Kirche hat Todesstrafe für Ketzer immer delegiert

Quelle: GA 344, S. 211-212, 1. Ausgabe 1994, 20.09.1922, Dornach

[Zu Ihren Fragen:] Pflicht der Gemeindemitglieder zu kommunizieren? - Ich würde es nicht für richtig halten, eine Pflicht einzuführen, aber ich würde es für das Richtige halten, daß Sie so wirken, daß keiner das Kommunizieren unterläßt. - Möglichkeit des Ausschlusses von Gemeindegliedern von der Kommunion? Was soll das für einen Zweck haben?

Emil Bock: Wir haben nur diese Dinge durchdenken wollen. Es haben einige überlegt, daß man einmal einen Menschen aufgenommen hat in die Gemeinde, den man zu einem anderen Zeitpunkte nicht als Mitglied aufgenommen hätte. - Wenn der nun zur Kommunion kommen will, kann man den immer zulassen?

Rudolf Steiner: Es ist ja vorauszusetzen, daß Sie in den Fällen, die eben nicht, ich möchte sagen selbstverständliche Fälle sind, doch immer die Gelegenheit haben, mit diesen Menschen irgendwelche Beratung zu haben. Das wird sich von selbst ergeben, und dann werden Sie ihn in der richtigen Weise vorzubereiten haben. Wenn Sie einen Mörder haben, der am nächsten Tage hingerichtet werden soll, so werden Sie ihm deshalb die Kommunion nicht verweigern. Das ist so ziemlich der radikalste Fall. Das kann nicht gut zu den Disziplinarverfahren gehören, die Kommunion zu verweigern. Es wird Ihnen überhaupt sehr schwierig sein, irgendeine Jurisdiktion über die Gemeinde zu haben - die hatte die Kirche niemals, immer hat sich die politische Gemeinde dazu hergegeben -, die werden Sie niemals haben. Niemals hat die Kirche einen Ketzer verbrannt; sie hat nur gesagt, daß er ein Ketzer ist und des Todes würdig. Durch die Kirche selbst wurden nie Ketzer verbrannt.