Todesstrafe auf Interesse an Gefüge der sozialen Ordnung in Rom

Quelle: GA 175, S. 310-311, 3. Ausgabe 1996, 19.04.1917, Berlin

Cato, der römische Cato, dem es vor allen Dingen zu tun war darum, ein festes Gefüge der römischen Staatsordnung zustande zu bringen, hat es für eine Notwendigkeit gehalten, um dieses feste Gefüge der römischen Staatsordnung so recht zustande zu bringen, die Anhänger der griechischen, der hellenischen Philosophie zu verbannen; denn: «die schwätzen nur!» hat er gesagt, «und das stört die Verordnungen unserer Behörden». Machiavelli, der große Florentiner der Renaissance-Zeit, stimmte ihm noch zu, indem er Cato besonders lobte, daß er diejenigen, die vom Standpunkte einer geistigen Erkenntnis aus in die menschlichen Staatssatzungen hineinreden, aus dem Staate verbannt haben will. Machiavelli hatte auch ein gründliches Verständnis dafür, daß zu gewissen Zeiten im Imperium Romanum die Todesstrafe darauf stand, sich für das Gefüge der sozialen Ordnung zu interessieren.

Der Umgang mit der geistigen Welt ist etwas, dem insbesondere das Imperium Romanum und seine ganze Nachfolgerschaft in Europa spinnefeind ist. Daher man auf so vielen Gebieten bemüht ist, über diese Dinge möglichste Unklarheit walten zu lassen, diese Dinge möglichst zu vertuschen. Allerdings, wenn eine Vorstellung des Mysteriums von Golgatha mit all der radikalen Rücksichtslosigkeit, mit der das Mysterium von Golgatha gedacht werden muß, in die Welt sich einlebt, dann wird vieles schmelzen müssen geistig, wie sonst Schnee im Sonnenlichte. Das ist unangenehm. Das ist recht unangenehm. Aber dies muß geschehen. Und es muß vor allen Dingen das geschehen, daß man den Weg findet, das Wesen des Christus wirklich zu erfassen.