Erbrecht aus altjüdischem und romanischem Denken soll überwunden werden

Quelle: GA 186, S. 052-055, 3. Ausgabe 1990, 30.11.1918, Dornach

Nehmen wir den extremsten Fall, meine lieben Freunde. Nehmen wir an, jemand hat, ohne daß er selbst sich für die Menschheit anstrengt, Geld. Es gibt ja den Fall. Ich will diesen extremen Fall betrachten. Also jemand hat, ohne daß er sich für die Menschheit anstrengt, Geld. Er kauft sich für das Geld etwas. Er ist sogar in der Lage, sich ein ganz angenehmes Leben zu zimmern dadurch, daß er dieses Geld hat, welches Anweisung auf menschliche Arbeitskraft ist. Schön. Dieser Mensch braucht ja kein schlechter Mensch zu sein, kann ein ganz guter Mensch sein, kann sogar ein sehr strebsamer Mensch sein. Die soziale Struktur durchschaut man ja oftmals nicht. Man hat nicht das Interesse an seinen Mitmenschen, das heißt, an der wirklichen sozialen Struktur. Man denkt, man liebe schon die Menschen, wenn man sich für sein ererbtes Geld zum Beispiel irgend etwas kauft, oder wenn man es selbst schenkt. Wenn man es schenkt, tut man ja auch gar nichts anderes, als daß man für denjenigen, dem man das Geld schenkt, soundso viele Leute arbeiten läßt. Es ist nur ein Machtmittel. Dadurch, daß es Anweisung auf Arbeitskraft ist, ist es ein Machtmittel.

Aber, meine lieben Freunde, das ist ja so geworden, das hat sich so herausgebildet, und das ist das Spiegelbild von etwas anderem. Das ist das Spiegelbild von dem, was ich im vorigen Vortrag erwähnt habe. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß der Jahve-Gott die Welt dadurch für eine gewisse Zeit beherrscht hat, daß er die anderen Elohim aus dem Felde geschlagen hat, und daß er sich nun nicht mehr retten kann vor den Geistern, die er dadurch wachgerufen hat. Er hat seine Genossen, seine anderen sechs Elohim aus dem Felde geschlagen. Dadurch ist nur dasjenige, was der Mensch schon im embryonalen Zustand erlebt, im menschlichen Bewußtsein herrschend geworden. Die sechs anderen Kräfte, die der Mensch als Embryo nicht erlebt, sind dadurch unwirksam geworden, sind dadurch unter den Einfluß niederer geistiger Wesen gekommen. Und in den vierziger Jahren, sagte ich Ihnen, konnte Jahve sich nicht mehr retten. Da brach, weil mit der Jahve-Weisheit, die im Embryonalen erworben wird, nur die Vorsehung der äußeren Natur begriffen werden kann, und die Vorsehung aufhörte, begriffen zu werden, die bloße atheistische Naturwissenschaft herein. Das Spiegelbild davon ist die Zirkulation des Geldes, ohne daß mit dem Gelde Ware zirkuliert, daß das Geld einfach von einem Menschen auf den andern übergeht, ohne daß Ware zirkuliert. Denn mag der Mensch noch so sehr sich bestreben auf irgendeinem Gebiete: in dem, was Geld als Geld scheinbar produziert, lebt die ahrimanische Kraft. Sie können nicht erben, ohne daß soundso viel ahrimanische Kraft mit dem Gelde übergeht. Es gibt keine andere Möglichkeit, Geld in heilsamer Weise innerhalb der sozialen Struktur zu haben, als es christlich zu haben, das heißt, zu erwerben so, daß man mit dem, was man zwischen Geburt und Tod entwickelt, das Geld erwirbt. Also nicht darf die Art, wie man das Geld bekommt, ein Spiegelbild sein desjenigen, was jahvistisch ist. Jahvistisch ist, daß wir geboren werden, das heißt aus einem Embryo ins äußere Leben übergehen. Davon ist das Spiegelbild, daß wir Geld ererben. Die Eigenschaften, die wir mit dem Blute erben, sind durch die Natur ererbt. Das Geld, das wir ererben und nicht erwerben, wäre das Spiegelbild davon.

Dadurch, daß das christliche Bewußtsein noch nicht Platz gegriffen hat, daß eigentlich noch immer mit der alten Jahve-Weisheit oder mit ihrem Gespenst, dem romanischen Staatsdenken, die soziale Struktur bewirkt wird, dadurch sind alle die Dinge hereingekommen, welche das heutige Unheil von der einen Seite her bewirkt haben. Ich sagte: Man darf die Sache nicht so abstrakt betrachten, wenn Geld Geld hervorbringt, sondern man muß sie in ihrer Wirklichkeit betrachten. Jedesmal, wenn Geld Geld hervorbringt, ist dies etwas, was nur auf dem physischen Plan hier vorgeht, während dasjenige, was der Mensch ist, immer zusammenhängt mit der geistigen Welt. Was tun Sie also, wenn Sie selbst nicht arbeiten, aber Geld haben und dieses Geld hingeben und der andere Mensch dafür arbeiten muß? Dann muß der Mensch das zu Markte tragen, was sein himmlischer Anteil ist, und Sie geben ihm nur Irdisches, Sie bezahlen mit nur Irdischem, mit rein Ahrimanischem. Sehen Sie, das ist die geistige Seite der Sache. Und wo Ahriman im Spiel ist, kann nur Untergang entstehen.

Auch das ist wieder eine unangenehme Wahrheit; aber es hilft nichts, wenn sich etwa jemand sagt: Na, ich bin ja sonst ein anständiger Kerl oder eine anständige Kerlin, also tu' ich doch nichts Unrechtes, wenn ich von meiner Rente dies oder jenes bezahle. - Sie tun tatsächlich doch das, daß Sie Ahriman für Gott geben. Dazu ist man gewiß in der gegenwärtigen sozialen Struktur vielfach gezwungen. Aber man soll nicht Vogel-Strauß-Politik spielen und die Sache sich verdecken, sondern man soll der Wahrheit ins Auge schauen. Denn davon hängt es gerade ab, was die Zukunft bringen soll, daß man der Wahrheit ins Auge schaut. Vieles von dem, was so katastrophal über die Menschheit hereingebrochen ist, ist eben dadurch hereingebrochen, daß die Leute die Augen und die Seelenaugen zugedrückt haben vor der Wahrheit, daß sie sich abstrakte Begriffe für Recht und Unrecht gezimmert haben und nicht auf das Wirkliche, Konkrete eingehen wollten.