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Die FrauenfrageDie Frauenfrage ist ein Teil der sozialen Frage, da heutige soziale Ungerechtigkeiten zum Teil noch immer auf geschlechtliche Ungleichbehandlungen zurückzuführen sind. Die Behandlung dieses Themas verläßt allerdings den engeren Ideenbereich der sozialen Dreigliederung. Vielmehr ergibt sich ihr Inhalt aus der Menschenkunde der Anthroposophie.
Diese Widersprüchlichkeit ist in einer überwiegend materialistischen Anschauung begründet. Sie übersieht, daß es viel wichtiger wäre statt auf die Geschlechtsunterschiede auf etwas darüber liegendes zu schauen: auf die Individualität. Vom menschlichen Wesen aus läßt sich ein klarerer Standpunkt zum Verhältnis von Mann und Frau gewinnen. Da hinzuleuchten ist Aufgabe der Geisteswissenschaft. "Sehen sie sich die Bäuerin, die Handwerkerin in früheren Jahrhunderten an. Man kann nicht davon sprechen, daß die Bäuerin geringere Rechte hatte als der Bauer, oder einen geringeren Wirkungskreis. Sie hatte ein gewisseses Departement zu versorgen und er ein anderes. Und ebenso war es im Handwerk. Dasjenige, was heute in den arbeitenden Ständen eigentlich die Frauenfrage geworden ist, das ist sie dadurch geworden, daß sie in den letzten Jahrhunderten, und namentlich im letzten Jahrhundert unsere Kultur im eminenten Sinne eine Männerkultur geworden ist. Das Maschinenzeitalter ist ein Produkt der Männerkultur, und einfach die Art und Weise dieser Kultur macht die Betätigungsweise für die Frau in einem höheren Maße zur Unmöglichkeit als die Betätigungsweise des früheren Wirtschaftslebens."( So passte die Frau nicht mehr in die Fabrik, wurde in der manuellen Arbeit auf das Häusliche verwiesen. Und im geistigen Leben? Lange gab es für Mann und Frau eine gemeinsame Quelle. Auch Frauen konnten ohne Universitäten zu höchster religiöser und philosophischer Feinbildung kommen. "Erst dadurch, daß das materialistische Zeitalter die sogenannten positiven Wissenschaften mit ihren sogenannten Tatsachen zur Grundlage der höheren Probleme gemacht hat, mußte neben dem allgemeinen, aus dem praktischen Leben hervorgehenden Zug, ein Zug des Herzens, eine Sehnsucht der Seele die Frau antreiben, um selbst hineinzuschauen in die Geheimnisse, die uns das Mikroskop, das Teleskop, die Untersuchungen der Physiologie und Biologie bieten."(a.a.O.) Durch diese ganze Art der Kultur ist die Frauenfrage heute aufgeworfen. Hier tritt nun die Anthroposophie als eine noch wenig beachtete Bewegung der materiellen Weltsicht entgegen. "Man kann diese Weltanschauung nicht mehr verkennen, als wenn man glaubt, daß sie nichts anderes ist als das Hirngespinst einiger Phantasten...Es war eine Notwendigkeit, daß die alten religiösen Gefühle und Traditionen ihre Geltung verloren haben gegenüber den Ansprüchen der Naturwissenschaften. Sie sieht ein wie es gekommen ist, daß der Physiologe und der Biologe, wenn er es auch nicht zugesteht, zum Unsterblichkeitsleugner geworden ist. Das mußte so kommen. Aber die Menschheit wird niemals leben können ohne einen Aufblick, ohne ein Wissen von den wirklich übersinnlich geistigen Dingen."(a.a.O.) Am Ausgangspunkt dieser Geisteswissenschaft stand stand eine Frau: Helena Petrowna Blavatsky. Sie hat mit "umfassenstem Sinn und eindringlichster Gewalt" durch ihre Schriften gezeigt, was Frauengeist in bezug auf höhere Weltanschauung leisten kann. Steiner betrachtet es als höhere Fügung, daß in dieser männlichen, materialistischen Kultur eine neue geistige Kultur durch eine Frau ihren Anfang genommen hat, "geradezu von einer Frau herausgeboren werden sollte". "Ein Zeitalter, daß...an der äußeren Pysiognomie hing, mochte Schranken aufrichten zwischen Mann und Frau. Ein Zeitalter, das nicht mehr am Äußeren, am Materiellen haften wird, sondern dem die Erkenntnis des übergeschlechtlichen Innern gegeben sein wird, wird das Geschlechtliche, ohne daß es sich in das Öde, Asketische verkriechen will, oder etwa das Geschlechtliche verleugnen will, veredeln und verschönern und im Übergeschlechtlichen leben." (a.a.O.) Heute sagt man noch: Das ewig Weibliche zieht uns hinan. In Zukunft sagt man: Das ewig Menschliche zieht uns hinan. |
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