Anthroposophie und Dreigliederung
(Interview)

01.05.1994

Kurze Interview-Auszüge mit Friedrich Sattler (Vorsitzender der Demeter-Forschung) / Themen über Demeter, Landwirtschaft, die Natur, Mikro-, Makrokosmos, Gott und "Dreigliederung des sozialen Organismus" / am 27.05.1994 in Heidenheim / Interviewer (c) Sebastian Schöck Berlin, (c)-Vetorecht bei Publikationen hat der Interviewpartner / Kamera Friedel Hans / Bandformat: BetacamSP

Interview-Länge: ca. 2 - 3 Stunden

Die Textlücken (...) sind auf Video aufgezeichnet und können bei Bedarf getippt werden.

Schöck: Wir sprechen mit Friedrich Sattler .......

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Schöck: Sie erwähnten drei Naturreiche. Was hat das zu bedeuten?

Sattler: Ja, nicht wahr, das ist ja so, wenn man die Welt sich anschaut begegnet man neben allen anderen Zahlenzusammenhängen wie zum Beispiel den sieben Wochentagen und den sieben Planeten sehr häufig dem, was mit der Dreiheit zu tun hat, nicht wahr, das fängt an damit, daß wir als Menschen im dreidimensionalen Raum leben, daß wir, wenn man die verschiedenen Eigenschaften und die Möglichkeiten des Menschen ansieht, nicht wahr, dann ist das schon immer von der Philosophie auch sehr deutlich auseinandergehalten worden: denken, fühlen und wollen, was ja dann an drei verschiedene Organisationen im Menschen gebunden ist, nicht wahr, an die Nerven-Sinnesorganisation, dann an das, was das mittlere System ist, dann die Herz-Rhythmus-Organisation und schließlich dann das, was das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem ist, das finden wir in der Pflanzenwelt dann auch wieder, nicht wahr, schon Darwin hat die Wurzel der Pflanze bezeichnet als eine - wie hat er gesagt - also, auch wie eine Nerven-, ja wie ein Nervensystem der Pflanze, die im Boden das aufsucht, was sie braucht, und so kann man das Wurzelsystem der Pflanzen tatsächlich mit dem, was Sinnestätigkeit beim Menschen und Tier ist, vergleichen, man kann das Mittlere, das Blatt, Stengel, das, was dann auch die Assimilation, die Atmung vollführt, mit diesem mittleren, rhythmischen System des Menschen vergleichen, und schließlich das, was im Blüten- und Fruchtbereich ist, mit dem Stoffwechsel und sogar in gewissem Maße mit dem Gliedmaßenorganismus des Menschen. Und, ja, das besondere ....... (Unterbrechung, kann bei Bedarf getippt werden) ...

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TC ?:

Sattler: Ich glaube, daß in der Zukunft immer mehr der ökologische und biologisch-dynamische Landbau zunehmen wird, weil meiner Ansicht nach diese nächsten Jahrzehnte oder vielleicht auch zwei, drei Jahrhunderte bestimmt werden, daß das Bewußtsein und die Verantwortung für die Umwelt immer mehr zunehmen werden und daß in dem Zusammenhang natürlich der biologisch-dynamische Landbau eine führende Rolle spielt. Zumal ich davon überzeugt bin, daß wir das auch in unserer Verantwortung gegenüber der Erde gar nicht anders machen dürfen.

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Schöck: Ist der Mensch gegliedert? Also der Mensch besteht aus Milliarden von Zellen, aus, was weiß ich, sieben oder zwölf Lebensorganen, oder, und so weiter, und dann die Welt aus Milliarden von Faktoren. Läßt sich eine Gliederung in Gesellschaft, Welt und Mensch, eine wesentliche Gliederung - (feststellen) ?

Sattler: Ja, also, ich habe das heute ja schon mal so etwas anklingen lassen. Man kann neben einer Zwölfgliederung, die man also im Tierkreis hat, die man in Monaten hat, und so weiter, Siebengliederung, die man in Planeten und Tagen, also Wochentagen, in den sieben Sakramenten hat, kann man sehr deutlich neben einer Viergliederung, aber doch vorherrschender, eine Dreigliederung überall erkennen. Ich habe angeführt, der dreidimensionale Raum und wenn wir beim Raum bleiben, dann kann man, wenn man die Menschheit auf der Erde anschaut sehr deutlich unterscheiden ganz bestimmte Charakter- und Entwicklungszüge, die mit dem Osten zusammenhängen, dann die, die ganz stark mit dem Westen zusammenhängen, und dann, was die besondere Aufgabe dieses ausgleichenden Mittleren ist, das ist eigentlich die Aufgabe Europas, Mitteleuropas, und das kann man dann wiederfinden in dieser Dreigliederung, wo man auch sehen kann, daß zum Beispiel das, was der Mensch jetzt mit dem Verstandesmäßigen hat, mit dem Denken hat, daß das in gewisser Weise immer Vergangenheit ist, daß etwas, in dem Moment in dem ich es denke, ist es eigentlich schon vorbei, nicht wahr, wirkliche Zukunftsimpulse, die müssen vom Willen ergriffen werden, da darf es eigentlich nicht beim Denken stehen bleiben, sondern da muß es sofort in den Willen gehen, nicht wahr, das kann man sagen, das ist verhältnismäßig stark in der westlichen Welt ausgeprägt, dieses Denken, dieses mechanistische, nicht wahr, und im Osten hat man dann viel stärker diese Willensseite, nicht wahr, die nicht so stark vom Denken gesteuert wird, sondern wo man unmittelbar ins Handeln geht und in der Mitte in Europa hätte man die Aufgabe, diesen Ausgleich zu schaffen, was dann mit dem - also der Willen geht immer in die Zukunft. Und was dann in der Mitte stände, das wäre das Fühlen, wo wir unmittelbar in der Gegenwart sind. Nicht, man kann sich zwar erinnern, was ich da mal gefühlt habe, aber unmittelbar in der Gegenwart, da lebe ich im Fühlen, und das Fühlen ist dann dasjenige, was beim Menschen in die Herzregion hineingehört, was dann wieder ausgleichend wirkt zwischen diesen beiden Seiten. Und vielleicht kann man da auch den großen Konflikt auf der Welt in den letzten Jahrzehnten sehen, dieser, diese gewaltige Zerreißprobe zwischen Osten und Westen, und in der Mitte dann das geteilte Deutschland, nicht wahr. Sowohl der Osten versucht eigentlich, diesen mittleren Teil an sich zu reißen, und die westliche Welt, und die Aufgabe dieses mitteleuropäischen Europäischen wird dadurch nicht in der richtigen Weise wahrgenommen.

Schöck: Würden Sie noch etwas über das Verhältnis von Wissenschaft, Kunst und Religion sagen? Deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?

Sattler: Ja, das ist natürlich eine nicht so ganz einfache Frage, weil, wenn man weiter zurückgeht, dann war es ja eigentlich eins: Wissenschaft, Kunst, und was war das dritte, Religion. Lag in den Händen der Mysterienstätten, und was man - Religion ist ja eigentlich erst nötig geworden, wo der Mensch die Verbindung zu dem, was man als göttliche Welt bezeichnen kann, wo das abgerissen ist, erst da braucht man ja Religion, vorher war das ja absolutes Erleben, und im Zusammenhang mit dem stärkeren Ergreifen hier der Erde und dem immer materielleren, stofflichen Denken der Menschheit war die Religion immer nötiger, und war aber doch sehr stark verbunden mit dem, was Wissenschaft und Kunst ist. Das hat sich jetzt auseinendergebildet, und man kann ja doch sagen, daß sich in der westlich orientierten Welt, und dazu zähle ich Mitteleuropa heute, auch daß eigentlich man kein(e) wirkliche(s) religiöses Verhältnis der Menschen hat, daß sehr weit eben doch ein Atheismus, daß die Wissenschaft sehr stark an die Stelle der Religion gereten ist, auch wenn wir natürlich noch Kirchen haben und man sich als Christ empfindet, aber das, was dem Menschen Motivation, Leitziel gibt, komt viel weniger aus dem, was Religion ist, als aus dem, was die Wissenschaft bestimmt, ja, und Kunst, da kann ich eigentlich nicht so sehr viel dazu sagen, weil ich es selber nicht so ganz einfach habe mit dem, was heute heutige Kunstrichtungen sind, das weiß ich nicht, ob das daran liegt, daß ich mich zuwenig damit befasse, aber in vielen Fällen habe ich den Eindruck, daß die Aufgabe der Kunst, daß die für die Seele des Menschen ja etwas zu bedeuten haben sollte, daß die nicht mehr erfüllt wird.

Schöck: Was ist Anthroposophie?

Sattler: Ja, da gibt es so einen schönen Satz von Rudolf Steiner: Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschen in Verbindung zum geistigen Weltenall bringt. Das ist, wenn man es genau ansieht, sehr vollendet und schön ausgedrückt, aber für mich ist die Begegnung mit der Anthroposophie, die durch mein Schicksal, daß ich in eine Familie auch geboren bin, wo ich dann da auch hineingekommen bin, außerordentlich wichtig, weil ich durch das, was ich durch die Anthroposophie an Erkenntnissen über die Lebenszusammenhänge und über die Zusammenhänge des Menschen mit der Welt, mit dem Kosmos was ich auch zum Beispiel an Verständnis für das, was in den Evangelien zum Ausdruck kommt, was ich dadurch gewonnen habe, für mich ungeheure Motivation gewesen ist, möglichst viel für andere zu tun, und nur das, was halt notwendig ist, für mich, und daß ich darin auch, ja, ich möchte sagen, sehr viel zufriedener mich gefühlt habe als ich das bei vielen anderen Menschen erlebt habe, und daß für die Zukunft ganz sicher es notwendig ist, daß sich alle Menschen stärker wieder mit den geistigen Fragen befassen, daß das, was jeder Mensch in sich erleben kann, daß das, was hier unsere äußere materielle Welt nicht alles ist, sondern daß das, was wir in unserem Seelenleben, was wir in unserem geistigen Leben in uns tragen, daß das nicht nur im Menschen ist, sondern daß das auch als geistige Welt, als seelische Welt vorhanden ist, und daß wir uns bemühen müssen, daß wir in der richtigen Weise uns in dieses Gesamte des Kosmos in Zusammenhang mit dem, was hier auf der Erde passiert, auch dann einordnen und zur Entwicklung der ganzen Sache beitragen, und daß dazu das, was aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft also mir in meinem Leben geworden ist, daß ich glaube, daß das auch für die Zukunft von der ganzen Welt- und Menschheitsentwicklung außerordentlich wichtig ist.

Und daß dadurch Erkenntnisse vermittelt werden, die wir mit unseren heutigen Sinneswahrnehmungen nicht erkennen können, Weltenzusammenhänge, daß man dadurch andere Gesichtspunkte bekommt, und ich denke, daß man dadurch vielleicht etwas mehr auch im christlichen Sinne dann tätig werden kann und an sich selber arbeiten kann, nicht um jetzt ein Eingeweihter zu werden, aber um als Mitglied in der Menschheit für die Menschheit dann auch mehr leisten zu können, und dem Ziel der Erde, was ja ganz sicher mit der Entwicklung des Christentums im Zusammenhang steht, das heißt, daß man die wirkliche selbstlose Liebe entwickelt, in voller Freiheit, ohne .......

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... (Unterbrechung, Interviewlänge ca. 2-3 Stunden) ...