Volk mit eigenem Ich verwechselt

Quelle: GA 159, S. 210-212, 2. Ausgabe 1980, 13.05.1915, Prag

Unter den lenkenden Archangeloi-Wesen sind solche, die ihre Entwicklung richtig auf der Sonne begonnen haben und bis zur Erdenzeit richtige Archangeloi geworden sind, aber auch solche, die auf der Sonnenstufe stehen geblieben sind, die erst auf der Stufe von Menschen sind. Diese Wesenheiten stehen also auf derselben Stufe wie die Volksgeister, und doch wiederum sind sie hinter ihnen zurückgeblieben, haben erst die Eigenschaften von unsichtbaren übersinnlichen Menschen, nicht von Archangeloi. Sie sind zurückgeblieben, diese Wesenheiten. Sie machen in einer gewissen Weise dieselben Ansprüche an die Welt wie die Archangeloi, aber sie haben ja die Stufe der Archangeloi nicht erreicht auf der Erde. Daher müssen sie in gewisser Weise mit denselben Kräften wirken wie auf der Sonne. Die Folge davon ist, daß sie den Menschen anstatt wie Archangeloi wie Menschen ergreifen, wie unsichtbare Menschen, die hineinfahren in die Menschennatur, die nicht von oben lenken den Menschen, sondern hineinfahren in die Menschennatur. Und von diesen Geistern, die also in gewisser Weise in Konkurrenz treten mit den wirklich führenden Volksgeistern, kommt es, daß die Völker einander befehden, miteinander auf der Erde nicht in Frieden leben. Der Mensch würde gar nicht versucht sein, seine Persönlichkeit, sein Menschentum mit seinem Volkstum zu identifizieren, sondern er würde das Volkstum wie etwas betrachten, was ihn geistig nährt, und was er nur so auffassen würde, wie ihm geistige Nahrung bietend. Er würde aber nicht streitmäßig für sein Volkstum eintreten, nicht seine Persönlichkeit damit identifizieren. Der Mensch würde nicht sagen: ich bin der oder der Nationalität, sondern: die Nationalität ist da, und ich muß, weil ich nun eben in sie hineingeboren bin, auf dem Umweg durch diese Nationalität meine geistige Nahrung ziehen. Aber indem der Erzengel ihn dazu aneifert, so zu denken, kommt der andere, der eigentlich auf der Stufe der Menschheit steht und im Grunde ein luziferischer Geist ist und führt ihn in die Nationalität hinein. Und die Folge davon ist, daß nicht dasjenige, was erzengelhaft ist, als Gabe auf den Menschen herabkommt, sondern daß der Mensch sich damit identifiziert, mit dem Volkstum identifiziert, wie mit einer ganz persönlichen Angelegenheit, und dadurch kommt dieser Streit der Nationalitäten auf der Erde. Darüber müssen wir uns durchaus klar sein: weil wir nicht nur sozusagen uns in den Einfluß des führenden Erzengels setzen, sondern auch in die Beeinflussung des stehengebliebenen, des zurückgebliebenen Erzengels, identifizieren wir uns in der Art mit der Nationalität, wie wir das auf der Erde tun. Darin besteht gerade das Geisteswissenschaftliche im Empfinden, daß wir uns als Menschen hinauszuheben verstehen über das bloß Nationale um zum allgemeinen Menschentum den Zugang finden zu können. Dann können wir im eminentesten Sinne national sein. So wie, möchte man sagen der einzelne Mensch das eine als Kunst betreiben kann und der andere etwas anderes als Kunst betreiben kann, und der eine, indem er die eine Kunst betreibt, nicht der Gegner des anderen zu sein braucht, so brauchte nicht der eine national der Gegner des anderen zu sein, wenn es keine in der Entwicklung zurückgebliebenen Erzengelwesen gäbe, die die Identifizierung bewirken!