Wenn drei zusammen sind
(Interview)

01.06.1994

Interview mit Leo van der Burg (NL, alternativer Unternehmensberater) / Thema "Dreigliederung des sozialen Organismus", Mikro-, Makrokosmos / am 01.06.94 in A-Werfenweng / Interviewer (c) Sebastian Schöck Berlin, (c)-Vetorecht bei Publikationen hat der Interviewpartner / Kamera Friedel Hans / Bandformat: BetacamSP

Interview-Länge: 38 Min.

Sebastian Schöck: Ja wir sprechen hier mit einem Unternehmensberater in Holland. Würden sie sich bitte selbst kurz vorstellen ?

Leo van der Burg:

Ja mein Name ist Leo van der Burg. Ich bin Partner von einem Beratungsinstitut in Amersfoort in der Mitte von Holland (NPI) und wir beschäftigen uns mit größeren Unternehmen Und wir sind ein Institut das sich inspirieren läßt von zum Beispiel "Dreigliederung".

Sebastian Schöck: Können Sie noch etwas über ihre Arbeit sagen, über ihre Motivation.

Leo van der Burg: Ja, was wir in Holland sagen, ist, daß im Betriebsbereich ist es sehr schwierig für die Leute, um, ja ich möchte sagen, die naturwissenschaftliche Verarbeitung zu integrieren mit der geisteswissenschaftlichen. Wir sind nicht mehr gewöhnt, um in die (in der) geisteswissenschaftliche(n) Art zu denken, und darin unsere Inspiration zu finden. So wir haben gesagt, was wir in die Betriebe eintragen, ist eine Mischung zwischen Menschenkunde und Betriebskunst - Kunst: Weil wir sagen, ja, was ist - wir versuchen wissenschaftlich zu sein, aber wir wissen gar selbst nicht mehr, was Wissenschaft ist. - Die Kunst des Lebens.

Sebastian Schöck: Was ist für Sie Geisteswissenschaft?

Leo van der Burg: Geisteswissenschaft hat für mich zu tun mit, ja, was (unter die) zwischen die (den) Linien steht, was zu tun hat mit die (dem) Geiste des Menschen und die (der) andere(n) Welt, die wir nicht gleich sehen, aber wohl in einer Art, ja, - bemerken. Wir wissen, daß es (sie) da ist, aber wir haben doch nicht die Instrumente, um da vollkommen klar zu sein.

S: Welche gesellschaftlichen Kernproblemen sehen sie?

Leo van der Burg:

Die erste Frage ist, was ich nenne das ökonomische Bewußtsein. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, - wir haben noch in der Idee, daß wir Selbstversorger sind, und wir sind jetzt in eine arbeitsteilige Gesellschaft gekommen. Und wir haben noch nicht die Formen und die Art und Weise, womit man mit den neuen arbeitsteiligen Ideen umgehen kann. Und darum glaube ich, ökologische Fragen kommen und in Arbeitslosigkeitsfragen. Und das hat für mich zu tun mit Basis-, mit der fundamentalen Auffassung, wofür arbeiten wir. Ist das für uns selber? Nein. Das ganze was uns umringt ist nicht von uns, aber haben wir bekommen aus der Gesellschaft von den anderen Leuten. Also in dem Ökonomischen arbeiten wir schon altruistisch, aber wir denken egoistisch. Und das ist eine große Frage auch im politischen Bereich. Auch die politischen, ja ich möchte sagen - Ideen sind noch ganz auf die Selbstversorgung eingerichtet.

Sebastian Schöck: Können Sie das ein bißchen erläutern, warum wir altruistisch handeln?

Leo van der Burg: Ja Basis für mich für den ökonomischen Verkehr ist objektiver Altruismus. Das ist nicht ein moralische Altruismus. Das ist die Basis für unsere Wohlfahrt, daß wir miteinander abgesprochen haben, wir haben zueinander gesagt: wenn du das tust, was du am besten kannst, dann kann ich das tun, das worin ich gut bin. Und zusammen ist das unsere Wohlfahrt. Und wenn wir das Prinzip vergessen, dann kommen wir in große Weltfragen, wie Arbeitslosigkeit, wie Zweiteilung der Gesellschaft, - Fragen wie, ja die Trennung: die Reichen werden immer reicher und die armen werden immer ärmer. Das hat für mich mit diesem Basispunkt zu tun.

Sebastian Schöck: Läßt sich eine wesentliche Gliederung in Mensch oder Welt oder Gesellschaft oder Natur feststellen, da normalerweise sich sowas normalerweise aus unendlich vielen Faktoren zusammensetzt?

Leo van der Burg: Ja, Gliederung schon. Aber wovor ich Angst habe, ist, daß man die Trennung - Drei-Trennung erfindet. Ich glaube, daß es sehr wichtig ist, daß wir über eine Gliederung sprechen, weil für mich - für mich ist es ganz einfach: Wenn wir leben, leben wir für gewisse Lebensprinzipien, und die Lebensprinzipien sind eigentlich sehr einfach. Wenn man etwas sagt und ein anderer hat gehört, was der andere sagt, dann hört er auf drei Ebenen. Er hört, was er sagt: stimmt das? Das ist eins. Das zweite ist: Kann ich dazu eine Relation bekommen, ist das nicht zu groß oder zu pompös, oder, kann ich eine bestimmte Schönheit damit erfinden? Und an dritter Stelle kommt die Frage: Was kann ich damit anfangen? Was (wie) kann ich damit weiterkommen. Und das sind die Urfragen der Menschheit, gewiß in dieser Zeit, Wahrheit, Schönheit, und (das) Gute. Und das ist in das (dem) ganze(n) Leben, einfach. Und das ist nicht zu trennen, aber das sind miteinander zusammenhängende Fragen. Und das ist für mich Dreigliederung.

Sebastian Schöck: Sie könnten jetzt also kurzgefaßt jetzt auch eine Verbindung herstellen: Die Wahrheit ist für Sie die eine Ebene - ?

Leo van der Burg: Ja, ich glaube, daß die Zuschauer vorm Fernsehen sich immer, wenn sie sich (das) anschauen, immer die drei Fragen haben: Ist es wahr, was die sagen? Wie schön ist es? Was kann ich damit (anfangen)? Denn wenn jede von diesen Fragen negativ beantwortet wird, dann ist die, ich glaube, dann ist die ganze Sache nicht zu haben (gebrauchen).

Sebastian Schöck: Können Sie etwas über die Urteilsbildung in diesen drei Bereichen sagen?

Leo van der Burg: Ja - schwierig, aber in der Urteilsbildung ist die erste Frage, das, was Lex Bos nennt die Fragen, die zu tun haben mit Erstaunen, das sind die Denkfragen, und das hat mit Wahrheit zu tun. Und die Willensfragen, die haben mit das (dem) Gute(n) zu tun. In die (den) anthroposophischen Leitsätze(n) ist einer der wichtigsten Punkte von der Liebe, daß die getan (soll) werden muß, und daß die Tat das Urprinzip der Liebe ist, und das ist das Prinzip des Guten, für mich. - Und die Urteilsbildung in dem Willensbereich hat zu tun mit dem Guten, - daß (etwas) gut werde.

Sebastian Schöck: Sie haben ein Buch geschrieben. Können sie das kurz erläutern?

Leo van der Burg: Ja das hat zu tun mit der Frage, warum ist ein Torwart ein anderer Spieler als in der Frontlinie. Das sind anderer Leute. Das für mich so wichtig, daß wir den Begriff Talent ernstnehmen. In meiner Arbeit habe ich viele Fragen bekommen aus dem Bereich, wir sollen Änderungen machen, aber gehört das zu mir? Bin ich so eine Person, daß ich den Schritt machen kann, der hier in Ordnung ist. Und deshalb bin ich interessiert an dem was ich nenne, Talent und Charakter. Talent, das sind Sachen die hat man und die kann man nur entfalten und nicht ändern, die sind da. Und Charakter das ist etwas mehr dynamischeres, kann man mehr ändern, das hat viel mit Entwicklung zu machen (tun). Entfaltung und Entwicklung, das sind zwei -ja Entwicklungsbereiche.

Sebastian Schöck: Ja Fähigkeiten lassen sich doch auch entfalten, - sie schlummern doch meistens?

Leo van der Burg:

Ja genau so. Aber der Talentbereich, ja in Holland sagt man Chawe, das heißt Gabe, die hat man bekommen. Und das ist die Gabe mit der man seinen Lebensbereich erfüllen muß. - Und das habe ich auch versucht aus dem geisteswissenschaftlichen Hintergrund anzuschauen.

Sebastian Schöck: Möchten sie noch etwas sagen zu den Kernproblemen im politischen und auch im geistigen Leben sagen?

Leo van der Burg: Ja wir haben in Holland jetzt eine sehr interessante Bewegung, weil man versucht eine Basiskoalition zu bilden. Und ich finde das sehr interessant anzuschauen, weil ich glaube, daß es in diesem Sinne interessant ist - ich glaube an eine kapitalische Ökonomie. Aber das kann nur sein mit einem gleichwertigen sozialen Bereich. Das sind die zwei Parteien die jetzt miteinander im Gespräch sind. Aber wovor ich Angst habe ist, daß der dritte Bereich, das Moralische, daß das etwas im Hintergrund verschwindet. - Aber das sind für mich die drei Bereiche die miteinander den politischen Bereich erfunden haben (bilden).

S. : Wie läßt sich Moralität entwickeln, man kann sie ja nicht predigen. - Moralinsäure.

Leo van der Burg: Ja, ja Moralinsäure, so eine Flasche. Nein, nein. Das hat zu tun mit Religiosität, das Gefühl, daß es mehr gibt als die triviale Welt, die Idee, daß wir miteinander auf dem Wege sind. Und das ist für mich das Moralische. Das ist die Inspirationsquelle für Moralität. Aber Moralität an sich, das ist altmodisch - hat zu tun mit die (dem), ja, ich würde sagen, was man in die (den) Ostländern versucht hat - von oben.

Sebastian Schöck: Können und wollen Sie etwas zu den verschiedenen Nationalitäten sagen, was ja jetzt auch wieder ein bißchen aufbricht. Die Nationalitätenfrage.

Leo van der Burg: Ja, da habe ich eine große Frage: Ist Individualität nicht in dieser Zeit - hat Individualität nicht in dieser Zeit zu tun mit - Freiheit, und hat man für die Freiheit jetzt noch Grenzen notwendig? Kann man die Freiheit nicht erleben, ohne die Grenzen zu sehen? Und Nationalismus hat für mich zu tun mit: Man verläßt eine gewisse Sicherheit durch die Individualisierung, aber man braucht noch solche Dinge wie Nationalismus in dem Sinne, du bist anders als ich und das ist fremd. In jedem Mensch lebt die Idee davon, wenn du wie ich wärst, dann bist du keine Gefahr mehr für mich. Und Individualismus hat jetzt eine Gefahr, ich verliere meine Sicherheiten, und was habe ich dafür (das) zu ersetzen. Und ich glaube, daß die Ersetzung Nationalismus ist - jetzt. - Ich hoffe, daß wir einen neuen Schritt machen können im Sinne der Religiosität. - Aber ich weiß nicht.

Sebastian Schöck: Welche Berechtigung hat ein Nationalgefühl?

Leo van der Burg:

Soweit Nationalismus eine Geistkraft für die Zukunft ersetzt (darstellt), dann glaube ich daran. - Z.B. wir Holländer haben eine gewisse Art entwickelt, einen gewissen Geist, die vielleicht für andere Leute hilfreich sein könnte. Aber wenn Nationalismus zum Egoismus leitet, dann glaube ich nicht daran. Aber in dem Sinne wir haben eine gewisse Kultur - , ja die positive Seite unserer Kultur, können wir die für andere Leute zur Verfügung stellen. Das ist für mich die einzige Berechtigung von Nationalismus. - Und vielleicht weil Holland oder Belgien Fußballweltmeister wird. Aber das ist nur Spaß (lächelt)

Sebastian Schöck: Wie sollte die Gesellschaft gegliedert sein?

Leo van der Burg: Die Gesellschaft ist schon gegliedert, die ist schon da. Und wir haben nur ein gewisses Bewußtsein notwendig, um uns in der ganzen Welt, ja, zu finden. Um zu wissen, in welchem Bereich wir arbeiten, aber zu gliedern haben wir sie nicht.

Sebastian Schöck: Können Sie uns die Idee der "Dreigliederung" innerhalb dieser Welt zeigen?

Leo van der Burg: Ja, für mich hat das wiederum zu tun mit das Gute, das Schöne und das Wahre. - Ja ich möchte das nennen Korruption . Und die Korruption die haben wir in uns selber. Wir lassen uns korrumpieren. Und in dem Maße in dem wir uns bewußt sind, daß es um das Wahre, das Schöne und das Gute geht - und uns selber dabei so einrichten, daß wir einen Anspruch auf die unmittelbare Menschennatur (haben), daß wir unsere eigene Natur verstehen, dann ist es möglich, daß von meiner Seite aus in der Irritation (?) mit den Leuten, mit denen ich arbeite, etwas ändere. - Aber die Gesellschaft ordnen, - ich kann mir nicht darunter etwas vorstellen.

Sebastian Schöck: Aber es ist doch irgendwo klar, daß es heute sehr problematisch ist, wenn die Politik in das Geistesleben hineinwirkt oder wenn sie versucht das Wirtschaftsleben zu reglementieren?

Leo van der Burg: Nicht daß sie das tun ist die Frage, sondern warum sie das tun?- und was die Folgen sind. Wenn wir uns fragen, dies ist das Geistesleben, das sind die Leute die im - nein, jedermann steht in Geistesleben, im Rechtsleben und ökonomischen Leben. Aber man hat an jeder Stelle die Frage, ist es wahr, schön oder gut? Und wenn z.B. die Gesellschaft Schwierigkeiten erfindet mit Arbeitslosigkeit, dann sollen wir miteinander die Frage stellen müssen, was ist nicht gut, was ist nicht wahr und was ist nicht schön da. Und wenn wir darauf unsere Antworten finden, dann bin ich zufrieden, dann haben wir gegliedert.

Sebastian Schöck: Und sie meinen es ist vollkommen egal, ob jetzt ein Gedanke aus dem politischen oder sonst woher kommt?

Leo van der Burg:

Ja.

Sebastian Schöck: Diese dreifache Frage stellt sich in allen Bereichen.

Leo van der Burg:

Ja, in allen Bereichen, genau. - Im Gesprächsbereich, sozusagen in Konferenzen. Z.B. das ist auch so eine Frage, wie kann man die Dreigliederung üben, wenn man über die gesellschaftliche Dreigliederung spricht und das nicht miteinander in die Praxis bringt. Jeder Moment ist an Ordnung.(zu ordnen?). Und da kann man nicht sagen, wir gehen - das ist für mich altmodisch, wir gehen die Gesellschaft dreigliedrig trennen, nein, das glaube ich nicht, daß das die Aufgabe ist. - Ein Anspruch auf die unmittelbare Menschennatur, - in jedem Moment. -

S. Welche Gefahren sehen sie, wenn man mit dieser Idee der Dreigliederung an die Öffentlichkeit kommt?

Leo van der Burg:

Agitation. - Da habe ich Angst davor, weil ich glaube: nie ohne Liebe, - nie. - Und was eine große Gefahr ist, ist daß die Leute der Dreigliederung sagen, jetzt, jetzt soll es Dreigliederung geben, - nein. In dem Maße du dich selbst gegliedert hast, und das ist eine große Aufgabe, aber mit Bewußtsein auf diesen drei Ebenen Fragen zu stellen, ändert vielleicht etwas in der Gesellschaft.

Sebastian Schöck: Wie ist der Mensch dreigegliedert?

Leo van der Burg: Ja er ist dreigegliedert, er hat sein Denken, Fühlen und Wollen - zum Beispiel; und seine drei Akzente in dem Bereichen Nervensystem, Brustsystem und sein Gliedmaßensystem. Ja ich nenne das die Instrumente, der Dreigliederung - und das Denken, Fühlen und Wollen sind die Kräfte davon.

Sebastian Schöck: Möchten Sie noch etwas dazu sagen?

Leo van der Burg: Es wäre genügend.

S. Vielleicht dieses Problem der Agitation - also, sie glauben nicht an eine institutionelle Dreigliederung?

Leo van der Burg: Nein, daß das -, ja ich glaube das ist das schwierigste in der Welt. Wir haben jetzt zu tun mit einer großen ökonomischen Revolution, würde ich sagen. Wir werden konfrontiert mit ökologischen Fragen, Arbeitslosigkeit, reich und arm usw.. Und wir haben Bewußtseinsfragen. Aber die große Schwierigkeit wird die Liebe sein. Wie überwindet man Haß? Das ist doch die große Aufgabe für die Zukunft: Nichts ohne Liebe.

Sebastian Schöck: Können Sie das Problem Liebe, Haß - noch kurz etwas dazu sagen?

Leo van der Burg: Ja, wenn ich mir, wenn ich mich störe an, ja, andere Leute tun Sachen im Bereich zum Beispiel vom politischen Bereich, dann habe ich das Gefühl, daß ich denke, das muß nicht so sein. Und dann kommt die (der) Haß in mich, und dann kann ich sagen, ich kann nichts ändern. Ich kann nur meinen Haß austragen, und ich habe noch nie in meinem Leben etwas Schönes aus Haß geboren gesehen. Da ist (hat sich) noch nie eine Situation positiv entwickelt (worden) durch Haß.

Sebastian Schöck: Was solle man machen, wenn einen etwas stört an der Gesellschaft, statt also jetzt diese- ?

Leo van der Burg: Gewaltlosigkeit.

Sebastian Schöck: Wie bitte?

Leo van der Burg: Gewaltlosigkeit.

Sebastian Schöck: Gewaltlosigkeit?

Leo van der Burg: Gewaltlosigkeit. Das ist das einzige - Antwort.

Sebastian Schöck: Schon sprechen ist doch Gewalt.

Leo van der Burg: Ja, jaja. Aber das kann man versuchen, mit Liebe zu tun. Liebe zu anderen - und Liebe zu sich selbst. Aber das ist die große Frage. - Und das ist eine Frage, womit man ich glaube noch viele Jahrhunderte beschäftigt sein kann. Und nicht in einem großen Schlag sagen: Jetzt kommt die Dreigliederung! Nein, die ist schon da. Aber es ist von unserem Bewußtsein abhängig, ob es - was es etwas wollen wird (? undeutlich).

Sebastian Schöck: Also ich denke im Zusammenhang mit den drei Ständen (nach Platon) Lehrstand, Wehrstand und Nähstand, hat Steiner gesagt, also es ginge nicht um eine Gliederung der Menschen, sondern um eine Gliederung der Institutionen?

Leo van der Burg: Ja, in dem Sinne, daß wir auch dort mit Bewußtsein unsere Fragen stellen. Aber nicht daß wir sagen, dies sind - dann bekommen wir die alten Institutionen gleich wie im Mittelalter, daß wir eine hohe geistige (Führerschaft haben) - Leute, die für uns ausmachen, was wir zu machen haben usw.. Die Klassengesellschaft, die haben wir hinter uns gelassen. Sollen wir durch Dreigliederung wieder eine Ständegesellschaft introduzieren? Das glaube ich nicht, das war nicht seine Absicht.

Sebastian Schöck: Na es wäre keine -

Leo van der Burg: - Das haben die Leute versucht. Aber dann hat er gesagt, ho, 1923: nein! - Ich habe Beispiele gebraucht. Es war für mich Anspruch an die unmittelbare Menschennatur. Und nicht eine Agitation, eine gewisse Einrichtung. Es ist keine Einrichtungsfrage, es ist eine Bewußtseinsfrage. Man sieht das z.B. in Holland ist jetzt eine weitgehende Kommerzialisierung des Gesundheitsfürsorge. Das war eine Gewohnheit: ich wohne in einem Bereich und da ist ein Hospital und ich gehe zu diesem Hospital, warum? Weil das immer so ist. Jetzt sieht man, daß man Shopping interessant findet: Man sagt, dieser Internist ist besser für mich, als dieser. Und das ergibt eine gewisse Kommerzialisierung. Das ist so ein Beispiel, daß man nicht sagen kann, dies ist der Bereich des Rechtslebens und das Geistesleben, das glaube ich nicht.

Sebastian Schöck: Könnte man nicht so Grundsätze aufstellen, wie z.B. daß Politiker sich eben nur um politische Fragen, rein politische Fragen, also rechtliche Fragen, die sich mit der Gleichheit unter den Menschen beschäftigen?

Leo van der Burg: Ja warum?

S: Und daß diese Politiker sich nicht in das Geistesleben einmischen, was ja in gewissem Sinne Bereichstrennung wäre, daß also die Lehrer, Schüler und Eltern das Geistesleben organisieren und daß da grundsätzlich Politiker -

Leo van der Burg:

Die sollen das wirtschaftliche Leben organisieren, aber das wirtschaftliche Leben in der Schule. Und das tun sie mit einem gewissen geisteswissenschaftlichen Hintergrund, wenn sie das organisieren. Aber das ist im politischen Bereich das gleiche. Wenn ein Politiker sich beschäftigt mit dem wirtschaftlichen Bereich, dann ist das nicht, daß die Dreigliederung sagt, das ist nicht gut. Aber das hat mit Freiheit zu tun. - Ein Unternehmer hat eine gewisse Moralität, aber auch eine Responsabilität (Verantwortung). Und darin hat er einen gewissen Raum notwendig, um zu funktionieren. Das ist die Diskussion zwischen den Politikern und den Unternehmern. Aber das ist nicht, daß wir aus der Dreigliederung sagen, das ist ... nein, nein, nein, das ist Umdrehung von

Sebastian Schöck: Und das sind immer gleichzeitig alle drei -

Leo van der Burg: Ja, alle drei

Sebastian Schöck: Aber das doch mit sehr verschiedenen Schwerpunkten?

Leo van der Burg:

Aber es war schon in der Bibel gesagt: Wenn drei zusammen sind, bin ich dabei, wenn zwei zusammen sind, - ja, aber der Dritte ist er selber, das verbindende Element, in der Liebe.

Leo van der Burg: ist das für sie überraschend, was ich sage?

Sebastian Schöck: Nein ich habe das im Prinzip schon mal gehört. Ich habe auch gehört, daß Bernhard Lievegoed gesagt hat, die Dreigliederung ist für die fünfte Kulturepoche gar nicht richtig und die soll erst in der sechsten kommen?

Leo van der Burg: Das glaube ich nicht, das glaube ich nicht, das ist für heute, aber mit Bewußtsein. In dem wichtigsten Buch der Dreigliederung "Die Kernpunkte der sozialen Frage", da sagt Steiner: ich habe das gesagt in meinem Buch "Von Seelenrätseln". Und was mir auffällt ist, daß viele "Dreigliederer" das Buch nicht gelesen haben. In diesem Buch steht der Anspruch auf die unmittelbare Menschennatur. - Und dann kommt er mit, das Wahre, das Schöne und das Gute. Das war immer für mich eine Entdeckung, daß die drei, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, daß das die Prinzipien der heutigen Zeit sind, und daß wir daraus leben, bewußt und unbewußt. Aber in der Maße, wie wir uns da bewußt sind, können wir, ja ich würde sagen, die nächsten Schritte machen in der Evolution, aber nicht bei Einrichtung und - nein, das ist für mich nicht was er damit gesagt hat. Aber das Nichtlesen "Von Seelenrätseln", das ist sehr fremd für mich. Warum, warum tun die Leute das nicht? Wenn ich frage an viele "Dreigliederer" haben sie "Von Seelenrätseln"? Das ist das einzige Buch, das er nennt in "Die Kermpunkte der sozialen Frage", das ist das einzige Buch. - Und dann sagen die - "Von Seelenrätseln"? - ja, nein, nein. - Ja ein schwieriges Buch, das war für mich auch sehr schwierig. Aber wenn man das Gefühl hat, man ahnt was er meint, dann kann man auch den Anspruch verstehen, den Anspruch an die Menschennatur.

Sebastian Schöck: Können Sie diesen Zusammenhang nochmal erläutern zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist? Also -

Leo van der Burg: Ja. Das Wahre - das ist schon da, das ist die Vaterqualität. Das Wahre ist schon -

Sebastian Schöck: Der Heilige Geist? - Sophia, die Weisheit, das ist doch der Gedankenbereich?

Leo van der Burg: Ja, ja, Sophia, das ist, also, warum ist das nicht mit der Vaterqualität. Der Vater, der war schon da. Man kann das auch umdrehen, aber das ist von einem anderen Standpunkt aus. Aber ich sage: Die Wahrheit, die ist schon da. Die Welt ist mit Wahrheit geschaffen. Das ist ein Schritt. Das hat mit dem Vater zu tun - Vaterqualität. Die Sohnqualität ist, was in Erscheinung tritt. Schöne, das Schöne. Der Sohn war da, und Schönheit hat immer zu tun mit Hier und Jetzt. Was ich gestern schön finde, muß nicht notwendig heute wieder schön sein für mich. Schön ist momentan, ist sehr situationell. Und das Gute, für mich ist das der Heilige Geist, (er) hat Zukunftscharakter. Wir sind auf dem Wege zum Heiligen Geist in unserem menschlichen Bereich, - Zukunft. Und das Gute hat mit Liebe zu tun, und Liebe ist Zukunft. Im Gegensatz zu anderen Setzungen. Für mich ist Liebe Zukunftsstimulierung, - sozusagen.

Sebastian Schöck: Ja, also für mich wäre es ganz klar gewesen, daß der Wahrheitsbereich mit dem Weisheitsbereich zu tun hat, und -

Leo van der Burg: Vater, war schon weise.

Sebastian Schöck: Ja, ja, schon. Aber daß die Weisheit doch mit dem Heiligen Geist zu tun hat. Das Bewußtsein ist doch -, der Vater ist die Kraft -.

Leo van der Burg: Nein, nein, aber das ist ein anderer Standpunkt. Wenn ich sage, für die Zukunft ist der Heilige Geist von großer Bedeutung -

Sebastian Schöck: Aber die anderen beiden auch.

Leo van der Burg: Nein. Mensch werde Geist. Wir sind auf dem Wege unsere Leiber nicht notwendig zu haben, um geistig zu sein.

Sebastian Schöck: Der Mensch werde Christusnachfolger.

Leo van der Burg: Und das ist Geist, der Heiligen Geist, - für mich. - Und Glaube, Hoffnung und Liebe, auch so eine Dreigliederung, auch so eine, die damit zu tun hat. So sind manche die - aber in gewissem Sinne haben sie immer mit dem Wahren, dem Schönen und dem Guten zu tun, - immer.

Sebastian Schöck: Kompliziert aber -. Ich weiß nicht, ob man das so fassen kann.

Leo van der Burg: Ja, das ist die Schwierigkeit der Dreiheit, - daß wir Schwierigkeiten zum Beispiel: Wahr ist doch auch Moral, und gut auch - das ist immer das gleiche. - Nein, nein, nein, das sind immer verschiedene Qualitäten. Daß Wahrheit zum Beispiel mit Universalität zu tun hat, - und daß das Gute individuellen Charakter hat. Das ist auch ein großes Geheimnis. Was gut für mich ist, ist nicht gut für dich, - braucht es nicht zu sein. Das ist auch so eine gewisse Lüge in dieser Zeit, daß man jedermann versucht, dem anderen weiszumachen, daß es gut wäre, aber das weiß ich nicht, das ist individuell vorbestimmt.

Sebastian Schöck: Vielleicht hängt es ja doch immer zusammen - ebenso zusammen wie die Dreieinigkeit, oder Dreifaltigkeit?.

Leo van der Burg: Ja, Dreieinigkeit. Das ist für mich schöner als Dreitrennung sozusagen. Dreieinigkeit. Dreieinigkeit - drei wird eins. - Gut.