Rechtsprechung beim Strafrecht und Privatrecht müssen entstaatlicht werden

Quelle: GA 328, S. 114-115, 1. Ausgabe 1977, 25.02.1919, Zürich

Die Tendenz der Entwickelung muß auf Entstaatlichung des geistigen Lebens im weitesten Umfange gehen. Und sogar ein Glied dieses geistigen Lebens muß entstaatlicht werden, demgegenüber es heute wahrscheinlich höchst paradox erscheint, daß man so über dasselbe reden kann: das Verhältnis, in das eine richtende Persönlichkeit eintritt zu den Menschen, die mit dem Strafgesetz oder irgendwie mit dem Privatrecht zu tun haben, das ist ein so menschliches - man hat in gewissen psychologisch orientierten Kreisen heute das auch eingesehen, aber die Sache von einer ganz verkehrten Seite angefaßt -, ein so persönliches, daß das Richten unmittelbar auch zu demjenigen gehört, was zum Internen des Geisteslebens gerechnet werden muß. So daß ich sowohl dasjenige, was als religiöse Überzeugung in der Menschheit geltend ist, alles künstlerische Leben, aber auch alles auf Privatrecht und Strafrecht Bezügliche zu dem rechnen muß, bei dem die Tendenz sich zu entwickeln hat nach Entstaatlichung.