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Billiger Kaffee macht arm

Kleinbauernfamilien in Übersee stehen vor dem Ruin: Dramatischer Preisverfall an den Rohstoffbörsen / Fairer Handel federt die schlimmsten Folgen ab / Jede(r) kann zur Fair-Änderung beitragen

Köln, 18. September 1998

Billiger Kaffee macht arm. Denn während hierzulande über die Gefahr einer drohenden Weltwirtschaftskrise orakelt wird, stehen die kaffeeproduzierenden Länder in Lateinamerika und Afrika nach den jüngsten Purzelbäumen an den internationalen Börsen bereits kurz vor dem Ruin. Besonders betroffen sind Abertausende von kleinbäuerlichen Familien, die auf Gedeih und Verderb vom Verkauf ihrer qualitativ meist besonders hochwertigen Kaffeebohnen abhängig sind. "Jetzt zeigt es sich wieder, wie wertvoll der Faire Handel gerade für diese besonders benachteiligten Produzentengruppen ist", so Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair e.V., dem Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der "Dritten Welt".

Kaum ein Jahr lang hatten die kaffeeproduzierenden Länder einigermaßen auskömmliche Export-Einnahmen erzielt, jetzt ist alles wieder dahin: Heimlich, still und leise sanken die Börsenkurse für Rohkaffee nach einer hochspekulativen Hochpreis-Phase innerhalb weniger Wochen um über 50 Prozent: Im Jahresdurchschnitt 1997 lag der Börsenkurs für Rohkaffee umgerechnet aufs Pfundpäckchen Röstkaffee bei knapp 4,90 DM, in den letzten Tagen sank er auf 2,30 DM.

Doch selbst davon bleibt den Bauernfamilien vor Ort nur ein Bruchteil: Sie sind in der Regel von Zwischenhändlern und Aufkäufern der großen Kaffee-Konzerne abhängig. Ganz anders als bei Kaffee mit dem TransFair-Gütesiegel für kontrolliert Fairen Handel: Hier werden nicht nur deutlich über dem Börsenkurs liegende Preise bezahlt, sondern der Kaffee wird auch direkt bei den jeweiligen Kleinbauerngenossenschaften vor Ort eingekauft. "Natürlich können wir mit unserem Ansatz nicht ganze Volkswirtschaften retten - aber wir können zumindest einen konkreten Beitrag dazu leisten, daß die katastrophalen Folgen der Krise für die ohnehin benachteiligten Kleinbauernfamilien etwas abgemildert werden", so TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath.

Und jeder einzelne Verbraucher bzw. jede einzelne Verbraucherin hier in Deutschland kann diesen Ansatz beim täglichen Einkauf unterstützen - inzwischen gibt es an die 50 verschiedene qualitativ hochwertige Kaffee-Sorten mit dem TransFair-Siegel. "Kaffee, aber auch andere Waren wie Tee, Honig, Schokolade, Bonbons oder Bananen aus Fairem Handel können natürlich nicht zu Lockvogelpreisen im Super-Sonderangebot verschleudert werden," so Dieter Overath weiter. Dass den fair handelnden Kaffeeröstern deshalb auf dem hart umkämpften Markt in jüngster Zeit ein besonders rauher Wind entgegenbläst, will er denn auch gar nicht verheimlichen.

Konkret liegt der Preisunterschied gegenüber herkömmlich gehandeltem Kaffee vergleichbarer Qualität jedoch gerade mal bei rund zwei Pfennig pro Tasse. "Wenn Worte wie Solidarität oder christliche Verantwortung für die Eine Welt, die Ächtung von Kinderarbeit oder das Bemühen um eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik nicht zu hohlen Phrasen verkommen sollen, sind diese zwei Pfennige eigentlich kaum zu viel verlangt," so der Vorsitzende der gemeinnützigen Siegel-Initiative Jürgen Hammelehle (Brot für die Welt) abschließend.