blog   newsletter   suche   kontakt   impressum 
  

 

Weltgipfel des Fairen Kaffeehandels

Minister Spranger ermutigt Fairen Handel / Kleinbauern aus 18 Ländern schlagen eine gemeinsame Nord-Süd-Umweltstrategie vor

Tutzing, 3. Juni 1997

"Ihr Konzept beweist, daß entwicklungspolitisch sinnvolles Handeln und privatwirtschaftliches Eigeninteresse durchaus miteinander vereinbar sind." Im Rahmen der offiziellen Eröffnung des "Weltgipfels des Fairen Kaffeehandels" in Tutzing lobte Bundes-Entwicklungshilfe-Minister Carl-Dieter Spranger den TRANSFAIR-Ansatz und lud gleichzeitig zu einer engeren Zusammenarbeit ein: "Wir sollten von unseren Erfahrungen lernen und uns gegenseitig unterstützen und ergänzen."

Von den Erfahrungen lernen und sich gegenseitig unterstützen - das ist auch eines der wichtigsten Ziele auf der noch bis zum 6. Juni in Tutzing am Starnberger See stattfindenden Produzentenversammlung des Fairen Kaffeehandels. Knapp 50 Vertreterinnen und Vertreter von Genossenschaften aus 18 wichtigen Kaffeeländern Afrikas und Lateinamerikas treffen sich dort auf Einladung der europäischen Fair-Handels-Initiativen TRANSFAIR, Max Havelaar und FairTrade Foundation mit Importeuren, Röstern und internationalen Entwicklungs-Experten.

Schon im Vorfeld für Gesprächsstoff sorgte dabei der Vorschlag lateinamerikanischer Bauernorganisationen, sich auf eine gemeinsame Umweltschutz-Strategie im Süden und Norden zu einigen: Weil sie selbst am stärksten vom Raubbau der natürlichen Ressourcen in ihren Heimatländern betroffen sind, wollen sie selbst aktive Umweltschutzprojekte starten und sich in einer Art Selbstverpflichtung auf möglichst umweltschonende Anbaumethoden beschränken. Allerdings fordern sie die Verbraucherländer im Norden auf, diese Anstrengungen entsprechend zu unterstützen - beispielsweise durch eine bessere Kontrolle von Spritzmittelexporten und Giftmüll-Verladungen in die "Dritte Welt".

Vor allem aber fordern die Kleinbauern auch auskömmliche Preise für ihr Exportprodukt Kaffee. "Es hilft uns nicht, wenn wir zwar umweltverträglich produzieren, die Verkaufserlöse aber nicht mal ausreichen, um unseren Kindern Schulhefte zu kaufen", so Ovidio Lopez, Generalsekretär der lateinamerikanischen Kaffeebauern-Dachorganisation und gleichzeitig Vorstandsmitglied von TRANSFAIR Deutschland. Entsprechend deutlich formulierten die Produzentenvertreter gleich zu Beginn der Tagung ihre Hoffnung, daß der Faire Handel mit seinen klar definierten und für alle Seiten transparenten Kriterien weitere Wachstumszahlen erzielen möge.

Auch Entwicklungshilfe-Minister Carl-Dieter Spranger ermutigte die europäischen Siegelinitiativen, die Herausforderungen anzunehmen: "Millionen von Verbrauchern beweisen, daß ihnen das Schicksal der Menschen in den Entwicklungsländern nicht egal ist: Sie sind bereit, für Produkte mit dem TRANSFAIR-Siegel tiefer in die Tasche zu greifen."