Übertriebene Konkurrenz kann schädlich sein

Quelle: GA 340, S. 201-202, 5. Ausgabe 1979, 06.08.1922, Dornach

Nehmen Sie zum Beispiel die Auseinandersetzungen über den Preis, so werden Sie finden, daß da Ihnen gesagt wird, die Bedingungen der Preishöhe auf der Seite des Verkäufers seien diese: welches sein Geldbedarf ist, welchen Wert das Geld hat, welche Produktionskosten aufgebracht werden sollen und welche Konkurrenz von Seite der Käufer eben da ist. Wenn Sie aber dann diese Begriffe analysieren, so werden Sie überall finden, daß Sie zwar ganz richtig über diese Begriffe nachdenken können, daß Sie aber mit diesen Begriffen nicht in die wirtschaftliche Wirklichkeit hineinkommen können, aus dem einfachen Grunde, weil Sie sich ja erst fragen müssen: Ja, ist es denn auch ein wirtschaftlich gesunder Zustand, wenn gerade ein bestimmter Unternehmer zu einer bestimmten Zeit Geldbedarf hat und dadurch nach einer bestimmten Strömung hin, nach seinem Geldbedarf, die Preise sinken oder steigen, ist auch das, was man den Gebrauchswert des Geldes nennen kann, etwas, was in gesunder Weise wirken kann? - Beides kann in gesunder und krankhafter Weise wirken. Und wiederum, wenn Sie an die Produktionskosten denken, so kann es wünschenswert sein, zur Herstellung eines gesunden Preises nicht nachzudenken, wie sich die Preise stellen, wenn man die Produktionskosten als etwas Absolutes ansieht, sondern nachzudenken, wie die Produktionskosten für einen Artikel vermindert werden müßten, wenn er auf dem Markt einen gesunden Preis haben soll. Also es handelt sich darum, daß Sie solche Begriffe haben, die nun wirklich an ihrem Anfang anfangen können. Geradesowenig wie Sie einen lebendigen Menschen anfangen lassen zu leben in seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre, ebensowenig sollte man Begriffe, die ins Leben hineinspielen, beliebig wo anfangen lassen. Man sollte nicht volkswirtschaftliche Begriffe bloß, sagen wir, bei der Konkurrenz der Käufer oder Verkäufer anfangen lassen; denn es handelt sich darum, ob unter gewissen Voraussetzungen nicht gerade das der prinzipielle wirtschaftliche Fehler ist, daß eine übertriebene Konkurrenz der Verkäufer oder auch der Käufer da ist. Das sind die Dinge, die man gerade bei dem Prinzipiellen ungeheuer stark berücksichtigen muß.