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Dialogische Schulführung als zentrales Anliegen

28.03.2006 - NNA Nachrichten

Pädagogische Akademie am Hardenberg-Institut fand großen Anklang

HEIDELBERG (NNA). Die neue pädagogische Akademie am Hardenberg-Institut will Menschen zusammenbringen, die dezentral „am geistigen Impuls der Waldorfpädagogik arbeiten“ und die auch „zusammen finden“ wollen. Dies betonte der Gründer des Instituts, Karl-Martin Dietz vor rund 100 Menschen, die zur Eröffnung der Akademie Anfang März nach Heidelberg gekommen waren. Die Akademie solle keine Institution sein, an der „Gefundenes gelehrt werde“, betonte Dietz. In vier Impulsreferaten wurden die zentralen Themen der Akademie angesprochen. So diente der Samstag vor allem als Auftakt der Zusammenarbeit.

Mona Doosry, Deutschlehrerin an der Waldorfschule Hamburg-Farmsen stellte anhand eines Gedichtes einer ihrer Schülerinnen die Frage nach der Wesensbegegnung mit heutigen Jugendlichen. In der Akademie sollen auch Probleme des Jugendalters und der Jugendpädagogik aufgegriffen werden.

Jürgen Paul, Klassenlehrer an der Waldorfschule Heidelberg, befasste sich mit den zunehmenden Problemen in der Selbstverwaltung und im Geistesleben der Waldorfschulen und lenkte den Blick einerseits auf die Individualität der Mitarbeiter, andererseits aber auch auf die dafür notwendige geistige Empfänglichkeit. Thomas Kracht, Hardenberg Institut, betrachtete das Denken der Individualität in Hinsicht auf Schulung und Fähigkeitsbildung. Karl-Martin Dietz forderte die Aufmerksamkeit zum Thema ‚Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern’ mit der These: Das Verständnis der Eltern für die Pädagogik der Schule gewährleistet die Existenz der Schule. Er stellte die Arbeitsfrage: Wie kommt das Initiativprinzip auch von Seiten der Eltern in die Gemeinschaft hinein?

Im Plenum zeigte sich, wie intensiv an den angesprochenen Fragen weitergearbeitet worden war: Welche Ebenen der Wesensbegegnung gibt es? Wie sind sie zu gestalten gegenüber verschiedenen Altersstufen in der Pädagogik? Wie kommen wir zu Ideen? Wie werden wir fähig dazu? Wie bilden wir Empfänglichkeit und Geistesgegenwart aus? Wie muss Selbstverwaltung in Bezug auf Individualität, Produktivität und Empfänglichkeit gestaltet werden? Dies waren nur einige der dort zusammengetragenen Fragestellungen.

Außerdem ging es auch um den Abbau der gegenseitigen Ängste von Eltern und Lehrern sowie um die Forderungen, die an den Schulen an Eltern Lehrer und Schüler gestellt werden. Heinz Zimmermann, Mitglied des Vorstands am Goetheanum bezeichnete in seinem Vortrag zum gesellschaftlichen Impuls der Waldorfpädagogik die individuelle Produktivität als wichtigste Bedingung für ein fruchtbares Geistesleben.

Jürgen Paul stellte das vor kurzem erschienene Buch von Karl-Martin Dietz „Dialogische Schulführung an Waldorfschulen“ vor, das zentrale Anliegen der Pädagogischen Akademie behandelt. Weil in der Selbstverwaltung alles auf die Individualität und ihre geistigen Impulse ankomme und weniger auf Techniken, Rezepte und Strukturen, sei das Buch eine „Menschenkunde der Selbstverwaltung und Individualitätsentwicklung“.

Die Organisation des Tages lag in den Händen von Viviana Alvarez, für das musikalische Programm sorgte das Trio Saitensprünge aus Hamburg. Die ehemaligen Waldorfschülerinnen Lea Grandt; Kaja und Birte Fuchs verstanden es, durch ihr Spiel und ihre Stückeauswahl die Eröffnung der Akademie schwungvoll zu begleiten.

Die Gründung geht nach Angaben des Instituts auf einen Menschenkreis zurück, der sich spontan nach einer öffentlichen Veranstaltung des Instituts zur Dialogischen Kultur 2002 gebildet hat.. Die kollegiale Selbstverwaltung der Waldorfschulen sei eine der „großen Errungenschaften des 20.Jahrhunderts“, heißt es in einer Veröffentlichung des Hardenberg-Instituts dazu. Nun komme es darauf an, entsprechende Fähigkeiten dafür zu entwickeln.

Dem Akademiekreis gehören zur Zeit Viviana Alvarez, Thomas Diener, Karl-Martin Dietz und Jürgen Paul (alle Heidelberg) an, außerdem Mona Doosry und Gundel Fuchs (beide Hamburg), Heinrich Kruckelmann (Engelberg) und Martin Wienert (Witten). Im April, Mai und Oktober sind verschiedene Veranstaltungen und Seminare zum Thema Selbstverwaltung geplant.

Literaturhinweis: Karl-Martin Dietz Dialogische Schulführung an Waldorfschulen“ -Spiritueller Individualismus als Sozialprinzip (MENON Verlag, Heidelberg 2006).

Links und Kontakt: www.hardenberginsitut.de

alvarez@hardenberginstitut .de

Quelle: NNA