Kapitalzirkulation als Illustration zum Prinzip «Befreiung des Geisteslebens»

Quelle: GA 341, S. 015, 3. Ausgabe 1986, 31.07.1922, Dornach

Wenn Sie meinen, das Wirklichkeitsgemäße werde Ihnen schwer bei diesen Betrachtungen, so möchte ich sagen: Das Wirklichkeitsgemäße könnte eigentlich gerade leicht werden! Sie sagen: die « Kernpunkte » sind logisch in sich geschlossen. Das sind sie gar nicht, weder die « Kernpunkte » noch die anderen Sachen! Wobei ich betone, daß ich nicht rein volkswirtschaftlich sein wollte, sondern sozial und volkswirtschaftlich. Dadurch ist natürlich der ganze Stil und die Haltung dieser Schriften bedingt, so daß sie nicht durchaus rein volkswirtschaftlich bewertet werden können. Das können höchstens einzelne Aufsätze in den Dreigliederungsschriften. Aber logisch in sich geschlossen finde ich sie schon gar nicht, weil ich doch, vorsichtig genug, nur Richtlinien angegeben habe und Exempel oder eigentlich nur Illustrationen. Ich wollte ein Bewußtsein dafür hervorrufen, was dadurch erreicht wird, daß jemand ein Produktionsmittel nur so lange verwaltet, als er dabeisein kann; dann muß es übergehen auf den, der es selbst wieder verwalten kann. Ich kann mir gut denken, daß das, was dadurch erreicht werden soll, auf einem anderen Wege erreicht werden könnte. Ich wollte bloß Richtlinien angeben. Ich wollte zeigen, daß man einen Ausweg findet, wenn man diese Dreigliederung sachgemäß durchführt, wenn man tatsächlich das Geistesleben als solches befreit, wenn man das Rechtsleben auf demokratische Basis stellt, und wenn man das Wirtschaftsleben auf das Sachliche und Fachliche stellt, was in den Assoziationen vertreten werden kann. Und ich habe die Überzeugung, daß dann im Wirtschaftlichen schon das Richtige geschieht.

Ich sage, die Menschen werden das Richtige finden, die in der Assoziation darin sind. Ich möchte mit Menschen rechnen, und das ist das Wirklichkeitsgemäße.