Die Menschen sind über die Erde hin verschieden

Quelle: GA 186, S. 064, 3. Ausgabe 1990, 01.12.1918, Dornach

Man kommt aber nicht zu einer Einsicht gerade in die sozialen Dinge, die so betrachtet werden müssen, wie ich es Ihnen gesagt habe, wenn man nur sich darauf einläßt, daß geschaut werden kann, und nicht darauf sich einläßt, was geschaut werden kann. Das ist von einer ungeheuren Wichtigkeit, dieses wirklich einzusehen. Sonst wird man immer in den Fehler verfallen, der schon angedeutet wurde bei dem allerersten heute gesprochenen Satze, daß man dasjenige, was konkret für das individuelle einzelne gilt, verabsolutiert, daß man frägt zum Beispiel mit Bezug auf die soziale Frage: Wie sollen die menschlichen Einrichtungen über die ganze Erde hin getroffen werden? Aber diese Frage ist gar nicht gegeben. Die Menschen sind über die Erde hin verschieden. Und gerade gegen die Zukunft hin wird sich diese Verschiedenheit trotz allem Internationalismus immer mehr und mehr zeigen. Und die Folge wird sein, daß derjenige einen ganz unwirklichen Gedanken ausspricht, der da glaubt, man könne in Rußland geradeso wie in China, geradeso wie in Südamerika, in Deutschland oder wie in Frankreich sozialisieren, der also absolute Gedanken da ausspricht, wo individuelle, relative Gedanken allein der Wirklichkeit entsprechen. Das ist außerordentlich wichtig, daß man dieses ins Auge faßt.