Imaginative Brüderlichkeit, inspirierte Gleichheit, intuitive Freiheit

Quelle: GA 296, S. 063-064, 4. Ausgabe 1991, 11.08.1919, Dornach

Es ist sehr wichtig, sich zu durchdringen mit der Überzeugung, daß in so radikaler Weise gedacht werden muß, wenn der Zukunft irgendein Heil erblühen soll. Es ist also vor allen Dingen notwendig, daß die Menschen einsehen, daß sie den sozialen Organismus auf seine drei gesunden Glieder werden stellen müssen. Was Imagination in bezug auf Ware bedeutet, man wird es nur lernen, wenn das Wirtschaftsleben rein herausgestaltet ist und die Menschen darauf angewiesen sind, das Wirtschaftsleben in Brüderlichkeit zu verwalten.

Was Inspiration für die Arbeit bedeutet - daß sie Lust und Liebe zur Arbeit hervorbringt -, das wird nur dann in der Welt sein, wenn in der Tat von den Leuten, die inspiriert sind, durchdrungen wird wenigstens dasjenige, was dann im Parlament als Gleicher zum Gleichen sich gesellt, wenn wirkliche Gleichheit herrscht, das heißt, wenn jeder geltend machen kann das, was in ihm ist. Aber das wird sehr verschieden sein bei dem einen und bei dem andern. Dann wird herrschen können diese Gleichheit im Rechtsleben, und das Rechtsleben wird inspiriert werden müssen - nicht aus dem Banausentum heraus beschlossen, worauf die gewöhnliche Demokratie immer mehr und mehr hingearbeitet hat.

Und das Kapital wird nur richtig verwertet werden können im sozialen Organismus, wenn die Intuition sich erheben wird zu der Freiheit und die Freiheit erblühen wird aus dem selbst sich entwickelnden Geistesleben. Dann wird herüberströmen aus dem Geistesleben in die Arbeit dasjenige, was herüberzuströmen hat. Es werden solche Ströme sein (siehe die Pfeile). Und diese drei Gebiete werden gerade, wenn sie so gegliedert werden, sich in der richtigen Weise durchdringen.