Verwandschaft zwischen Sprache und Sexualität

Quelle: GA 093a, S. 059-060, 1. Ausgabe 1972, 02.10.1905, Berlin

Die zukünftige Entwickelung muß vorbereitet werden. Was der Mensch jetzt schon von sich gibt als Vorbereitung des zukünftigen Menschen, ist das Wort, die Sprache. Was der Mensch spricht, bleibt in der Akasha-Chronik. Es ist die erste Anlage für den zukünftigen Menschen. Die Sprache ist die Hälfte des früheren Fortpflanzungsvermögens. Durch die Sprache pflanzt der Mensch sich geistig fort. Damit hängt beim Manne die Änderung der Stimme zusammen. Die Hälfte des Sexuellen ist auf die Sprache übertragen worden. Die Stimme ist das spätere Fortpflanzungsorgan. Im Althebräischen hat man dasselbe Wort für das Sexuelle und die Sprache. Jetzt denkt der Mensch, und der Gedanke geht durch den Kehlkopf nach außen. Die nächste Stufe ist, daß das Gefühl nach außen geht, die Wärme. Dann wird das Wort der Ausdruck der inneren Körperwärme sein. Das kann geschehen, wenn der Schleimkörper (die Hypophyse) im Gehirn entwickelt sein wird. Die darauffolgende Stufe tritt ein, wenn die Zirbeldrüse (Epiphyse) entwickelt ist. Dann wird nicht nur das durchwärmte Wort nach außen gehen, sondern das Wort wird bleiben, wird gestaltet sein durch den Willen, der dann darin lebt. Wenn man dann das Wort sagt, wird es zu einem wirklichen Wesen.

Damit hängt zusammen das. « Ich denke, ich fühle, ich bin » (Wille). Das Wort in dieser Weise ist «das Wort», das sich verwandelt vom Gedanken in Gefühl, dann in Willen. Das ist ein dreifacher Prozeß: Zuerst ist das Wort «Bewußtsein» (im Denken), dann «Leben» (das durchwärmte Wort), und zuletzt «Form», das durch den Willen gestaltete Wort. Dieses letztere ist das objektiv gewordene Wort. So folgen auch hier aufeinander: Bewußtsein, Leben, Form. Alles was heute Form ist, ist von früher her durch solch einen Prozeß entstanden. Der physische Körper, die Form, ist der reifste Körper; weniger reif sind der Ätherkörper, das Leben, und der Astralkörper, das Bewußtsein.