber ausgerechnet das Recht packen sie mit dem Staat überhaupt nicht an. Sie wollen die Wirtschaft mit dem Staat anpacken. Sie interessieren sich nicht für das Recht, nicht für die Frage des Eigentums an den Produktionsmitteln, aber sie wollen mit dem Staat in die Wirtschaft hineinpfuschen. Das geht aber eben nicht. Wir haben nicht zu fragen, wie der Staat die Wirtschaft zu regeln hat, sondern wir haben zu fragen, wie wir die Wirtschaft selber verwalten können. Dass wir sie selber verwalten können, steht außer Frage, denn wir alleine haben die Macht. Wir haben die Macht, weil wir es sind, die arbeiten, weil wir es sind, die kaufen und verkaufen, und weil wir es sind, die konsumieren. Das ist aber schon die ganze Wirtschaft. Deshalb können wir die Wirtschaft auch organisieren. In dem Augenblick, wo wir das verstanden haben, wird unsere Wirtschaftsmacht real.

Brauchen Sie Geld? Wie viel? Ja, merken Sie das, die Wirtschaft ist nicht beim Staat oder bei der UNO, die ist hier. Was arbeiten Sie denn, was können Sie? Vielleicht braucht jemand hier das, was Sie können? Und vielleicht braucht ein anderer wieder das, was der kann? Dann wäre es doch gut, wir wüssten etwas voneinander. Sehen Sie, da fängt die Wirtschaft an, da liegt die Macht, das ist die Wirtschaftsmacht. Die Banken, die Kartelle, die Unterdrücker, die würden sofort verschwinden, wenn die Menschen das kapieren würden, dass sie selber die ganze Zeit die Wirtschaftsmacht haben, und niemand sonst. Die Menschen sind nur nicht in der Lage, ihre Macht einzusetzen, weil sie von dem Hinstarren auf den Staat gefangen sind, schon ganz parallelisiert sind, und deshalb ihre eigene Verantwortung nicht sehen können.

Die Assoziation ist die Antwort auf die folgende Frage: Wie kann der Mensch in den Mittelpunkt der Wirtschaft gestellt werden, wie können wir Einrichtungen schaffen, bei denen wir nicht mit einer jenseitige Kraft, sondern mit dem Wissen um die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen rechnen, und wie können wir diejenige Einrichtung finden, durch die die Handlung jedes einzelnen Menschen nicht durch Zwang, nicht durch Gesetze bewirkt wird, sondern auf seinem freien Entschluss beruht.

Ist die Assoziation eine Utopie? Nein, sie ist es nicht. Sie ist bloß diejenige Einrichtung, durch die Menschen etwas anderes ausleben können als den Egoismus, wenn sie das wollen. Sie ist ein Wahrnehmungsorgan für die Wirtschaft. Ein solches Wahrnehmungsorgan ist die unbedingte Vorraussetzung für ein brüderliches Verhalten in einer arbeitseiligen Wirtschaft, denn wenn Sie die Bedürfnisse des anderen nicht kennen, dann können Sie auch nichts für ihn tun. Die Utopie besteht lediglich darin, dass ich annehme, dass die Menschen sich brüderlich verhalten wollen. Das ist meine Utopie, oder meine Unterstellung, genau so wie es eine Unterstellung ist, dass die Menschen asozial sind. Weil man den Menschen unterstellt, von Natur aus asozial zu sein, weil man ihnen die Fähigkeit bewussten und brüderlichen Handelns abgesprochen hat, hat man Einrichtungen geschaffen, durch die die Menschen voneinander abgeschnitten werden, durch die sie egoistisch handeln müssen! Wir können genau so gut Einrichtungen schaffen, durch die sie sich brüderlich verhalten können, wenn sie das wollen.

Schauen Sie, es gibt das Phänomen fairen Handel. Das passt überhaupt nicht in das Konzept irgendeiner Sozialutopie. Denn was passiert da? Da bezahlt einer dem anderen mehr, weil er weiß, dass der andere sonst nicht leben kann. Der Kunde, der Fair Trade Produkte kauft, hat nicht nur sich selbst, sondern auch den Produzenten im Blick. Da ist die Möglichkeit, etwas von dem anderen zu wissen, und es ist die Möglichkeit da, sich nicht egoistisch zu verhalten, und die Menschen tun es, plötzlich verhalten sie sich brüderlich. Da ist also offenbar noch etwas ganz anderes im Menschen vorhanden als der Egotrieb, da ist ein Sozialtrieb. Und dieser Sozialtrieb, der macht sich geltend, obwohl wir eine Welt geschaffen haben, die allein für den Egotrieb eingerichtet ist! Er muss also ziemlich stark sein, der Sozialtrieb, wenn er trotzdem durchdringt. Und deswegen gibt es keinen Grund, nicht auch Einrichtungen zu bilden, die mit dem Sozialtrieb der Menschen rechnen statt mit dem Egotrieb.

Ich will Ihnen sagen, was eine Utopie ist. Das hier ist eine Utopie: (Artikel aus der „Wirtschaftswoche“ von 2008) Da geht es um Antworten auf die Finanzkrise. Wie man dabei denkt, das sehen Sie schon am Titel: „Weltgipfel soll neue Finanzmarkt-Regeln aufstellen“. So der Titel. Das ist die Superlative. Der Weltgipfel – was für eine Nummer! Von solchen Superlativen, von einem solchen Zentralismus, von einer derartigen Unterwerfung unter Autoritäten müssen wir wegkommen, wenn wir auch nur irgendetwas bewegen wollen im Sozialen. Ein solcher Weltgipfel hat nämlich mit dem soziale Leben, mit dem Wirtschaftsleben, mit dem Rechtsleben und mit dem Geistes- und Kulturleben genau so viel zu tun wie der Papst mit meiner Moral. Er kann dafür gar nichts! Er kommt bei der Lösung der sozialen Frage überhaupt nicht in Betracht. Wir können heute, wenn wir irgendwie vorwärts kommen wollen, überhaupt nicht mehr auf solche Machtphantasien bauen. Wir müssen mit dem Individuum rechnen, denn da liegt alle Verantwortung, ob wir es wahr haben wollen oder nicht. So ein „Weltgipfel“ ist doch für einen, der ein wenig gebildet ist in sozialwissenschaftlichen Fragen, schlicht kindisch, schlicht pubertär. Das ist völlig utopisch!

Wir müssen ganz aus der Dialektik zwischen Staatsgott und Wirtschaftsgott heraustreten und in das wirkliche Leben eintreten. Wir müssen die Sehnsucht nach einem, der an unserer Stelle die Verantwortung trägt, der uns von irgendwoher schiebt oder zieht, überwinden, wir müssen uns einen Ruck geben und die Fäden, an denen wir hängen, durchtrennen. Wir müssen uns trauen, diese Erde wirklich zu betreten, sie mit unserem ganzen Wesen zu betreten, sie als vollbewusste, selbstverantwortliche Menschen zu betreten.

Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben!

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