Geistesleben stellt auch Richter für Handelsrecht

Quelle: GA 332a, S. 102, 2. Ausgabe 1977, 26.10.1919, Zürich

Frage: Wer richtet in handelsgerichtlichen Angelegenheiten, wohl nicht Räte aus dem Kulturgebiet allein, die der Fachkenntnisse ermangeln, nicht Fachexperten allein?

«Im Grunde genommen ist viel von dieser Frage schon beantwortet mit dem, was ich eben jetzt gesagt habe. Durch die Gestaltung unseres Geisteslebens wird einer so vorgebildet, wie er sein muß, damit er ein richtiger Referendar ist, damit er ein richtiger Kaufmann ist und dergleichen. Es handelt sich darum, daß eben im dreigliederigen sozialen Organismus, mit dem selbständigen Geistesleben, nicht so unterrichtet werden wird, sondern daß der Mensch tatsächlich durch die Art und Weise, wie das Geistesleben seine eigenen Bedingungen stellt, zu einer gewissen Lebenspraxis kommen wird, und daß er diese Lebenspraxis auch wird ausgestalten können. Man braucht ja durchaus nicht ein sachgemäßes Urteil auf jedem Gebiete zu haben. Das ist es gerade, was nicht sein kann und worauf nicht gerechnet werden darf. Daß der richtige Mensch in einem Handelsgerichte sitzt, dafür wird allerdings aus der geistigen Verwaltung heraus zu sorgen sein, weil in der geistigen Verwaltung drinnen auch diejenigen Menschen sitzen werden, die etwas von den Handelsgesetzen verstehen. Es wird, was Wissen ist, nicht in Fächern in dieser Weise zentralisiert wie heute, sondern es wird durch dasjenige, wie die Menschen untereinander sind in den Korporationen der geistigen Organisation, möglich sein, solch ein Gericht in der entsprechenden Weise zusammenzusetzen, sachgemäß zusammenzusetzen, nicht aus irgendwelchem wirtschaftlichem Bedürfnis heraus und dergleichen.