Studienarbeit zum dreigliedrigen sozialen Organismus

Überregional, berufsbegleitend (Zeitraum ca. 2 ½ Jahre)

 

Was kann man mit der Dreigliederung anfangen? Wozu kann eine Ausbildung der Gedanken zu einem dreigliedrigen sozialen Organismus nützlich sein?

Zeitverhältnisse

Wir Menschen sind heute durch die arbeitsteilige Wirtschaft weltweit miteinander verbunden. Das ist eine Tatsache, die uns faktisch zu einer Weltmenschengemeinschaft macht. Auch wenn uns das im Alltag nicht so stark bewusst wird, sind wir alle voneinander abhängig. Jede kleinste wirtschaftliche Handlung, jeder Kauf oder Verkauf hat eine Wirkung in der Welt, die weit außerhalb der einzelnen Wahrnehmung liegt, aber das Schicksal von Menschen bestimmt. Wir haben eine Weltgemeinschaft, die uns eine Verantwortung auferlegt, vor der man zwar die Augen manchmal noch verschließen kann, der sich aber keiner entziehen kann. Wer anfängt, sich mit den sozialen Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen, der stößt an die Tatsache der Weltmenschengemeinschaft.

Auch wenn dies im Alltäglichen nicht immer bewusst ist, gefühlt wird die Größe des Zusammenhangs im Allgemeinen. Daraus entsteht das Gefühl der Ohnmacht.

Institut für soziale Dreigliederung

Wir haben uns am Institut zur Aufgabe gemacht, die einzelnen sozialen Fragestellungen aus dem Gesamtzusammenhang verstehen zu lernen. Der Einzelne stößt an die Grenzen des aus eigener Kraft Lösbaren, wenn eine Miete unbezahlbar, die Arbeitskraft vom Markt gekauft, das Geld vom Tauschmittel zum Täuschungsmittel und ein ernährendes Lebensmittel zum Luxusgut … wird. Mit dem Verständnis des dreigliedrigen sozialen Organismus, den Rudolf Steiner geisteswissenschaftlich erforscht hat, haben wir ein Erkenntniswerkzeug. Wir können damit mehr und mehr die konkreten Zusammenhänge im Sozialen sehen lernen. Das allein macht die Verhältnisse noch nicht gesund. Ideen aber, die wirksam ordnend eingreifen können, lassen sich im Einzelnen erst aus dem Verständnis dieser Zusammenhänge entwickeln. Sylvain Coiplet hat, mit einigen Helfern, über 25 Jahre viele Splitter aus Steiners Werk zum Verständnis der sozialen Frage zusammengetragen. Die Grundlage des Institutes ist diese Forschungsarbeit.

Warum sollten wir etwas ändern?

Rudolf Steiner stieß zu seiner Zeit mit seinen Anregungen auf wenig Verständnis. Das große Unverständnis kommt (auch heute noch) aus tief in uns sitzenden, über lange Zeit gewachsenen, sozialen Gewohnheiten. Die Welt hat sich verändert, wir aber haben bewusstseinsmäßig mit dieser Änderung nicht Schritt gehalten. Im Geistesleben stecken wir teilweise noch in Gewohnheiten von vor 5.000 Jahren, aus theokratischen Zeiten, in denen Fähigkeiten noch über das Blut weitervererbt wurden. Das Römische Recht, von vor 2.500 Jahren, hält uns noch in den heutigen Eigentumsfragen gefangen. Statt also ein Rechtsgefühl zuzulassen, das heute unter mündigen Bürgern als Gleiche unter Gleichen sich entfalten will, klammern wir uns weiterhin an Vorrechte, die dieses Gefühl beleidigen. Mit der Industrialisierung und Rationalisierung stellt sich erstmals in der Geschichte die Frage nach der Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Wirtschaftswissenschaft ist gerade mal 250 Jahre alt. Aber mit den Formen der Theokratie und des römischen Rechtes lässt sich eine arbeitsteilige Wirtschaft nicht gestalten.

Beispiel

Ich möchte versuchen einen Gedankengang auszuführen, der vielleicht in aller Kürze erahnen lässt, wie sich durch eine Erkenntnis neue Gestaltungsfragen ergeben:

Durch die Industrialisierung und die damit verbundene extreme Arbeitsteilung ist unsere Wirtschaft schneller altruistisch geworden als unser moralisches Denken dem folgen konnte. - Arbeitsteilung bezeichnet den Prozess der Aufteilung der Arbeit unter Menschen. Während früher eine Gruppe von Menschen (Jäger und Sammler) die Arbeit zur Erhaltung ihres Lebens komplett bewältigten, später ein Mensch mehr und mehr die Arbeit zur Erstellung eines Produktes von Anfang bis Ende ausführte, ist heute ein Produkt ein Resultat der Zusammenwirkung vieler Menschen. Das bedeutet aber gleichzeitig, kein Mensch hat mehr etwas von der Arbeit, die er selbst an einer Stelle im Teilprozess tut. Wir sind heute alle auf die Arbeit der Anderen angewiesen, um leben zu können. (Dadurch wurde es aber auch möglich, Produkte herzustellen, die niemals ein Mensch für sich in der Lage wäre herzustellen, und hätte er ein ganzes Leben ausschließlich dafür Zeit. Es ist nicht möglich als Einzelner sich all die Fähigkeiten und das Wissen anzueignen, und all die Materialien aus der ganzen Welt zusammen zu tragen (von der Förderung der Rohstoffe bis zur Erfindung neuer Materialien), die es brauchte, um ein Handy zu produzieren.) Unser Denken aber hält uns in der Selbstversorgerwirtschaft gefangen. Anstatt dass wir gesellschaftliche Formen entwickeln, die diese Aufteilung der Arbeit unter den Menschen sichtbar machen kann und damit wieder ein gesundes Zusammenfügen ermöglicht, arbeiten wir heute immer noch für unser eigenes Einkommen. Dadurch verlieren wir die Komplexität der vielen ineinander greifenden Handgriffe aus den Augen und es entsteht ein Gegeneinander mit Schieflagen und Katastrophen.

Wir möchten der Ohnmacht ein Verständnis entgegensetzen und mit Menschen, die in unseren heutigen sozialen Zusammenhängen etwas ändern wollen, eine Studienarbeit beginnen.

Inhalte der Studienarbeit

Zunächst werden wir uns geschichtlich an die heutigen Verhältnisse heranarbeiten. Damit lernen wir zu sehen, wie wir in den Zeitverhältnissen stehen, wodurch soziale Formen in der Vergangenheit entstanden sind und wie weit sie heute vielleicht nur noch Überbleibsel aus ganz anderen Verhältnissen sind. (Davon war schon eine kleine Geschmacksprobe in den vorangegangenen einführenden Gedanken.)

Als Zweites möchten wir uns systematisch mit dem Gedanken des dreigliedrigen sozialen Organismus beschäftigen. Wir können dabei verstehen lernen, warum es in Erkenntnisfragen, in Fragen um die einzelnen, konkreten Fähigkeiten, allein richtig ist, als einzelner Mensch mit dem ganz eigenen Urteilsvermögen etwas zu bewirken (Einzelurteil). Dagegen werden wir als Einzelne niemals ein richtiges Urteil abgeben können, wenn es um Fragen geht, die das Wirtschaftsleben betreffen: Wie viel von, welchen Nahrungsmitteln werden gebraucht, damit alle etwas zu essen haben? Wie gestalten wir zusammen die Produktion, dass dabei die richtigen Preise entstehen und die benötigten Waren auch gekauft werden können? Wie viel Menschen werden dafür in einem Produktionsbereich gebraucht?  Was ist mit der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit und den verfügbaren Ressourcen überhaupt wirtschaftlich machbar? … Bei diesen Fragen ist unser jeweils eigenes Urteil immer abhängig von den Urteilen der Anderen! Das heißt, wir können hier nur durch ein kollektives Urteil zu richtigen Antworten kommen. Und schließlich ist in allen Fragen, die jeden Menschen gleichermaßen betreffen das demokratische Urteil sinnvoll. Dabei werden wir uns erarbeiten müssen, warum Rudolf Steiner in diesem Bereich vor allen Dingen die Frage nach der Arbeitszeit aufwirft, die jeder Einzelne der Gemeinschaft zur Verfügung stellt.
Damit hoffen wir die Grundlage legen zu können, aus der für jeden Einzelnen der Sinn und die Kraft entsteht, das unmöglich Erscheinende zu versuchen.

Bedingungen zur Teilnahme

Die Ausbildung richtet sich an Menschen, die in unserer gegenwärtigen sozialen Lage etwas ändern wollen!
Erkenntnis kann man nicht kaufen. Es muss aber ein Freiraum geschaffen werden, in dem so eine Arbeit möglich wird. Wir sind also darauf angewiesen, dass es Menschen gibt, die unser Anliegen in der Erforschung und Verbreitung der Gedanken zum dreigliedrigen sozialen Organismus mittragen wollen. Anders ist diese Arbeit nicht möglich.

Diese Studienarbeit ist für uns nur sinnvoll und kräftemäßig machbar unter absoluter Verbindlichkeit der Teilnehmer (7-10). Wir möchten diese Verbindlichkeit nicht über einen Kursbetrag erzwingen. Wie sinnvoll Sie unsere Arbeit finden und wieweit Sie diese unterstützen können und wollen, ist Ihre Entscheidung. Es ist aber für alle Kursteilnehmer und Kursleiter nur möglich, eine wirkliche Kraft in der Arbeit zu entwickeln, wenn die Verabredung zu dieser Zusammenarbeit von Allen ernst genommen wird.
Um diesen Entschluss einer Zusammenarbeit auf 2 1/2 Jahre überhaupt zu ermöglichen, möchten wir die Interessenten vorher persönlich kennen lernen. Dabei werden wir mit ihnen schon im Vorfeld des Kurses einzelne inhaltliche Fragen bewegen. Sie können dabei eine Wahrnehmung unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten bekommen und wir erfahren, an welchen Stellen die Fragen des Einzelnen brennen.

Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Elisabeth Weber, sodass wir zusammen die gemeinsame Arbeit im Herbst 2017 vorbereiten können.

Elisabeth Weber, e-mail: elisabeth.weber@dreigliederung.org, Tel.: 0151 17562027