Rudolf Steiner – Natürlicher und sozialer Organismus

Zitatensammlungen, Band 2

Vorwort

Während es zur Zeit Steiners noch üblich war, von einem sozialen Organismus zu sprechen, geschieht es heute nur noch in Ausnahmefällen. Zu diesen Ausnahmen gehören diejenigen Anthroposophen, die einfach gerne so sprechen wie Steiner. Sie ahnen meist nicht, welche Schäden sie damit anrichten können. Es ist nämlich unter «sozialem Organismus» Unterschiedliches verstanden worden. Das hat noch Steiner gewusst und daher wiederholt vor Missverständnissen gewarnt. Von seinen Nachfolgern würde man sich dieselbe Vorsicht wünschen. Im Namen des «sozialen Organismus» sind seit Steiner viele Menschen ermordet worden. Das hat natürlich nichts mit dem zu tun, was Steiner unter «sozialem Organismus» verstanden hat. Das ist aber nur für Anthroposophen selbstverständlich. Diese positive Einstellung kann man von anderen Zeitgenossen nicht erwarten. Wer heute von einem «sozialen Organismus» sprechen möchte, sollte zuvor genau erklären, was er darunter meint. Er braucht sich sonst nicht zu wundern, wenn er zu den Vertretern einer «organischen Volkseinheit» gerechnet wird.

Der soziale Organismus im Sinne Steiners hat mit Zentralismus und Nationalismus nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Es geht erst einmal darum, den einzelnen Gliedern des sozialen Organismus ihre Eigenständigkeit zurückzugeben. Konkret heißt es für das eine Glied, das Geistesleben, daß es auf die individuelle Freiheit des Einzelnen zu bauen hat. Und beim anderen Glied, dem Wirtschaftsleben geht Steiner umgekehrt von einer weltweiten Vernetzung von Assoziationen aus - ohne Rücksicht auf irgendwelche Staatsgrenzen. Dafür setzte er sich damals ein. Wer, wie zum Beispiel Kjellén, davon nichts verstand und trotzdem von einem sozialen Organismus sprach, wurde von ihm scharf zurückgewiesen.

Es fragt sich nur, warum Steiner das Risiko eingegangen ist, missverstanden zu werden. Wäre es nicht besser gewesen, sich für eine soziale Dreigliederung einzusetzen, ohne zu viel über Organismus zu reden? Eigentlich schon. Und Steiner hat es bald selber gemerkt. Er hat daher aus seinem Hauptwerk zur sozialen Dreigliederung, «Die Kernpunkte der sozialen Frage», den Vergleich zwischen menschlichem und sozialem Organismus fast gänzlich gestrichen. Aber eben fast. Übrig geblieben ist der Hinweis auf die von ihm kürzlich entdeckte Dreigliederung des menschlichen Organismus. Auf diese Dreigliederung bauen bis heute die Erfolge der Waldorfpädagogik und der anthroposophischen Medizin. Vielleicht ist das doch im nachhinein das beste Argument für eine soziale Dreigliederung.

Wer genauer darauf eingeht, wie Steiner den menschlichen Organismus mit dem sozialen Organismus vergleicht, kann schon überrascht werden. Das Geistesleben vergleicht er nicht mit dem menschlichen Kopf, sondern mit dem menschlichen Stoffwechsel. Genauso wie er den Winter nicht mit dem menschlichen Schlaf, sondern mit Wachheit gleichsetzt. Es fragt sich natürlich sofort, wie er zu einem solchen fern liegenden Ergebnis kommen kann. Es liegt an seiner Auffassung des menschlichen Organismus. Demnach überwiegen im Nervensystem, und damit im Kopf, die Abbauprozesse, während die Aufbauprozesse ihren Schwerpunkt im Stoffwechsel haben. Das Geistesleben, ähnlich wie der Stoffwechsel, baut auf, nämlich Fähigkeiten. Eine ziemlich ungewöhnliche Art, das Geistesleben aufzuwerten. Wie dem auch sei, im Mittelpunkt des Organismusvergleichs steht bei Steiner die Frage nach Aufbau und Abbau.

Diese Frage ist nämlich auch entscheidend, wenn es darum geht, was Steiner unter einer «organischen Entwicklung» versteht. Während jedem Konservativen und manchem Anthroposophen nur eine bedächtliche Entwicklung als organisch gilt, sieht Steiner eine organische Entwicklung als eine Folge von Metamorphosen oder Revolutionen. Schon wieder eine Ohrfeige für den gewöhnlichen Menschenverstand! Noch wichtiger ist aber die Anregung, in einer organischen Entwicklung nicht nur auf die Phase des Wachstums und Aufbaus, sondern auch auf den anschliessenden Abbau zu achten.

Nachdem die Dreigliederungsbewegung unter anderem am mangelnden Interesse der Anthroposophen gescheitert war, kommt Steiner 1923 noch einmal darauf zu sprechen. Nur verkleidet er es in einer Betrachtung über die Jahreszeiten. Die Wissenschaft hat sich zu ihrem Einheitsdrang durch den überwältigenden Aufbau in der Frühlingszeit inspirieren lassen. Wollen die Anthroposophen doch etwas zur sozialen Dreigliederung beitragen, so müssen sie als Gegengewicht zum Osterfest einen herbstlichen Fest ins Leben rufen, der die Menschen dazu inspiriert, das soziale Leben nicht nur als Einheit, sondern auch differenziert zu betrachten. Vielleicht ist das doch die beste Erziehungsmethode für Anthroposophen.

Der menschliche Organismus als Ausgang des Vergleichs

Auf die folgende Stelle seines Buches «Seelenrätseln» verweist Steiner ausdrücklich oder stillschweigend, wenn er von einem sozialen Organismus spricht. Hier beschreibt er den menschlichen Organismus so, daß sein Zentrum nicht im Gehirn liegt. Genauer gesagt liegt im Gehirn nicht das Zentrum, sondern nur ein Zentrum des menschlichen Organismus. Das Gehirn ist bloß das Zentrum des Nerven-Sinnesleben. Rhythmusleben und Stoffwechselleben werden nicht vom Gehirn gesteuert, sondern steuern sich selbst.

Damit stellt Steiner die bis heute übliche Unterscheidung zwischen sensitive und motorische Nerven in Frage. Motorische Nerven sind für Steiner auch sensitive Nerven, die das Motorische, den Willen nur bewußt machen. Das Motorische selber gehört dagegen zum Stoffwechselleben. Hier trifft man auf den Kern von Steiners Aussagen zum menschlichen Organismus, auf dasjenige, was man vom Menschen verstehen müßte, um auch das Soziale verstehen zu können.

Diese Selbständigkeit dieser drei Lebensbereiche macht nicht an den Grenzen des menschlichen Organismus Halt. Es ist vielmehr so, daß Nerven-Sinnesleben, Rhythmusleben und Stoffwechselleben eigenständige Beziehungen zur Außenwelt unterhalten.

Physisch-geistige Abhängigkeiten des Menschen

Vorteil und Nachteil der Rede vom sozialen Organismus

Wo der soziale Organismus Sinn macht

Die Vorteile eines Vergleichs zwischen dem menschlichen Organismus und dem sozialen Organismus macht Steiner ausschließlich am Beispiel des eigenen Ansatzes klar. Vom menschlichen Organismus soll man demnach lernen, daß Organismen nicht absolut zentralisiert sind, sondern aus Systemen bestehen, die ihren Mittelpunkt in sich selbst haben. Nur dadurch sind Organismen lebensfähig. Und diese notwendige Dezentralisierung ist dasjenige, was auch für den sozialen Organismus gilt. Bei der konkreten Zuordnung sozialer Systeme zu den entsprechenden menschlichen Systemen ist Steiner erstaunlich zurückhaltend. Sie wird meistens nur angedeutet. Wo sie doch ausgeführt wird, zeigt sich, daß sie den spontanen Erwartungen bewußt nicht entspricht. Dies hätte zwar viele zum Nachdenken anregen können. Das Problem war aber, daß zu viele Autoren sich schon vor Steiner an solchen konkreten Zuordnungen versucht und versündigt hatten. Wollte Steiner die Hauptidee der Dezentralisierung retten, so mußte er sich hier selbst zurücknehmen und auch andere vor einem zu aufdringlichen Gebrauch dieses Vergleichs warnen. Die vielen von Steiner angeführten Beispiele mißlungener Versuche, von einem sozialen Organismus zu sprechen, werden im nächsten Kapitel «Wo der soziale Organimus Unsinn treibt» aufgegriffen. Positive Beispiele, insofern sie auch in Richtung Dezentralisierung gehen würden, erwähnt er dagegen nicht. Es gab sie zwar. Wer sich aber mit ihnen beschäftigt, merkt bald, daß sie nichts zum Verständnis des sozialen Organismus im Sinne Steiners hätten beitragen können.

Im Aufruf «An das deutsche Volk und an die Kulturwelt!», der seinem Hauptwerk zur sozialen Dreigliederung, «Die Kernpunkte der sozialen Frage» um wenige Monate vorangeht, vergleicht Steiner den sozialen Organismus mit dem menschlichen Organismus. Eine konkrete Zuordnung der jeweiligen Systeme bleibt angedeutet, geht aber wenigstens so weit, daß jeder, der spontan den menschlichen Kopf dem sozialen Geistesleben zuordnen würde, sich beim aufmerksamen Lesen in Frage gestellt sieht.

Sozialer Organismus wie natürlicher Organismus gegliedert

In der Schlußversion der «Kernpunkte der sozialen Frage» wird dieser Vergleich wieder aufgegriffen und näher auseinandergesetzt. Bei der Frage der konkreten Zuordnung zwischen menschlichen und sozialen Systemen bleibt es aber bei der eben erwähnten unbequemen Andeutung.

Sozialer Organismus wie menschlicher Organismus gegliedert

Wer nicht nur die «Kernpunkte der sozialen Frage» liest, sondern auch die Aufzeichnungen der öffentlichen Vorträge, die dem Text zugrunde liegen, muß staunen. Hier ist Steiner ausführlich auf die Frage einer konkreten Zuordnung zwischen den menschlichen und den sozialen Systemen eingegangen. Nur stellt er alles auf den Kopf.

Sozialer Organismus als Umkehrung des menschlichen Organismus

Diese Umkehrung zwischen menschlichem und sozialem Organismus hatte Steiner übrigens schon vorher in einem Vortrag vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft erwähnt.

Sozialer Organismus steht auf dem (menschlichen) Kopf

Der Vergleich zwischen menschlichem und sozialem Organismus wird in den Vorträgen vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft wiederholt aufgegriffen.

Sozialer Organismus statt sozialer Homunculus

Sozialer Organismus als Spiegelbild des Menschen

Warum Steiner, so viel ich es bisher sehen kann, von der Umkehrung zwischen menschlichem und sozialem Organismus nur noch in den Vorträgen für Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft spricht, läßt sich vielleicht durch folgende Stelle erklären, wo er diese Mitglieder zur Vorsicht rät. Den sozialen Organismus mit dem menschlichen Organismus zu vergleichen, kann nicht nur zum Verständnis des sozialen Organismus beitragen. Es kann auch zu Mißverständnissen führen, wenn man dabei nicht die nötige Vorsicht walten läßt.

Organismusvergleich weckt Mißtrauen

Organismusvergleich in den Kernpunkten nur gestreift

Noch weitere Aufschlüsse über die Umkehrung zwischen menschlichem und sozialem Organismus bringt die Antwort von Rudolf Steiner auf eine Frage von Roman Boos:

Sal, Mercurius und Sulphur zwischen Mensch und Gesellschaft

Zur Vertiefung der Begriffe «Sal», «Mercurius» und «Sulphur» sei auf folgende Stellen verwiesen: GA 54, S.477-512, 26.4.1906, Berlin; GA 175, S.143-158, 20.3.1917, Berlin; GA 186, S.278-284, 20.12.1918, Dornach und GA 194, S.137-138, 6.12.1919, Dornach.

Genauso spannend wie die Beziehung zwischen dem dreigliedrigen Menschen und dem sozialen Organismus ist die Beziehung zwischen dem viergliedrigen Menschen und dem sozialen Organismus, die aber meines Wissens von Steiner nur einmal ausgearbeitet:

Soziale Dreigliederung als Auswirkung von Ich, Astralleib und Ätherleib

Soziale Dreigliederung als Rückwirkung auf physischen, Äther- und Astralleib

Wo der soziale Organismus Unsinn treibt

Nicht nur die bisher zitierten Meray und Schäffle haben neben Steiner das Soziale mit einem Organismus verglichen, sondern auch andere Autoren wie Kjellén, Spencer, Jaffé und Uexküll. Steiner setzt sich auch mit diesen Autoren auseinander. Im Unterschied zu den bisherigen Stellen über Meray und Schäffle bleibt es nicht bei einer knappen Distanzierung. Steiner geht diesmal näher auf die Gründe für seine Ablehnung ein. Warnung: Meine Überschriften stehen hier nicht immer für die Auffassung Steiners, sondern zum Teil für die Auffassung der Autoren, die von Steiner kritisiert werden!

Staat als Zelle der Weltpflanze, Mensch als Borsten für den Staat

Staat müßte als Organismus Menschen köpfen

Heutige Welt sozial-politisch ein Organismus

Spencer: Nervensystem und Kriegerstand am Vollkommensten

Spencer: Nervensystem und Militarismus am wertvollsten

Spencer: Nervensystem und Militär als Spitze der Entwicklung

Freie Seele überragt den Weltorganismus

Organische Einheit sagt noch nichts über Gesundheit

Naturwissenschaft sucht Kausalität statt Gesundheit

Uexküll: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als sozialer Krebs

Ist der soziale Organismus gegeben oder zu erringen ?

Waldorfschule keine Organisation, sondern sozialer Organismus

Wie groß soll ein sozialer Organismus sein ?

Alles ist irgendwie ein Organismus

Zur anthroposophischen Unsitte, aus allem einen Organismus machen zu wollen, hat Steiner leider das Seinige beigetragen.

Staat als Organismus

Geist, Staat und Wirtschaft als Organismen

Geist, Wirtschaft und Staat als Organismen

Daß eine solche Wortwahl nicht besonders paßt zu anderen Stellen (siehe insbesondere oben unter dem Titel «Wo der soziale Organismus Unsinn treibt» die Schlagworte «Staat Zelle der Weltpflanze, Mensch Borsten des Staats», «Staat müßte als Organismus Menschen köpfen» und «Heutige Welt sozial-politisch ein Organismus») ist den Herausgebern des Bandes aufgefallen. Ihre Irritation haben sie nicht nur durch die vermutlich von ihnen reingesetzten Einführungszeichen deutlich gemacht, sondern auch in einem Kommentar ausdrücklich angesprochen:

Herausgeber: Staatsorganismus als Pseudoorganismus

Was bei der Bezeichnung «Staatsorganismus» leicht vergessen werden kann, hat Steiner selber erwähnt. Es geht einerseits um die Notwendigkeit eines freien Geisteslebens. Sie wird von Steiner selber natürlich nie vergessen und wird auch bei allen Stellen, wo er hier vom «Staatsorganismus» spricht, ausdrücklich erwähnt. Das Zweite, was bei einer solcher Bezeichnung vergessen werden kann, ist die Notwendigkeit einer brüderlichen Weltwirtschaft. Sie wird im ersten Vortrag des «Nationalökonomischen Kurses» noch einmal deutlich gemacht:

Nur die gesamte Erde ist ein Organismus

Weltwirtschaft als Wirtschaftsorganismus

Der Satz «Die ganze Erde, als Wirtschaftsorganismus gedacht, ist der soziale Organismus» bietet sich mit seiner Knappheit dazu, mißverstanden zu werden - und wurde es auch tatsächlich. Reduziert Steiner nun plötzlich das Soziale auf das Wirtschaftliche? Das eigentliche Anliegen des Satzes - die Überwindung der Volkswirtschaften durch eine Weltwirtschaft - wird dabei leicht vergessen. Um richtig verstanden zu werden, muß diese Stelle zusammengenommen werden mit den früheren Parallelstellen, wo Steiner diesen weltweiten sozialen Organismus mit einem Pflanzen-Organismus vergleicht (siehe oben unter dem Titel «Wo der soziale Organismus Unsinn treibt die Schlagworte «Staat Zelle der Weltpflanze, Mensch Borsten des Staats» und «Staat müßte als Organismus Menschen köpfen»). Dort ist die Ausdrucksweise («Staatswissenschaft») leider noch so, daß man nur schwer merkt, daß es Steiner schon damals um die Wirtschaftswissenschaft geht. Der «wirtschaftlich-soziale» Organismus ist also nur mit einem pflanzlichen Organismus vergleichbar, während der «gesamt-soziale» Organismus von Steiner mit einem menschlichen Organismus verglichen wird. Es gibt übrigens schon 1919, also vor dem «Nationalökonomischen Kurs» eine Stelle, wo Steiner seinen Weltorganismus eindeutig auf die Wirtschaft bezieht. Es scheint also so zu sein, daß Steiner sich solange auf den damaligen bürgerlichen Sprachgebrauch - der keinen Unterschied machte zwischen Staat und Wirtschaft (siehe zum Beispiel den Historiker Friedrich Meinecke) - eingelassen hat, bis er auf seine Darstellung der sozialen Dreigliederung bauen konnte. Die Stelle ist folgende:

Staat und Volk keine abgeschlossene Organismen

Siehe auch dazu oben «Wo der soziale Organismus Unsinn treibt»: GA 174b, S.226-229, 13.5.1917.

Wie rasch soll eine organische Entwicklung sein ?

Eine organische Entwicklung macht einen Schritt nach dem anderen

Französische Entwicklung tumultuarisch

Hier vermeidet es Steiner bei der tumultuarischen französischen Geschichte von einer unorganischen Entwicklung zu sprechen. Das hatte er aber zwei Tage vorher gemacht in der Parallelstelle im öffentlichen Vortrag:

Französische Entwicklung unorganisch

In öffentlichen Vorträgen paßt sich aber Steiner oft stark dem üblichen Sprachgebrauch an. Daher vielleicht der Ausspruch «könnte man sagen». Andererseits bezieht sich hier die Bezeichnung «unorganisch» nicht auf die vorwärtsstürmende Französische Revolution, sondern auf den Rückschlag der Entwicklung durch Napoléon! Unorganisch ist damit eine Entwicklung, die keine Weiterentwicklung findet. Was Steiner sonst unter organischer Entwicklung versteht, entspricht eher dem, was «man» Revolution nennt.

Eine organische Entwicklung macht lauter Sprünge

Ein gutes Beispiel für die Ablehnung dessen, was andere Autoren üblicherweise unter «organischer Entwicklung» verstehen, findet sich einige wenige Seiten vor der Stelle, die zuletzt erwähnt worden ist.

Geschichte: Sprünge statt Wirkungen der Vergangenheit

Proletarisches Klassenbewußtsein als Sprung der Geschichte

Natur und Geschichte machen fortwährend Sprünge

Geschichte macht als Organismus Sprünge

Es sind natürlich nicht alle Stellen, wo sich Steiner über dieses Thema ausspricht. Es sei nur auf einige andere Stellen verwiesen: GA 101, S.209, 1/1987, 27.12.1907; GA 159, S.257, 2/1980, 18.5.1915; GA 167, S.123-124, 2/1962, 13.4.1916; GA 167, S.273-274, 2/1962, 23.5.1916; GA 171, S.73-75, 1/1964, 23.9.1916; GA 328, S.11-12, 1/1977, 3.2.1919; GA 330, S.304-305, 2/1983, 19.6.1919; GA 192, S.190, 2/1991, 15.6.1919; GA 333, S.56-59, 2/1985, 22.7.1919; GA 329, S.273-274, 1/1985, 6.11.1919; GA 196, S.137, 1/1966, 1.2.1920.

Wie lebendig soll ein Organismus sein ?

Aufbau und Abbau in der Natur

Tod als Zusammenfassung kleiner Sterben

Aufbau und Abbau im sozialen Organismus

Auch Abbau beim sozialen wie beim natürlichen Organismus

Aufbau und Abbau in der Wirtschaft

Fortschritt der Freiheit durch Rückschritt der Geschichte

Abbau des Kapitals statt Anstau im Boden

Abbau des Kapitals wie jedes Lebendigen

Abbau des Kapitals durch Altwerden des Geldes

Schenkung statt Anstau des Kapitals

Was versteht die Wissenschaft vom Organismus ?

Die Wissenschaft sieht nur den Abbau

Naturwissenschaft sieht nur die Geschichte des Verfalls

Die Wissenschaft übersieht den Abbau

Siehe dazu oben unter dem Titel «Organismus heißt nicht nur Aufbau sondern auch Abbau» und Untertitel «Aufbau und Abbau in der Natur», das Schlagwort «Tod als Zusammenfassung kleiner Sterben»: dort merkt Weismann den Abbau erst dann, wenn er zum Tod (zu einer Leiche) geführt hat.

Wie einheitlich soll ein Organismus sein ?

Am Aufbau zeigt sich die Einheit, am Abbau die Differenzierung

Einheit im Frühling, Differenzierung im Herbst

Was verstehen die Deutschen von Einheit ?

Die Deutschen verstehen leider nichts von Einheit

Soziale Stände gehen im deutschen Reich auseinander

Die Deutschen verstehen zum Glück nichts von Einheit

Deutsche nicht veranlagt, politische Einheit zu bilden