Mehrheit für Dreigliederung Willens- statt Beobachtungsfrage

Quelle: GA 331, S. 087, 1. Ausgabe 1989, 22.05.1919, Stuttgart

Unter den heutigen Umständen bekommen wir kaum eine Majorität für die Dreigliederung, weil nicht einmal die Proletarier unter sich einig sind. Was tut man, um diese Einigung herbeizuführen?

Ja, das ist eine von den Fragen, die immer darauf hinauslaufen, daß man zwar einsieht, was richtig ist, sich aber vorstellt, daß man es aus irgendwelchen Gründen nicht erreichen könne. Diese Frage sollte man so eigentlich nicht aufwerfen, damit kommt man wirklich nicht weiter. Die Frage muß eine Willensfrage werden. Ich kann mich darüber nicht aussprechen. Man muß eben etwas tun. Man muß das, was man als richtig eingesehen hat, von Mensch zu Mensch tragen. Man muß sich nicht fragen: Erlangen wir eine Majorität oder nicht? -, sondern man muß alles tun, um diese Majorität zu erlangen. Dann tun wir unsere Pflicht gegenüber uns selbst und gegenüber der ganzen Menschheit. Eine Willensfrage muß aufgeworfen werden und nicht bloß eine theoretische Frage wie die: Wie bekommen wir die Majorität? - Ich sage: Wir müssen sie haben! Und deshalb müssen wir arbeiten, um sie zu bekommen. Eine Willensfrage muß es sein. Anders geht es nicht.