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"Die Natur hat den Tod hervorgebracht, um viel Leben zu haben." Kaufen - Leihen - Schenken - ein KreislaufÄhnlich der sozialen Dreigliederung wird hier eine neue Geldordnung beschrieben, die auf dem Verständnis beruht, daß alles Leben auf der Erde sich zwischen Polaritäten bewegt und über eine ausgleichende Mitte im Gleichgewicht gehalten wird.
Die Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck wie die Vervollkommenung der Produktion nicht letztes Ziel der Wirtschaft ist. Die Wirtschaft dient dem allgemeinen Kulturfortschritt, der nur möglich ist, wenn der Kapitalbildung (1.- 3. Stufe) auch ein Kapitalverzehr (4. Stufe) gegenübersteht. Wir stehen heute vor dem Problem, daß die Geldordnung diesen Kapitalverzehr nicht ausreichend bewirkt. Entsprechend bleibt auch ein Kulturfortschritt aus, da weitere Geldbildung nur weitere Geldbildung auslöst. So staut sich das Geld im Boden (Immobilien), in künstlichen Produktionsmitteln (Aktien) u.a., das Zinszahlungen als leistungslose Rente beansprucht und die realwirtschaftlichen Leistungen immer stärker von diesen (alten) Forderungen als vom (gegenwärtigen) Bedarf abhängig macht. Der Versuch, die Kapitalbildung durch weitere Investitionen in neue geografische oder sachliche Gebiete rentabel "aufzuzehren", wird schon bald an die natürlichen Grenzen der Erde stoßen. "In der Weltwirtschaft gibt es keine Korrektur, weil man vom Mond keine Artikel einführen kann. Sonst würde die Weltwirtschaft auch nur eine Volkswirtschaft sein, wenn man vom Mond oder der Venus und so weiter importieren und dahin exportieren könnte; aber darinnen besteht gerade die große Frage, was da wird aus der Volkswirtschaftslehre dadurch, daß die Erde eben ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet wird." "Es müßte daran gedacht werden, wenn zwangsmäßig ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet da ist, wie es die Weltwirtschaft ist, daß gar nichts anderes geschehen könnte im volkswirtschaftlichen Sinn, als daß alles dasjenige, was sonst sich staut in Grund und Boden, in den geistigen Institutionen verschwindet. Es müßte in den geistigen Institutionen verschwinden, es müßte wirken gleich einer Schenkung. "
Die SchenkungDie Schenkung ergibt sich als zwingende Notwendigkeit innerhalb der geschlossenen Weltwirtschaft: "Sie können also tatsächlich sehen, wie die geistige Betätigung ... nicht den Prozeß (gemeint ist Wertbildung und Kapitalstau, wb) fortsetzt, sondern ihn zurückführt. Deshalb habe ich es immer als Kreislauf gezeichnet. Natur, Arbeit, Kapital - Natur, Arbeit, Kapital kehrt wiederum in sich zurück, und der ganze Prozeß ist aufgehoben, wenn es wiederum zu der Natur zurückgekommen ist." Mit Schenkung ist hier nicht ein bloßer moralischer Appell gemeint, ein Aufruf zu einem neuem Mäzenatentum. Nein, die Schenkung soll integraler Bestandteil einer neuen Geldordnung werden, damit der Kapitalbildung ein kompensierender Kapitalverzehr zur Seite gestellt wird. Dies wäre nicht nötig, würde der menschliche Geist nicht immer weiter zu Arbeitsersparnis führen und bewirken, daß immer weniger Menschen die materielle Versorgung für alle sicherstellen. "Diese freien Geistesmenschen haben nämlich die Eigenschaft, daß sie den 'Gritzi', die Geistigkeit, bei den anderen loslösen, daß sie ihr Denken beweglicher machen, und daß dadurch die anderen besser in die materiellen Prozesse einzugreifen vermögen." Viele Menschen haben vergessen, daß Schenkungen (vor allem in Rahmen religiöser Bräuche) die kulturelle Blüte und den Bestand früherer Volksgemeinschaften bewirkt haben. So läßt sich erklären, daß das rituelle Schenkopfer lange vor dem Aufkommen eines Waren-Geldes große Bedeutung hatte. In diesem Zusammenhang ist der Hinweis Lietaers zum Einfluß von Schenkungen auf den Bestand einer Gemeinschaft interessant: "Anthropologen fanden heraus, daß Gemeinschaft auf dem gegenseitigen Austausch von Geschenken basiert.(S.301) Merkwürdigerweise kam ich erst durch Anthropologen auf die Beziehung zwischen Geschenken und der Entstehung von Gemeinsinn.(S.302)Will man das Muster einer Gemeinschaft entflechten, macht man das Gegenteil dessen, was zu seiner Bildung beitrug. Diese Schlußfolgerung sollte niemanden überraschen. Daher formuliere ich die allgemeine Regel: Gemeinschaften zerfallen, wenn einseitige Geldgeschäfte den Gabentausch ersezten(S.307)" Alterung durch BefristungKönnen wir so von der sozialen und werttheoretischen Seite her der Notwendigkeit von Schenkungen zustimmen, so bleibt die Aufgabe, diese durch eine vernünftige Methode in die Geldordnung aufzunehmen. Hier schlägt Steiner vor, die Gültigkeit des Geldes zu befristen, d.h. das einzelne Geldzeichen erhält einen Ablauftermin. Einige anthroposophische Autoren schlagen vor, das Leihgeld allein zu befristen: . ...eine Datierung des Bargeldes weckt zwar Bewußtsein für reale Geldveränderungen, hat aber im Kaufgeldbereich nur Auswirkungen zum Stichtag seines Umtausches und dort auch nur im Falle gehorteten, d.h. also gesparten, aber nicht verliehenen Geldes." Die Befristung ist sicher in verschiedener Weise gestaltbar, doch wird es ihre Hauptaufgabe bleiben, den Übergang des Leihgeldes in den Bereich des freien Kultur- und Geisteslebens zu bewirken. Zusammen mit der Assoziationsbank bewirkt die Frist eine gesamtgesellschaftliche Verteilfunktion. Bleibt das Kaufgeld (um nicht nur das Bargeld anzusprechen) von der Befristung ausgeschlossen, so führt dies zu einer verwaltungsmäßigen Vereinfachung, setzt aber voraus, daß die Leihgeldsphäre (lt. Hermannsdorfer durch gleichfristige Sparbriefe) die Befristung "übernimmt". Auch Georg v. Canal hat ein Geldmodell mit bloßem Fristleihgeld entworfen (er nennt es Geldabschreibungsmodell, S. 216 - S. 227 Quelle s.u.) und schreibt dazu: "Grundlage ist hierfür die Auffassung, daß sich der Vorteil des gegenwärtigen Geldes gegenüber den wirtschaftlichen Gebrauchgütern nicht auf dem Gebiet der Ware-Geld-Beziehung (Tauschverhältnis) darlebt, sondern sich dann ergibt, wenn das Geld als Vermögensmittel erscheint. Die Hortungsmöglichkeit, welche der Liquiditätstheorie als jene Eigenschaft des Geldes erscheint, die den Vorteil des Geldes gegenüber den Waren begründet, ist angesichts der Anlagemöglichkeiten im Leihbereich heute eine zu vernachlässigende «Anlageform»." Allerdings könnte die Befristung des Kaufgeldes in einer Übergangsphase die Menschen an die Geldalterung gewöhnen, bis es soweit in "Fleisch und Blut" übergegangen ist, daß dieser "wirtschaftpädagogische Effekt" zugunsten einfacherer Handhabung vernachlässigt werden kann. Eine flexibele Gestaltung muß nur an der Uridee eines ständigen Gleichgewichts, einer "Spiegelung", zwischen Geld und Werten festhalten (s. u. Basiskreislauf). Als vorläufige Diskussionsgrundlage seien folgende Kreislaufskizzen vorgestellt:
Eine Geldbuchführung im JahreszyklusSchließlich noch eine weitere Variante einer Geldordnung im Jahreszyklus, die auf ![]() Gern denke ich bei einer neuen Geldordnung an eine Angleichung an den alten landwirtschaftlichen Jahreszyklus: Der Bauer behält von seiner Vorjahresernte immer einen kleinen Teil zurück, damit er Saatgut für das nächste Jahr hat. Dies nimmt er im Frühjahr, sät und pflegt eine neue Kultur und hat bei günstigem Wetter (und gutem Geschick) eine neue Ernte, die ihm seinen Lebensunterhalt bis zur nächsten Ernte sichert. Der Gleichklang zwischen Arbeit und Ertrag fand im Jahresrhythmus seinen Ausdruck. Heute lassen moderne Lagertechniken, Hybridsaatgut von großen Konzernen, Dünger- und Pestizideinsatz u.a. einen Ausgleich in Jahresfrist nur schwer erkennen. |
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