Volksseelen durchlässig

Quelle: BGA 108, S. 023-025, 1. Ausgabe 1992, 16.08.1914, Dornach

Das richtige Verhältnis eines Menschen zu einem Volksgeist ist dasjenige, was man nennen könnte «eine durchchristete Zwiesprache mit dem Volksgeist». Ein solches Verhältnis kann derjenige haben, der dazu gelangt, mit dem Christus-Prinzip sich zu den höheren Wesenheiten aufzuheben. Da gelangt er dazu, mit diesen erzengelartigen Wesenheiten einen Verkehr zu haben. Er ist in der Zwiesprache mit dem Volksgeist, mit einer Wesenheit, die durchaus etwas Geistiges ist, und bei dieser Zwiesprache ist Christus als Vermittler. Wenn die Menschen in der Lage wären, sich so geistig, christlich, zu dem Volksgeist aufzuheben, da würden sie sehen den harmonischen Chor der Volksgeister. Das wäre das richtige, geistige Verhältnis zum Volksgeist. Eine durchchristete Zwiesprache mit dem Volksgeist.

So ist es aber nicht, denn die Menschen können sich noch nicht auf geistige Weise aufheben zum Volksgeist. Und da kommt noch hinzu das Eingreifen der zurückgebliebenen Wesenheiten, die wir die [] luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten nennen. Wir sollen gar keine Kritik ausüben gegenüber solchen Wesenheiten, die zurückgeblieben sind. Diese Wesenheiten sind archaiartig (ahrimanische) und erzengelartig (luziferische).

In dem letzten Zyklus, den wir in München hielten, haben wir hervorgehoben, daß diese zurückgebliebenen Wesenheiten ihre Aufgabe haben in der Welt, sie sind im Weltenplan als mitwirkend mit den Göttern vorgesehen. Wir sollen keine Kritik ihnen gegenüber ausüben. Aber wir wissen auch, daß diese Wesenheiten, sobald sie diejenigen geistigen Gebiete überschreiten, die ihnen von den Göttern vorgeschrieben worden sind, sich als Gegner den Göttern gegenüberstellen.

In der geistigen Welt sind diese zurückgebliebenen Wesenheiten wohltätig, und ihr Wirken stimmt mit dem Weltenplan zusammen. Sobald aber diese Wesenheiten übertragen ihre Aufgabe auf den physischen Plan, da fangen sie an, als Gegner der Götter zu wirken. Und diese Wesenheiten üben ihre Tätigkeit in demjenigen aus, was in den Menschen als Naturkräfte vorhanden ist. Meine lieben Freunde, wir wissen ja, daß in den Naturkräften, die da draußen wirken, Wesenheiten höherer Hierarchien wirken als die Archai oder die Erzengel. In den Naturkräften wirken solche Wesenheiten wie die Geister der Form, Geister der Bewegung und so weiter. In dem aber, was als Naturkräfte im Menschen vorhanden ist, da wirken die zurückgebliebenen Hierarchien (Ahriman und Luzifer).

Als Naturkraft im Menschen kann man zum Beispiel bezeichnen die Art des Kehlkopfes. Dadurch, daß ein Mensch seinen Kehlkopf so oder so geartet hat, kann er eine oder eine andere Sprache sprechen. Und da wirken die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten.

Nun, wenn diese zurückgebliebenen Wesenheiten in dem, was als Naturkräfte in bezug auf den Volksgeist im Menschen lebt, eingreifen, dann wirken sie so, daß der Mensch (in diesem nicht mehr geistigen, durchchristeten Verhältnis, sondern Naturkraft-Verhältnis) für seinen Volksgeist eine Ausdehnung seines Volkes auf dem physischen Plan wünscht. Er strebt da an eine unbegrenzte Ausdehnung seines Volkes, seines Gebietes. - Indem der Mensch in einer durchchristeten Zwiesprache mit seinem Volksgeist sich befindet, da ist er in der geistigen Welt, und in der geistigen Welt ist alles durchdringlich, der Raum ist unbegrenzt, und der Mensch fühlt keine Grenzen, alle Zwiegespräche verschiedener Völker durchdringen sich im Geiste... Wenn es so wäre, dann wäre es richtig. Aber auf dem physischen Plan geht es nicht so. Hier hat ein jeder Raum Grenzen. Hier durchdringt sich nichts. []

Und indem jedes Volk hier Ausdehnung anstrebt (infolge der Einmischung einer Naturkraftwirkung in das Verhältnis zum Volksgeist, einer Naturkraftwirkung, die aus zurückgebliebenen Wesenheiten entsteht), da stößt es sich an ein anderes — und dann entsteht Krieg.