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Verschiedene Formen alternden Geldes:
Freigeld versus befristetes Geld

Stefan Reeder (12/2002)
 

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Verschiedene Schriften [1] – so auch einige Artikel in Das Goetheanum [2] – sehen die Idee eines alternden, sich abnützenden Geldes als die Lösung vieler wirtschaftlichen Probleme. Arbeitsloses Einkommen durch bloßen Geldbesitz sowie daraus folgend wachsende Vermögen der Superreichen auf der einen, Armut auf der anderen Seite sollen durch alterndes Geld vermieden werden.

Diese Lehre, Vorschläge Silvio Gesells und seiner Nachfolger – z. B. Werner Onken, Helmut Creutz, Dieter Suhr, Margrit Kennedy – findet innerhalb der Volkswirtschaftslehre kaum Anerkennung: die meisten Wirtschaftswissenschaftler setzen sich mit der Lehre Gesells gar nicht weiter auseinander. [3] Viele Vertreter der "natürlichen Wirtschaftsordnung" und des "Freigeldes" nach Silvio Gesell sind zwar Akademiker, jedoch nicht Wirtschaftswissenschaftler, etwa Architekten, Juristen, Theologen. [4]

Nun sind einige soziale Dreigliederer und Schüler Steiners gleichzeitig Vertreter dieser Richtung. Sie beziehen sich dabei auch auf Rudolf Steiner. [5] Dies ist jedoch problematisch. Denn sie missverstehen ihn und überschätzen die wirtschaftliche Bedeutung künstlicher Liquiditätskosten zur Entwertung des Geldes. Seine Anregungen unterscheiden sich deutlich von denen Gesells und gehen weit über dessen Ideen hinaus.

Das Zinseszinsproblem

Ein Problem unserer Wirtschaft ist der Zinseszins. Wer mehr Geld hat, als er selbst verbraucht, kann dieses für Zins an andere verleihen. Wer weniger Geld hat, als er braucht, leiht sich Geld gegen Zins. Durch die Zinszahlungen hat der Reiche dann nachher noch mehr, wird noch reicher. Und auf den Zins bekommt er wieder Zins. Dies führt dazu, dass die Reichen immer reicher werden. Da die Preise für Zinsen und Kapitalgewinne in den Waren enthalten sind, zahlen alle diese mit.

Wenn aber ein großer Teil des Volkseinkommens einigen wenigen zugute kommt, bleibt für die anderen nicht mehr genug übrig. Sie erhalten keine bezahlten Aufträge, keine bezahlte Arbeit mehr. Staat und staatliche Einrichtungen haben höhere Sozialaufwendungen, erhalten aber weniger Sozialbeiträge oder Steuereinnahmen. Die einkommensstarken Superreichen haben oft Möglichkeiten, Steuerlücken und -oasen zu nutzen.

Nur durch ständiges Wirtschaftswachstum kann der beschriebene Teufelskreislauf funktionsfähig erhalten werden. Nur so ist es möglich, dass die Reichen immer reicher werden, und dennoch genügend für Arme und Sozialsysteme bleibt. Irgendwann muss es zum Zusammenbruch kommen. So einen Zusammenbruch erleben wir zur Zeit. Die Superreichen sind in den letzten Jahren zum größten Teil ärmer geworden, die Armen erst recht noch ärmer. Viele haben durch den Börsencrash Ersparnisse verloren. Fast alle Staaten haben immense Schulden, manche können sie nicht mehr bedienen (z.B. Argentinien). Die Sozialsysteme in Deutschland drohen zu kollabieren.

Der Verdienst Gesells und aller seiner Nachfolger ist, deutlich auf dieses Zinseszins-Problem hinzuweisen.

Freigeld oder "rostende Banknoten"

Zins bewirkt eine Lenkung der Investitionen und Geldströme in unserer Wirtschaft. Dadurch soll das Geld dort investiert werden, wo es den größten Ertrag bringt. Der Zins sorgt so auch für einen Umlauf des Geldes.

Silvio Gesell und seine Anhänger wollen nun den Besitz von Geld künstlich mit Kosten belegen. Dadurch soll auch ohne Zins der Geldumlauf gewährleistet werden.

Dies soll durch eine Art Steuer auf Geld geschehen. Um dieser Steuer zu entgehen, werden die Geldbesitzer ihr Geld entweder schnell ausgeben oder auch ohne Zins an andere verleihen – so die Theorie.

Eine ganz gewöhnliche Inflation bewirkt freilich ohne komplizierte Verfahren der Geldsteuer einen ähnlichen Effekt: auch da ist der Geldbesitz mit Kosten belegt, da das Geld an Wert verliert. Ob der Geldinhaber 5 % Geldsteuer per Jahr zahlen muss oder sein Geld durch Inflation 5 % per Jahr verliert, kommt für ihn weitgehend auf das gleiche heraus.

Allerdings zeigt die Erfahrung: die Kapitalgeber verlangen bei Inflation entsprechend höhere Zinsen. Sie haben ja immer noch die Möglichkeit, ihr Kapital woandershin zu investieren, wo nur eine geringe Inflation besteht. Die höheren Zinsen können den einzelnen Kreditnehmer aber gehörig belasten. So waren z.B. in Italien zur Zeit des Lire die Kreditzinsen wesentlich höher als heute mit dem Euro.

Dasselbe wäre bei auf andere Weise mit Kosten belegtem Geldbesitz zu erwarten: Die Kapitalgeber verlangen trotzdem einen Zins. Und werden trotzdem reicher. Und die Armen ärmer. Die Schuldenfalle bleibt. Realwirtschaftlich ändert sich nichts. Ob ich eine Inflation habe – weil etwa der Staat Geld nachdruckt –, oder künstlich Geld mit Kosten belege, macht keinen so großen Unterschied, ich habe nachher nur eine andere Skala, andere Zahlenverhältnisse.

Zwar verweisen die Vertreter eines durch künstliche Liquiditätskosten sich entwertenden Geldes darauf, dass dies doch etwas anderes sei als eine Inflation, eine solche gerade verhindere. So schreibt z.B. Dieter Suhr: [6] "Man darf bei "Alterung" und "Entwertung" des Geldes freilich gerade nicht an eine Inflation der Währung denken! Es wäre z.B. völlig falsch, der Idee des alternden Geldes entgegenzuhalten: "Das haben wir doch längst mit der Inflation!" Diesem Denkfehler begegnet man eigenartigerweise am hartnäckigsten bei Fachleuten, die doch die "Inflation der Währung" (des Maßstabes) und die "Entwertung des Geldes in der Kasse" (des Tauschmittels) noch am ehesten begrifflich sollten auseinanderhalten können [7] , – vor allem, seit John Maynard Keynes die gezielte und isolierte Entwertung von Geld-in-der-Kasse samt ihren willkommenen Auswirkungen auf die übrige Wirtschaft recht genau erörtert hat. [8] "

Natürlich können die Fachleute diese Begriffe ohne weiteres auseinanderhalten. Aber es kommt eben nicht nur auf Begriffe, sondern auf das Begreifen der Realitäten des volkswirtschaftlichen Prozesses an. Und gerade die Fachleute, die gewohnt sind, volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu durchdenken, erkennen, dass in diesem Prozesse diese künstlichen Kosten auf Geld in der Kasse bzw. auf dem Girokonto ähnlich einer Inflation wirken. [9] Und sie können allein ebenso wie eine Inflation weder den Teufelskreis der Verschuldung durchbrechen, noch verhindern, dass Reiche aus Erträgen ihres Vermögens ein arbeitsloses Einkommen beziehen und so Ihren Reichtum weiter mehren werden. Sie mögen in mancher Hinsicht durchaus günstige Wirkungen in dieser Richtung und Vorteile gegenüber einer gewöhnlichen Inflation haben. Aber die Lösung einer Vielzahl unserer wirtschaftlichen Probleme und "Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus" [10] , als die mit solchen Kosten behaftetes Freigeld von manchen seiner Anhänger gesehen und geschildert wird, ist es genauso wenig wie eine Inflation.

Rudolf Steiners Kritik trifft heute immer noch zu: "Was für Ansichten herrschen zuweilen, heute, wo man überall die Tendenz hat, lieber mit Begriffen zu arbeiten als mit Realitäten, das zeigen Ihnen manche Freigeldleute. Die finden es ganz einfach: Wenn Preise, sagen wir, zu hoch sind irgendwo, so sorge man dafür, daß das Geld geringer wird, dann werden die Waren billiger, und umgekehrt. Wenn Sie aber gründlich nachdenken, so werden Sie finden, daß das ja gar nichts anderes in der Wirklichkeit bedeutet für den volkswirtschaftlichen Prozeß, als wenn Sie beim Thermometer so durch eine hinterlistige Vorrichtung, wenn es zu kalt wird, die Thermometersäule zum Steigen bringen. Sie kurieren da nur an den Symptomen herum. Dadurch, daß Sie dem Gelde einen anderen Wert geben, dadurch schaffen Sie nichts Reales." [11]

Befristetes Geld

alterndes geld Nun stimmt Steiners Sichtweise mit der Problem-Analyse der Freigeldleute durchaus überein: Er sah durchaus den Vorteil des Geldes gegenüber Waren, die durch Verderb bedroht waren. [12] Auch für ihn ist Zinseszins ein Unding. [13] Mit seinen Ausführungen zu jungem und altem Geld weist er jedoch auf vorhandene, reale Prozesse des Wirtschaftslebens hin, nicht auf eine Eigenschaft, die dem Geld angeheftet werden soll. Es kommt ihm darauf an, Geld und sonstige Institutionen der Wirtschaft so einzurichten, dass die ohnehin vorhandenen Prozesse ohne allzu bürokratischen Aufwand besser bewusst gesteuert werden können, das Geld gewissermaßen "gezähmt" wird. [14]

Geld ist ja nichts anderes als eine Buchführung, in welcher die Forderungen der Menschen untereinander dokumentiert werden. Dies geschieht heute zum größten Teil durch das Geld auf Bankkonten. Bei im Umlauf befindlichen Bargeld handelt es sich letztlich um eine "fliegende Buchführung", die nicht dauerhaft in Büchern und Konten erfasst wird, sondern nur für den Augenblick durch die Scheine und Münzen dokumentiert wird. [15]

Steiner schlägt vor, die durch Geld dokumentierten Forderungen zeitlich zu limitieren. Sie können nur bis zu einem gewissen Endtermin geltend gemacht werden, danach verfallen sie. In anderen Bereichen des Rechtes ist eine solche Verjährung von Ansprüchen selbstverständlich, weil sonst irgendeiner plötzlich uralte Ansprüche wieder ausgraben könnte, und es keine Rechtssicherheit gibt. Das Geld bekommt so den Charakter eines Wechsels: die Geldscheine bzw. Buchforderungen haben einen Fälligkeits- oder Endtermin. [16] Noch verständlicher ist es mit einem Warengutschein mit Endtermin beschrieben. Ein solcher kann ja auch zum Einkauf wie Geld verwendet werden, aber nur innerhalb einer gewissen Gültigkeitsfrist.

Warum sollte jemand Geld annehmen, das danach in den nächsten Tagen ungültig wird? Nun, warum zahlt jemand einen Wechsel aus, obwohl das Papier nach der Auszahlung keine Gültigkeit mehr hat? Er hat die Gegenleistung ja schon vorher, bei Ausstellung desselben bekommen. Warum nimmt ein Geschäft einen Warengutschein in Zahlung? Es hat das Geld dafür bereits bei der Ausstellung erhalten. Solches befristete Geld wird nicht durch eine staatliche Zentralbank, sondern durch Zusammenschlüsse von Wirtschaftssubjekten, durch wirtschaftliche Assoziationen ausgegeben. [17] Die Assoziation nimmt es in Zahlung, weil sie bei Schöpfung des Geldes bereits eine Gegenleistung erhalten hat. Das Geld hat sie zur Vorfinanzierung dieser Leistung wie einen Wechsel ausgegeben. Der Empfänger hat das Recht, im Gegenzug Leistungen der Assoziation zu beziehen. Dieses Recht ist zeitlich befristet. So schützt sich die Assoziation vor der Schuldenfalle: der Gläubiger muss ihre Leistungen innerhalb einer bestimmten Zeit in Anspruch nehmen, und damit ist die Schuld wieder getilgt.

Auch in der heutigen Wirtschaft geben Unternehmen zur Finanzierung von Investitionen Wechsel, Anleihen oder Aktien aus. Unternehmen können so also ganz legal quasi eine Art eigenes Geld drucken. Eine wirtschaftliche Assoziation wird sehr viele Unternehmen umfassen, die auch mitein­ander in Geschäftsbeziehung stehen, und natürlich ebenso deren Mitarbeiter. Durch die Größe der Assoziation wird das durch die Assoziation ausgegebene Geld entsprechend stabil und sicher sein. Es dient als allgemeines Zahlungsmittel innerhalb derselben. Es ist eine Anweisung auf die Erzeugnisse der Assoziation, nicht jedoch auf Gewinnanteile, Zinsen oder Tilgungszahlungen, wie dies bei Aktien, Wechseln oder Anleihen der Fall ist.

Man kann nun dieses Geld aus der Sicht der gesamten Assoziation oder der zugehörigen Unternehmen betrachten.

Aus Sicht der gesamten Assoziation ergibt sich folgender Sachverhalt: Die Assoziation zahlt neues Geld an ihre Mitarbeiter (oder auch Lieferanten). Sie ermöglicht ihnen so, innerhalb der Assoziation (für die Assoziation) zu arbeiten. Durch deren Erzeugnisse hat die Assoziation ihre Gegenleistung bekommen. Die Geldempfänger erhalten mit dem Geld eine Anweisung auf ihren Anteil am gemeinsam Erarbeiteten. Sie können mit dem Geld innerhalb der Assoziation einkaufen. Auch Anbieter außerhalb der Assoziation werden das Geld in Zahlung nehmen, um deren Mitarbeiter und Unternehmen als Kunden zu gewinnen, und mit dem erhaltenen Geld wiederum Leistungen der Assoziation beziehen. Auch ein Tauschen in andere Währungen ist möglich. Freilich muss das Geld immer innerhalb der Gültigkeitsdauer wiederum zur Assoziation zurückfließen. Denn nur diese nimmt altes Geld, das seine Gültigkeit bald verliert dann noch in Zahlung. Der Anspruch auf Leistungen der Assoziation bleibt nur begrenzt gültig, weil ja auch deren Produktionsmittel, welche der Assoziation ermöglichen, die mit dem Geld dokumentierten Ansprüche zu erfüllen, sich abnutzen, nur begrenzt haltbar sind.

Aus Sicht der einzelnen Unternehmen innerhalb der Assoziation schaut das Ganze so aus: Ein Unternehmen der Assoziation finanziert sich durch "Leihgeld" (Anleihen, Darlehen usw.) bei einer Bank der Assoziation. Es erhält Geld von der Bank, das in der Laufzeit dem Kredit entspricht. Mit diesem Geld tätigt das Unternehmen seine Investitionen, zahlt Mitarbeiter und Lieferanten. Gleichzeitig wird es jederzeit bereit sein, von seinen Kunden auch altes Geld, das demnächst seine Gültigkeit verliert, als Zahlung zu akzeptieren. Denn es kann damit seine Schulden an die Bank zurückzahlen. Zins- und Tilgungszahlungen wird das Unternehmen jeweils mit dem ältesten Geld zurückzahlen, das es aus den Verkäufen seiner Produkte erhält. Da innerhalb der Assoziation die Unternehmen sich über diese finanzieren, dort Geld geliehen haben, akzeptieren sie auch entsprechend altes Geld derselben als Zahlungsmittel.

Aus Sicht des Einzelnen kann man sich eine wirtschaftliche Assoziation mit befristetem Geld in gewisser Hinsicht ähnlich einem (sehr großen) Tauschring vorstellen. Jemand bietet eine Leistung zum Tausch. Ein anderer nutzt dieses Angebot. Der Leistungserbringer erhält einen dem Kaufpreis entsprechenden Betrag der Währung des Tauschringes gutgeschrieben, dem anderen wird derselbe Betrag belastet. Der gutgeschriebene Betrag ist befristet gültig. Innerhalb einer bestimmten Zeit muss der Empfänger damit nun Leistungen der Mitglieder des Tauschringes, d.h. der Assoziation in Anspruch nehmen. Er kann seinen Anspruch also nicht unbegrenzt horten, sondern nur innerhalb der festgelegten Frist gebrauchen. Tauscht er seinen Anspruch weiter (indem er mit dem Geld des Tauschringes etwas kauft), so muss ihn der neue Inhaber innerhalb der ursprünglichen Frist nutzen oder zur Tilgung seiner Schulden an den Tauschring verwenden. Altes Geld nehmen diejenigen in Zahlung, die Schulden an den Tauschring haben. Neues Geld entsteht, wenn jemand Kredit mit entsprechender Laufzeit bei dem Tauschring aufnimmt.

Hat jemand altes Geld kurz vor dem Verfall, aber er braucht nichts, so kann er seine Forderung nur verschenken, will er sie nicht sinnlos verfallen lassen. So entsteht Schenkungsgeld. Altes Geld wird wertlos für den bisherigen Eigentümer, es wird zum Schenkungsgeld.

Damit werden auch die weiteren Ausführungen Steiners zum befristeten Geld verständlich. [18] Als Kaufgeld behält dieses befristete Geld (sofern sich keine Preisänderungen ergeben) seinen Wert bei – wie heute übliches Geld oder ein heute üblicher Warengutschein eines Handelsunternehmens auch. Als Leihgeld ist jedoch junges Geld teurer oder wertvoller, weil ja einerseits für die längere Laufzeit mehr Zins zu zahlen ist, andererseits damit längere Finanzierungen (für den Kreditnehmer) oder Geldanlagen (für den Kreditgeber) bei der Assoziationsbank möglich sind.

Der Endtermin impliziert ja auch, dass dieses Geld bei der Bank nicht länger angelegt werden kann als bis zu diesem Fälligkeitstermin. Niemand kann dann Geld (und damit Forderungen an die anderen Mitglieder der Wirtschaftsgemeinschaft) unendlich aufbewahren. Das Leihgeld geht in Schenkungsgeld über, weil der Gläubiger für Zinsen und Tilgung altes Geld zurückerhält, das er nicht erneut bei der Bank anlegen kann. Er kann es nur selbst verbrauchen oder verschenken.

Sind dann noch Kapital und Boden unverkäuflich, so kann der Teufelskreislauf der sich öffnenden Schere zwischen Arm und Reich durchbrochen werden. Es ist bei entsprechend gestaltetem Recht einfach schlichtweg ausgeschlossen, Geld und Vermögen immer weiter zu mehren oder in einem "Geldadel" weiterzugeben. Privates Eigentum und private Verwaltung der Produktionsmittel ist jedoch voll gewährleistet, ja gerade so erst voll ermöglicht, sofern sie zur Entfaltung der eigenen unternehmerischen Fähigkeiten dienen.

So zeigt uns Steiner, wie wir durch die einfache Maßnahme der zeitlichen Begrenzung des Geldes dasselbe "zähmen" und die wirtschaftlichen Prozesse besser in den Griff bekommen können.

Das befristete Geld führt zur Bildung von Assoziationen und bekommt wiederum aus diesen seine den Wirtschaftsprozess organisierende Kraft. Schaffte man staatliches Geld ab, so bildeten sich ganz von selbst wirtschaftliche Assoziationen um ihr eigenes Geld zu realisieren. Da es durch die gegenwärtigen Verhältnisse immer Menschen und Einrichtungen gibt, denen das bisherige, staatliche Geld fehlt, besteht gerade jetzt die große Chance und Notwendigkeit zur Schaffung wirtschaftlicher Assoziationen im Sinne der sozialen Dreigliederung. (Zu diesem Thema wird ein weiterer Artikel folgen.)

Vergleich verschiedener Geldarten

Siehe Tabelle


[1] Z.B. Helmut Creutz, Das Geld-Syndrom : Wege zu einer krisenfreien Wirtschaftsordnung, München, Wien 1994; Dieter Suhr, The capitalistic cost-benefit structure of money : an analysis of money's structural nonneutrality and its effects on the economy, Berlin u. a. 1989; Dieter Suhr und Hugo Godschalk, Optimale Liquidität : eine liquiditätstheoretische Analyse und ein kreditwirtschaftliches Wettbewerbskonzept, Frankfurt a. M. 1986.

[2] Zuletzt Frank Bohner, "Diagnose: Geldzirkulationsschwäche : Warum Arbeitsplatzvernichtung und Umweltzerstörung die gleiche Ursache haben", Das Goetheanum 38/2002, S. 693f. Dazu kritische Leserbriefe: Holger Niederhausen, "Alterndes Geld ist nur innerhalb der Dreigliederung ein Heilmittel", Das Goetheanum 40/2002, S. 742f, Ingo Craubner: "Ein Ansatzpunkt könnte die Gründung von Assoziationen sein", ebenda, S. 743, und die Antwort Frank Bohners: "Führen niedrige Zinsen auf Dauer zu noch mehr Wachstum?", Das Goetheanum 44/2002, S. 824.

[3] Diese fehlende Auseinandersetzung wird von den Vertretern dieser Lehre selbst beklagt, vgl. z.B. Klaus-Peter Schleisiek, Übliche Einwände gegen die freiwirtschaftliche Geld­reform, Aachen 1998, http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/schleisiek/einwaende.pdf, S. 18, er verweist allerings auf die bekannten Ökonomen John Maynard Keynes (1883-1946) und Irving Fisher (1867-1947), die Gesell anerkannt haben. Eine neuere Publikation durch einen Fachwissenschaftler ist: Gerhard Niederegger, Das Freigeld-Syndrom : Für und Wider ein alternatives Geldsystem, Wien 1997.

[4] Z. B. sind Helmut Creutz, Margrit Kennedy und Günther Moewes Architekten, Fritz Andres, Roland Geitmann, Johannes Jenetzky und Dieter Suhr Juristen, Johannes Hoffmann, Hans Kessler, Peter Knauer und Thomas Ruster Theologen, Eckhard Grimmel ist Geologe, Johannes Heinrichs Philosoph. Ökonomen sind dagegen Felix G. Binn, Thomas Huth, Dirk Löhr, Werner Onken, Bernd Senf, Gerhard Senft. Diese Aufzählung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. [5] Vgl. z. B. Josef Edmund Zimmermann, "1945 – und was dann? Weltwirtschaftskrisen und Soziales Hauptgesetz" in Das Soziale Hauptgesetz : Beiträge zum Verhältnis von Arbeit und Einkommen (Sozialwissenschaftliches Forum Bd. 1), Stuttgart 1986, S. 197-233; Fritz Penserot, "Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung", Fragen der Freiheit 226, Jan./Feb. 1984, S. 35-37; Werner Onken, "Silvio Gesell – Persönlichkeit und Werk, Fragen der Freiheit 202, Jan./Feb. 1990, S. 27f, Hugo Schwenk, "Der Dreigliederungsimpuls Rudolf Steiners", ebenda S. 43, Emil Leinhas, Vom Wesen der Weltwirtschaft : Versuch eine Weltwirtschaftslehre zu begründen, Lorch 1949, S. 280-299.

[6] Dieter Suhr, Alterndes Geld : Das Konzept Rudolf Steiners aus geldtheoretischer Sicht, Schaffhausen 1988, S. 35f. Die Literaturverweise in den Fußnoten des Zitats entsprechen inhaltlich den Originalfußnoten Dieter Suhrs, ihre Formatierung wurde angepasst.

[7] Friedrich A. von Hayek, Entnationalisierung des Geldes, Tübingen 1977, S. XI; Wolfram Engels, "Schwundgeld" in Capital 7/1982, S. 127. Ebenso Hans Georg Schweppenhäuser, Das kranke Geld, Frankfurt a. M. 1982, S. 143.

[8] John Maynard Keynes, The General Theory of Interest and Money, London 1970 (1936), S. 225ff.

[9] Zu Unterschieden vgl. Helmut Creutz, "Läßt sich der Geldumlauf durch eine dosierte Inflation sichern?" in Fragen der Freiheit 234, Mai/Juni 1995, S. 19-38, Roland Geitmann, "Der Inflationsausgleich im Zins", ebenda, S. 39-47, Klaus Marienfeld, "Die dosierte Inflation – kein taugliches Instrument zur kostenneutralen Umlaufsicherung des Geldes", ebenda S. 48-58.

[10] So der Titel eine Buches von Dieter Suhr: Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus : monetäre Studien zur sozialen, ökonomischen und ökologischen Vernunft, Berlin 1986.

[11] Vgl. Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, a.a.O., S. 80.

[12] Vgl. ebenda, S. 163-165, 174f. [13] Vgl. Rudolf Steiner, Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft, 1. Aufl. 1919, 6. Aufl. (GA 23) Dornach 1976, S. 133.

[14] Vgl. Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, a.a.O., S. 177-181, 200; Rudolf Steiner, Nationalökonomisches Seminar : Aufgaben einer neuen Wirtschaftswissenschaft II, 6 Besprechungen Dornach 1922, 3. Aufl. (GA 341) Dornach 1986, S. 77f.

[15] Vgl. Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, a.a.O., S. 203, 209.

[16] Vgl. ebenda, S. 179f, Rudolf Steiner, Nationalökonomisches Seminar, a.a.O., S. 78.

[17] Vgl. ebenda, S. 79, Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, a.a.O., S. 182.

[18] Vgl. ebenda, S. 177, 179-181, 200.


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