Menschen zu individuell für Blut- statt Seelenverwandschaft

Quelle: GA 099, S. 128-129, 7. Ausgabe 1985, 04.06.1907, München

Als der Mensch die Gruppenseele hatte, ging das Dasein von Generation zu Generation weiter; es gab keine Unterbrechung durch Geburt und Tod. Jetzt trat diese Unterbrechung ein und damit die Möglichkeit der Reinkarnation. Früher war der Sohn nur eine unmittelbare Fortsetzung vom Vater, der Vater vom Großvater; das Bewußtsein riß nicht ab. Jetzt kam eine Zeit, wo es sich verdunkelte über Geburt und Tod hinaus, und erst damit war die Möglichkeit eines Aufenthaltes in Kamaloka und Devachan gegeben. Dieser Wechsel, dieser Aufenthalt in höheren Welten ist überhaupt erst möglich geworden nach der Individualisierung, nach der Abstoßung von Sonne und Mond. Erst da trat das auf, was wir heute Inkarnation nennen, und damit zugleich dieser Zwischenzustand, der auch einst wieder aufhören wird.

So sind wir bis zu dem Zeitalter gelangt, wo wir den alten zweigeschlechtlichen Organismus, der eine Art Gruppenseele darstellt, sich trennen sehen in Männliches und Weibliches, so daß das Gleiche, das Ähnliche sich fortsetzt durch das Weibliche, das Verschiedenartige durch das Männliche. Wir erblicken tatsächlich innerhalb unserer Menschheit im Weiblichen dasjenige Prinzip, das noch die alten Stammesrassen und Volkszusammenhänge erhält, und im Männlichen dasjenige, was diese Zusammenhänge fortwährend durchbricht, sie durchklüftet und so die Menschheit individualisiert. Es wirkt im Menschen tatsächlich ein altes Weibliches als Gruppenseele und ein neues Männliches als individualisierendes Element. Es wird dahin kommen, daß alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. Die Zusammengehörigkeit wird nicht mehr durch das gemeinsame Blut vorhanden sein, sondern durch das, was Seele an Seele bindet. Das ist der Gang der Menschheitsentwickelung.

In den ersten atlantischen Rassen bestand noch ein starkes Zusammengehörigkeitsband, so daß die ersten Unterrassen sich auch nach der Farbe gliederten, und dieses Gruppenseelenelement haben wir noch in den verschiedenfarbigen Menschen. Diese Unterschiede werden immer mehr verschwinden, je mehr das individuelle Element die Oberhand gewinnt. Es wird eine Zeit kommen, wo es keine verschiedenfarbigen Rassen mehr geben wird. Der Unterschied in bezug auf die Rassen wird aufgehört haben, dagegen werden individuell die größten Unterschiede bestehen. Je weiter wir zurückgehen in alte Zeiten, desto mehr treffen wir das Übergreifen des Rassenelements an. Das richtig individualisierende Prinzip beginnt überhaupt erst in der späteren atlantischen Zeit. Bei den alten Atlantiern empfanden wirklich noch Angehörige der einen Rasse eine tiefe Antipathie gegen Angehörige einer anderen Rasse. Das gemeinsame Blut bewirkte die Zusammengehörigkeit, die Liebe. Es galt für unsittlich, einen Angehörigen eines anderen Stammes zu heiraten.