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- - Auszug - - ANARCHISMUS UND ANARCHISTENStellen aus dem Gesamtwerk Rudolf Steiners Zusammengestellt und kommentiert durch Sylvain Coiplet Deutsche AnarchistenMax StirnerMax Stirner hat sich selber nie als Anarchisten bezeichnet. Er macht sich - so viel ich bisher sehen konnte - nur einmal lustig über die weitverbreitete Angst vor der Anarchie. Erst John Henry Mackay hat sich, und zugleich Max Stirner, zum Anarchisten erklärt. Um sich von der damaligen Anarchismusbewegung zu distanzieren hat er seinen und Max Stirners Anarchismus näher präzisiert als «individualistischen Anarchismus». Die anderen Anarchisten seien eigentlich keine Anarchisten. Eine solche Zensur habe ich nicht geübt und anschließend an Max Stirner und John Henry Mackay auch andere Anarchisten in diese Sammlung aufgenommen. Kommentar: Steiner meint also schon durch «Wahrheit und Wissenschaft» und daher auch mit der «Philosophie der Freiheit» über Stirner hinauszugehen. Gibt ihnen eine naturwissenschaftliche Grundlage. Braucht nicht aus Angst vor Naturwisssenschaft in Willkür zu flüchten, da er das Allgemeine aus sich selber schöpft und daher zu einem Konkreten macht. Ist kein leeres Gefäß, kein Sklave, der sich nicht selber bestimmt.
Kommentar: Hier hat sich Steiner leider auf eine Behauptung der Schwester von Nietzsche verlassen müssen, die inzwischen eher für falsch gehalten wird.
Kommentar: Steiner sieht im Unterschied zu Mayreder die Naturnotwendigkeit nicht erst bei sich selber, sondern schon bei Nietzsche als überwunden an (siehe dazu unten unter dem Schlagwort «Stirner sucht Freiheit auf Kosten der Naturwissenschacht»).
Kommentar: Seitenblick auf Philosophie mittendrin in einer Beschreibung der Literatur (und des geistigen Leben) im 19. Jahrhundert.
Kommentar: Passage behandelt Autoren, die von sozialer Bewegung beeinflußt sind und sich von den klassischen rein künstlerischen Zielen entfernt haben.
Kommentar: In der Frage der Naturnotwendigkeit bei Nietzsche widerspricht er hier Rosa Mayreder, die sie erst bei Steiner überwunden sieht (siehe dazu oben unter dem Schlagwort «Mayreder: Stirner Philosoph bis zur Absurdität»)
Kommentar: Entwicklung erfolgt eben nicht kontinuierlich, sondern in Schüben, die lange vorbereitet werden. Interessant auch, daß Stirner die ersten Spuren seiner Weltanschauung gerade mit dem Deutschen gleichsetzt. Paßt nicht zur Art, wie John Henry Mackay den Deutschen das Anrecht auf Stirner abspricht (siehe oben das Schlagwort «Stirner von Deutschen vergessen, wenn nicht verloren»). Stellt das Deutsche wenigstens eine Vorstufe des Stirnerschen dar.
Kommentar: Soll man genauso so über Stirner hinausgehen?
Kommentar: Kropotkin vergißt Stirner, wenn er bei den Deutschen nur Faszination für den Staat sieht (siehe unten unter dem Namen «Kropotkin» das Schlagwort «Kriegsbriefe Kropotkins dumm materialistisch»)
Kommentar: Was führt zum Übergang ? Stirner selbst oder den Schluß, den andere aus seiner Weltanschauung gezogen haben (John Henry Mackay zieht sich zum Beispiel zurück aus der sozialen Frage) ? Oder liegt das Problem darin, daß ein Prinzip (wirtschaftliches bei Mach, geistiges bei Stirner) nicht nur auf einen Lebensbereich, sondern auf alle Lebensbereiche oder wenigstens auf einen falschen Lebensbereich bezogen wird ? Dafür spricht, daß auch von der sozialen Dreigliederung die Rede ist.
MackayJohn Henry Mackay zu den deutschen Anarchisten zu rechnen stimmt vielleicht nicht so ganz. Nimmt man es im Sinne von «deutschsprachig» ist es schon unproblematischer. Siehe auch oben unter dem Namen «Stirner» das Schlagwort «Stirner fehlt die Naturwissenschaft».
Siehe auch oben unter dem Name «Stirner» folgende Schlagworte: «Streben nach vollkommener Befreiung des Individuums» «Warten auf Herausgabe der Aufsätze Stirners» «Stirner von Deutschen vergessen, wenn nicht verloren» «Seligkeit der Befreiung, statt Kälte»
Der Inhalt der beiden Briefe ist auch abgedruckt in GA 39, S.368-373, 2/1987. Siehe auch oben unter Stirner: GA 32, S.223-226, 2/1971, 21.10.1898
Kommentar: Mit seinem Lob des einen Leben kann John Henry Mackay nichts damit anfangen, wenn Steiner später von Reinkarnation spricht. Tue dem anderen nicht, was du nicht möchtest, daß er dir antut, hier Gewalt. Gibt hier Steiner dem von ihm oft kritisierten kantischen Auspruch Recht? Oder wird er dadurch brauchbar, daß er nicht allgemein gehalten, sondern auf eine bestimmte Lage bezogen wird?
Siehe auch oben unter dem Namen «Stirner» das Schlagwort «Sprunghafte Entwicklung Stirners zum Einzigen».
Kommentar: Lindenberg (Rudolf Steiner RoRoRo S.59-60) meint, daß Steiner seine Ablehnung des wirtschaftlichen Liberalismus in frühen Jahren nicht deutlich genug macht. Hier ist Steiner noch mißverständlicher, als bei der Stelle, die Lindenberg dabei zitiert. Steiner kann aber nicht deutlicher werden, da er Verwaltung der Produktionsmittel zum Geistesleben rechnet. Er muß hier John Henry Mackay Recht geben, wenn auch nur «auf Zeit». Meint Steiner unter der «naturwissenschaftlichen Grundlage» Stirners (siehe oben unter dem Namen «Stirner» das Schlagwort «Stirner fehlt die Naturwissenschaft») den ersten Teil der Philosophie der Freiheit (Wissenschaft der Freiheit) oder das Kapital über den Darwinismus im zweiten Teil (Die moralische Phantasie - Darwinismus und Sittlichkeit?). Hier scheint er jedenfalls Darwinismus und Naturwissenschaft gleichzusetzen. Macht gerade diese Erwähnung der Übereinstimmung mit Darwin, daß das Buch «Die Philosophie der Freiheit» zum 19. Jahrhundert gehört? Gehört dann zur zweiten Hälfte, da Stirner aus erster Hälfte darin nicht erwähnt wird.
Siehe auch oben unter dem Namen «Stirner» die Stelle: GA 28, S.273-278, 8/1982, 1923-1925 GesellSilvio Gesell zu den Anarchisten zu rechnen ist nicht gerade üblich. Das soll Günther Bartsch erstmals gemacht haben. Silvio Gesell zu behandeln bietet sich aber desto mehr an, als seine Nähe oder Ferne zu Rudolf Steiner heiß umstritten ist. Sieht man davon ab, welche konkrete Grundlage Rudolf Steiner der Währung geben will, so scheint er durch seine Ablehung der Goldwährung mit Silvio Gesell einig zu sein. Eine Bestätigung dafür kann man sehen in einer Stelle der «Kernpunkte der soziale Frage». Dort spricht Rudolf Steiner ähnlich wie Silvio Gesell von einem Altern des Geldes.
Das Thema hatte Steiner schon früher mit Emil Molt, Roman Boos und Hans Kühn besprochen:
In späteren Vorträgen werden aber die Unterschiede zwischen sozialer Dreigliederung und Silvio Gesell, der ein sich abnutzendes "Freigeld" einführen wollte, immer deutlicher:
Wichtig für den Vergleich mit Silvio Gesell sind weiterhin Stellen, die sich um den Zins drehen, den Gesell abschaffen will. Dazu gibt es eine Stelle in den «Kernpunkten der sozialen Frage», die sich aber nur schwer aus ihrem Zusammenhang reissen läßt. Steiner beschreibt, wie das von einer Person verwaltete Kapital überleitet werden soll, sobald sie es nicht mehr verwaltet. Von diesem Kapital unterscheidet Steiner dann das persönliche Eigentum, das erst nach dem Tod überleitet werden soll. Zu diesem Anlaß spricht Steiner wiederholt von Zins.
Eine Stelle aus den "Leitsätzen zur Dreigliederungsarbeit" bestätigt, daß der Staat allgemein bei der Festsetzung des Zinses einzugreifen hat.
Aber auch die Assoziation, also die Wirtschaft selbst, wird als Lösung des Zinsproblemes angeführt:
Hier geht es wie in den Kernpunkten darum, den Zins oder seine Folgen in Schranken zu weisen. Woraus aber der Zins selbst entsteht, wird an einer anderen Stellte angedeutet. Hier antwortet Steiner auf eine Kritik seiner Zulassung des Zinses in den Kernpunkten (siehe oben das Schlagwort «Staatlich verfügter Abzug des rechtmäßigen Zinses»)
Nachvollziehbarer ist vielleicht die Stelle im Nationalökonomischen Kurs:
Russische AnarchistenBakuninSiehe auch unter dem Namen «Kropotkin» die Stelle in GA 93a, S.248-250, 1/1972, 4.11.1905
Das Zitat ist nicht von Bakunin. Es ist ein Gegenvorschlag von Mereschkowski zu Bakunin. Es ändert daher nichts daran, daß das Argument östlich ist. Es fragt sich nur, wie Steiner zum eigentlichen Zitat von Bakunin steht. Er hat auch das Unfreiheitliche des Christentums kritisiert, im Sinne von christlichen Bekenntnissen. Bleibt ein Unterschied zwischen Bakunin und der Philosophie der Freiheit? Frei sein oder frei werden. Nachfolger von Bakunin haben seinen Texte korrigiert und "sein" durch "sein soll" ersetzt. Wie wäre es mit "werden kann"? Hätte es Bakunin so aussprechen können? Gott müßte der Mensch immer noch abschaffen, um frei werden zu können. Das braucht aber Steiner nicht. Stimmt er hier überein mit Mereschkowski, der unterscheidet zwischen Gottgewalt und Christusliebe? Kropotkin
Daß Tiere ihr Gruppen-Ich im Astralischen haben, ist also nicht gleichgültig. Auch Gesamt-Ich der Menschheit im Astralischen. Einheit ist nicht nur eine Frage des Organismus, sondern hier eine Frage der Seele, die die Teile beherrscht. Vorläufig berechtigt ist nur der Einzelkampf, Gruppenkampf dagegen überholt. Blick für das Materielle hilft aber nicht nur zum Sonderdasein, sondern er fixiert sich auch auf aüßere Rassenunterschiede. Gefahr im Osten, die Sehnsucht nach Frieden auf die alten einzelnen Gruppenseelen, statt auf die Menschheit zu projektieren.
Polarität zwischen geistig und physisch Starken auch bei Rassen: Zwerge und Riesen, David und Goliath GA107, S.277-294. In dem Fall siegt der David. Nietzsche sieht aber schon die Polarität zwischen geistiger und physischer Stärke GA 5, S.160. Die Darstellung der Entwicklung der Gerichte deutet ihre spätere Zuordnung zum Geistesleben: Sachverstand. Dann nimmt er aber als Argument nicht mehr das Beispiel der Berufs- sondern der nationalen Differenzierungen.
Die Kritik Steiners an Kropotkin kann man sich wie folgt erklären: Kropotkin vergesse Stirner und seine Ablehnung des Staates, wenn er in seinen Kriegsbriefen bei den Deutschen nur Faszination für den Staat sehe (siehe oben unter dem Namen «Stirner» das Schlagwort «Staat den Deutschen Gott oder Dreck») und deswegen Partei für die Entente nimmt. Man muß aber der Vollständigkeit halber erwähnen, daß Stirner dem Kropotkin nicht unbekannt gewesen ist. Als erster unter den Anarchisten hat Kropotkin sich mit der Geschichte des Anarchismus auseinandergesetzt. Seine Einschätzung von Stirner ist dabei zwiespältig: Er lehne zwar den Staat ab, würde aber zum Teil Ziel verfolgen, die einen Staat voraussetzen; seine Ablehnung des Staates sei damit inkonsequent. Eine andere Frage ist, was die Kriegsbriefe Kropotkins mit Materialismus zu tun haben. Die in diesen Briefen enthaltene Kritik an Hegel und Marx hat vielleicht insofern mit Materialismus zu tun, weil er nur einen Gesichtspunkt gelten lassen kann, den antistaatlichen. Hegel - Marx und Stirner ergänzen sich aber nach Meinung Steiners.
Hertwig sollte man mit Kropotkin vergleichen, da beide den Ursprung der menschlichen Moral durch das tierische Gemeinschaftsleben erklären. Sehen beide keinen prinzipiellen, sondern nur graduellen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Bakunin begeistert sich dagegen für den tierischen Ursprung des Menschen, schließt aber daraus, daß der Mensch das Gegenteil des Tieres ist.
Französische AnarchistenProudhon
Kommentar: Damit läßt sich der Vorschlag Proudhon einer Zweigliederung in eine politische und eine wirtschaftliche Föderation besser einschätzen. Syndikalisten
Kommentar: Interessant ist auch die Zuordnung des Geisteslebens zum Anarchismus. Zur Stellung Steiners dazu siehe den Titel «Anarchismus und Geistesleben».
Kommentar: Sehen französische Syndikalisten auch ansatzweise ein, daß die Arbeitszeit rein demokratisch und nicht im unmittelbaren Wettstreit mit den Unternehmern bestimmt werden sollte. Haben Sie darin eine Aufgabe der von ihnen unabhängigen sozialistischen Partei gesehen?
Anarchismus und Geistesleben
Zur Zuordnung des Geisteslebens zum Anarchismus siehe auch oben unter dem Titel «Französische Anarchisten» und Untertitel «Syndikalisten» das Schlagwort «Conradt: Syndikalisten gelten als Spaltpilze»
Anarchismus und Wirtschaftsleben
Anarchismus und Staatsleben |
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