Ständeschulen als Ergebnis der Verquickung von Geistes- und Rechtsleben

Quelle: GA 330, S. 032-033, 2. Ausgabe 1983, 22.04.1919, Stuttgart

Es entsteht sowohl aus dem Durchschauen des Geisteslebens wie aus dem Durchschauen der Zustände, die in der neueren Zeit entstanden sind aus der Verquickung des Geisteslebens mit dem Staate, die Forderung, das Geistesleben als eigene Organisation völlig abzutrennen und auf sich selbst zu stellen. Man braucht nicht zu befürchten, was besonders auf sozialistischer Seite gefürchtet werden wird, daß zum Beispiel die Einheitsschule, die von dieser Seite gefordert wird, dadurch gefährdet werden könnte, daß schon die niederste Schule auf die eigene Grundlage des Geisteslebens, in eine selbständige geistige Verwaltung, gestellt wird. Die Bedingungen des sozialen Lebens werden so sein in der Zukunft, daß nicht Sonderschulen für Stände und Klassen werden entstehen können. Gerade wenn der niederste Lehrer nicht Staatsdiener ist, sondern nur von einer geistigen Verwaltung abhängig ist, dann wird daraus nichts anderes entstehen können als die Einheitsschule. Denn wodurch sind die Stände entstanden? Gerade dadurch, daß verquickt wurde das Geistesleben mit dem Staatsleben.