Das Jahrhundert der »ethnischen Säuberungen« II

Die Zerstörung des europäischen Völkerlebens

13.06.1999

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Teil 1 | Teil 2

Als Rudolf Steiner im Jahr 1910 vor einem kleinen Kreis von Menschen erstmals versuchte, auf die konkreten seelischen und geistigen Grundlagen des europäischen Völkerlebens einzugehen, wollte er damit eine innere Richtung aufzeigen, die man mit seiner Bewußtseinshaltung und Gedankenarbeit zu nehmen hatte, um den »in die Verwirrung hineinsteuernden Kräften« entgegenzuarbeiten.[1] Aber auch die damaligen Theosophen zeigten wenig Interesse bzw. konnten die Vielfalt der empfangenen Anregungen nicht fruchtbar umsetzen. Jedenfalls erwuchs von dieser Seite keine ausreichende spirituelle Kraft, die zu den 1914 zum Ausbruch gelangenden Mächten des Völkerhasses und der Zersplitterung einen Ausgleich hätte schaffen können. Im August 1914 mußte Rudolf Steiner deshalb sein Bedauern zum Ausdruck bringen, daß sich seine Zuhörer »so wenig mit den Eigenheiten der einzelnen Volksseelen befaßt haben«, da er doch »viel auf diese Dinge und ihr Studium hingewiesen« habe.[2]

Selbstbestimmungsrecht oder Dreigliederung

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann der Untergang der alten mittel- und süosteuropäischen Vielvölkergemeinschaften. Noch viel verhängnisvoller als die unverarbeiteten Leidenschaften wirkte die kühl kalkulierende Intelligenz einzelner Menschen, die Völkerzersplitterung in Form von nationalen und sozialen Konflikten als besonders effizientes Mittel der Kriegsführung entdeckten. So erstellte die kaiserliche deutsche Reichsführung in Zusammenarbeit mit dem Generalstab ein umfassendes Programm zur Revolutionierung von nationalen und religiösen Gemeinschaften, um die Stabilität des Britischen Empire und des Rußländischen Zarenreiches nachhaltig zu erschüttern. Kaiser Wilhelm II. hatte sich bereits 1898 zum Schutzherrn von 300 Millionen Muslimen aufgeschwungen; mit Kriegsbeginn unterstützte er das Vorhaben, die islamische Welt in einen allgemeinen Aufstand gegen England zu treiben. Außerdem wollte der Generalstab mit Hilfe der Schiiten Afghanistan und Persien in den Krieg gegen Indien verwickeln. In der westeuropäischen Hemisphäre setzte Berlin auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der flämischen und irischen Nationalisten; vom bewaffneten Aufstand letzterer Ostern 1916 erhoffte man sich eine Entlastung an der Westfront. In Osteuropa galten die Revolutionierungsversuche der deutschen Reichsleitung den Völkern des zaristischen Rußland.[3]

Genauso skrupellos, aber wesentlich bewußter, durchdachter und weitsichtiger im Sinne der eigenen Ziele nutzte man im alliierten Lager die spaltenden Kräfte des Nationalismus. Eine neue Parole, das sogenannte "Selbstbestimmungsrecht der Völker" (self-determination of the nations) wurde in Ostmitteleuropa ebenso wie im Nahen Osten als ein Mittel der taktischen Kriegsführung verbreitet. Nun rächte sich, daß die Bewohner der Vielvölkerreiche es versäumt hatten, angesichts der mit der Nationalitätenfrage verbundenen Probleme zu einer neuen, für den Einschlag geistiger Impulse sich öffnenden Sichtweise zu erwachen. Mit Hilfe des kollektiven Nationalitätenprinzips sollten die Mittelmächte von innen heraus gesprengt oder sozial revolutioniert werden, denn in London, Washington und Paris wollte man die Landkarte durch die Neugründung unabhängiger Staaten radikal umgestalten, mit dem Ziel, dem deutschen Einfluß in dieser Region den Boden zu entziehen. Das "Selbstbestimmungsrecht" stieß in einen Raum, in dem eine solche Vielzahl an ethnischen, sprachlichen und religiösen Gemeinschaften in ihrem Zusammenleben verwoben waren, daß seine mechanische Durchsetzung konsequenterweise Ängste und Konflikte nähren, schließlich zu Vertreibungen oder Massakern führen mußte. Da sich hinter dem Schlagwort keine gedankliche Wirklichkeit befand, wie sich alsbald bei der Schwierigkeit abzeichnete, eine verbindliche rechtliche Formulierung zu finden[4], wirkte es lediglich auf jene Schichten des Menschen ein, in denen sich unbewußte Triebkräfte und die Neigung zu unindividuellen Gruppenzusammenhängen auslebten.

Von den alliierten Planungsstäben und Propagandaabteilungen wurde ein Prophet dieses Schlagworts auserkoren, der amerikanische Präsident Woodrow Wilson (1856-1924), der für viele Europäer zu diesem Zeitpunkt bereits den Platz eines Heiligen einnahm, eines friedenbringenden Messias.[5] Im November 1917 verkündeten alledings auch Lenin und Stalin in Rußland die »Freiheit und Souveränität für alle Völker Rußlands« sowie ihr »Selbstbestimmungsrecht (...) bis zur vollständigen Trennung und Bildung selbständiger Staaten«[6], um die Völkerschaften des Rußländischen Reiches für die Sache der Revolution zu gewinnen. Als Trockij am 22. Dezember 1917 das Selbstbestimmungsrecht als universelles Prinzip der sozialistischen Revolution nicht nur für die Völker »Elsaß-Lothringens, Galiziens, Posens, Böhmens und der südslavischen Provinzen«, sondern auch für die Völker »Irlands, Ägyptens, Indiens, Madagaskars, Indochinas etc.« einforderte, fürchtete nun selbst Wilson das revolutionäre Potential des Selbstbestimmungsrechts, das als realitätsferne Phrase doch einen so »edlen« Klang besaß:

»(...) in punkto Logik, purer Logik würde dieses Prinzip, das an sich gut war, zur vollständigen Unabhängigkeit verschiedener kleiner Nationalitäten führen, die jetzt verschiedenen Reichen angehören. Im extremsten Fall würde dieses Prinzip in unbestimmbarem Ausmaß die Störung der bestehenden Regierungen nach sich ziehen (...).«[7]

Auch US-Außenminister Lansing hatte am 30. Dezember 1918 in einem vertraulichen Memorandum gewarnt:

»Je länger ich über die Erklärung des Präsidenten bezüglich des 'Selbstbestimmungsrechts' nachdenke, desto mehr sehe ich die Gefahr, solche Ideen in die Köpfe mancher Rassen zu stecken. (...) Das muß (...) in vielen Ländern Unruhe schaffen. Welche Auswirkungen wird es auf die Iren haben, die Inder, die Ägypter und die Nationalitäten unter den Buren? Wird es nicht Unzufriedenheit, Unordnung und Rebellion ausbrüten? (...) Diese Phrase ist einfach mit Dynamit geladen. Sie wird Hoffnungen wecken, die niemals erfüllt werden können. Ich fürchte, sie wird Tausende von Leben kosten. Am Ende wird sie notwendigerweise in Mißkredit geraten; man wird sagen, sie sei der Traum eines Idealisten gewesen, der die Gefahr nicht erkennen konnte, bis es schließlich zu spät war, diejenigen im Zaum zu halten, die das Prinzip in die Realität umsetzen wollten.«[8]

Als sich deshalb Rudolf Steiner im Juli 1917 mit einem Memorandum an die österreichisch-ungarische Staatsführung wandte, um dem Gedanken der Dreigliederung des sozialen Organismus Gehör zu verschaffen, unternahm er diesen Schritt aus der Erkenntnis, wie furchtbar sich die Parole der kollektiven Selbstbestimmung auf das Zusammenleben der europäischen Gesellschaften auswirken würde. Wolle Österreich-Ungarn als Staat überleben, so schrieb er im ersten Memorandum vom 21./22. Juli 1917, dürfe es »nicht zurückschrecken vor der völligen Freiheit im Sinne der Autonomisierung und Föderalisierung des Volkslebens. Diese Föderalisierung ist vorgebildet im deutschen bundesstaatlichen Leben, das gewissermaßen das von der Geschichte vorgebildete Modell ist für dasjenige, was in Mitteleuropa fortgebildet werden muß bis zur völligen föderalistisch-freiheitlichen Gestaltung aller derjenigen Lebensverhältnisse, die ihren Impuls in dem Menschen selber haben, also nicht unmittelbar, wie die militärisch-politischen, von den geographischen, und, wie die wirtschaftlichen, von den geographisch-opportunistischen Verhältnissen abhängig sind. Die Gestaltung dieser Verhältnisse wird nur dann in gesunder Weise erfolgen, wenn das Nationale aus der Freiheit, nicht die Freiheit aus dem Nationalen entbunden wird. (...) Will man das letztere, so (...) legt [man] den Grund zu neuen Konflikten und Kriegen.«[9]

Dem Schlagwort vom »Selbstbestimmungsrecht der Völker« solle der Gedanke entgegengehalten werden, daß die »Völkerbefreiung durch die Menschenbefreiung« erfolgen müsse, also durch die Befreiung des Menschen als Individuum, welches dann seine ethnisch-nationale Zugehörigkeit frei bestimmen solle. Denn das Nationalitätsprinzip an sich ordnet die Selbstbestimmung des Individuums dem fiktiven Willen eines Kollektivs unter:

»Die Völkerbefreiung ist möglich. Sie kann aber nur das Ergebnis, nicht die Grundlage der Menschenbefreiung sein. Sind die Menschen befreit, so werden es durch sie die Völker.«[10]

Dies erfordere von den Verantwortlichen allerdings ein grundlegendes Umdenken in allen anderen Bereichen, denn für eine Gesundung der mitteleuropäischen Verhältnisse sei es in Zukunft notwendig, den kulturellen, den politisch-rechtlichen und den wirtschaftlichen Bereich des öffentlichen Lebens auf verschiedene Grundlagen zu stellen. Wenig später betonte Rudolf Steiner in einem Vortrag:

»Durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen.«[11]

»Ethnische Säuberung« als politisches Prinzip

Auf den Pariser Friedensverhandlungen wurden schließlich in den Jahren 1918-1921 die Grenzen im mittleren und östlichen Europa neu gezogen; dabei bezogen sich die beratenden Gremien auf das von Präsident Woodrow Wilson aufgestellte Postulat der "freien Selbstbestimmung der Völker", ohne in entsprechendem Maße auf die Tatsache Rücksicht zu nehmen, daß die nationalen Ansprüche in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Siedlungsgebiete der jeweiligen Menschen in diesem Raum standen. Menschen, die durch Heirat oder Wahlverwandtschaft mehrere Loyalitäten besaßen, wurden dabei überhaupt nicht berücksichtigt, genausowenig wie Menschen, die zwar eine bestimmte Abstammung hatten, sich von dieser jedoch distanzieren wollten. Dementsprechend führte die "ethnische Selbstbestimmung" in Verbindung mit dem Nationalstaatsgedanken nicht zu der erhofften dauerhaften Friedensordnung, sondern lediglich zu einer andauernden Strukturkrise und zu einer Unzahl neuer ethnischer und zwischenstaatlicher Konflikte.[12] An die Minderheitenschutzverträge, die auf Initiative des Völkerbunds in den Verfassungen der neu gegründeten Staaten Ostmittel- und Südosteuropas verankert wurden, hielt sich in der Praxis kaum eine der betroffenen Regierungen.

Jenseits der Phrasen hatte man in der westlichen Hemisphäre sehr wohl begriffen, daß es im Interesse des Westens war, der Zersplitterung der Völker in diesem Raum gewisse Schranken zu setzen. Das Selbstbestimmungsrecht war eine Kriegswaffe; in der Praxis verweigerte man es dort, wo es die eigene Interessenspolitik verlangte: so z.B. im Falle der Deutschösterreicher oder der Ukrainer. Umgekehrt trug man sich im Westen mit der Hoffnung, auf den Ruinen der Habsburgermonarchie werde eine neue Konföderation der kleineren Nationalstaaten entstehen. Bereits im September 1918 hatten man seitens der Briten von der Notwendigkeit gesprochen, nach Gründung neuer Staaten in Ostmittel- und Südosteuropa diese in einem Central European Commonwealth nach britischem Muster zusammenzufassen. Dieses Commonwealth sollte unter der Schirmherrschaft des Völkerbundes stehen; das deutsche Element dürfe in ihm keinen Platz finden. Es war dies der modifizierte Vorschlag einer eng mit dem Westen verbundenen und den deutschen Sprachraum eindämmenden Donauföderation, die bereits vor Kriegsbeginn die britischen Planungen beherrscht hatte.

In den USA trat zur gleichen Zeit Tomás G. Masaryk, wenig später erster Präsident der neugebildeten Tschechoslovakischen Republik, öffentlich für die Idee einer Mid European Democratic Union ein. Die erste Zusammenkunft der Union fand am 26. Oktober in Philadelphia in den Räumlichkeiten statt, in denen auch über die amerikanische Verfassung von 1787 beraten worden war. Masaryk leitete die Verhandlungen sehr symbolträchtig von dem Stuhl aus, auf dem einst George Washington gesessen hatte. In einer Erklärung sprach er von einem Zusammenschluß der kleinen Völker zwischen Deutschen und Russen, von den Finnen im Norden bis zu den Griechen im Süden, der anstelle des deutschen »Mitteleuropa« verwirklicht werden müsse. Die Prinzipien dieser Föderation, in der das deutsche Element (inklusive Deutschösterreich) keinen Platz habe, sollten auf der Wilsonschen Vorstellung gründen, »alle Regierungen beziehen ihre berechtigte Macht aus der Zustimmung der Regierten«. Außerdem bestehe »das unveräußerliche Recht eines jeden Volkes, seine eigene Regierung nach solchen Prinzipien und in solcher Form einzurichten, wie es seinem Glauben nach Wohlfahrt, Sicherheit und sein Glück am besten fördern wird.«[13]

Schon zu Weihnachten 1918 war die Idee einer zentraleuropäischen Föderation nach amerikanischem Muster definitiv begraben, da sich die Vertreter einzelner Völker bereits heillos zerstritten hatten. Das nationale Prinzip, zu dessen Vorreiter sich Masaryk selbst erhoben hatte, entfaltete seine zerstörerische Eigendynamik. Österreich-Ungarn war untergegangen, eine lang gewachsene Form des Zusammenlebens zerstört; doch weder aus den gedanklichen Abstraktionen noch aus den niederen Triebkräften, die mit dem Untergang wachgerufen worden waren, ließ sich ein neues Commonwealth erbauen, das als Pufferzone und Schutzwall für das angestrebte Kommerzimperium des Westens gegen Störungen von seiten des bolschewistischen Rußland hätte dienen können, wie es ursprünglich vorgesehen war. Mitteleuropa geriet in ein wirtschaftliches Chaos, in dem, getragen von den hochgepeitschten Trieben des Bluts, diverse nationale Faschismen und Sozialismen heraufzogen.

Der Gedankenarmut der politisch verantwortlichen Menschheit zeichnete sich zudem daran ab, daß nun immer häufiger auf ein radikales Mittel zurückgegriffen wurde, vorgeblich um den Konflikten ihre Schärfe zu nehmen: die systematisch praktizierte Aus- und Umsiedlung, schrecklich verharmlosend "Austausch" genannt, von Minderheiten und Volksgruppen mit dem Ziel, "geschlossene Siedlungsräume" herzustellen. Auf diese Weise setzte sich nach 1919 eine Unpolitik durch, die im Namen des ethnischen Kollektivs alle individuellen Menschenrechte mit Füßen trat. Sie begann mit der Einwilligung des Völkerbunds im Abkommen von Lausanne vom 30. Januar 1923 zur Deportation von 1.35 Millionen Griechen aus dem türkischen Kleinasien im »Austausch« gegen 430.000 Türken, die in Thessalien und Thrakien lebten. Der Flüchtlingskommissar des Völkerbunds, Fridtjof Nansen, schrieb damals, »daß die Entmischung (unmixing) der Bevölkerungen des Nahen Ostens die wahre Befriedung des Nahen Ostens garantieren wird (...) und daß der Bevölkerungsaustausch der rascheste und wirksamste Weg ist, um mit den schweren ökonomischen Folgen fertig zu werden, die sich aus der großen Bevölkerungsbewegung, die bereits eingesetzt hat, ergeben.«[14]

Dieses Exempel wurde vorherrschendes Denkmuster nicht nur nationalistischer Lokalfürsten in entlegenen "balkanischen" Dörfern, sondern es wurde von Stalin in der Sowjetunion und von Hitler in Nazideutschland ebenso aufgegriffen wie von Churchill und Roosevelt in der westlichen Hemisphäre. Zum "Austausch" der Völker als Kollektiv gesellte sich bald auch die kollektive "Bestrafung", ja die kollektive Vernichtung. In dieser Gedankenform wurden Menschen zu Tierherden, die man von einem Ort zum anderen treiben konnte, die einen statistisch erfaßbaren "Stempel" (ethnische Zugehörigkeit, Sprache, Religion) erhielten. Im Falle des Nationalsozialismus wurde der Mensch als Teil des Kollektivs zu einem bloßen Sachgegenstand, und man traf entsprechende Vorkehrungen, wie »zweckmäßigerweise die rassisch unerwünschten Teile der Bevölkerung verschrottet werden könnten.«[15]

Die Vertreibungen und "Säuberungen" seit dem Ersten Weltkrieg fanden nicht zuletzt deshalb Nachahmer, weil man sich aller fortschreitenden Mittel der Technik bedienen konnte, um die Menschen zu "verpflanzen" oder gar zu vernichten. So verteidigte Winston Churchill im britischen Unterhaus am 15. Dezember 1944 die zwischen Großbritannien und der UdSSR vereinbarten Grenzverschiebungen des polnischen Staates und die damit verbundenen massenweisen Zwangsaussiedlung von Deutschen, Polen, Ukrainern und Litauern in den Worten:

»Es wird reiner Tisch gemacht (a clean sweep will be made). Ich bin von der Aussicht einer Entflechtung der Bevölkerung keineswegs beunruhigt, nicht einmal von diesen großen Transfers, die unter den heutigen modernen Bedingungen eher möglich sind, als das jemals zuvor der Fall war.«[16]

Die Intelligenz des Tieres

Die Entfesselung triebhafter Nationalismen war jedoch nur ein Teil des Phänomens. Auf der anderen Seite gab und gibt es Stäbe von Sozialwissenschaftlern, Anthropologen, Ethnologen, Historikern, Wirtschaftswissenschaftler und anderen Experten, die genau ausgearbeitete Pläne vom Reißbrett liefern. Hier handelt es sich keineswegs um willkürliche, spontan vollzogene Grausamkeiten, sondern um langfristig geplante, durchdachte und logistisch organisierte Blaupausen. Das entfesselte, gewissermaßen sexualpathologische Triebleben vermählt sich mit präziser intellektueller Eiseskälte, denen jede Form von Mitgefühl oder Empathie wesensfremd ist. Oft genug haben in diesem Jahrhundert die Nationalismen nur als Vorwand gedient, um gezielt Machtpolitik durchzusetzen und Landkarten im Sinne konkreter eigener Interessen zu verändern. Amnon Reuveni hat unter Einbeziehung von Angaben Rudolf Steiners in dieser Zeitschrift schon 1995 anläßlich des Bosnien-Krieges darauf hingewiesen, wie sich durch die Vertreibung von Menschen aus einem bestimmten Volk auch die Aura einer Landschaft und damit die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen verändert.[17]

Mit derselben Kälte werden Grausamkeiten bewußt ins Kalkül gezogen und Leidenschaften notfalls künstlich hochgeputscht, denn man hatte nicht umsonst bei Gustave LeBon in seiner Schrift »Psychologie der Massen« (Psychologie des foules, 1895) nachgelesen, wie ein »Führer« mit den »Triebkräften« der Massen gezielt arbeiten könne.[18] Einer dieser Triebe ist darauf gerichtet, dasjenige, »was sich als Mensch kundgibt, nur äußerlich anzuschauen, nur so anzuschauen, wie es sich äußerlich in die Welt hineinstellt«.

Nicht das innerlich Individuell-Seelische, sondern allein die körperliche Hülle der äußeren Erscheinung zählt in diesem Nationalismus, der den Menschen »so ausgestalten will im Leben, daß er nur noch als Angehöriger der Nationalität aufgefaßt wird, nicht seinem Inneren nach (...). Dadurch würde die Erdenmenschheit immer mehr und mehr sich innerhalb nationaler Grenzen abschließen, und es würde in der Zukunft niemals diese nationale Grenze überschritten werden können.«[19]

Das gedankliche Vakuum in Jugoslavien

Als im Dezember 1918 der erste südslavische Staat, das »dreinamige« Königreich der Serben, Kroaten und Slovenen (SHS), entstand, war es von allen Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie vielleicht das komplizierteste Gebilde. Schon bald war deutlich, daß der Appell an die Brüderlichkeit der Südslaven längst nicht ausreichte, um die völlig unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich der staatlichen Gliederung (einheitsstaatlich-zentralistisch oder regional-föderalistisch) und die aufgestachelten Leidenschaften der Menschen aus rund 25 Ethnien im Gleichgewicht zu halten. Sowohl die Entflechtung von kulturellen, staatlich-rechtlichen und wirtschaftlichen Belangen im Sinne des Dreigliederungsimpulses als auch das gedankliche und erkenntnismäßige Eingehen auf die Nationalitätenfrage durch die Ausarbeitung einer phänomenologisch begründeten Völkerpsychologie oder »Volksseelenkunde« hätte eine wesentlich gesündere Basis für das Zusammenleben in dem jungen Vielvölkerstaat geben können. Doch ganz Europa versank in der Zwischenkriegszeit in die Barbarei des blutbestimmten Nationalismus, dem durch die Parole vom »Selbstbestimmungsrecht« zuviel emotionale Energie zugeführt worden war. Zudem wurde nicht mehr wahrgenommen, daß Völker aus einer seelisch-geistigen Wirklichkeit entstehen, die sich über den Abstammungsstrom erhebt. Zu einem willigen Teil eines Völkerkollektivs gebannt, vergaßen die Menschen ihren individuellen Wesenskern und verschrieben sich gleißenden »Führer«-Gestalten; in Europa stieg damals das kosmische Prinzip des Anti-Ich-Bin aus dem Abgrund und fraß sich in das entmenschte soziale Leben.

Gerade in der düsteren Atmosphäre der dreißiger Jahre entstanden auf dem Boden des Königreichs Jugoslavien jene grundlegenden Pläne zur »ethnischen Säuberung« ganzer Landschaften, die nun, rund 66 Jahre später, ihre Verwirklichung erfahren. Der Serbe Vaso Cubrilovic (1897-1990), einer der Verschwörer des Attentats auf Franz Ferdinand 1914 und später Geschichtsprofessor an der Universität Belgrad, veröffentlichte im Jahr 1937 sein Konzept Iseljavanje Arnauta (»Die Aussiedlung der Albaner«), um das Kosovo von Albanern zu »säubern« und mit serbischen Bauern neu zu besiedeln.[20] Ähnlich wie bei vielen anderen wissenschaftlichen »Spezialisten« für »völkische Fragen« in jener Zeit finden sich in seiner Arbeit Gedanken, die nicht aus der Tätigkeit des individuellen Menschengeistes stammen, sondern von den niederen Kräften des Bluts eingeben sind, -- von dem, was Rudolf Steiner in anderem Zusammenhang die »Klugheit der menschlichen Animalität« genannt hat.[21] Cubrilovic ging in seiner Schrift von demographischen Wachstumskurven, von »Menschenproduktion« und Verdrängungskämpfen aus -- einerseits streng abstrakt-nüchtern, andererseits bessessen von einer sexualpathologischen Hörigkeit gegenüber der eigenen Abstammungsgemeinschaft. Es fehlt auch nicht der Verweis auf die Möglichkeiten der modernen Technik, die Deportationen wesentlich erleichtere, falls der organisierte Staat »in seinem Eigeninteresse brutal eingreift«.[22]

»Die heutige Welt hat sich an weit schlimmeres als das gewöhnt und ist so mit alltäglichen Problemen beschäftigt, daß man sich darüber nicht zu sorgen braucht. Wenn Deutschland Zehntausende Juden ausweisen kann und Rußland Millionen von Menschen von einem Teil des Kontinents zum anderen verpflanzen kann, dann wird die Verlagerung von einigen hunderttausend Albanern nicht zum Ausbruch eines neuen Weltkriegs führen.«[23]

In ähnlicher Weise gedachte man einige Jahre später, nach der ersten Zerschlagung Jugoslaviens, im faschistischen Ustasa-Kroatien mit der serbischen Bevölkerung im Land zu verfahren. Nach Auffassung der von Nazi-Deutschland, Italien und dem Vatikan gestützten Ustasa-Regierung mußte Kroatien »ein Land der Kroaten sein und von niemandem sonst, und es gibt keine Methode, die wir als Ustase nicht anwenden werden, um dieses Land wirklich kroatisch zu machen und von Serben zu säubern (...).«[24]

Kultusminister Mile Budak meinte im Juli 1941, »es sei uns nicht gelungen, sie [die Serben] zu assimilieren. Sie sollen jedoch wissen, daß unsere Losung heißt: Verneige dich oder verschwinde.«

Wenige Tage später kündigte er an:

»Einen Teil der Serben werden wir umbringen, den anderen Teil umsiedeln und die übrigen zum katholischen Glauben umtaufen und so zu Kroaten machen.«[25]

Welt(un)ordnungen und Entindividualisierung

Das sozialistische Tito-Jugoslavien wurde nach 1945 zwar föderalistisch neu gegliedert, doch die materialistische Ideologie der Kommunistischen Partei mit der Parole des bratstvo i jedinstvo (Brüderlichkeit und Einheit) der Völker und Volksgruppen, die nach Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung ohnehin »absterben« würden, war außerstande, die eigentlichen geistig-kulturellen Aufgaben zu erkennen, geschweige denn aufzuarbeiten. Das Gegenteil war der Fall: Alte Konflikte wurden unter den Teppich gekehrt und tabuisiert, unter der Oberfläche trieben die alten Dämonen weiter ihr Unwesen und warteten auf den Moment, um vom Bewußtsein der Menschen Besitz zu ergreifen. Der kritische Moment war 1989 erreicht: Nach dem Zerfall des Sozialismus tat sich ein gedanklicher Leerraum auf, der in Ermangelung spiritueller Substanz die Dämonen des Blutes anzog.

Aber auch das einseitige Einwirken des Westens (EU und USA) half keineswegs bei der Bewältigung der tiefen Krise -- im Gegenteil. Die Appelle an die Einheit Jugoslaviens in den Jahren 1990-91 blieben leere Phrasen ohne jegliche inhaltliche Vorstellungen oder ohne irgendein Eingehen auf die zugrundeliegenden sachlichen Probleme. Eines Tages wird man anhand der diplomatischen Archive wahrscheinlich offenlegen können, daß so mancher Staatsmann im Westen die Sprengung und ethnische "Neuordnung" des jugoslavischen Staatsgebiets in Wirklichkeit billigte und unterstützte.

Die von den Deutschen und Österreichern frühzeitig vollzogene Anerkennung der staatlichen Unabhängigkeit von Slovenien und Kroatien (vom bundesdeutschen Geheimdienst BND seit den 70er Jahren vorbereitet[26]); die finanzielle Unterstützung der jugoslavischen Bundesarmee und serbischer Regierungskreise um Slobodan Milosevic u.a. durch Kissinger Associates, Yugo America Inc. und die amerikanische Filiale der Banca Nazionale del Lavoro (unter der Regie von Henry Kissinger, Lawrence Eagleburger, Brent Scowcroft und Lord Carrington)[27]; der Entwurf einer neuen, nach Ideenzusammenhängen gegliederten »Weltkarte« im September 1990 in der britischen Wochenzeitschrift The Economist[28], die drei Jahre später von Samuel Huntington in die bekannten, wie hochdosiertes Gift wirkenden Losungen vom »Clash of Civilizations« gebracht wurde[29]; schließlich auch der Vance-Owen-Plan zur Aufteilung Bosniens in ethnisch gegliederte Kantone aus dem Jahr 1992, der die Logik der "ethnischen Säuberung" faktisch billigte und von allen Beteiligten und Vollstreckern in diesem Sinn auch verstanden wurde; die passive Unterstützung der niederländischen UNO-Truppen beim Massaker an den Muslimen von Sebrenica durch die bosnischen Serben Anfang Juli 1995 und vor allem das aktive Eingreifen der Nato an der Seite der kroatischen Armee in der Offensive "Operation Sturm" vom August 1995, welche zur Vertreibung von mehr als 200.000 Serben aus Kroatien (Krajina und Slavonien) führte[30] (die Milosevic in seinem Übereinkommen mit dem kroatischen Staatschef Franjo Tudjman längst abgeschrieben hatte): Alle diese Maßnahmen und Gedanken arbeiteten, wie schon zu Zeiten des Völkerbunds in den 20er Jahren, im Sinne der Errichtung einer Weltordnung, »welche absieht von allem Geistig-Seelischen und nur nach dem Physisch-Anthropologischen der Generationenfolge sich richtet. Eine Karte von Europa soll entstehen rein nach den Blutszusammenhängen der Völker, rein nach chauvinistischen, nach volksegoistischen Impulsen«.[31]

Auch im Kosovo-Konflikt geschahen folgenschwere Weichenstellungen. Wie zuvor schon Saddam Hussein, war Milosevic bei seinen alten Gönnern in London und Washington zwar in Ungnade gefallen, doch die inkonsequente Politik des Westens arbeitete seiner Machtausübung weiterhin zu und führte in Ost und West zu Verhärtungen, die ganz im Sinn Huntingtonscher »Kulturkampf«-Theorien liegen. Die seit Juni 1998 von den USA immer offener betriebene Unterstützung der albanischen paramilitärischen Gruppierung UÇK führte auf seiten der Albaner zu einer Stärkung der nationalistischen und radikalen Kräfte.[32]

»Gewonnen« haben in diesem Jahrzehnt des Nationalitätenhasses im ehemaligen Jugoslavien allein die Fundamentalisten aller Lager, die wie Vampire dort seelische Energie ansaugen können, wo Menschen sich in Polarisierungen treiben lassen. Sie haben sich in Huntingtons Gedankenbett bequem eingerichtet.

Ganz gleich, wer von dem Gebiet des Kosovo letztlich Besitz nimmt: Es wird in der seelischen und äußerlichen Kulturwüste, die dieser Konflikt hinterlassen wird, mehr als militärischer Intervention und Wirtschaftshilfe bedürfen, um die entfesselten Dämonen zu überwinden, die sich seit Jahrzehnten ja auch innerhalb der EU, in Nordirland, auf Korsika und im Baskenland versammeln. Mehr Substanz zumindest als die inhaltslosen, messianistisch verbrämten Phrasen über das zukünftige »erhobene« »multikulturelle« Zusammenleben der »Kinder Gottes« unter der Führung des "größeren Bruders" in der transatlantischen Shopping Mall, die vor kurzem von einem westlichen Staatsführer wieder einmal als »Vision« verkauft wurden, wie anno dazumal von seinem Vorbild Woodrow Wilson.[33] Nur gut für die Staatsführer, daß die historische Bildung gering und das Gedächtnis kurzlebig ist...

Die Mitte als innerer Weg

Europa ist als menschheitlicher Mysterienraum in diesem Jahrhundert zugrundegerichtet worden, die entscheidenden Fragen an das eigene Menschsein wurden nicht gestellt; das alte Zusammenleben der Völker mitsamt ihrer seelischen Vielfalt und ihrem Reichtum ist größtenteils zerstört. In der Europäischen Union breitet sich wie in jedem anderen Kommerzimperium westlichen Zuschnitts soziale Gleichförmigkeit und Nivellierung aus, die nicht Individualität fördert, sondern Vermassung, die nicht zur »Selbsterkenntnis der Völker« führen, sondern weiteren Neid, Mißtrauen und Haß brüten wird, solange kein grundlegender neuer geistiger Enschlag zugelassen ist; denn das bratstvo i jedinstvo der Europäer gründet heute lediglich auf dem wirtschaftlichen Wohlergehen. Wehe, es steht das einmal auf dem Spiel... Denn dann würde, bei bloßer Fortführung des Bestehenden, die ganze innerlich und strukturell «sowjetisierte» Europäische Union den Weg des ehemaligen Jugoslavien gehen.

Was die Götter den Menschen in Gestalt des alten Mitteleuropa als Raum und als Möglichkeit geschenkt hatten, ist durch Menschenwerk vertan. Heute kann dieser Raum von den Menschen nur dann in neuer Form wiedererrungen werden, wenn sie es individuell durch ihre energische innere Anstrengung und Arbeit erkennen und wollen. Eine spirituelle Anschauung der Geschichte kann helfen zu begreifen, was eigentlich in dem verflossenen Jahrhundert verloren ging und versäumt wurde; überwunden wird das Vergangene erst durch die Suche nach einem inneren Entwicklungsweg -- der in Wirklichkeit durch die Suche selbst schon beschritten wird -, durch die Ausbildung eines inneren, individuell-geistigen Mittelpunktes im Wachbewußtsein des Menschen, das sich nach und nach von allen nur instinktiv gruppenhaft wirkenden Bindungen (auch den weltanschaulichen...) löst. Von dort ist auch ein neuer Weg zur Wertschätzung der seelischen Vielfalt im Leben der Völker, im Reichtum der Sprachen zu finden. Dieser Weg ist ein individueller -- Parteien, Vereine, Regierungen, Staaten und Kirchen werden ihn nicht beschreiten, es hat deshalb auch keinen Sinn, auf sie zu warten wie auf Godot. Er führt durch ein inwendiges Nadelöhr, er entwickelt sich aus der unmittelbaren Begegnung von Ich und Du, in welcher die äußerliche Wahrnehmung vor der Kraft der inneren Wesensoffenbarung zergeht.

Allein die sich durch unsere Zivilisationswüste tastende, suchende, im Dialog befindliche Individualität kann heute den »Fluch der Völker« lösen.

Anmerkungen

[1] So die Aussage Rudolf Steiners vom 24. November 1921 in: Nordische und mitteleuropäische Geistesimpulse (GA 209).

[2] Zit. nach Karl Heyer: Rudolf Steiner über den Nationalismus. Basel 1993, S. 37.

[3] Ausführlicher in Markus Osterrieder: Die große Krise des Menschseins. In: Der Krieg aller gegen alle und die Geburt einer neuen Brüderlichkeit. Stuttgart 1998, S. 56ff.

[4] Das »Selbstbestimmungsrecht« ist als »Gruppenrecht« in Art. 1 des von der UNO getragenen »Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte« sowie des »Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte« verankert. Vgl. Georg Brunner: Minderheiten und Rechte: die völkerrechtliche Lage. In: Nationen, Nationalitäten, Minderheiten. Hrsg. v. Valeria Heuberger u.a. Wien-München 1994, S. 31-54.

[5] Thomas J. Knock: To End All Wars. Woodrow Wilson and the Quest for a New World Order. New York-Oxford 1992, S. 191f.

[6] Dekret über die Rechte der Völker Rußlands, 2. (15.) November 1917, in: Die russische Revolution 1917. Hrsg. v. Manfred Hellmann. München 1964 [dtv Dokumente], S. 339. Bezüglich Lenins Sichtweise vgl. Hélène Carrère d'Encausse: Le grand défi. Bolcheviks et Nations 1917-1930. Paris 1987, S. 85-130.

[7] Victor S. Mamatey: The United States and East Central Europe 1914-1918. A Study in Wilsonian Diplomacy and Propaganda. Princeton 1957, S. 174.

[8] N. Gordon Levin: Woodrow Wilson and World Politics. America's Response to War and Revolution. New York 1968, S. 247.

[9] Rudolf Steiner: Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage 1915-1921. Dornach 1961 (GA 24), S. 331.

[10] 2. Memorandum, ebenda, S. 370, 359.

[11] Vortrag vom 26. Oktober 1917, in: Der Sturz der Geister der Finsternis (GA 177).

[12] Vgl. die kritischen Bemerkungen über das »Wilsonsche System« von Eric J. Hobsbawm: Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780. Frankfurt/M.-New York 1991, S. 157ff.

[13] Arthur J. May: The Mid European Union. In: The Immigrants' Influence on Wilson's Policies. Hrsg. v. Joseph O'Grady. Lexington/Ky. 1967, S. 250-271; Mamatey: The United States, S. 343f.

[14] Zit. nach Karl Schlögel: Kosovo... Die ethnische Säuberung ist eine Ausgeburt des 20. Jahrhunderts. In: Die Zeit Nr. 18 vom 29. April 1999.

[15] Sitzung des »Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete« über die Fragen der »Eindeutschung« vom 4. Februar 1942; Dok. NO2585. Helmut Heiber: Der Generalplan Ost. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 6 (1958), S. 281-325, hier S. 295.

[16] Zit. nach Lloyd C. Gardner: Spheres of Influence: The Great Powers Partition Europe, from Munich to Yalta. Chicago 1993, S. 218f.

[17] Amnon Reuveni: Die bedingte Bedeutung von Karten. In: Das Goetheanum Nr. 20/1995, S. 232.

[18] Gustave LeBon: Psychologie der Massen. Stuttgart 1951, S. 100f.

[19] Rudolf Steiner: Vortrag vom 18. September 1916, in: Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit (GA 171).

[20] Vaso Cubrilovic: Iseljavanje Arnauta, in: Le nettoyage ethnique. Documents historiques sur une idéologie serbe. Hrsg. v. Mirko Grmek, Marc Gjidara, Neven Simac. Paris 1993, S. 150-185. Auf deutsch online.

[21] Vortrag vom 13. Juni 1920, in: Gegensätze in der Menschheitsentwicklung (GA 197).

[22] Vaso Cubrilovic: Iseljavanje Arnauta, S. 184.

[23] Ebenda, S. 169. Vgl. auch Tim Judah: The Serbs. History, Myth and the Destruction of Yugoslavia. New Haven 1997, S. 149f.

[24] Novi List vom 3. Juni 1941; zit. nach Vladimir Dedijer: Jasenovac -- das jugoslavische Auschwitz und der Vatikan. Freiburg/B. 1988, S. 77.

[25] Ebenda, S. 77. Vgl. Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. Stuttgart 1964, S. 73ff.

[26] Vgl. Erich Schmidt-Eenboom: Der Schattenkrieger. Klaus Kinkel und der BND. Düsseldorf 1995, S. 211-236.

[27] Ivo Skoric: The Army Against the Country: A Story about the War in Croatia. 10. Februar 1992. Zugleich wurde über dasselbe Netzwerk Saddam Hussein finanziert, vgl. Kissinger Associates, BNL and Iraq

[28] The Economist, 1. September 1990. In dieser Zeitschrift hat Amnon Reuveni schon 1993 auf die der Karte zugrundeliegenden Vorstellungen hingewiesen. Vgl. Amnon Reuveni: Im Namen der »Neuen Weltordnung«. Vom unzeitgemäßen Herrschaftswillen und seinen Trägern in der Weltpolitik. Dornach 1994.

[29] Samuel P. Huntington: The Clash of Civilizations? In: Foreign Affairs 72:3 (1993), S. 22-49.

[30] US-Außenminister Warren Christopher kommentierte gegenüber der BBC, die Operation mußte zwar logischerweise zu Vertreibungen führen, man hatte dadurch aber »immer die Aussicht, die Angelegenheiten zu vereinfachen«. Zit. nach Tim Judah: The Serbs, S. 301. Vgl. auch Pierre M. Gallois: Le sang du pétrole. Bosnie -- essai de géopolitique. Lausanne 1996, S. 307ff.

[31] Rudolf Steiner: Vortrag vom 12. Dezember 1920, in: Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen (GA 202).

[32] Sehr aufschlußreich hierzu der »Insiderbericht« Wie Deutschland in den Krieg geriet, in: Die Zeit Nr. 20 vom 12 Mai 1999. Zur Verwicklung der UÇK in den internationalen Drogenhandel vgl. Frank Viviano: The New Mafia Order, May 1995, sowie generell Chris Hedges: Kosovo's Next Masters: Inside the Kosovo Liberation Army. In: Foreign Affairs 78:3 (1999), S. 24-42.

[33] William Clintons Rede vor der American Society of Newspaper Editors vom 16. April 1999. Gekürzt auf deutsch in Info3 5/1999, S. 33f. Online komplett auf Englisch. Wilson war davon überzeugt, »daß Amerika hoch das Licht emporhält, das über alle Generationen hinwegleuchten und die Schritte der Menschheit zu dem Ziele der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Friedens führen wird.« (Rede in Philadelphia vom 4. Juli 1914. The Public Papers of Woodrow Wilson. Hrsg. v. R.S. Baker, W.E. Dodd. New York 1926, Bd. I, S. 148.) Im Jahr 1915 hatte er die Teilnehmer eines Salesmenship Congress dazu aufgerufen: »Zieht los und verkauft Güter, die die Welt angenehmer und glücklicher machen, und bekehrt sie zu den Grundsätzen Amerikas.« (Zit. nach Levin: Woodrow Wilson and World Politics, S. 18.)