Rudolf Steiner – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Zitatensammlungen, Band 7

Vorwort

In seinem Hauptwerk zur sozialen Dreigliederung - den «Kernpunkten der sozialen Frage» - schliesst Rudolf Steiner seine Ausführungen zum Unterschied zwischen Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben mit einem Hinweis auf die Ideale der Französischen Revolution. Diese drei Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bezieht er aber - anders als die Französische Revolution - nicht auf den Nationalstaat sondern auf die drei Lebensbereiche, die er so eben auseinandergehalten hat. Anzustreben sind demnach ein freies Geistesleben, ein demokratisches Rechtsleben und ein brüderliches Wirtschaftsleben.

Diese Zuordnung der Ideale auf die Lebensbereiche ist einerseits einprägsam. Sie hat aber auch seine Schattenseiten. Nicht umsonst steht sie bei Rudolf Steiner am Schlusspunkt einer längeren Auseinandersetzung mit den einzelnen Lebensbereichen. Am Anfang gesetzt verleitet sie einem dazu, damit schon alles gesagt zu haben. Wer aber im Sinne der sozialen Dreigliederung wirken will, muss mehr wissen, als bloß Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Deswegen habe ich diese siebte Textsammlung nach den drei Textsammlungen zu den einzelnen Lebensbereichen gesetzt.

Ich habe diese Textsammlung aber auch nicht zufällig vor die achte Textsammlung zum anthroposophischen Sozialimpuls gesetzt. Die drei Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit finden sich nämlich bei Rudolf Steiner schon lange vor der Zeit seines öffentlichen Eintreten für eine soziale Dreigliederung ab November 1918. In seinen Vorträgen vor einem anthroposophischen Publikum lassen sie sich bis zum Jahr 1904 zurückverfolgen. Nur stehen sie in diesen nichtöffentlichen Vorträgen in einem anderen Kontext, sozusagen näher am einzelnen Menschen. Hier heisst es Brüderlichkeit für den Leib, Freiheit für die Seele und Gleichheit für den Geist.

Gibt es also zwei verschiedene sozialen Dreigliederungen, eine Dreigliederung für Anthroposophen und eine Dreigliederung für die Öffentlichkeit ?

In dieser Sammlung lasse ich die beiden sozialen Dreigliederungen zunächst unvermittelt nebeneinander stehen, wie Rudolf Steiner es selber gemacht hat. Will man die Brücken schlagen zwischen den beiden Welten, muss man sich genau anhören, was Rudolf Steiner seinem anthroposophischen Publikum über die soziale Frage erzählt, nachdem er sich schon in der Öffentlichkeit für die soziale Dreigliederung einsetzt. Dann kommt aber heraus, dass es weit mehr als zwei Dreigliederungen gibt, dass aber Rudolf Steiner nur zwei davon für öffentlichkeitstauglich gehalten hat.

Freiheit und Gleichheit im Frühwerk

Im Frühwerk von Rudolf Steiner lässt sich noch keine Spur einer systematischen Beschäftigung mit den Idealen der Französischen Revolution erkennen. Sie werden aber auch nicht einfach abgetan oder angehimmelt, wie es beim damaligen deutschen Bürgertum üblich war. Entscheidend ist ihm, wer über diese Ideale spricht.

Zola kein beliebiger Freiheits- und Gleichheitsschwärmer

Schrattentals Sprüche über Freiheit und Gleichheit

Freiheits- und Gleichheitsbegriff inhaltvoll statt nebelig

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im anthroposophischen Werk

Brüderlichkeit - Leib / Freiheit - Seele / Gleichheit - Geist

Ausgangspunkt für diese Zuordnung der sozialen Ideale zu den menschlichen Wesensgliedern ist die «Theosophie» GA 9, S.20-23 (30. Auflage 1988) aus dem Jahr 1904. Bei den früheren Stellen ist diese Zuordnung oft dadurch kaschiert, daß das Wort «Bruderschaft» nicht nur im Sinne von «Brüderlichkeit» benutzt wird. Im Laufe der Jahre wird sie aber immer deutlicher.

Körper außen, Seele innen, Geist beides zugleich

Gleichheit vor Gott reinkarniert in Gleichheit vor Mammon

Materielle oder geistige Bruderschaft

Christentum als absolute Gleichheit aller Menschen

Ideale der sechsten Kulturepoche durch Geisteswissenschaft

Gleiches Ich, freier Astralleib, brüderlicher Ätherleib

Soziales Verständnis und Gedankenfreiheit der Bewußtseinsseele durch Geisterkenntnis

Gegenideale: Ordnung, Pflicht, Gerechtigkeit

Soziale Erde, Gedankenfreiheit und pneumatologischer Geist

Abstrakte Französische Revolution und Theosophie

Französische Revolution und praktische Theosophie

Sozialismus, Gedankenfreiheit und Pneumatologie

Webstuhl entscheidender als Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Sozialismus, religiöse Freiheit und Geisteswissenschaft

Bildung und Umkehrung der drei Ideale durch die Engeln

Revolution Seele ohne Leib, Napoleon Leib ohne Seele

Westbrüderlicher Leib, freiseelische Mitte, ostgleicher Geist

Sozialismus, Gedankenfreiheit und Geisteswissenschaft

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Dreigliederungswerk

Brüderlichkeit - Wirtschaftsleben / Gleichheit - Rechtsleben / Freiheit - Geistesleben

Ausgangspunkt für diese Zuordnung der sozialen Ideale zu den Lebensbereichen ist das Hauptwerk von Rudolf Steiner zur sozialen Frage, die «Kernpunkte der sozialen Frage», erschienen im April 1919. Davon gesprochen hat er aber immer wieder seit dem 24.11.1918, zunächst nur vor anthroposophischem Publikum und ab dem 05.02.1919 auch in der Öffentlichkeit. Man findet diese Zuordnung aber zum Teil schon früher, ab dem Verfassen des Memorandums an die Mittelmächte vom 13.07.1917, sogar parallel zur älteren Zuordnung der Ideale.

Sobald Rudolf Steiner damit an die Öffentlichkeit geht, spricht er vor wechselndem Publikum, so dass es zu Wiederholungen kommt. Zitate, die weder neue Bezüge noch neue Formulierungen bringen, habe ich nur erwähnt, aber nicht ausgeführt.

Erstes Memorandum: Freiheit, Konservatismus, Opportunismus

Absolute Freiheit, konservative Demokratie, Brüderlichkeit

Geistige, seelische und physische Freiheit

Brüderlichkeit halb-, Gleichheit un- und Freiheit höchstpersönlich

Sozialisierung, Demokratie und Freiheit

Drei goldene Ideale durch Dreigliederung

Gliederung statt Widerspruch der drei Ideale I

Kernpunkte der sozialen Frage: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Freiheit, Brüderlichkeit durch Staatsbeschränkung

Gliederung statt Widerspruch der drei Ideale II (ausgelassen)

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für Mitte durch Geist

Gliederung statt Widerspruch der drei Ideale III (ausgelassen)

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als Menschenwürde

Philosophie der Freiheit statt Einheitsstaatsgötzen

Gliederung statt Widerspruch der drei Ideale IV (ausgelassen)

Gegenideale: Zwang, Verschiedenheit und Unterordnung

Westwirtschaft statt Brüderlichkeit, Ostgeistesleben ohne Freiheit

Gliederung statt Widerspruch der drei Ideale V (ausgelassen)

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch (Selbst-)Erziehung

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch gleichmäßige Mitte

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit keine alten Schlager

Gleichheit und Brüderlichkeit durch Freiheit des Geistes

Von geistiger Freiheit zu seelischer Gleichheit und leiblicher Brüderlichkeit

Imaginative Brüderlichkeit, inspirierte Gleichheit, intuitive Freiheit

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit als halbe Wahrheit

Gleichheit aller Menschen durch christliche Einweihung

Sittliche Gleichheit durch individuelle geistige Freiheit

Drei Ideale als notwendiger Lebenswiderspruch

Weltwirtschaft verlangt eine einheitlich wirkende Geistigkeit

Freiheit gibt die Kraft, sich für Gleichheit und Brüderlichkeit einzusetzen

Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit als Entwicklung

Die drei Ideale Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit bringt Rudolf Steiner zusätzlich in Beziehung zum menschlichen Lebenslauf. Es fragt sich nur, ob es im Sinne der alten oder der neuen Zuordnung gemeint ist. Bezüglich der Freiheit lassen sich Anklänge an GA 171, S.212-214 finden. Dort gilt die Freiheit als Vorbereitung auf den Tod.

Kind - Gleichheit, Erwachsene - Brüderlichkeit, Greis - Freiheit

Eine zweite Stelle sprengt den Rahmen dessen, was man gewöhnlich unter «Lebenslauf» versteht und gibt noch dazu eine ganz andere Chronologie der Ideale.

Vergangenheit - Freiheit, Gegenwart - Gleichheit, Zukunft - Brüderlichkeit