Vom Latein über die Volksprachen zur anthroposophischen Sprache

Quelle: GA 307, S. 250-254, 5. Ausgabe 1986, 17.08.1923, Ilkley (GB)

Es war eine Sprache selber, die das Internationale bewirkte, die bewirkte, daß sich die gebildeten Menschen aller Länder verständigten. Es war die Sprache das Internationale. Diese Sprache [...] konnte fortan nicht mehr das internationale Verständigungsmittel sein. Der Mensch wollte aus seinem tieferen Inneren heraus seine innere Aktivität entfalten. Er griff zu den Volkssprachen. Das machte immer mehr und mehr notwendig, daß die Verständigung auf einem höheren Niveau eintritt als durch die Sprache.

Wir brauchen etwas, was als Geistiges nicht mehr bloß aus den Sprachen kommt, sondern auf eine viel unmittellbarere Art aus der Seele erwächst. Wenn wir in historischer Beziehung für den gegenwärtigen historischen Augenblick die Anthroposophie im richtigen Sinne erfassen wollen, so besteht sie darin, über die ganze Welt hin etwas wie ein internationales Verständigungsmittel zu finden, ein Verständigungsmittel, durch welches sich Mensch zu Mensch findet, ein Verständigungsmittel, welches gleichsam ein Niveau höher liegt als die Sprache.

Die gewöhnliche Lautsprache bewegt sich in der Luft, sie lebt noch im sinnlichen Elemente. Die Sprache, die angestrebt wird durch die Anthroposophie, wird sich bewegen - mehr als bildlich ist das gemeint - im reinen Elemente des Lichtes, das von Seele zu Seele, von Herz zu Herz geht.

Damals die lateinische Sprache: jetzt allgemeinmenschliche Ideen, durch welche der Mensch den Menschen über die ganze Erde hin eigentlich finden kann!