Für suggestive Werbung wird es kein Geld mehr geben

Quelle: BIB 000m, S. 237-238, . Ausgabe 1972, 27.01.1919

Dr. Steiner: Zwischen solchen Produktionsassoziationen und solchen Konsumassoziationen werden sich Koalitionen ergeben, und zwar so, daß alles nach dem Konsum orientiert ist. Rainer hat ganz richtig mit seiner Brotherstellung beim Konsum begonnen. Ich sagte ihm: sammeln Sie sich so viele Konsumenten, daß Sie das Brot produzieren können. Ebenso macht es der Philosophisch-Anthroposophische Verlag. Dieser ist allein darauf gebaut, daß man die Bücher verlangt. Hier ist die Anthroposophische Gesellschaft selbst die Assoziation, die die Produktion hervorruft. Die ideale Assoziation ist diese, daß eine leitende Persönlichkeit für eine Produktion den Kreis der Konsumenten findet. Weil aber das wirtschaftliche Leben so kompliziert ist, muß ein System von Assoziationen da sein.

Frage: Wenn es sich aber darum handelt, daß ein Bedarf hervorgerufen wird, so muß doch wieder Reklame gemacht werden, was Sie doch sonst verpönen?

Dr. Steiner: Es wird sich beim dreigeteilten Sozialorganismus von selber ergeben, daß Reklame nur als Sachreklame möglich sein wird. Es werden Agenturen da sein. Wenn ich einen neuen Schuh fabrizieren will, muß ich mich an einen Schuh-Agenten wenden, der eine selbständige Agentur hat. Der wird meinen Schuh auf seine Reise mitnehmen. Eine solche Sachreklame wird immer zu finanzieren sein.

Frage: Aber werden dann nicht die Leute, die schneller vorwärts kommen wollen, doch wieder zu Suggestivreklame greifen?

Dr. Steiner: Das wird nicht so sein. Wenn ich eine solche Einzelheit beantworte, so nehme ich die Antwort nicht aus einer nur logischen Überlegung, sondern ich sehe den ganzen dreigegliederten Sozialkörper konkret vor mir. Und daraus ergibt sich, daß eine bloße Suggestivreklame nicht zu finanzieren sein wird. Es wird dafür einfach kein Geld vorhanden sein.