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Hat das Leben im Dorf eine Zukunft?![]() Ich bin in einem überwiegend landwirtschaftlich geprägten Dorf in Ostwestfalen aufgewachsen. Daher interessiert mich die Frage, ob ich aus der Anthroposophie und besonders aus der Dreigliederung eine Orientierung gewinnen kann. "Zum Dorf und zur Kirche ist das Land und die Stadt hinzugekommen. Die wurden beherrscht mit einem sozialen Denken. Die Fabrik gehört nicht mehr zur Stadt. Die Fabrik ist ein neues soziales Gebilde. Die Fabrik ist aber auch herausgestellt wie ein besonderer Dämon aus der ganzen Weltordnung. Die Fabrik hat nichts Geistiges mehr an sich. Da muß das Geistige von der anderen Seite hergebracht werden. " Die Stadt und die auf ihr bauende Technik, Maschinisierung haben den Menschen freier gemacht, aus alten Bindungen gelöst. Die größere Freiheit wurde mit dem Verlust dieser Gesellschaft und Ökonomie ordnenden Weisheit, mit mehr Abstraktheit, mit der größeren Entferntheit zur Natur "erkauft": "Der Mensch in der theokratischen Ordnung war hingestellt zum Boden, zum Grund und Boden; mit dem war er zusammengewachsen. Und er fühlte, wie er mit diesem Boden zusammenwachsen kann, wenn eben die theokratische soziale Ordnung hinter ihm ist. Das Zentrum, der Mittelpunkt, war die Stätte, wo die Inspirierten die Direktive abgaben, was in späterer Zeit das Dorf wurde mit dem umliegenden Grund und Boden und mit der Kirche. Im Laufe der menschheitlichen Entwickelung kam die Stadt. Die Stadt ist aus der sozialen Ordnung der Jurisprudenz heraus entstanden. Jetzt hat man nicht den Gegensatz Bauer und Priester, jetzt hat man den Gegensatz Stadt und Land. Mit der Fabrik, der industriellen Arbeitsteilung, ist etwas in unser Leben eingezogen, das ohne eine neue Vernunft auf die Lebensverhältnisse zerstörerisch einwirken kann. Solange Gewinnmaximierung und "survival of the fittest" noch nicht durch neuen Geist, durch gemeinsam entwickelte Vernunft abgelöst ist, wird es auch wirklich zu Zerstörung und Unfrieden kommen. Ein neuer Geist kann u.a. aus den Ideen der Dreigliederung entstehen. In Assoziationen werden die Menschen einen neuen partnerschaftlichen, das allgemeine wirtschaftliche Wohl fördernden Geist entwickeln. Das wird eine Teamarbeit sein; ein einzelner kann die Wirtschaft gar nicht überschauen. Menschen verschiedenster "Pole" müssen ihren Sachverstand einbringen: Hersteller und Verbraucher, Städter wie Dörfler, Alte wie Junge Komme ich also noch mal auf die Titelfrage zurück, dann kann ich sagen: Die Menschen im Dorf (wie in der Stadt) haben nur eine Zukunft, wenn sie sich in menschenwürdiger, assoziativer Weise an der weltweiten Arbeitsteilung beteiligen und diese helfen fortzuentwickeln.
Dabei ist die Besonderheit zu berücksichtigen, daß menschlicher Geist die industriell-städtische Arbeit schneller verbilligt, als die dörfliche Arbeit in der Urerzeugung (Landbau, Fischerei, Forst, Bergbau etc.), was bei fehlendem Ausgleich dauernde Einkommenseinbußen für alle Urerzeugung mit sich bringt ( Freiheit und Bewußtheit sind die Schlüssel für eine moderne Gestaltung des Stadt-Land-Verhältnisses. Wie früher eine instinktive, eine unbewußte Vernunft, in der wirtschaftlichen Organisation lag, so lag auch unbewußtes in den Verbindungen der Menschen in Familien, Großfamilien, Zünften usw.: "Wenn wir nach älteren Organisationen fragen, so können wir eigentlich eines als den Impuls solcher Organisationen hinstellen: das menschliche Blut, die Blutzusammengehörigkeit. Wenn wir in ältere Zeiten sehen, sehen wir zusammengehörige Stämme, zusammengehörige Großfamilien. Das, was zusammengehört, ist eigentlich organisiert aus menschlichen Tiefen heraus durch das Blut. Das bedingt, daß das Organisationsprinzip vielfach ein Unterbewußtes ist, daß es nicht vollständig ins Bewußtsein heraufkommt. Die Menschen sind dabei beim Organisieren, aber es dringt nicht ins Bewußtsein herauf. Es wirken höhere Geister als der Mensch bei diesem Organisieren mit. China kann ein Beispiel sein für das Aufeinanderprallen von alt und neu, von unbewußtem und bewußtem Zusammenschließen. Seit einigen Jahren erleben wir in China ein starkes Wirtschaftswachstum. Dieses Wachstum beruht zu einem nicht unerheblichen Teil auf sogenannten Gemeindeunternehmen (engl. village-township-enterprises = VTE's bzw. TVE's). Dazu hat Martin Barkhoff schon 1996 einen Beitrag für die Zeitschrift Info3 verfasst, den ich hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages als PDF-Datei wiedergebe. Desweiteren finden Sie einen externen Beitrag von Carsten Herrmann-Pillath und Hiroyuki Kato von 1997, die die Dorfunternehmen als dritten Weg wirtschaftlicher Entwicklung in China untersuchen: Interessant sind beim letzten Beitrag einige Hinweise auf dreigliedrige Aspekte wie z.B. das Festhalten der Dorfbewohner an gemeinschaftlichem Eigentum. Ich vermute jedoch, daß diese Aspekte noch nicht ein assoziatives, sondern ein altes, instinktives Bewußtsein wiederspiegeln. Dafür spricht auch, daß - wie Barkhoff beschreibt - eine "Dorfbildefähigkeit" in China lebt, die so stark ist, wie bei uns die Fähigkeit zum Autofahren. Also eher eine angeborene, allgemein verbreitete Fähigkeit des Volkes.
Dörfer waren häufig so angeordnet, daß sie mit anderen Dörfern und einem größeren Ort in der Mitte eine "instinktive Assoziation" aufgrund damaliger Transportmöglichkeiten bildeten (Der größere Ort wird heute als Oberzentrum, das Gesamtgebiet als Region bezeichnet.): "Bedenken sie nur einmal, wie der heutige abstrakte Markt Dinge zusammenbringt, deren Zusammenkommen und wiederum Weiterverteiltwerden an den Konsumenten gar nicht überschaut werden kann. Aber wie ist man denn überhaupt zu diesem Marktverhältnis gekommen? Im Grunde genommen aus der instinktiven Assoziation heraus, indem eine Anzahl von Dörfern in solch einer Entfernung, daß man hin- und zurückgehen kann im Tage, um einen größeren Ort herum waren und da die Leute ihre Produkte austauschten. Das nannte man nicht eine Assoziation. Man sprach überhaupt kein Wort aus; aber in Wirklichkeit war es eine instinktive Assoziation. Diejenigen Leute, welche hier sich zum Markt vereinigten, waren assoziiert mit all denen, die in den Dörfern herum wohnten. Sie konnten rechnen auf einen bestimmten Absatz, der sich erfahrungsgemäß ergab. Daher konnten sie nach dem Konsum die Produktion regeln in ganz lebendigen Zusammenhängen. Wie sieht die assoziative Zukunft aus?
"Durch das assoziative Wesen würde vor allen Dingen eine ganze Anzahl Fabriken von der Stadt aufs Land hinauswandern und ähnliche Dinge würden sich als notwendige Folge des assoziativen Wesens ergeben. Sie haben ja nicht umsonst Dörfer, Dorfwirtschaften. In der primitiven Wirtschaft ist die Dorfwirtschaft die einzige Wirtschaftsform. Dann geht es über zu den Märkten. Diese Benennungen sind volkswirtschaftlich viel richtiger, als man denkt. Solange der Markt da ist und Dörfer darum herum, so lange bedeutet der Markt, auch wenn er unter dem Prinzip von Angebot und Nachfrage steht, etwas wirtschaftlich viel weniger Schädliches - wenn nicht eben Halunken da sind, was eine persönliche Sache ist -, als wenn die Stadtwirtschaft dazukommt. Durch diese wird das gesamte Verhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten radikal geändert. Dann haben wir nicht mehr Dörfer, die von selbst ihren Markt regulieren, sondern dann haben wir allen Möglichkeiten Tür und Tor geöffnet, welche bestehen, wenn das Verhältnis zwischen Konsumenten und Produzenten kein klares mehr ist, wenn es sich vermischt. Und das ist der Fall, wenn die Menschen in den Städten zusammenwohnen. Hier finden Sie eine kleine Auswahl von online-Beiträgen zum Thema Dorf: |
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