Rudolf Steiner – Der anthroposophische Sozialimpuls

Zitatensammlungen, Band 8

Vorwort

Rudolf Steiner hat vor der Dreigliederungszeit (1917-1921) mehrfach versucht, über die soziale Frage zu schreiben und zu sprechen. Das ist aber auf kein sonderlich großes Interesse gestossen, so daß manches bruchstückhaft geblieben ist.

Anthroposophen haben wohl zwei unterschiedliche Gründe, sich für diese frühen Aussagen zu interessieren. Einigen Anthroposophen geht es darum, das Verhältnis dieser Aussagen zum Ansatz der sozialen Dreigliederung zu klären. Anderen Anthroposophen geht es stattdessen darum, die Auseinandersetzung mit der sozialen Dreigliederung zu meiden. Sie beschränken sich lieber auf Aussagen, die ihnen auf dem ersten Blick mehr entgegenkommen oder wenigstens mehr Spielraum für Interpretationen bieten. Sie suchen einen Steiner, der ihnen dasjenige sagt, was sie schon immer selber gedacht haben. Der sogenannte «anthroposophische Sozialimpuls» ist oft danach: scheinbar hochgeistig und unkonventionell, aber meistens überholt oder bestenfalls überflüssig.

Hier soll bewußt versucht werden zu klären, wie solche Aussagen, die teilweise nur gegenüber einem anthroposophisch interessierten Publikum geäußert wurden, zu der sozialen Dreigliederung stehen, die Rudolf Steiner ab 1919 der breiten Öffentlichkeit vorgestellt hat. Besonders hilfreich dabei sind Aussagen aus dem Jahre 1922, nachdem die Bewegung für eine soziale Dreigliederung offensichtlich gescheitert ist. Diese Aussagen werden wiederum gerne so interpretiert, daß Rudolf Steiner damit seinen Ansatz von 1919 für erledigt erklärt. Damit brauche man sich also nicht weiter zu beschäftigen. Wer sich trotzdem damit beschäftigt, merkt aber, daß diese späten Aussagen alle vorigen in ihrem inneren Zusammenhang beleuchten können.

Soziologisches Grundgesetz

Sieht man das soziologische Grundgesetz im Lichte späterer Aussagen Rudolf Steiners, so bezieht es sich auf die zunehmende Individualisierung im Geistesleben. Die Formulierung lässt es aber damals offen. Es fehlt zu der Zeit noch eine systematische Darstellung der sozialen Dreigliederung. Es wird daher nur von der Individualisierung gesprochen und nicht erwähnt, dass sie sich nicht auf das Soziale im Allgemeinen, sondern auf das Geistige bezieht. Dies wäre auch missverstanden worden, weil viele - sogar noch heute - das Geistige enger fassen als Steiner. Steiner setzt sich daher damals lieber der Gefahr aus, den Bogen zu überspannen und spricht sich für einen geistigen, politischen und wirtschaftlichen Anarchismus. «Anarchismus» steht hier für die individuelle Freiheit und «Politik» sowie «Wirtschaft» für all dasjenige, was beide jeweils für sich beanspruchen aber eigentlich zum Geistesleben gehört.

Die soziale Frage – Teil 1

Freiheit und Gesellschaft – Teil 2

Zum soziologischen Grundgesetz

Das von mir errechnete Datum für die beiden vorigen Aufsätze stimmt vielleicht nicht. Es passt wenigstens nicht zum Datum des folgenden Briefes.

Brief an John Henry Mackay

Soziales Hauptgesetz

Geisteswissenschaft und soziale Frage

«Auf noch weiteres einzelne» wurde leider mangels Interesse der Leser nicht mehr eingegangen. In einigen Vorträgen aus der Zeit geht Rudolf Steiner aber auf das Thema ein und bringt einige ergänzenden Aspekte ein.

Die soziale Frage und die Theosophie

Bruderschaft und Daseinskampf

Anlaß für die Aussagen Rudolf Steiners zur sozialen Frage war nicht zuletzt die fehlgeschlagene Revolution von 1905 in Rußland gewesen. Für die damaligen Arbeiter hatte sie eine Signalwirkung gehabt. Aber nicht für das Bürgertum, das schnell wieder zur Tagesordnung zurückgekehrt war.

Rudolf Steiner war damals als Lehrer in der Berliner Arbeiterbildungsschule tätig, mußte aber gegen den Willen seiner Schüler diese Tätigkeit aufgeben, weil sein Geschichtsunterricht der marxistischen Schulleitung nicht materialistisch genug war. \\ Den Theosophen, die gerade angefangen hatten, sich für Steiner zu interessieren, waren seine Auseinandersetzungen mit der Mehrwerttheorie und Klassenkampftheorie von Marx dagegen nicht esoterisch genug. Er konnte sich auch noch so viel Mühe geben, die soziale Frage mit der Frage von Reinkarnation und Karma zu verbinden. Sein Ansatz war den damals geistig Interessierten nicht egoistisch genug. Wenn er wirklich so praktisch werden wollte, sollte er doch lieber über Themen wie «Mann, Weib und Kind» oder über Ernährung reden, das würde den Leuten wirklich helfen.

Man kann also verstehen, warum es mehr als zwei Jahre braucht, bis er wieder auf das Thema der sozialen Frage zu sprechen kommt.

Beruf und Erwerb

Geisteswissenschaft und soziale Frage

Soziales Hauptgesetz und soziologisches Grundgesetz

Die beiden vorigen Gesetze können leicht so verstanden werden, daß sie sich widersprechen. Steiner sieht das aber nicht so. Für ihn setzt das soziale Hauptgesetz das soziologische Grundgesetz voraus. Das soziale Hauptgesetz kann nämlich nicht von unfreien Verbänden ausgehen, sondern nur von Individuen, die sich frei zusammentun, um das Soziale zu verwirklichen.

Soziales Hauptgesetz setzt soziologisches Grundgesetz voraus

Wenn Steiner meint, das er in den «Kernpunkten» beschreibt, auf welchem Weg das soziale Hauptgesetz verwirklicht werden kann, dann meint er wohl die dort beschriebenen Assoziationen. Angesprochen hat er es in der Tat auch in den Züricher Vorträgen, die er den «Kernpunkten» zugrunde gelegt hat. Nur daß er dort nicht nur von Assoziationen spricht, sondern auch vom demokratischen Rechtsleben als Bedingung des sozialen Hauptgesetzes.

Soziales Hauptgesetz und soziale Dreigliederung

Das Verhältnis zwischen dem sozialen Hauptgesetz (1905) und der sozialen Dreigliederung (1919) zu bestimmen, stellt viele Interpreten vor schwierige Probleme.

Eine der Hauptfragen ist dabei, wie weit das soziale Hauptgesetz mit der wirtschaftlichen Selbstlosigkeit geht und ob es dabei sogar noch weiter geht als die soziale Dreigliederung. Ist bei der sozialen Dreigliederung die Trennung zwischen Arbeit und Einkommen so absolut wie im sozialen Hauptgesetz? Stellt die soziale Dreigliederung nicht einen Rückschritt im Denken Rudolf Steiners dar? Soll man sich nicht lieber an sein soziales Hauptgesetz halten und sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen - als einen ersten Schritt zur echten Trennung zwischen Arbeit und Einkommen - einsetzen?

Zu diesen Interpretationsproblemen trägt die Tatsache bei, daß Rudolf Steiner 1905 - anders als 1919 - stark auf den damaligen Sprachgebrauch eingehen mußte. Damals meinte man mit dem Ausdruck «soziales Leben» in erster Linie das Wirtschaftsleben. Das soziale Hautpgesetz ist damit eine wirtschaftliches Hauptgesetz. Aber wie steht es mit den Ausdrücken «Arbeit» und «Einkommen»? Versteht Steiner 1905 unter Arbeit dasselbe, was er 1919 unter Arbeit versteht? 1919 sieht er doch die Arbeitsfrage als eine Frage des demokratischen Rechtslebens. 1905 sucht man beim Aufsatz über das soziale Hauptgesetz vergeblich das Wort Rechtsleben. Und genauso wenig steht da das Wort Geistesleben. Wie soll man sich orientieren?

Anders als viele meinen, spricht Steiner nicht erst 1919, sondern schon 1905 von einer sozialen Dreigliederung. Allerdings unter anderen Vorzeichen als später. Zu dieser früheren Fassung der sozialen Dreigliederung gehört - neben der Brüderlichkeit im Leibe, die im Mittelpunkt des sozialen Hauptgesetzes steht - die Gleichheit im Geiste und die Freiheit der Seele - die hier beide auch angedeutet werden. Beide rechnet Steiner zu den Bedingungen des sozialen Hauptgesetzes. Wer sich im Sinne des sozialen Hauptgesetzes einsetzen will, muß nämlich eine vom Einkommen unabhängige Arbeitsmotivation schaffen.

Diese Arbeitsmotivation sucht Steiner 1919 nicht mehr in der Gleichheit im Geiste und in der Freiheit der Seele, sondern im demokratischen Rechtsleben und im freien Geistesleben. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem sozialen Hauptgesetz und der sozialen Dreigliederung wird daher - näher gesehen - zur Frage des inneren Zusammenhangs zwischen den beiden Varianten der sozialen Dreigliederung. (Näheres dazu findet sich in Band 7: «Soziale Ideale: Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit».)

Hat aber Rudolf Steiner 1919 schon sein letztes Wort gesagt?

Aufmerksame Leser weisen darauf hin, daß Rudolf Steiner 1922, also nach der Dreigliederungszeit, von der Verbreitung einer «einheitlich wirkenden Geistigkeit» spricht als eine notwendige Vorbedingung, die erfüllt werden soll, bevor daran gedacht wird, die Menschen dazu zu bringen, in Assoziationen zusammenzukommen. Hier würden also Geist und Gleichheit wieder zusammenkommen. Mit der «einheitlichen wirkenden Geistigkeit», womit natürlich die Anthroposophie gemeint sei, komme die «Gleichheit im Geiste» von 1905 wieder zu Ehren. Die Verbreitung der Anthroposophie sei die Voraussetzung für das soziale Hauptgesetz, sprich für die Assoziationen. Man könne nach der Dreigliederungszeit wieder zur Tagesordnung zurückgehen und sich mit gutem Gewissen wieder auf die Anthroposophie konzentrieren. Damit sei genug zum Heil der Menschheit beigetragen. Das erste Wort Rudolf Steiners zur sozialen Frage sei auch sein letztes Wort gewesen.

Wer aber das «Zwischenwort», die soziale Dreigliederung von 1919, sich genauer anschaut, merkt irgendwann, daß dort die «einheitlich wirkende Geistigkeit» nie gänzlich verschwunden ist. Nur wird sie in dieser Zeit in einem Atemzug mit dem freien Geistesleben erwähnt und am Beispiel des in der Neuzeit neu dazugekommen Orts des Geisteslebens - der Fabrik - erläutert. Gerade dort brauche es eine «einheitlich wirkende Geistigkeit», womit aber keine anthroposophischen Vorträge gemeint sind. Der Unternehmer soll vielmehr den Mitarbeitern alle geschäftlichen Verhältnisse, einschliesslich der Buchhaltung, offenlegen. Das ist sein eigener Beitrag zur «einheitlich wirkenden Geistigkeit», den Beitrag den nur er leisten kann, da wo er im Leben steht. Schafft er das, dann werden Rudolf Steiner und seine anthroposophischen Vorträge richtig Sinn gemacht haben. Meint er stattdessen, daß seine Mitarbeiter noch nicht so weit gekommen sind und macht er es sich lieber mit Gleichgesinnten in anthroposophischen Vorträgen gemütlich, dann fragt sich, wie weit er selber gekommen ist und ob sein Verständnis der Anthroposophie wirklich ausreicht, um zum Heil der Menschheit beizutragen.

Soziales Hauptgesetz und demokratisches Urteil

Nicht nur die Assoziationen, sondern auch die Demokratie setzt für Steiner die Individualisierung voraus. Dies ist wohl der Grund, warum hier das soziale Hauptgesetz ein richtiges Zusammenspiel zwischen Wirtschaftsleben und demokratischem Rechtsleben voraussetzt.

Soziales Hauptgesetz und Demokratisierung des Arbeitsrechts

Soziales Hauptgesetz und Rechtsleben

Soziales Hauptgesetz nicht aufgegriffen worden

Soziales Hauptgesetz und einheitlich wirkende Geistigkeit

Weltwirtschaft verlangt eine einheitlich wirkende Geistigkeit

Gemeinsamer Vorstellungskreis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Fabrik braucht ein gemeinsames Geistesleben

Soziales Urphänomen

Einleitung

Das «Urphänomen der Sozialwissenschaft», wie es Steiner selber nennt, spielt innerhalb der anthroposophischen Bewegung eine vielleicht noch größere Rolle als der Ansatz der sozialen Dreigliederung. Er läßt sich leichter so umdeuten, daß es sich bei einer sozialen Gesundung nicht auch um soziale Einrichtungen, sondern nur um den Menschen handeln kann. Nicht umsonst legen die Interpretationen ihren Schwerpunkt auf das soziale Urphänomen im Denken, und verwechseln diesen Spezialfall oft mit dem sozialen Urphänomen überhaupt. Dieses gilt aber nicht nur für das Denken, sondern genauso für das Fühlen und das Wollen.

Der Sache kommt man schon näher, wenn man erstmal klärt, warum Steiner hier von einem Urphänomen spricht. Der Ausdruck «Urphänomen» stammt von Goethe - was Steiner selber ausdrücklich hervorhebt - und kommt aus seiner Farbenlehre. Anders als Newton führt Goethe die Farben nicht allein auf das Licht zurück, sondern auf ein Zusammenspiel von Licht und Finsternis. Dieses Zusammenspiel nennt er «Urphänomen» und versucht zu zeigen, wie sich kompliziertere Phänomene, wie der Regenbogen, durch dieses Urphänomen erklären lassen. Steiner macht dasselbe mit der Sozialwissenschaft. Die Gesellschaft läßt sich für ihn nicht erklären, wenn man nur vom sozialen Menschen ausgeht. Sie besteht vielmehr aus einem Zusammenspiel von Sozialität und Antisozialität. Er versucht daher zu zeigen, daß sowohl im Denken, als im Fühlen und Wollen, der Mensch auch eine starke antisoziale Seite hat.

Nun stellt sich aber die Frage der sozialen Gesundheit. Um sich persönlich weiterzuentwickeln braucht der Mensch gegenwärtig eine gehörige Portion an Antisozialität. Dies muß von Einrichtungen aufgefangen werden, die durch ihre Sozialität einen Ausgleich schaffen. Darin sieht Steiner die Aufgabe der sozialen Dreigliederung, die in diesem Sinne zeitbedingt ist - oder positiv gesagt: aktuell.

Die meisten Aussagen, die direkt mit dem sozialen Urphänomen in Verbindung gebracht werden können, lassen sich dagegen leicht auf die individuelle Perspektive reduzieren. Man übersieht leicht, daß es darunter auch Passagen gibt, wo Steiner ständig zwischen individueller und gesellschaftlicher Perspektive wechselt. Und doch könnte man gerade aus diesen Stellen am meisten lernen. Was hat die Überwindung der eigenen Antisozialität durch Selbsterziehung zu tun mit der sozialen Dreigliederung? Führt sie nicht gerade zur Einsicht in die Notwendigkeit einer sozialen Dreigliederung? Und ist nicht umgekehrt die mehr oder weniger offene Ablehnung einer sozialen Dreigliederung ein Zeichen dafür, daß es mit dieser Selbsterziehung nicht weit her ist?

Hört man auf, soziales Urphänomen und soziale Dreigliederung gegeneinander auszuspielen, ergeben sich ganz neue Fragen:

  • Sind die individuellen Beispiele, die Steiner beim sozialen Urphänomen im Denken, Fühlen und Wollen anführt, allein genommen, ein guter Einstieg in die soziale Dreigliederung für Menschen, die sich noch nie für gesellschaftliche Fragen interessiert haben? Also ein Türöffner zum Verständnis der sozialen Dreigliederung für die meisten, die sich trotz ihrer Beschäftigung mit der Anthroposophie immer noch vor allem für sich selber interessieren.
  • Oder helfen diese individuellen Beispiele erst weiter, wenn ihr Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Beispielen deutlich wird?

Zu den einzelnen Zitaten

Hat man sich erst einmal mit den Aussagen von Dezember 1918 über das soziale Urphänomen bekannt gemacht, dann findet man in früheren Aussagen deutliche Spuren der Beschäftigung Steiners mit diesem Phänomen.

Das erste Zitat zeigt zugleich, daß Steiner die Freiheit nicht so einseitig auffaßt, wie manche es ihm unterstellen. Es geht nicht nur um Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung, sondern auch um Offenheit. Damit wird auch klarer, was er später unter Freiheit im Geistesleben versteht. Freie Geister, die sich nur für ihre eigenen Gedanken interessieren, sind für ihn nicht völlig frei, sondern blutige Freiheitsanfänger.

Zur völligen Freiheit gehört das Zuhören

Das nächste Zitat datiert von Oktober 1918, also kurz vor der ersten Benennung des sozialen Urphänomens im Dezember 1918. Die Verwandschaft ist aber eindeutig, geht es doch um den Drang, «ein viel zu großes Interesse für dasjenige zu haben, was wir selber auskochen, und ein viel zu geringes Interesse für dasjenige, was andere Menschen denken und fühlen und wollen». Ein Drang, der ruhig bei seinem geistigen Namen, Luzifer, genannt werden sollte. Aber auch ein Drang, der den Menschen vor dem Ersaufen in Menschenkenntnis zu bewahren hat. Gerade diese Ambivalenz zwischen sozial und antisozial ist es, die Steiner kurz danach veranlaßt, in Anlehnung an Goethes Farbenlehre von einem sozialen Urphänomen bei Denken, Fühlen und Wollen zu sprechen.

Soziales Urphänomen und luziferische Vogelperspektive

Nun geht es zum letzten Zitat vor der ersten ausdrücklichen Benennung des sozialen Urphänomens am 12. Dezember 1918 in Bern. Leider wurde der Berner Vortrag oft einzeln herausgegeben. Dies hat wohl zur einseitigen Fixierung auf das soziale Urphänomen im Denken beigetragen, welches dort im Mittelpunkt steht. Im folgenden Vortrag vom 6. Dezembern 1918 in Dornach hatte Steiner dagegen klar gemacht, daß es dieses soziale Urphänomen sowohl im Denken, als auch im Fühlen und Wollen gibt. Zugleich nimmt er hier ausdrücklich Bezug auf die soziale Dreigliederung als eine Forderung unserer Zeit, weil sie «auf die Erkenntnis des Menschen in jeder Einzelheit Rücksicht nimmt».

Soziale und antisoziale Triebe in Denken, Fühlen und Wollen

Soziale und antisoziale Triebe im Menschen

Uniformierendes Denken führt zum antisozialen Fühlen und Wollen

Die Stärkung des Selbstbewußtseins durch das neuzeitliche Denken drückt sich in den verschiedensten Bereichen aus - in Wissenschaft, Kunst, Religion, Moral und auch in den sozialen Forderungen als Kehrseite des antisozialen Fühlens. Aus dem neuzeitlichen Willen kommt das Experimentieren, das es aber nur bis zur Maschine bringt und den Menschen negiert. Die Geisteswissenschaft steigert dagegen das Denken zur Imagination und Inspiration und den Willen zur Intuition, womit sie ins Vorgeburtliche und ins Nachtodliche vordringen kann.

Antisoziales Denken in Moral, Kunst und Religion

Wer auf die Anthroposophie baut, kann dann die Kindheit und Jugend verstehen und von ihr verstanden werden. Bleibt man beim neuzeitlichen Denken und Willen stehen, ist eine solche gegenseitige Verständigung und damit ein soziales Leben unmöglich.

Soziales in Imagination, Inspiration und Intuition

Soziales Kausalitätsgesetz - 1922

Man kommt nur vorwärts, wenn man im Kreise denkt

Kritik am ideologischen Überbau heute fast berechtigt

Der Mensch verdient mehr als nur einen Nebensatz

Marxisten reden doch nicht nur von Einrichtungen

Zusammenfassung: Wer sich als Marxist die Lösung der sozialen Frage allein von einer Änderung der Einrichtungen verspricht, meint mit Einrichtungen die «rein tatsächliche, wirtschaftliche Seite». Wer aber als Marxist fordert, daß die Einrichtungen dem Menschen ermöglichen, nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu leben, redet - ohne es zu wissen doch vom Menschen, nämlich von seinem Vorstellungs- und Willenslebens. Würde er das Gefühlsleben nicht ausblenden, würde er den ganzen Menschen berücksichtigen, nämlich nicht nur in seinem Zusammenhang mit sich selbst und mit der Natur, sondern auch in seinem Zusammenhang mit den anderen Menschen.

Einrichtungen durch Menschen und ihre Gedanken gemacht

Heil und Elend nicht allein durch Einrichtungen

Verhältnisse als äußere Wirkungen innerer Seelenverfassung

Verhältnisse durch Menschen gemacht

Die sozialen Verhältnisse machen wir!