Talar als Phrase der Vergangenheit

Quelle: GA 196, S. 270-271, 1. Ausgabe 1966, 21.01.1920, Dornach

Es ist doch merkwürdig, daß gerade im Zeitalter der Phrase, die im öffentlichen Leben herrscht, daß in diesem Zeitalter der Phrase auftritt eine geistige Strömung, eine geistige Gemeinschaft mit entschieden wirksamen Prinzipien! Diese geistige Gemeinschaft hält sich recht sehr geheim, nicht so sehr ihrem Bestande nach, sondern ihrem eigentlichen inneren Impulse nach. Warum ist denn das eigentlich? Weil wir im Zeitalter der Phrase leben und die Phrase es gestattet, Wirklichkeiten zu fälschen. Denn was bildet sich denn da eigentlich heraus? Was ist denn im Grunde genommen schon da? Das zunächst auf sich gestellte wirtschaftliche Leben, mit dem die Phrase nicht mehr stimmt, das Geistesleben, das unterirdisch getrieben wird, und das Rechtsleben, das eben als Phrase in der Toga einherschreitet, ungefähr mit derselben Bedeutung für die äußere Welt als Jurisprudenz, wie der englische Richter im Richterornat dasitzt. So wie dieses Richterornat sich verhält zu dem, was da Wirklichkeit ist, so verhält sich die Jurisprudenz zu dem, was die dahinterstehende Wirklichkeit ist. Eine Dreigliederung im Reich der Phrase, eine Dreigliederung in der Unwahrheit, aber der Beweis für die Notwendigkeit der Dreigliederung.