Geister höher als Ich, greifen daher desto tiefer ein als Ich

Quelle: GA 121, S. 043-047, 5. Ausgabe 1982, 08.06.1910, Oslo (Kristiania)

So also sehen wir, wie in dem Ätherleibe des Menschen und in dem Ätherleibe des Volksgeistes, der in Betracht kommt, zweierlei Wesenheiten ihre Arbeit austauschen: die normal entwickelten Erzengel und die auf der Erzengelstufe stehengebliebenen Geister der Form, die verzichtet haben auf ihre eigene Entwickelung, um den Menschen während ihres Erdendaseins die Volkssprache einzuverleiben. Sie mußten die Kraft haben, den Kehlkopf, die ganzen Sprachwerkzeuge so umzubilden, daß das Ergebnis dieser Sprachwerkzeuge eine physische Manifestation, nämlich gerade die Sprache ist. Wir müssen also als Ergebnis dieses Zusammenwirkens gerade dasjenige ansehen, was als Volksgemüt, als Volkstemperament mit der Sprache im Bunde uns entgegentritt. Was der Mensch auszusprechen vermag, wodurch er sich als Angehöriger seines Volkes kundgibt, was er hinaustönen läßt in die Luft, das ist dasjenige, was die mit den Volksgeistern verbündeten Geister der Form nur deshalb bewirken können, weil sie mit ihren großen Kräften und Gewalten auf der Stufe der Volksgeister stehen geblieben sind. So findet also ein solches Zusammenwirken statt innerhalb derjenigen Terrains, derjenigen Gebiete, wo die Volksgeister wirken. Ein ähnliches Zusammenwirken findet aber auch noch auf einem anderen Gebiete statt.

Ich habe gestern angeführt, daß noch andere Kräfte, die Urbeginne oder die Geister der Persönlichkeit, die während des Erdendaseins das darstellen, was man Zeitgeist nennt, wirksam sind. Diese wirken so, daß sie von ihrem eigentlichen Ich aus, von ihrer seelischen Organisation aus, in den physischen Leib hineinarbeiten, daß sie also die Kräfte des physischen Leibes in Bewegung bringen. Wir müssen also voraussetzen, daß, wenn in einer bestimmten Zeit als Ergebnis der Wirkung des Zeitgeistes irgend etwas eintritt, irgend etwas sich innerhalb eines Zeitgeistes offenbart, wodurch die Menschheit einen Fortschritt macht, daß das einer Arbeit mit physischen Kräften innerhalb unseres Erdendaseins entspricht. Sie können das sehr leicht einsehen, Sie brauchen es sich nur zu überlegen, um zu begreifen, wie wirklich physische Voraussetzungen notwendig sind, damit dieses oder jenes im Zeitgeiste entsteht. Oder können Sie sich vorstellen, daß unter anderen Voraussetzungen Kepler oder Kopernikus oder Perikles in einer anderen Zeit gelebt haben könnten? Die Persönlichkeiten wachsen aus ganz bestimmten Zeitverhältnissen heraus, aus denjenigen Verhältnissen, die in einem bestimmten Zeitpunkte durch die physische Arbeit von höheren Wesenheiten konfiguriert und organisiert werden. Da sind es in der Tat die physischen Verhältnisse, freilich physische Verhältnisse, die wir uns nicht als materielle Klötze vorzustellen haben, sondern als gewisse Konfigurationen in der physischen Gemeinsamkeit unserer Erde. Manchmal tritt diese Konfiguration ganz gewaltig hervor; manchmal muß dabei, wenn der Zeitgeist in irgendeiner Weise seinen Einfluß übt, eine ganz bestimmte physische Konstellation zustande kommen. Denken Sie nur daran, daß, als man einmal erst ganz bestimmt geschliffene Gläser hatte, diese durch Kinderspiel in einer Glasschleiferwerkstätte so zusammengefügt wurden, daß man daran bemerken konnte die optische Wirkung als Fernglas, so daß der Erfinder des Fernrohres nur die Beobachtung dieses Gesetzes des Fernrohres zu realisieren brauchte.

Diese Sache ist ein historisches Faktum. Denken Sie sich aber, welche physischen Vorgänge notwendig waren, damit das alles hat stattfinden können! Die Linsen mußten erst erfunden, geschliffen und in der entsprechenden Weise zusammengesetzt werden. Sie können da wohl das Wort «Zufall» gebrauchen, aber Sie können es nur anwenden, wenn Sie darauf verzichten, die Gesetzmäßigkeit auch in solchen Geschehnissen zu begreifen. Diese physischen Verhältnisse führen zusammen die Archai, die Urkräfte. Das Spiegelbild ihrer Arbeit ist das, was an einem Punkte der Erde zusammenführend wirkt, was sonst als Zeitgeist in mannigfaltiger Weise wirkt. Denken Sie sich, was in neuerer Zeit mit vielen physischen Dingen nicht geworden wäre, wenn diese Arbeit der Archai in Ihren physischen Leibern nicht stattgefunden hätte. So ist es in der Tat die Arbeit der Archai, welche in dieser Beziehung, in dieser Richtung wirkt.

Wenn nun diese Archai in dieser Weise wirken und den Zeitgeist dirigieren, so können wir uns wieder fragen: Wie intuieren eigentlich diese Zeitgeister den Menschheitsfortschritt? Sie intuieren ihn dadurch, daß einen Menschen das, was im Physischen geschieht, wie zufällig anregt. Es sind nicht bloß Legenden, wenn auch das manchmal zutrifft. Ich erinnere nur an die schwingende Kirchenlampe im Dome zu Pisa, wo Galilei das Pendelgesetz entdeckt hat an den regelmäßigen Schwingungen der Lampe im Dom, und wie dann Kepler und Newton zu ihren Entdeckungen angeregt wurden. Hunderte und Tausende von Fällen könnte man erzählen, wo physisches Geschehen zusammengeführt wird mit menschlichem Denken, woraus man ersehen könnte, wie da intuiert wird von den Archai oder Urkräften das, was als Ideen, als Zeitideen in die Welt hinausgeht, was die Menschen dann in ihrer Entwickelung beeinflußt, was ihren Fortschritt regelt und gesetzmäßig durchdringt. Aber auch auf diesem Gebiet wirken zusammen die Wesenheiten, die normalerweise während unseres Erdendaseins Geister der Persönlichkeit geworden sind, mit anderen, die dadurch, daß sie auf dem Mond zurückgeblieben sind, jetzt nicht Geister der Form oder Gewalten sind, wie sie auf der Erde sein sollten, sondern auch jetzt erst wirken als Geister der Persönlichkeit.

So sind diejenigen Wesenheiten, die nicht schon von der Sonnenstufe, sondern erst von der Mondenstufe aus verzichtet haben, jetzt Geister der Persönlichkeit, aber nicht mit den Eigenschaften, die sie normalerweise haben sollten, das heißt, sie intuieren nicht in der Weise wie die normalen Geister der Persönlichkeit, sondern als zurückgebliebene Geister der Form. Sie regen nicht von außen an und überlassen es intim dem Menschen selber, das zu beobachten, was im Physischen bewirkt wird, sondern sie regen im Innern an, sie konfigurieren im Innern des Gehirns und geben dem Denken eine gewisse Richtung. Daher ist das Denken des Menschen in den verschiedenen Zeiträumen von innen angeregt, so daß jedes Zeitalter eine bestimmte Art des Denkens hat. Das hängt mit den feinen Konfigurationen des Denkens zusammen, mit inneren Konstellationen. Da arbeiten die zurückgebliebenen Geister der Form, die den Charakter der Geister der Persönlichkeit haben, im Innern der Menschen und bringen eine gewisse Denkart, eine ganz bestimmte Form der Begriffe hervor. Das macht es, daß die Menschen von Epoche zu Epoche nicht nur geführt werden im Sinne der intuierenden Geister der Persönlichkeit, wo sie sich selber anregen lassen, das oder jenes zu tun, sondern daß sie fortgetrieben werden wie durch innere Kräfte, so daß das Denken von innen heraus sich physisch kundgibt, wie sich in der Sprache kundgibt das, was auf der anderen Seite als Geister der Form zurückgeblieben ist. So drückt die Denkart sich aus als eine Manifestation der Geister der Form, die in unserer Zeit als Geister der Persönlichkeit auftreten. Es sind also nicht so intim wirkende Geister der Persönlichkeit, die es dem Menschen überlassen, zu machen, was er will, sondern ihn ergreifen und mit vorwärtsstürmender Gewalt drängen. Daher können Sie immer diese zwei Typen in denjenigen Menschen sehen, welche von dem Zeitgeist angeregt sind. In denjenigen, welche von den wahren Zeitgeistern, von den auf normaler Stufe stehenden, angeregt sind, können Sie sozusagen sehen die wahren Vertreter ihrer Zeit. Wir können sie betrachten als Menschen, die kommen mußten, und ihre Tätigkeit als etwas, was nicht anders hat geschehen können.

Es kommen aber auch andere Menschen, in denen wirken diejenigen Geister der Persönlichkeit, die eigentlich Geister der Form sind. Das sind die anderen Geister, die wir bezeichnet haben als die Denkgeister, die während des Mondenzyklus auf ihren jetzigen Standpunkt vorrückten. Der Mensch ist nun der Schauplatz, auf dem alles dies zusammenwirkt. Dieses Zusammenwirken macht sich dadurch geltend, daß Sprache und Denken in ein Wechselverhältnis treten, dadurch, daß nicht bloß die Geister, die auf der gleichen Stufe stehen, in ein Wechselverhältnis kommen, sondern daß auch die normalen Erzengel, die Volksgemüt und Volkstemperament regeln, in Wechselverhältnisse treten mit dem, was eben charakterisiert worden ist, also nicht nur mit den auf der Erzengelstufe stehenden Geistern der Form, sondern auch mit denjenigen Geistern der Persönlichkeit, die eigentlich zurückgebliebene Geister der Form sind.