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Dreigliederung und GeschichteMit dieser Darstellung möchte ich versuchen, die Dreigliederung in einen historischen Kontext zu stellen. Dies soll ein ganz anfänglicher Versuch sein, einen sozialwissenschaftlichen (nicht allein politischen) Goetheanismus zu entwickeln. Ich verstehe darunter eine historische Betrachtung über die Entwicklung des sozialen Lebens, die sich nicht allein mit äußeren, physischen Geschichtsdaten befasst. Vielmehr soll damit versucht werden, aufzuzeigen, wie allen äußeren Geschehnissen als eigentliche Ursache geistige Wandlungen (im goetheschen Sprachgebrauch: Metamorphosen) zugrunde liegen: "Die Geisteswissenschaft deutet auf wirkliche geistige Kräfte hin, die hinter den sinnlich-physischen Tatsachen sind, und in solchen wirklichen geistigen Kräften liegen die Motoren des Geschichtlichen, wenn auch diese geistigen Kräfte für den Menschen dann eben durch Ideen ausgedrückt werden müssen. Für eine Geschichtsbetrachtung dieser Art sind prägnante Punkte wichtig, die einen Bewußtseinswandel in der Menschheit erkennen lassen. Für diese Wandlungen ist das bereits genannte
Wir leben jetzt in der 5. Nachatlantischen Kulturepoche, die noch ca. bis 3500 dauert. Dieser Überblick soll uns für die Einordnung der prägnanten Phänomene den Hintergrund bilden.
Das finstere ZeitalterZunächst ist in der Grafik mit dem hell-dunkelen Farbverlauf und dem Halbkreis die Wirkung des finsteren Zeitalters ("Kali Yuga" von 3101 v.Chr. - 1899 n.Chr.) charakterisiert. Dies war die Zeit, in der es für die Entwicklung der Menschheit nötig war, daß sie die Erinnerung an die göttlich-geistige Welt (heller Bereich der Grafik) verloren und sich immer stärker mit der Materie (dunkeler Bereich) verbunden hat. Nach dessen Ablauf wird es nach und nach wieder möglich, die geistige Welt zu erkennen. Dieses Erkennen ist aber ein anderes, als es den Menschen noch vor dem finsteren Zeitalter möglich war, in der sie ein Wissen der geistigen Welt noch ohne eigene Aktivität erlangen konnten. Die TheokratieAuf einer ersten frühen, sozialen Stufe entstand unter den Menschen die sogenannte Theokratie ("Gottesherrschaft"). Dort befand sich ein König, der zugleich Priester war, an der Spitze eines Volkes oder Stammes. Diese Persönlichkeit legitimierte sich nicht allein durch seine Fähigkeiten, sondern war "Werkzeug" höherer Mächte. Er stellte das "Bindeglied" zwischen einer auf dem Kopf stehenden "Pyramide" geistiger Hirarchien und einer umgekehrt hierarchisch geordneten Gemeinschaft auf der Erde dar. In diesen ersten Gemeinschaften zählte der Einzelmensch wenig, er war ganz dem Verband untergeordnet. Die vom "Himmel" durch das Oberhaupt gegebene irdische Ordnung erstreckte sich auf alle Lebensbereiche: Das religiös-kultischen Leben umfasste zugleich alles rechtliche und wirtschaftliche Leben. Vornehmlich in Asien lebten Theokratien in vollster Blüte, als Europa noch völlig unzivilisiert war. Die Geburt des StaatesDie Priesterkönigdynastien wurden mehr und mehr von persönlich-egoistischen Machthabern abgelöst. Mit der Verdunkelung des alten Götterbewußtseins erwächst den Menschen die Möglichkeit des verstandesmäßigen Denkens und die Stärkung der Ich-Kräfte: "Nun ging den Menschen allmählich verloren das Bewußtsein, das sie noch gedächtnismäßig, historisch gedächtnismäßig an die Zeit der alten Theokratie hatten, wo sie noch wußten, daß die irdischen Einrichtungen wirklich eine Folge der göttlichen Taten sind. Das ging den Menschen verloren. An die Stelle einer lebendigen Götterwelt, die man in alten Zeiten geschaut hatte, von der man dann noch wußte, traten abstrakte Begriffe. An die Stelle des Bewußtseins, daß da oben eine Welt von Götterindividualitäten ist, traten die abstrakten metaphysischen Begriffe. Und es kamen die Jahrhunderte, wo die Menschen an die Stelle individueller Götter - die Christen nannten sie Engel - abstrakte Begriffe, eine Metaphysik von abstrakten Begriffen setzten. Die Götterordnung, die ihr Abbild haben sollte in der Menschenordnung, gab etwas Theokratisches; die Anwendung von bloßen Begriffen auf die menschliche Gesellschaftsordnung gab etwas, ja, was bloß dazu bestimmt sein konnte, Ordnung zu halten im menschlichen Zusammensein. Hatte man früher ersonnen, in der menschlichen gesellschaftlichen Struktur, in der sozialen Struktur der Menschheit ein Abbild der göttlichen Welt zu schaffen, so sann man in der metaphysischen Zeit nur danach, Ordnung zu halten, die Bösen zu bestrafen, die Guten nicht zu bestrafen oder auch zu belohnen, je nachdem Ordnung zu schaffen, so daß die gesellschaftliche Ordnung bestehen kann. Als an die Stelle der lebendigen Götter abstrakte metaphysische Begriffe getreten waren, da handelte es sich nur noch darum, eine menschliche Ordnung zu schaffen, die gewissermaßen den Menschen so abstempelte, den einen zum Vorgesetzten des andern machte, nicht weil das Vorgesetztsein ein Abbild sein sollte des Verhältnisses des Erzengels zum Engel, sondern weil nur dadurch Ordnung sein kann, daß einer befiehlt, der andere gehorcht. Abstraktion trat an die Stelle des lebendigen Durchwirktseins der sozialen Ordnung. Ein prägnanter Punkt in der Geschichte war dann 1309 die Versetzung des Papstes von Rom nach Avignon. Dies ist ein Zeichen für den Machtverlust der Kirche und für das wachsende nationale Gefühl der Menschen. Vor dieser Zeit hatte der römische Katholizismus alles Gemeinschaftsleben der Menschen geordnet. Ab dieser Zeit entdecken die Menschen neben der Religion in der Zugehörigkeit zu einem Volk etwas für sie sehr wesentliches, während vorher die Gemeinschaftsbildungen aus religiös-kultischen Impulsen allein hervorgingen. Vom Nationalen zum Allgemein-MenschlichenIm 18./19. Jahrhundert entwickelten sich starke Tendenzen aus der nationalen Gemeinschaft die einzelne Persönlichkeit zu emanzipieren. Diese Tendenz zum Allgemein-Menschlichen hin war auch die Grundlage für den Liberalismus, der die Wirtschaft aus alten gesellschaftlichen Bindungen, aus den Zünften und Handwerksordnungen herauslöste und in gewerbliche und industrielle Fabrikationen überführte. Mit diesem Schritt verband sich der Mensch noch einmal tiefer mit der Materie, was zu vielen neuen Erfindungen, zu Wachstum, zur Produktivitätssteigerung, aber auch zu großen sozialen wie ökologischen Problemen führte. Die drei Lebensgebiete haben dadurch eine relative Unabhängigkeit voneinander entwickelt, vor allem bestand für die Menschen im Wirtschafts- und im Staatsleben kein deutlicher Zusammenhang mehr mit dem religiös-geistigen Leben. Der Marxismus1848 veröffentlichte Marx das Kommunistische Manifest. Er prangerte die Ausbeutung der Proletarier an und zeichnete das Bild einer sozialistischen Gesellschaft, in der die dann herrschende Arbeiterklasse Gemeineigentum an den Produktionsmitteln erwirbt und diese mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit verwaltet. Die Wirtschaft wird darin zum alles bestimmenden Lebensgebiet. Recht und Kultur sind darin sekundär, d.h. werden als unerhebliche Ideologien betrachtet und soweit nötig nach den Erfordernissen der Wirtschaft gestaltet. Dieser wirtschaftliche Materialismus bindet daher unzeitgemäß die Menschen weiter an Materie, statt soziale Gerechtigkeit aus einer spirituellen Neubelebung zu schöpfen. Die soziale DreigliederungBei einer fehlenden Ausbalancierung der drei Sozialfelder durch eine spirituelle Impulsierung zeigt sich die Tendenz des "Überschäumens", des Dominierens einzelner Sozialfelder über die anderen: Die Kultur will auswachsen zu einer Weltkultur, Leitkultur. Jede Minderheit versucht ihre Unabhängigkeit in einem Nationalstaat zu gewinnen. Die Wirtschaft verlangt ungehinderten Zugang zu allen Märkten der Erde. Vor allem eine überzogene Ausdehnung des Freiheitsideals führt heute zu einer Machballung im Wirtschaftsleben, die Kultur und Recht immer mehr zu "Anhängsel" werden läßt. |
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