Übertragung des Besitzes durch Wirtschaftskorporationen

Quelle: BIB 000m, S. 235-236, . Ausgabe 1972, 27.01.1919

«Kühn: In welcher Form würden die Arbeiter die Nutznießung aus ihrer Beteiligung am Geschäft haben?

Dr. Steiner: Das Eigentum hat als solches einen moralischen Wert. Eine Einnahme können Sie nur von dem haben, was das Produktionsmittel trägt, nur von der Leistung. Daß Sie Besitzer sind, hat lediglich einen moralischen Wert. Es ist ein Fortschritt, wenn im wirtschaftlichen Wert von der Nomadisierung fortgeschritten wird zur Verwurzelung. Um überhaupt irgendwie hineinzukommen in ein Interessiertsein, müssen Sie ein ähnliches Band schaffen zwischen Arbeiter und Produktionsmitteln. Das kann nicht durch Kommunismus, sondern nur durch Individualismus erfolgen. Ich will nicht die Freizügigkeit bekämpfen. Was ich meine, hat damit aber auch gar nichts zu tun. Sondern nur damit, daß jeder Mensch ein Interesse an den Produktionsmitteln hat, an denen er arbeitet. Dadurch, daß er in die Fabrik eintritt, machen Sie ihn zu einem Menschen, der ebenso beteiligt ist an seinem Betrieb wie ein Bauer an seinem Gut. Der Arbeiter muß sich sagen können: Ohne meinen Willen kann da gar nichts geändert werden. Real betrachtet bringen nur Leistungen Erträgnisse. Der Besitz hat nur einen moralischen Wert. Sie sollen nicht Grund und Boden einfach verkaufen können. Das ist nichts, was der Mensch leistet. Sie können - nach unseren Ideen - Grund und Boden nur überführen von einem Besitzer an den anderen auf dem Wege der Wirtschaftskorporation, und nur dann, wenn der Einzelne sein Eigentumsrecht vertragsmäßig überträgt auf eine Korporation. Grund und Boden steht kontinuierlich in Einzelbesitz. Das hindert aber nicht, daß an einzelnen Orten vertragsmäßig Großgrundbetriebe eingerichtet werden durch vertragsmäßige Abtretung.

Diese Abtretung kann nicht vererbt werden. Beim Betrieb ist es so, daß, wenn einer den Betrieb verläßt, er sein Eigentumsrecht verliert. Dieses haftet an der Stelle. Das ist etwas, was sich von selbst ergibt. Praktisch ist die Folge des Besitzes diese, daß der, der heute eine Fabrik verkaufen kann, dann beschränkt sein wird. Beim Verkauf müßten alle übereinstimmen. Der Einzelne kann nicht einfach, weil es ihm nicht paßt, seinen Posten verlassen. Im übrigen ist der Einzelne ganz frei. Wenn er weg will, so muß er von seinem Posten gehen. Er kann aber nicht den Betrieb verkaufen. Sagen Sie den Leuten: Seht ihr, beim gegenwärtigen System wie bei einer Verstaatlichung seid ihr doch nur Werkzeuge. Heute verkauft der Unternehmer mit seinem Unternehmen sein ganzes Werk und mit ihm alle Arbeiter. Wenn aber jeder Mitbesitzer ist, kann das nicht geschehen.