Geld bekommt seinen Wert erst durch die Arbeit

Quelle: GA 331, S. 116-117, 1. Ausgabe 1989, 05.06.1919, Stuttgart

Kürzlich ist in der Stadt, in der sich die Zentrale der höchsten Intelligenz Württembergs befindet, von einem Professor des Staatsrechtes gesagt worden: Ja, wir gehen traurigen Zeiten entgegen. Die Leute werden sehr arm sein! - Damit mag ja der Herr einigermaßen recht haben. Aber dann sagte er: Wir werden große, große Ausgaben haben. Womit sollen diese großen Ausgaben gedeckt werden? Die Leute werden kein Geld haben, damit diese Ausgaben gedeckt werden können. Da wird der Staat eintreten müssen, um diese Ausgaben zu decken! - Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, da muß ich sagen: Es ist dies ein gründlicher Beweis dafür, daß endlich einmal auch das Geistesleben auf andere Füße gestellt werden muß, wenn ein hervorragender Vertreter des Geisteslebens heute die Behauptung aufstellt, daß der Staat für die armen Leute eintreten muß, damit er die großen Ausgaben, die wir haben werden, zahlen kann. Ich möchte nur wissen, wie das der Staat anstellt, ohne daß er den Leuten erst das Geld aus dem Portemonnaie nimmt? So redet man vom Staate wie von einer wirklichen Persönlichkeit. Wenn man den Leuten heute von Gespenstern reden würde, die ihnen ihre Schulden zahlen, so würden sie einen selbstverständlich auslachen als einen dummen Kerl. Aber dieser Staat, so von ihm gesprochen, ist ja nichts anderes als ein Gespenst. Denn schließlich kommt man in der wirklichen Volkswirtschaft damit nicht weiter, daß man eine Geldnote nach der anderen druckt, denn diese Noten haben ja nur einen Wert, wenn sie durch Arbeit eingelöst werden!